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Veröffentlicht am 29.11.2024

Berührende Geschichte

Das kleine Café der zweiten Chancen
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„Das kleine Café der zweiten Chancen“ von Shiori Ota, aus dem Japanischen von Anemone Bauer.
Verlag: Droemer

Die Autorin schreibt einen berührenden Roman über ein kleines, unglückliches Mädchen, welches ...

„Das kleine Café der zweiten Chancen“ von Shiori Ota, aus dem Japanischen von Anemone Bauer.
Verlag: Droemer

Die Autorin schreibt einen berührenden Roman über ein kleines, unglückliches Mädchen, welches eine großartige Klavierspielerin werden sollte. Als kleines Kind konnte das Mädchen, Himari Misaki, nach Gehör alles nachspielen und wurde ein „Wunderkind“ genannt. Klavierspielen machte ihr Spaß, aber leider verlor sich ihre Gabe nach der Grundschule.
Die Mutter weigerte sich, dies hinzunehmen und schickte das kleine Mädchen alleine nach England in ein Musikinternat. Bis ein schrecklicher Unfall passierte, welcher dem Mädchen die Finger der linken Hand fast abriss. Die Finger konnten angenäht werden, doch eine Karriere als Klavierspielerin war vorbei. Das Mädchen durfte wieder zurück zu ihrer Mutter nach Japan reisen.

Der erste Tag in der neuen Schule verunsicherte das Mädchen. Auf dem Schulweg kam sie mit einer sonderlichen alten Frau ins Gespräch. Diese machte ihr Mut und der erste Schultag wurde wider Erwarten gut. Das Mädchen wollte die alte Dame Sugiura-san wieder besuchen, aber anstatt deren Haus, findet sie einen Parkplatz vor. Sie erinnert sich daran, dass die Dame von einem Café sprach und machte sich auf die Suche.

Tase Hayari und Herr Higure führen gemeinsam das Café Tacet, in welchem man bei einem „French Press“, ein Kaffee, der nach dem berühmten Werk 4‘33 von John Cage benannt wurde, in die Vergangenheit reisen darf. Die Mischung ist perfekt für diese Zeitspanne, das heißt in 4 Minuten und 33 Sekunden hat man Zeit, die Vergangenheit zu ändern.

Der erste Kaffee geht an Herrn Kobayashi, der Zeit seines Lebens und vor allem im Leben seiner Frau versäumte, ihr den Wunsch nach einem Blumenstrauß zu erfüllen. Heute bringt er Blumen an ihr Grab und grämt sich, dass er ihr den Wunsch nicht erfüllte.

Der zweite Kaffee geht an eine wunderschöne, jedoch verbitterte Frau, die sehr abfällig über andere spricht.

Die dritte Tasse bekam die Konditorin Frau Takanashi, die zwecks falschen Kindheitserinnerungen und einem toxischen Elternhaus, schmerzlich ihre Mutter vermisst.

Die vierte Tasse bekam Ryuta, der Bruder ihrer Freundin Tsukko Kazami und mit dieser Reise veränderte sich alles für das Mädchen Himari. Denn auch sie ist eine „Zeitwächterin“ , die selbst ihre Vergangenheit nicht ändern kann und auch in andere Vergangenheiten nicht eingreifen soll.
Was dies für Auswirkungen haben kann, werden ihr schmerzlich aufgezeigt.

Poetisch und ruhig erzählt Shiori Ota über die verschiedenen Schicksale und deren Verlangen, etwas zu verändern oder eben nicht. Nicht jeder will die Zukunft ändern, wenn er Gelegenheit dazu hat. Sehr atmosphärisch wird das Café und dessen Besitzer:in beschrieben. Die Charaktere der einzelnen Personen konnte die Autorin feinfühlig und intensiv beschreiben.
Der Roman inspiriert die Leser:in über Versäumnisse nachzudenken. Kleine Entscheidungen können uns einen ganz anderen Weg aufzeigen.
Die Autorin verarbeitet mit der Reise in die Vergangenheit die Gefühle der Reue, des Schmerzes und der Ängste. Eine Veränderung in den 4 Minuten und 33 Sekunden ergeben in der Gegenwart ein anderes Leben. Nichts bleibt, wie es war und auch diese Einmischung in das vergangene Leben sollte wohl überlegt sein. In klaren Worten und kurzen Sätzen nimmt uns die Autorin mit auf eine wundervolle, berührende Reise. Wäre es wirklich wünschenswert die Vergangenheit zu ändern?

Als Leser:in roch ich den bitteren Kaffeeduft, konnte mich im Café wohlfühlen und die Atmosphäre aufsaugen und doch wünschte ich mir, mehr über die einzelnen Protagonisten und das Mädchen mit der „kaputten“ Hand zu erfahren.

Ein Leseerlebnis, welches zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 28.11.2024

Gemeinsam durch den Sturm

Das Fest
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„Das Fest“ von Lucy Fricke wurde in 2 Stunden und 41 Minuten von Bettina Hoppe gelesen.
Verlag: Hörbuch Hamburg

Mit dieser bezaubernden Geschichte bringt uns die Autorin das Leben von Jakob, dem arbeitslosen ...


„Das Fest“ von Lucy Fricke wurde in 2 Stunden und 41 Minuten von Bettina Hoppe gelesen.
Verlag: Hörbuch Hamburg

Mit dieser bezaubernden Geschichte bringt uns die Autorin das Leben von Jakob, dem arbeitslosen Filmregisseur näher. Seine jahrelange, beste Freundin Ellen plant für Jakob ein ganz besonderes Fest.
Er möchte seinen 50. Geburtstag nicht feiern; er ist nun alt, single, arbeitslos.
Pessimistisch und ohne Perspektive steckt Jakob in seinem
Leben fest.
„Was gibt es da zu feiern?“

Und doch plant Ellen einen besonderen Geburtstag, um Jakob auf das lebenswerte Leben hinzuweisen. Sie hat einen Plan und hofft inständig, dass dieser aufgeht.
Zufällige Begegnungen mit Menschen aus seiner Vergangenheit gehen Hand in Hand.
Sein Tag lässt seine Welt langsam wieder anders aussehen und trotz seinem Alter, seinem geschundenen Körper und seiner erfolglosen Zeit, beginnt er diesen Tag zu genießen.

Seine Werte überdenken, seine Vergangenheit anzunehmen und die Menschen zu würdigen, die sein Leben geprägt haben. Dies alles lernt Jakob an diesem besonderen Tag und stellt fest, dass die wahre Konstante in seinem Leben seine beste Freundin Ellen ist.
Ohne sie, wird ihm klar, hätte er diesen Tag niemals erlebt.

Lucy Fricke schafft es, mich als Hörerin in die kurzweilige Geschichte
zu ziehen. Die Verluste und Ängste der Vergangenheit gemeinsam mit Jakob zu meistern.

Auch wenn die Geschichte nicht wirklich realistisch ist, fühlt man als Hörer:in eine Sehnsucht nach solch einem besonderen Tag mit Menschen aus der Vergangenheit, die uns viel bedeuteten.

Freundschaften und Beziehungen zu ihm sehr wichtigen Menschen werden aufgearbeitet, Jakob bereut so manches, auch seine guten Freunde im Leben verloren zu haben. Manchmal durch sein Verschulden, manches Mal durch das Schicksal.
Er freut sich über das Verständnis der Menschen und bittet so manchen um Verzeihung. Nicht alles war gut, wie es war und doch ist es sein Leben.

Die Sprecherin konnte die melancholische Stimmung sehr gut einfangen; ihre besondere Art, diese Geschichte vorzutragen hat mich fasziniert und begeistert.
Die Autorin hat mit diesem Werk ein tiefgründiges Thema über das Leben, die Ängste, Verluste, aber auch Dankbarkeit, Liebe und Hoffnung erschaffen.

Mit ihrer klaren Ausdrucksweise, der authentischen Darstellung des Protagonisten und die starken Worte, um die Emotionen, die Jakobs Lebenskrise widerspiegeln zu beschreiben, zeigt uns die Autorin, wie Leben ist und Leben sein kann.

Ein starkes, berührendes Hörbuch.
Wunderbar geeignet als Geschenk für Menschen zum 50. Geburtstag und für alle, die über die Vergangenheit nachdenken und die Zukunft leben möchten.

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Veröffentlicht am 19.11.2024

Pageturner

Bevor es geschah
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„Bevor es geschah“ von Celine Spierer
Verlag: Kein & Aber
Triggerwarnung: sexueller Missbrauch (beim ebook nicht vermerkt)

Das Buch beginnt mit einer Tragödie beim Familien-Barbecue im Hause Haynes. ...

„Bevor es geschah“ von Celine Spierer
Verlag: Kein & Aber
Triggerwarnung: sexueller Missbrauch (beim ebook nicht vermerkt)

Das Buch beginnt mit einer Tragödie beim Familien-Barbecue im Hause Haynes. Die vier Geschwister samt Partner:innen und Kindern kommen auf dem Anwesen der Mutter zu dem jährlichen Barbecue, veranstaltet von Jacquelyn der ältesten Tochter, zusammen.

Die privilegierte Familie behält Geheimnisse seit Jahrzehnten für sich; jeder hat sein Päckchen zu tragen und ganz voran Elisabeth, die kühle, distanzierte Mutter.

Der Familienroman wechselt zwischen Zeiten und Perspektiven. Die Konflikte innerhalb der Familie scheinen unüberwindbar; das komplexe Zusammenspiel der Ereignisse aus der Vergangenheit bis in die Gegenwart zeichnen diesen exzellenten Roman aus.

Beim Eintreffen der Geschwister in ihrem Elternhaus ist die Spannung spürbar.
Rose, eine sehr schillernde und freizügige Frau, versucht Gelassenheit durch Alkohol und einen Joint zu erlangen. Jacquelyn möchte durch das Anordnen und Servieren der Speisen ihrer Person Aufmerksamkeit geben, sie ist die ruhige, besonnene, unscheinbare und immer hilfsbereite Tochter. Winston, nach dem frühen Tod des Vaters, das Familienoberhaupt nach der Mutter, trägt ein Geheimnis mit sich, dass er als Richter nicht nur seinem Arbeitgeber, sondern auch seiner Frau verheimlicht. Das Grauen vor dem BBQ ist nebensächlich im Vergleich zur Aussprache mit seiner Frau Mathilde. Nur sein kleiner Sohn Thomas freut sich auf das verwinkelte Anwesen der Großmutter. Dort gibt es so viel zu entdecken.
Sean ist der unbedarfte Sohn oder auch Nichtsnutz der Familie Haynes. Sein Erfolg besteht aus Lug und Betrug.

Auch Elisabeth hat vieles vor ihren Kindern zu verbergen, sie hat gravierende Fehler gemacht und war zu kalt und distanziert. Kann und will sie sich dies eingestehen? Oder wird sie auch im Alter nur tun was ihr gefällt?

Fesselnd verfolgt man als Leser:in die Geschehnisse der Vergangenheit, die unglaubliche Schuld mancher Familienangehöriger und deren Kunst, dies in den Tiefen der Familiengeheimnisse untergehen zu lassen. Die Ignoranz, das unfassbare Grauen aufgrund des Ansehens der Familie zu vertuschen und alle Schuld zu leugnen.

Die Autorin zeichnet eine authentische Tragödie einer angesehen Familie. Die Protagonisten wurden charakterstark beschrieben, die Szenen sehr realistisch dargestellt und emotional wurde ich als Leserin komplett abgeholt. In ihrem flüssigen, klar strukturierten Schreibstil zieht die Autorin die Leser:innen in den Bann. Das Versagen der Eltern, ihre Kinder zu beschützen, ihnen beizustehen, zu vertrauen, zu glauben und zuzuhören ist Thema in diesem Eltern-/Geschwisterkonflikt.

Die Geheimnisse der einzelnen Personen und/oder deren Schicksalsschläge lassen diese nicht los und beeinflussen ihr Leben. Céline Spierer schreibt über Ansehen, Macht und Vertuschungen in den besten Häusern. Nichts soll das gute Ansehen der Familie gefährden, alle Anschuldigungen werden vom Tisch gewischt und niemand wagte es, gegen diese Regeln zu verstoßen.

Ein Barbecue, welches nach und nach die Ereignisse aufzeigt. Kann jeder mit der Wahrheit umgehen? Oder ist es besser die Geheimnisse zu wahren.

Ein Thriller oder ein Familienroman? Auf jeden Fall ein Pageturner!
Klare Leseempfehlung.




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Veröffentlicht am 19.11.2024

Emotionales Hörbuch

Dem Sturm entgegen
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„Dem Sturm entgegen“ von Cecelia Ahern, Übersetzer: Ute Brammertz und Carola Fischer; gelesen von Sandrine Mittelstädt. 

Verlag: Osterwold Audio

Dauer: 11 Stunden 27 Minuten

Der Schicksalsroman von ...

„Dem Sturm entgegen“ von Cecelia Ahern, Übersetzer: Ute Brammertz und Carola Fischer; gelesen von Sandrine Mittelstädt. 

Verlag: Osterwold Audio

Dauer: 11 Stunden 27 Minuten

Der Schicksalsroman von Cecelia Ahern berührt mich als Hörbuchhörerin und die tiefen Emotionen von Schuld, Verlust und Trauer sind greifbar.

Die Ärztin Enya ist mit ihrem Fahrzeug in einer Dezembernacht auf dem Nachhauseweg. Es regnet, die Sicht ist auf der kurvenreichen Straße sehr schlecht. Ein Mann winkt plötzlich auf der verlassenen Bergstraße, ein Junge liegt verletzt auf der Strasse. Enya versucht den Jungen, der sie unglaublich an ihren Sohn Finn erinnert, wiederzubeleben. Der Teenager liegt nun im Koma. 


Man fahndet immer noch nach dem flüchtigen Fahrer.

Enya wird seit dieser Nacht von heftigen Emotionen überwältigt, die Vergangenheit holt sie ein und ihre Ängste lassen die Ärztin fliehen.

Enyas Mutter ist mit 47 Jahren beim Schwimmen im Meer an einem Herzinfarkt gestorben. Sie selbst ist bald in diesem Alter und kämpft mit ihren Ängsten: Wird sie auch sterben? Wie kann sie ohne den Wegweiser, dem Vorbild ihrer Mutter weiterleben?

Diese Ängste schnüren ihr die Kehle zu, sie bekommt keine Luft und Panikattacken breiten sich in ihr aus. Um den vermeintlichen Verlust für ihre geliebten Menschen erträglich zu machen, zieht sich Enya vorsichtshalber zurück.

In einem Dorf wird dringend Ersatz für eine Landarztpraxis gesucht. Ihr Vorgänger überlässt ihr sein Haus mit einem uralten Rag Tree Baum. Der irische Wunschbaum zieht Menschen aus allen Teilen der Welt an und die irischen Traditionen veranlassen Enya, sich der Vergangenheit und dem Verlust ihrer Mutter zu stellen. Diese war tief verwurzelt mit der Spiritualität der irischen Mythologie.

Auf dem Weg durch die Trauer, der Ängste und auch der Hoffnung findet Enya einen Weg, ihren Sohn wiederzugewinnen. Dieser lebt bei seinem Vater in Dublin und er versucht ihn vor Enya zu beschützen, von ihren Panikattacken fernzuhalten. Und doch geht er einen Schritt zu weit, Finn ist kein Kleinkind mehr. Er kann ihn nicht von seiner Mutter fernhalten, nicht sein Leben koordinieren.

Finn trägt ein schrecklich belastendes Geheimnis in sich und besucht seine Mutter.
Oder ist er nur wegen dem Rag Tree gekommen? Er fleht den Baum an, seinen Wunsch zu erfüllen. Dieser hat mit dem verletzten Jungen, seinem Klassenkameraden Ross zu tun.

Tiefgründig und sehr sensibel werden die Themen Trauer, Verlust und Ängste in diesem stürmischen, emotionalen Buch behandelt. Hoffnung, Vertrauen und Mut wird aufgezeigt und nur die Wahrheit wird inneren Frieden bringen. Jedes Geheimnis und jedes verschwiegene Wort zieht uns in ein Konstrukt aus Lügen, welches uns immer tiefer ins Dunkel zieht.

Die Autorin versteht es fabelhaft die Geschehnisse fesselnd und detailliert mitzuteilen. Der flüssige, packende Schreibstil und die warme, angenehme Stimme von Sandrine Mittelstädt lassen mich als Hörerin nicht los. Obwohl es immer wieder düstere Abschnitte gibt, konnte Cecelia Ahern die Hoffnung immer wieder durchscheinen lassen.

Ein berührendes, emotionales (Hör-)Buch, welches ich gerne empfehle.

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Veröffentlicht am 11.11.2024

Außergewöhnliches Buch

Es sind nur wir
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„Es sind nur wir“ von Martin Peichl
Verlag: Haymon
In diesem Roman, erzählt in der Ich-Form des namenlosen Protagonisten, handelt von einem Informatik-Lehrer, der durch den Suizid seines Schülers Paul ...

„Es sind nur wir“ von Martin Peichl
Verlag: Haymon
In diesem Roman, erzählt in der Ich-Form des namenlosen Protagonisten, handelt von einem Informatik-Lehrer, der durch den Suizid seines Schülers Paul aus der Bahn geworfen wird. Seine Schuldgefühle und seine Trauer nehmen überhand, sein Leben wird immer ausschweifender. Er beginnt abstruse Affären, setzt Sex-Beziehungen unter Alkoholeinfluss fort und überlebt als Entwickler von Computerspielen. Auch arbeitet er sporadisch an einem „Wörterbuch der Verluste“ , welches er auf Karteikarten festhält. Er versucht herauszufinden, auf wie viele Arten man scheitern kann.
Mascha ist Biologin und Prepperin; sie breitet sich in einem Haus mit Bunker am Waldrand auf das Unausweichliche vor.
Eine Füchsin besucht Mascha, das Haus und ihn. Die Füchsin kommt und geht, Mascha beschützt das Tier vor Jägern und die drei gehen eine ungewöhnliche Beziehung ein. Er kommt immer wieder zurück zu Mascha. Ihre Art, ihre Gedanken und unrealistischen Aktionen lassen ihn nicht mehr los. Die beiden ziehen sich immer öfter zurück in das Haus, in den Bunker.
Zwischenzeitlich leert sich die Wohnung unseres Ich-Erzählers in der Stadt; sein Besitz wird immer weniger, nur seine sexuellen Ausschweifungen kann er noch nicht unterbinden.
Der Autor beschreibt in poetischer Sprache ein Szenario des Verlustes, der Obsession und der Trauer. Über eine Welt, die wir nicht sehen möchten; von den Tieren und ihrem Nutzen. Er beschreibt den Kreislauf des Lebens in einer Welt voller Katastrophen, Krisen, Ängsten und Verlusten. Real und surreal wird in flüssigem Schreibstil erzählt, Kapitel um Kapitel zieht uns der Autor in den Bann dieser unglaublichen, fantastischen und zugleich surrealen Geschichte.
Mascha und der Lehrer finden auf ihre Art zusammen und nur die Füchsin findet noch den Weg zu den beiden. Überlebt der namenlose Protagonist den angeblichen Weltuntergang? Nur die Füchsin erhält Gewissheit, doch kratzt die tagelang an der Metalltür und niemand öffnet.
Zwischendrin spürt man die Liebe des Erzählers zur dementen Mutter, zu den Frauen in seinem Leben und Paul, dem jungen, der zu früh gestorben ist.
Martin Peichl beschreibt uns einen Alltag mit Verlusten, den aktuellen Themen des Klimawandels und das politische Geschehen mit seinen Kriegen auf der Erde. Das Ende lässt der Autor geschickt offen, die Gedanken der Leser:innen sind frei und man spekuliert, was nun tatsächlich geschah.
„Wie aber nennt man Das Gegenteil von Massenhysterie, wenn die Welt jeden Tag ein Stück weiter untergeht, wir unbeirrt weitermachen mit dem, was schon seit Jahren nicht mehr funktioniert, wie nennt man diese Ruhe, auf die kein Sturm folgt, nur noch Stille, wie? Vielleicht haben wir noch nicht die Sprache gefunden für das, was uns bevorsteht.“ (Seite 49)
Sehr beeindruckend erzählt mit einem eigenwilligen, unterhaltsamen Schreibstil fesselt der Autor die Leser:innen an die Erzählung.
Realität oder traumhaft-unwirklich, wer kann das schon beurteilen. Mir liegt es fern, hier eine Wahrheit zu finden; ich kann nur sagen, es ist ein außergewöhnliches Buch.

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