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Veröffentlicht am 28.07.2024

Bezauberndes Kinderbuch

Die dicke Hummel Doris
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“Die dicke Hummel Doris” von Uwe Krauser ist ein wunderschönes Kinderbuch mit einer großartigen Botschaft, welches mit den bezaubernden Illustrationen von Franziska Frey die großen und kleinen Leser:innen ...

“Die dicke Hummel Doris” von Uwe Krauser ist ein wunderschönes Kinderbuch mit einer großartigen Botschaft, welches mit den bezaubernden Illustrationen von Franziska Frey die großen und kleinen Leser:innen begeistert.
Das großartige Cover macht bereits neugierig auf die dicke Hummel Doris.
Die Illustrationen von Franziska Frey sind sehr schön und vor allem Kind gerecht. Die beschriebenen Situationen werden mit den stimmigen und bunten Farben perfekt eingefangen. Großartig sind vor allem auch die detailgetreuen Darstellungen, welche sich durch das Kinderbuch ziehen.
Uwe Krauser zeichnet mit seiner sympathischen dicken Hummel Doris ein wundervolles Porträt einer zufriedenen kleinen Hummel und seine Botschaft in dem Kinderbuch an die (Vor-) Leser:innen geht klar hervor.
Wundervoll erzählt er von dem Alltag einer Hummel und die Probleme, die ein dicker Popo im Hummelleben mit sich bringen.
Die gemeinen Äußerungen einer wilden Bienenhorde machen die kleine Hummel Doris traurig. Und sie versucht ihren dicken Popo kleiner werden zu lassen.
Bis eines Tages eine Situation entstand über die alle sprachen und die dicke Hummel Doris zum beliebtesten Insekt wurde.
Ich persönlich finde die Botschaft sehr gelungen und natürlich begeistert das positive Ende.
Die Sachinformationen in den Waben waren sehr interessant; nicht nur die Kleinen waren neugierig auf die nächste Info.
Für Groß und Klein ein buntes und lehrreiches Buch.
Große (Vor-) Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 06.07.2024

Japanisches Lesevergnügen

Das Loch
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“Das Loch” von Hiroko Oyamada erzählt vom Leben eines jungen Paares, welches von der Großstadt aufs Land zieht. Das Haus neben den Schwiegereltern steht leer und bietet sich an, dort günstig zu leben. ...

“Das Loch” von Hiroko Oyamada erzählt vom Leben eines jungen Paares, welches von der Großstadt aufs Land zieht. Das Haus neben den Schwiegereltern steht leer und bietet sich an, dort günstig zu leben. Nur gibt es auf dem Dorf weder Arbeit, noch Vergnügen. Man sieht kaum Menschen auf der Straße und Asahis Leben verwischt zwischen Realität und Phantastik.
Die junge Frau Asahi gibt ihren Beruf nach dem Umzug auf und wird Hausfrau. Obwohl keine Kinder erwartet werden und das Pendeln in die Stadt möglich wäre, sieht sie keinen Sinn, diese Strapaze auf sich zu nehmen.
Die Tage auf dem Land plätschern dahin und Asahi versteht den Traum der Frauen nicht endlich nur Hausfrau sein zu dürfen. Ihr Leben ist überschaubar, der tägliche Weg zum Supermarkt, die Wäsche erledigen und ab Mittag nur noch Langeweile. Nach kurzer Zeit wird dieser Zustand jedoch zur Normalität.
Auf dem Weg zum Bankautomaten in einem 7-Eleven-Shop begegnet Asahi einem Tier ohne Namen und folgt diesem in Richtung Uferböschung in das Gebüsch.
Plötzlich fällt sie in ein Loch, es roch nach Gras und frischer Luft - nicht unangenehm und doch war ein Herauskommen alleine nicht möglich. Nur durch Hilfe konnte sich Asahi aus dem Loch befreien.
Seit diesem Vorfall wurde alles anders und die Grenzen zwischen der Realität und Einbildung verschwimmen oder war es schon vor ihrem Sturz in das Loch?
Die Autorin versteht es perfekt die japanische Literatur in Szene zu setzen. Der Roman wurde in der Ich-Form geschrieben, die Protagonistin wird in ihrer Rolle als Frau und vor allem Hausfrau sehr gut beschrieben.
Der Alltag des jungen Paares und das Familienleben werden bildlich wiedergegeben und das Leben in der japanischen Gesellschaft, vor allem im Dorf, dem/der Leser:in nahe gebracht.
Ihr Mann ist in seinem neuen Job sehr eingespannt und zieht seine Arbeit und das Handy der Gesellschaft seiner Frau vor. Kann Asahi mit ihrem Mann über den verwirrten Großvater und den Schwager, den niemand bisher erwähnte sprechen? Will sie ihn mit ihren Gedanken und Sorgen belästigen?
Auf wenig Seiten gibt es viele Wendungen und ich wurde in das abstrakte Leben der jungen Frau gezogen.
Was ist ihre Bestimmung und ist es für sie von Wert, diese zu finden?
Ihre Wahrnehmung spiegelt falsche Tatsachen oder ist es ihre Realität? Was passiert mit ihrem Geist, ihren Sinnen und ihrem Leben? Findet sie ihren Weg?
Es bleiben viele offene Fragen und nachdenklich bleibe ich als Leser:in zurück. Ein Lesevergnügen für Freunde der japanischen Literatur.

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Veröffentlicht am 25.06.2024

Absolute Leseempfehlung

So ist das nie passiert
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„So ist das nie passiert“ von Sarah Easter Collins ist ein wahrhaft genialer Debütroman.

Willa wächst mit ihrer Schwester Laika in einem betuchten Elternhaus auf. Eines Tages verschwindet Laika spurlos ...

„So ist das nie passiert“ von Sarah Easter Collins ist ein wahrhaft genialer Debütroman.

Willa wächst mit ihrer Schwester Laika in einem betuchten Elternhaus auf. Eines Tages verschwindet Laika spurlos und alle Ermittlung enden im Nichts. Willa kann den Verlust nicht verarbeiten und gibt sich eine große Schuld am Verschwinden. Sie hat ihre Schwester nicht beschützt.

Die Familiengeschichte wird fesselnd und mit unerwarteten Wendungen erzählt. Die Autorin zieht den/die Leser:in mit ihrem leichten, flüssigen Schreibstil in den Bann. Die Geschehnisse werden überwiegend aus der Perspektive von Willa und ihrer früheren Freundin und Geliebten Robyn erzählt.

Willa besucht eine Dinnerparty ihrer alten Freundin Robyn,
auf welcher thematisiert wird, wie Erinnerungen im Laufe der Zeit verändert oder gefälscht werden können.

„Selbst auf einer ganz einfachen Ebene können wir grundverschiedene Erinnerungen an ein Ereignis haben, wo man zu Recht vermuten würde, dass alle genau das Gleiche erlebt haben.“ (Seite 38)

Willas Leben wird nach diesem Abend nicht mehr sein, wie sie es kennt. Glaubt sie doch, auf dieser Party ihre verlorene Schwester gefunden zu haben. Und plötzlich werden Erinnerungen wach, die längst verschüttet wurden oder so nie stattgefunden haben. Ein Wechselbad der Gefühle, emotional unglaublich gut gezeichnet.

Beschrieben wird das vermeintliche Familienidyll mit einer unterdrückten, schweigsamen Mutter und einem gewalttätigen Vater.

Die Autorin beschreibt in verschiedenen Zeiten das Verhältnis der Kinder zu den Eltern; Willas Angst und Unterwürfigkeit vor dem Vater, Laikas Widerstand und Rebellion gegen das Familienoberhaupt und die brutalen Maßnahmen des Vaters.

Der großen Verlust, die Traurigkeit und auch die Hoffnung von Willa und ihrer Mutter werden detailliert beschrieben.

Die Protagonisten wurden alle sehr authentisch dargestellt, die Charaktere sehr gut ausgearbeitet und die Geschehnisse realitätsnah im Buch umgesetzt.

Mit vielen Wendungen und psychologisch gut durchdacht wird dem/der Leser:in eine emotionale, sprachlich gut durchdachte Story präsentiert. Als Leser:in wird man peu à peu über die unglaublichen Lügen und Geheimnisse der Familie aufgeklärt.
Die Autorin versteht es unglaublich gut in ihrem Debüt die Spannung aufrecht zu halten.

Eine Leseempfehlung für diesen äußerst gelungenen Roman.

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Veröffentlicht am 21.06.2024

Arbeiterfamilie

Die Arbeiter
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“Die Arbeiter” von Martin Becker handelt von einer Arbeiterfamilie aus einfachen Verhältnissen in den 80er Jahren, die für ein Reihenhaus in einer Kleinstadt und einen Urlaub an der Nordsee leben.

Mit ...

“Die Arbeiter” von Martin Becker handelt von einer Arbeiterfamilie aus einfachen Verhältnissen in den 80er Jahren, die für ein Reihenhaus in einer Kleinstadt und einen Urlaub an der Nordsee leben.

Mit einem gebrauchten Auto, viel Zigaretten und wenig Geld machen sich die Eltern mit ihrem Nachzügler auf den Weg zu einer Ferienwohnung an die Nordsee. Man kann sich schließlich etwas leisten, auch wenn es nur das Darlehen der Sparkasse ist.

Das Leben der Familie mit vier Kindern, eins davon im Rollstuhl, besteht nur aus Arbeit. Der Vater schuftet für ein bisschen Glück, die Mutter eine Näherin, arbeitet nachmittags am Fließband und kümmert sich um die Kinder. Lisbeth im Rollstuhl und der Nachzügler sind ihre Herzenskinder. Um die beiden wird sich am meisten gekümmert.

Der Roman wird in der Ich-Form des Nachzüglers oder auch “der Kurze”’ genannt, erzählt. Die Eltern sind bereits gestorben, für ihr Leben mit Alkohol, Nikotin, ungesunder Ernährung und Maloche zahlten sie frühzeitig ihren Preis. Der vierzigjährige Nachzügler hat nun selbst Familie und möchte bei seinem Sohn alles anders machen und doch fällt er in die Muster seiner Erziehung.

Die Arbeiterfamilie träumte vom Lottogewinn, bis dahin wurden jedoch die vorhandenen Chancen mit viel Fleiß und Ratenzahlungen genutzt. Ein Sparkassendarlehen zu erhalten und sich etwas leisten zu können, war ausreichend.
Die Familie pflegte keine sozialen Kontakte, hinter vorgehaltener Hand wurde im Ort getuschelt und sie wurden belächelt.

Vergangenheit und Gegenwart werden im Wechsel erzählt; alles hängt unweigerlich zusammen und doch möchte man alles anders machen. Der Autor zieht den Leser in das unaufgeregte Leben und zeigt auf, dass sich eine Trennung zur Vergangenheit nicht so einfach realisieren lässt.


Der Kurze trifft sich nach Jahren mit seiner Schwester Uta in Oostende um sich wieder anzunähern. Uta hat die Familie verlassen, sich kaum gemeldet und erzählt Geschichten von dem Vater als Bestimmer und einer Mutter, die niemals an etwas Schuld war.
Viele Fragen bleiben bei den Treffen der Geschwister offen und erst der große Zusammenhang klärt auf.

Martin Becker erzählt über eine Generation in der für Gefühle oder Gespräche wenig Platz war. Nichts wird glorifiziert- der Alltag wird schonungslos und in seiner Einfachheit beschrieben. Er lässt die Charaktere der Protagonisten real erscheinen, ihre Verhaltensweisen werden sehr detailliert beschrieben und auch das Empfinden der Kinder wird authentisch dargelegt. Emotionen und Werte werden vermittelt, die man in der Gegenwart überdenken sollte.

Der Vater spricht nur ein einziges Mal von “heute haben wir das Glück im Rücken.” Sonst heißt es nur “Das Pech klebt uns wie Scheiße an den Fingern.” (S. 18)

Der Autor schreibt in einem humorvollen, flüssigen Schreibstil über die früheren Arbeiterfamilien, die einfachen Verhältnisse und deren Entbehrungen.
Trotz aller Erschwernisse, Schicksalschläge und Plackerei ist das Leben schön. Und zwischen Zigarettenqualm und Alkohol, wächst die nächste Generation heran.

Eine gelungene Erzählung über die Arbeiter, einem verblassenden Relikt der Vergangenheit.

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Veröffentlicht am 11.06.2024

Angst vor dem Schlaf

Anna O.
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“Anna O” von Matthew Blake ist ein spannender und fesselnder Thriller.

Der Autor beschreibt ausführlich das Thema Schlaf und Resignationssyndrom. Anna O liegt seit vier Jahren in einem
Tiefschlaf und ...

“Anna O” von Matthew Blake ist ein spannender und fesselnder Thriller.

Der Autor beschreibt ausführlich das Thema Schlaf und Resignationssyndrom. Anna O liegt seit vier Jahren in einem
Tiefschlaf und der forensische Psychologe Dr. Benedict Prince soll mit seiner Methode die junge Frau aufwecken. Prince hat fast alle großen Kriminalbehörden beraten und doch ist der Fall Anna O für ihn eine große Herausforderung und er kann sich dem Fall nicht entziehen.

Anna Ogilvy wird vom Justizministerium unauffällig in die Schlafklinik “The Abbey” überführt. In dieser Klinik werden die Dämonen der Nacht oder besser des Schlafes analysiert und viele Menschen bezahlen sehr viel Geld, um die Behandlung vor allem diskret durchführen zu lassen.

Anna O, eine junge erfolgreiche Frau, soll auf einer Event-Farm ihre beiden Freunde Douglas und Indira brutal erstochen haben. Anna konnte noch eine Nachricht an ihre Eltern schreiben, um dann in einen tiefen, anhaltenden Schlaf zu fallen.

Der Autor schreibt abwechselnd aus Sicht verschiedener Personen und zeigt Auszüge aus Annas Tagebuch. Er versteht es hervorragend zu unterhalten, der Spannungsbogen wird sehr gut ausgereizt und als Leser:in stellt sich mir ein unlösbares Rätsel. Was ist die Wahrheit? Warum kann Anna O nicht aufwachen? Wird ihr sofort der Prozess gemacht oder kann ihre Unschuld durch den Tathergang während des Schlafs bewiesen werden? Gibt es ein kleines bisschen Hoffnung für die junge Frau?

Anna gründet mit ihren beiden Freunden die Zeitschrift “Elementary”, sie ist die Kreative und wird von ihrer Mutter als Mädchen beschrieben, dass für eine kurze Zeit im Rampenlicht morden würde.

“Die richtigen Worte in der richtigen Reihenfolge können Unsterblichkeit schenken. Sie verwandeln Menschen aus Fleisch und Blut in Bewohner des literarischen Olymps. Wörter sind ein Elixier.” (POS.1525)

Bereits als Kind schlafwandelt Anna und hatte die Augen so gut wie nie geschlossen. Beunruhigende und vor allem beängstigende Dinge wurden von ihr im Tiefschlaf ausgeführt.
Um die Position ihrer Mutter, Baronin Emily Ogilvy, Innenministerin des Schattenkabinetts, nicht zu gefährden wurde diese unangenehme Situation unter den Tisch gekehrt.

Als junge Frau fürchtete sich Anna vor dem Schlaf und verriegelte ihre Schlafzimmertüre entsprechend. Sie beschäftigt sich mit dem Thema Schlaf, Resignationssyndrom und las sich in den True Crime Artikel über die berüchtigte Mörderin Sally Turner in Großbritannien ein.

Doch dies sagte nichts aus. Die Frage lautet: War Anna in der Lage zu morden? Was wäre der Anlass zu soviel Hass gewesen?
Hat das Paintball-Spiel mit den Jägern und Gejagten im Wald der Event-Farm vielleicht den Anstoß gegeben?
Was ist im Wald passiert?

Nun liegt Anna bereits seit Jahren im Tiefschlaf und man setzt nun alle Hoffnung auf Dr. Prince. Doch kann er die junge Frau aufwecken? Seine Methoden sind unter anderem auch das Geben von Hoffnung. Nur weiß niemand, ob es nach dem Aufwachen Hoffnung für das Dornröschen geben wird.

Was ist die Wahrheit? Die Presse und das Internet überschlagen sich mit Informationen zu dem Fall.
Wer die junge Frau für unschuldig hält, nennt sie Anna O, Für alle anderen ist sie Dornröschen.

Es gibt jedoch einen Artikel, den auch Anna recherchierte, der den Unterschied zwischen actus reus und mens rea erklärt. Beides muss für eine Verurteilung nachgewiesen werden und wenn sich der Täter auf Schlafwandeln beruft, fehlt mens rea, die kriminelle Absicht und dies ist der häufigste Grund für einen Freispruch.

Ein sehr gelungener Plot, der Autor schafft eine Welt der Angst und Rätsel. Als Leser:in tauche ich ein in den flüssigen Schreibstil, die wechselnden Perspektiven erhöhen die Spannung und man verstrickt sich in immer mehr Annahmen.
Das Ende hat mich überrascht und war ein stimmiger Abschluss.

“Der Geist ist eine Welt für sich, und er vermag, aus Hölle Himmel und aus dem Himmel eine Hölle zu schaffen.” (Pos. 2018)

Eine Leseempfehlung für diesen Schlaf raubenden Thriller.

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