still, schwer, tief
HerzflutInmitten der Spice-Bluten fand ich die Idee eines Romans, in dem sich die Protas 3 Monate lang nicht berühren dürfen, um sich auf mentaler Ebene kennenzulernen, erfrischend.
Miles begegnet Saras Berührungsängsten ...
Inmitten der Spice-Bluten fand ich die Idee eines Romans, in dem sich die Protas 3 Monate lang nicht berühren dürfen, um sich auf mentaler Ebene kennenzulernen, erfrischend.
Miles begegnet Saras Berührungsängsten von Anfang an mit Verständnis und schenkt ihr alle Zeit, die sie braucht. Er ist einfach ein Schatz & der Mensch, den man nach schrecklichen Erfahrungen an seiner Seite haben möchte ♡
Beide Charaktere waren für mich neighbours next door, also authentisch und echt geschrieben, als wäre es genau so passiert.
Dieses Prozedere des Heilens und sich Öffnens wurde mMn sensibel und tiefsinnig aufgegriffen und dargestellt. Ein ruhiger, nach innen ausgerichteter Roman - z.T. hat mir dann doch etwas das Pacing gefehlt.
Ich bin noch hin- und hergerissen, ob ich es gut oder schwierig fand, dass jedes noch so kleine Körnchen Gefühl genaustens betrachtet und interpretiert wird. Das wird von Therapiesitzungen ergänzt, die nach und nach den Kern hinter Saras Ängsten aufdecken. Diesbezüglich war das das Buch für mich heftiger als erwartet, weil die Lovestory und auch ein bisschen der Klappentext lockerer klangen als es letztlich war, mehr dieses experimentierfreudig-leichte "mal sehen, was passiert, wenn wir uns ganz anders daten/kennenlernen als man es gewöhnt ist". Die Content Notes spoilern zwar, aber ich empfehle sie dennoch vorab.
Der Schreibstil ist einfach und zugänglich gehalten, ich mochte die Gedichte zwischendrin. Ich hatte so ein bisschen das Gefühl, in einem Café zu sitzen und Menschen beim Leben zu beobachten. Es war nicht in dem Sinne "aufregend", aber echt. Die Sprache hat Lovestory-Charakter. Die Dialoge waren hingegen schonungslos ehrlich, oft fast brutal und beklemmend.
Insgesamt gibt es hier nicht diesen einen spannungsgeladenen roten Faden, dem man verbissen folgen möchte, aber der Fokus auf die subtile, ungeschönte Aufarbeitung eines heftigen Traumas, bei der der Betroffenen auf liebevolle Weise die Hand gereicht wurde, hat es für mich zu einem unverzichtbaren, relevanten Roman in der Bücherwelt gemacht.
Erst durch seine Stille konnte er laut werden - und nachhallt.