Spannende Charaktere, Plot zum Nachdenken
Engel der letzten NachtEs ist gar nicht so leicht, das Buch zusammenzufassen. Es geht um einen Teenager, der die beste Nacht seines Lebens erleben möchte, ehe er sich das Leben nimmt. Vom Erzählton her ist es aber gar nicht ...
Es ist gar nicht so leicht, das Buch zusammenzufassen. Es geht um einen Teenager, der die beste Nacht seines Lebens erleben möchte, ehe er sich das Leben nimmt. Vom Erzählton her ist es aber gar nicht so drückend, wie es sich auf den ersten Blick anhört, sondern wie ein ganz lockeres Jugendbuch geschrieben.
Dabei finde ich die Herangehensweise besonders gelungen. Wir begleiten Kester durch die ganze Nacht und immer dann, wenn etwas passiert, das lebensgefährlich enden könnte, endet der Autor kurz vorher mit einem "Aber was, wenn es anders gelaufen wäre?". Heißt, es wird auf grau gedruckten Seiten der worst case beschrieben, der letztlich aber gar nicht eintritt - wie in diesen Kinderbüchern, bei denen man sich den Weg/das Ende aussuchen kann. Das war richtig gut durchdacht.
Die teils skurrilen, interessantan Charaktere, die er während seiner letzten Nacht trifft, überzeugten durch Authentizität, die Figurenentwicklung und dieses Aufeinandertreffen mit ganz eigenen Persönlichkeiten machten das Lesen richtig spannend. Innenschau und Figuren standen definitiv im Fokus.
Der flüssige, lockere und überhaupt nicht düstere Schreibstil haben mich von Anfang an gepackt, wobei der Plot zum Ende hin irgendwie etwas ins Philosophische ging und ich ehrlich gesagt gar nicht 100% verstanden habe, wie genau es ausging und ob der Protagonist überlebt hat - aber vlt ist das der Sinn der Sache? Dass es zur Interpretation offen bleibt?
Das Lesen hat definitiv Spaß gemacht, was merkwürdig klingen mag bei dem prägnanten Mental Health Plot, aber die Figuren machten es einfach so eigenwillig und interessant, dass ich es nicht anders sagen kann. Außerdem fand ich diese "was wäre wenn"-Message einfach unglaublich gut ausgearbeitet, sie regt definitiv zum Nachdenken an.
Gefehlt haben mir so ein bisschen die tieferen Beweggründe des Protagonisten und dass das Thema Suiz1dgedanken nicht ganz so auf die leichte Schulter genommen wird von den handelnden Figuren.