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Veröffentlicht am 08.08.2025

Schwarzwald-Atmosphäre funktioniert bei mir einfach sofort

Schattengrünes Tal
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Mitten im Schwarzwald liegt das Hotel Zum alten Forsthaus – ein Haus, das seine besten Zeiten längst nur noch im Fotoalbum hat. Knarzende Dielen, Teppiche, die schon viele Geschichten gesehen haben, und ...

Mitten im Schwarzwald liegt das Hotel Zum alten Forsthaus – ein Haus, das seine besten Zeiten längst nur noch im Fotoalbum hat. Knarzende Dielen, Teppiche, die schon viele Geschichten gesehen haben, und eine Rezeption, an der die Uhr gefühlt ein paar Takte langsamer tickt. Nur selten verirrt sich noch jemand hierher – bis eines Tages Daniela auftaucht. Ein wenig verloren wirkend, als hätte sie den letzten Zug verpasst und keinen Plan B. Lisa, Tochter des Besitzers Carl, nimmt sie auf, fast so, als hätte sie ein Findelkind vor die Tür gesetzt bekommen. Doch während Daniela im Dorf aufblüht wie eine spät gepflanzte Sommerblume, schleicht sie sich auch in Lisas Leben – feine Risse hinterlassend, so leise, dass man sie erst bemerkt, wenn sie schon tief sind. Eine heimelige Mischung aus Schwarzwald-Charme, dörflicher Enge und unterschwelliger Spannung.

Meine Leserillen:
Dieses Buch hatte mich schon bei der ersten Seite – Schwarzwald-Atmosphäre funktioniert bei mir einfach sofort. Vielleicht, weil ich hier vor ein paar (hust, mehr als ein paar) Jahren meine Ausbildung zur Hotelfachfrau gemacht habe. Ich konnte das Forsthaus sofort sehen, riechen, fühlen: den leicht modrigen Duft alter Holztreppen, die Wärme eines zu schwach glühenden Kamins, das leise Ticken einer Kuckucksuhr in der Ecke.
Carl und Margaret wirkten auf mich so lebendig, dass ich sie direkt an einem alten Holztisch im Frühstücksraum sitzen sah. Und das Hotel selbst? Fast schon eine in die Jahre gekommen Figur, voller Erinnerungen und mit einer melancholischen Schwere, die sich in jede Szene schleicht.
Danielas Ankunft bringt spürbar Bewegung in alles .Nicht laut, nicht schrill, sondern wie ein Fluss, der still seine Richtung ändert.
Sehr mochte ich Lisas Entwicklung: Anfangs fest verankert in ihrem Bedürfnis, gebraucht zu werden. Und dann, als sie erkennt, dass hier etwas gewaltig schiefläuft, dieses klare „Nein“. Dieses stille, aber starke Begreifen, dass Selbstwert nicht davon abhängt, ob andere dich brauchen.

Fazit:
Die erste Hälfte: stark, atmosphärisch, voller Subtext und feiner Spannungsfäden. In der zweiten Hälfte kam bei mir oft das Gefühl: Oh oh… ich ahne, wohin das führt. Und so war’s dann auch ein „Hoppla-wir-sind-fertig“-Ende, das zu schnell abgehakt wirkte und manche Figuren im Schwarz-Weiß stecken ließ.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Ein wilder Ritt durchs emotionale Ödland des 21. Jahrhunderts

Der Stich der Biene
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Was, wenn alles gleichzeitig brennt – die Erde, die Familie, die eigene Birne?
> Willkommen bei den Barnes’. Sie haben das Geld verloren – und gleich noch die Fassung mit dazu.
> Paul Murray erzählt ihre ...

Was, wenn alles gleichzeitig brennt – die Erde, die Familie, die eigene Birne?
> Willkommen bei den Barnes’. Sie haben das Geld verloren – und gleich noch die Fassung mit dazu.
> Paul Murray erzählt ihre Geschichte klug, absurd, bitter-schön. Und das so intensiv, dass einem abwechselnd das Herz brennt und das Hirn schwirrt.

👨‍👩‍👧‍👦 Und wer sind diese Barnes?

- Dickie: Familienvater auf Wald-Sabbatical mit Bart und leichtem Realitätsverlust.
- Imelda: Zwischen Chanel und Kindheitstrauma – und das tut weh, auf jeder Seite.
- Cass: Teenagertochter mit Weltuntergangsgefühlen, Chaosenergie und kompletter Satzzeichenverweigerung.
- PJ: kleiner Bruder mit großem Fluchtbedürfnis – am liebsten in die Gaming Welt

Und alle haben Geheimnisse, die einen zum Verzweifeln bringen.

Das Ganze liest sich wie ein literarischer Roadtrip ohne Navi: mal Drama, mal kompletter Kontrollverlust. Überfordernd? Ja. Aber auch unfassbar menschlich.



Was du bekommst:
✨ Familiendrama, aber in episch.
🔥 700 Seiten Kapitalismuskritik mit minimalem Sprachwitz.
🌀 Stilchaos (looking at you again, Cass).
💔 Und am Ende: ganz viel von allem.



📚 bookmark_mess Fazit:
Ein wilder Ritt durchs emotionale Ödland des 21. Jahrhunderts – zwischen Apokalypse, Hoffnung und einem irischen Croissant.
Lang, laut, literarisch. Es hat wehgetan. Und ich hab’s trotzdem nicht aus den Händen legen können.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Ich habe dieses Buch nicht nur gelesen. Ich habe es gefühlt

Klartext
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📚 Klartext – Sara Nović
✨ Ein Roman über Sprache, Stille und das, was dazwischen liegt.

Dieses Buch war für mich kein „Ich lese mal was über Gehörlosigkeit“ – das war ein „Ich lese über etwas, das sich ...

📚 Klartext – Sara Nović
✨ Ein Roman über Sprache, Stille und das, was dazwischen liegt.

Dieses Buch war für mich kein „Ich lese mal was über Gehörlosigkeit“ – das war ein „Ich lese über etwas, das sich wie Zuhause anfühlt.“ 🏡

Klartext hat mir an vielen Stellen das Herz gedrückt. 🫶
Weil ich so vieles wiedererkannt habe: Gebärdensprachpoesie 🤟, Schweigen zwischen Sätzen, Unsicherheiten, Vorurteile, der Kampf um Sichtbarkeit. 🎭

Ich bin als hörendes Kind gehörloser Eltern aufgewachsen – und plötzlich las ich Figuren, die das nicht erklären mussten.
Sie waren einfach da. 🌼

Wir folgen Charlie, die mit Cochlea-Implantat groß wurde und an der River Valley School 🏫 erstmals Zugang zur Gehörlosenkultur bekommt.
Austin, der dachte, seine Familie wäre ein Safe Space 🫂.
Und February, die mit Chaos-Charme versucht, den Laden zusammenzuhalten. 🎓✨

Das ist kein typisches Coming-of-Age.
Es ist Coming-into-Voice. 📢
Und ja, diese Stimme ist laut – auch ohne Lautsprache.

Was drin steckt:

💬 Gebärdensprache, ganz selbstverständlich
💬 CODA-Vibes
💬 Bildungspolitik, die wütend macht 😡
💬 Aufklärungs-Einschübe, die man freiwillig liest ✍️
💬 Kapitel, nach denen man googelt, ob es die River Valley School wirklich gibt (leider nein)

Was ich mitgenommen habe:
Manchmal reicht es, wenn jemand Klartext spricht – über eine Welt, die für viele unsichtbar ist. Und für manche so verdammt vertraut. 🌍

📌 Fazit:
Klartext ist mein Herzensbuch 2025. 💛
Weil es nicht „erklärt“, sondern erzählt.
Und weil es die Gehörlosenkultur ehrt. 🌟

Wenn du verstehen willst, was es heißt, sich Sprache zu erobern – lies das. 📖
Wenn du wissen willst, was Inklusion wirklich bedeutet – lies das. ✨
Und wenn du einfach ein kluges, warmes Buch suchst – lies das auch. 🧡

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Es trifft einen grandiosen Ton zwischen Ernst und Leichtigkeit

Only Margo
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👉 Kein Happy-Clappy-Instagram-Mommy-Content. Und das ist gut so. ✨

📚 Only Margo – Rufi Thorpe

Margo ist keine makellose Heldin.
Sie ist chaotisch, unvernünftig, tough und gleichzeitig verletzlich.
Und ...

👉 Kein Happy-Clappy-Instagram-Mommy-Content. Und das ist gut so. ✨

📚 Only Margo – Rufi Thorpe

Margo ist keine makellose Heldin.
Sie ist chaotisch, unvernünftig, tough und gleichzeitig verletzlich.
Und genau deshalb habe ich dieses Buch so geliebt.

Es trifft einen grandiosen Ton zwischen Ernst und Leichtigkeit:

👉 Machtausnutzung → wenn ein Professor ein Verhältnis mit Folgen mit seiner Studentin eingeht und warum sich das falsch anfühlt.

👉 Armut & die Realität von Sexarbeit → nie beschönigt, aber auch nicht mit erhobenem Zeigefinger.

👉 Junge Mutterschaft → mit all dem Schweiß, den Tränen, den schrägen Momenten UND den Herz-Momenten. 💛

👉 Familienwirrwarr → eine Mutter, der Sicherheit wichtiger scheint als Liebe oder Freiheit, und ein Vater, der die Nachwehen seiner Wrestling-Karriere verarbeitet.

📌 Fazit:
Anfangs fand ich den Stil etwas distanziert & nüchtern.
Aber nach fünf Kapiteln war ich komplett drin — und mein absolutes Highlight waren die Löwenmama-Szenen. 🐾💪
Kein Feel-Good-Glitzer, sondern Feel-Gritty & Feel-Hopeful.
Ich hab’s verschlungen — und mehr als einmal laut gelacht. (Und manchmal auch kurz schlucken müssen.)

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Es beginnt mit Helene, einer Mutter, die nicht mehr kann.

Die Wut, die bleibt
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Ich hatte keinen blassen Schimmer, wie sehr ein Buch mich emotional aus der Bahn werfen kann.
Ich bin wütend. Ich bin traurig. Ich brauche jetzt ein paar Waldspaziergänge – und definitiv ein leichteres ...

Ich hatte keinen blassen Schimmer, wie sehr ein Buch mich emotional aus der Bahn werfen kann.
Ich bin wütend. Ich bin traurig. Ich brauche jetzt ein paar Waldspaziergänge – und definitiv ein leichteres Buch zur Erholung.

Es beginnt mit Helene, einer Mutter, die nicht mehr kann.
Sie springt. Und mit ihr stürzt alles.

Zurück bleiben drei Kinder, ein überforderter Mann – und Sarah, ihre beste Freundin.
Sarah, die funktioniert. Die plötzlich drei Kinder mitversorgt. Die sich fragt, wie man weiterlebt mit dem Wissen, dass man nichts gemerkt hat.
Sarah, die immer „stark“ war – und plötzlich alles infrage stellt.

Und dann ist da Lola, Helenes Teenager-Tochter.
Lola, die zu viel sieht und zu wenig sagen darf.
Lola, deren Schmerz in Worte platzt, die andere meiden.
Lola, die die Welt brennen sehen will, weil niemand ihr zuhört.

„Die Wut, die bleibt“ ist keine einfache Lektüre. Es ist ein Schlag in die Magengrube. Und gleichzeitig ein Akt der Solidarität. Ein Text, der zeigt, wie viel Frauen geschluckt, getragen, getragen wurden – und wie viel sie immer noch schultern, einfach nur, weil sie eine Frau sind.

Fallwickls Stil ist kompromisslos, wütend, direkt – und genau deshalb so eindringlich. Ihre Sprache ist nicht gefällig, sondern fordert heraus. Sie bleibt haften. Auch wenn sie schmerzt. Gerade weil sie schmerzt.

Fazit: Lies dieses Buch nicht, wenn du dich beruhigen willst. Lies es, wenn du bereit bist, dich zu erinnern, zu erkennen – und nicht mehr wegzusehen.

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