1942 bricht ins Jetzt hinein
Die letzte WelleTore Lindahl, pensionierter Polizist, lebt nach einem Schlaganfall im Altenheim Ömheten. Nach wie vor im Besitz einer neugierigen Spürnase beobachtet er Vorgänge im Altenstift, in deren mutmaßlichen Fahrwasser ...
Tore Lindahl, pensionierter Polizist, lebt nach einem Schlaganfall im Altenheim Ömheten. Nach wie vor im Besitz einer neugierigen Spürnase beobachtet er Vorgänge im Altenstift, in deren mutmaßlichen Fahrwasser sein Heimnachbar Viking verstirbt.
Veronika Wiklund macht ein eher unbefriedigendes Praktikum bei der örtlichen Zeitung. Bei einer mäßig interessanten Befragung im Altenheim Ömheten trifft sie auf Tore, der ihre Neugierde weckt, so dass eine eigenständige Ermittlung rund um das Altenheim sowie die kürzlichen Todesfälle beginnt.
Die Handlung wechselt ins Jahr 1942, ebenfalls Grissleham, zu Siri Mattsson. Sie ist Teil eines verschworenen Freundeskreises, der im Untergrund gegen die nationalsozialistische Bedrohung agiert.
Die Autorin entfaltet nach und nach zwei Haupthandlungsstränge, welche erst kurz vor dem Finale ihre Verbindung offenbaren. In der Gegenwart um Tore und Veronika eröffnet Sjögren diverse Nebenschauplätze, wovon einige für mich absolut entbehrlich sind, zumal sie m. E. gar nicht zum Fortgang der Geschichte beitragen, mich im Gegenteil verwirren und mein Lesedurchhaltevermögen unnötig auf die Probe stellen. Das unstete Privatleben von Veronika müsste für mich auch nicht derart seziert werden.
Die kriminalistische und/oder journalistische Arbeit von Tore und Veronika findet leider eher nebenbei statt. Manche Schritte entbehren für mich eines logischen Zusammenhangs. Und doch kommt am Ende etwas Spannung auf, Geheimnisse werden gelüftet, Fälle gelöst.
Die Ereignisse im Jahre 1942 hingegen werden interessant und logisch voranschreitend berichtet. Siri wächst mir ans Herz, ihre Geschichte interessiert mich. Die historischen Gegebenheiten wirken schlüssig, allerdings bleiben die Hintergrundinformationen der damaligen Zeit an der Oberfläche.
„Die letzte Welle“ kommt als Kriminalroman daher. Dies ist das Buch für mich nicht. Ich sehe es eher als eine gute, schlüssige Biografie einer jungen Frau, die in den Wirren des Krieges ihren Weg sucht, welche jedoch erst in der Gegenwart ihre wahre Seite offenbart. Und im Heute wird etwas Räuber und Gendarm gespielt.
Würde dieses über weite Strecken ansprechende Buch etwas zusammengeschrumpft, die Lebensgeschichte von Siri noch etwas ausgeschmückt, dafür das Unnötige weggelassen und eine „rundere“ Detektivgeschichte gesponnen, hätte es das Potential richtig gut zu sein.
Cecilia Sjögren, Die letzte Welle, Taschenbuch, Saga Egmont, 594 Seiten, Erscheinungstermin: 11.09.2023