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Veröffentlicht am 13.10.2023

1942 bricht ins Jetzt hinein

Die letzte Welle
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Tore Lindahl, pensionierter Polizist, lebt nach einem Schlaganfall im Altenheim Ömheten. Nach wie vor im Besitz einer neugierigen Spürnase beobachtet er Vorgänge im Altenstift, in deren mutmaßlichen Fahrwasser ...

Tore Lindahl, pensionierter Polizist, lebt nach einem Schlaganfall im Altenheim Ömheten. Nach wie vor im Besitz einer neugierigen Spürnase beobachtet er Vorgänge im Altenstift, in deren mutmaßlichen Fahrwasser sein Heimnachbar Viking verstirbt.
Veronika Wiklund macht ein eher unbefriedigendes Praktikum bei der örtlichen Zeitung. Bei einer mäßig interessanten Befragung im Altenheim Ömheten trifft sie auf Tore, der ihre Neugierde weckt, so dass eine eigenständige Ermittlung rund um das Altenheim sowie die kürzlichen Todesfälle beginnt.

Die Handlung wechselt ins Jahr 1942, ebenfalls Grissleham, zu Siri Mattsson. Sie ist Teil eines verschworenen Freundeskreises, der im Untergrund gegen die nationalsozialistische Bedrohung agiert.

Die Autorin entfaltet nach und nach zwei Haupthandlungsstränge, welche erst kurz vor dem Finale ihre Verbindung offenbaren. In der Gegenwart um Tore und Veronika eröffnet Sjögren diverse Nebenschauplätze, wovon einige für mich absolut entbehrlich sind, zumal sie m. E. gar nicht zum Fortgang der Geschichte beitragen, mich im Gegenteil verwirren und mein Lesedurchhaltevermögen unnötig auf die Probe stellen. Das unstete Privatleben von Veronika müsste für mich auch nicht derart seziert werden.
Die kriminalistische und/oder journalistische Arbeit von Tore und Veronika findet leider eher nebenbei statt. Manche Schritte entbehren für mich eines logischen Zusammenhangs. Und doch kommt am Ende etwas Spannung auf, Geheimnisse werden gelüftet, Fälle gelöst.

Die Ereignisse im Jahre 1942 hingegen werden interessant und logisch voranschreitend berichtet. Siri wächst mir ans Herz, ihre Geschichte interessiert mich. Die historischen Gegebenheiten wirken schlüssig, allerdings bleiben die Hintergrundinformationen der damaligen Zeit an der Oberfläche.

„Die letzte Welle“ kommt als Kriminalroman daher. Dies ist das Buch für mich nicht. Ich sehe es eher als eine gute, schlüssige Biografie einer jungen Frau, die in den Wirren des Krieges ihren Weg sucht, welche jedoch erst in der Gegenwart ihre wahre Seite offenbart. Und im Heute wird etwas Räuber und Gendarm gespielt.

Würde dieses über weite Strecken ansprechende Buch etwas zusammengeschrumpft, die Lebensgeschichte von Siri noch etwas ausgeschmückt, dafür das Unnötige weggelassen und eine „rundere“ Detektivgeschichte gesponnen, hätte es das Potential richtig gut zu sein.


Cecilia Sjögren, Die letzte Welle, Taschenbuch, Saga Egmont, 594 Seiten, Erscheinungstermin: 11.09.2023

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Veröffentlicht am 03.10.2023

Die schönsten Geschichten

Wenn du erzählst, erblüht die Wüste
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Bevor die eigentliche Handlung des Buches beginnt, erfahre ich Details über Herkunft und Entstehung dieses Buches. Dieses Hintergrundwissen macht – neben dem verheißungsvollen Titel - neugierig auf den ...

Bevor die eigentliche Handlung des Buches beginnt, erfahre ich Details über Herkunft und Entstehung dieses Buches. Dieses Hintergrundwissen macht – neben dem verheißungsvollen Titel - neugierig auf den Inhalt. Die angenehme Stimme des Sprechers entführt mich in ferne Welten, macht mich zum Beobachter von Krieg und Zerstörung. Und der Rettung dieses Kleinods, eines Buches aus unbekannter Feder.

Und schon entspinnt sich eine Geschichte um eine schöne Prinzessin, mit ungewöhnlich toleranten Eltern. Es kommt, wie es kommen muss, sie verliebt sich und kann dieses Geheimnis nicht teilen, da diese Verbindung nicht standesgemäß ist. Und als Jasmina sich endlich durchringt, die Eltern einzuweihen, geschieht etwas Fürchterliches. Alles ändert sich. Jasmina verstummt und vegetiert fortan vor sich hin. Alle Heiler, Ärzte, Magier, Betrüger, Emporkömmlinge, Schatzsucher brechen auf in die Stadt, um die Prinzessin zu heilen und die Belohnung einzuheimsen.
Und dann kommt ein Geschichtenerzähler. Ein Mann mit schwerer Vergangenheit. Jemand, der kein Gold, keine Ehe, keine Form der greifbaren Bereicherung im Sinne trägt, sondern nur die Gesundheit/Genesung der Prinzessin und das Wohl Fremder. Und mit dem Einverständnis des Königs, ruft Karam Erzähl-Abende ins Leben. Jeder der Anwesenden darf Geschichten zum Thema des Abends vortragen. Es scheint der ganzen Stadt durch die Erzähl-Abende viel besser zu gehen und sogar die Prinzessin nimmt teil.

Anhand der Buchbeschreibung hatte ich eine gewisse Vorstellung vom Inhalt des Buches, welche zunächst erfüllt wird. Die Erzähl-Abende hingegen werden mir schnell lang. Es gibt so viele Geschichten unterschiedlicher Fähigkeit, mich zu begeistern. Ich bin jetzt nicht der geübte Hörbuch-Hörer. Bei einem gedruckten Buch hätte ich die Möglichkeit, immer wieder das Buch zur Hand zu nehmen und ein, zwei Geschichten zu verfolgen. In der Summe der vielen hintereinander wiedergegebenen Erzählungen verliere ich das Interesse und habe das Buch nun abgebrochen. Eigentlich wollte ich doch „nur“ wissen, wie es der Prinzessin ergehen mag.

Ungeachtet meines Vorgehens ist es ein gutes und besonderes Buch, weswegen ich vier Sterne vergebe. Dass ich das Hören beendet habe, liegt lediglich in meiner Person begründet.

Am Ende des Buches gibt es weitere Erläuterungen zur Entstehung, welche noch einmal der der Einzigartigkeit dieses Buches Ausdruck verleihen.


Rafik Schami, Wenn Du erzählst, erblüht die Wüste, gesprochen von Wolfgang Berger, Thriller, Hörbuch-Download, Saga Egmond Verlag, 16 Stunden 58 Minuten, 480 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin: 21.08.2023

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Veröffentlicht am 03.10.2023

Rückkehr nach Illokarfiq

Der Mondmann - Rote Spur
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In Kopenhagen werden in kurzem Abstand zwei grausam zugerichtete Leichen gefunden. Ehe Jens Lerby seine Arbeit richtig aufnehmen kann, um dem Morden ein Ende zu setzen, wird er sehr unsanft vom Nachrichtendienst ...

In Kopenhagen werden in kurzem Abstand zwei grausam zugerichtete Leichen gefunden. Ehe Jens Lerby seine Arbeit richtig aufnehmen kann, um dem Morden ein Ende zu setzen, wird er sehr unsanft vom Nachrichtendienst ausgebremst. Sein Vorgesetzter lässt ihn prompt fallen.
Währenddessen plagt sich der alte Inuit-Schamane Magnus auf Grönland mit einer Herzerkrankung sowie furchtbaren Visionen. Im Fieber verlangt er danach, Lerby unbedingt sprechen zu müssen.
Lerby, soeben erfolgreich suspendiert, begibt sich zurück nach Grönland. Dieses Mal jedoch reist er nicht allein, seine Frau Eva begleitet ihn.

Dies ist der zweite Band aus der Reihe „Der Mondmann“. Es war für mich sehr schön, die alten, liebgewonnenen Protagonisten wiederzulesen. Es war ein Stück weit nach Hause kommen. Und doch ist dieses Buch keineswegs ein Abklatsch des ersten Teils. „Natürlich“ geht es auch um das alte Wissen und den Glauben der Inuit, welche zwangsläufig in die Ermittlungen, die sich unerwartet für Jens vor Ort aufdrängen, hineinspielen. Und noch unerwarteter offenbart sich eine Verbindung zu den Morden in Kopenhagen. Der Tanz auf dem Eis und gegen die Zeit für Jens, Eva und ihre Freunde vor Ort hat längst begonnen…

Wie im ersten Mondmann-Buch greift Fynn Haskin erneut ein schwieriges Thema der gemeinsamen Vergangenheit Dänemarks und Grönlands auf. Die Hintergründe hierfür sind sehr gut recherchiert und fügen sich homogen in die Handlung ein. Es ist nicht nur ein guter, spannender Thriller, sondern auch ein informatives, politisches Buch.

Während im ersten Teil der Serie auch sehr viel Wissen über das Volk der Inuit, ihre Geschichte und das Leben auf Grönland vermittelt wurde, werden in diesem Buch die notwendigen Informationen eher kurz angerissen. Inwieweit das Buch für sich allein stehen kann, vermag ich nicht zu beurteilen. Es könnte sein, dass einige Fragen offenbleiben, was dem Verständnis des Buches bzw. dem Lesegenuss m. E. nicht hinderlich ist.

Absolute Lese-Empfehlung!


Fynn Haskin, Der Mondmann – Rote Spur, Thriller, eBook, Lübbe Verlag, 1547 KB, 400 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin: 29.09.2023

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Veröffentlicht am 29.09.2023

Die einzig wahre Liebe

Der Frauenkeller (Thriller)
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Wer sehnt sich nicht nach ihr? Der einen, bedingungslosen Liebe, welche in der Lage scheint, das Böse „da Draußen“ gegen innigen, treuen Zusammenhalt „im Inneren“ ohne Ansehen der Person auszutauschen. ...

Wer sehnt sich nicht nach ihr? Der einen, bedingungslosen Liebe, welche in der Lage scheint, das Böse „da Draußen“ gegen innigen, treuen Zusammenhalt „im Inneren“ ohne Ansehen der Person auszutauschen. Aber sie scheint nicht jedem vergönnt. Da bleiben halbgare Kompromisse oder eben doch die wirklich ernsthafte Suche…

„Der Frauenkeller“ ist der erste gemeinsame Fall des Ermittlerduos Emma Bajetzky und Alex Kuper. Es bleibt keine Zeit zum Kennenlernen, direkt ruft der erste Tatort. Eine brutal misshandelte Frauenleiche, offenbar längere Zeit gegen ihren Willen festgehalten und übersät mit blauen Flecken. Erst die Obduktion der jungen Frau offenbart das wirkliche Ausmaß an Gewalt, welche dem – aus dieser Sicht – erlösenden Tode vorausgegangen sein muss.

Ich durfte schon mehrere Bücher aus der Feder von Gunnar Schwarz genießen. Insofern war ich zunächst etwas verdutzt, dass er nun ein scheinbar völlig triviales Tatwerkzeug wählt. Aber was ist das Tatwerkzeug? Jenes, welches unweigerlich zum Tode führt oder auch eines, welches „nur“ einer Qual dient? Im Grunde hat der Autor ein Potpourri an Tatwerkzeugen erdacht. Ausgefeilt bis in die kleinsten Details. Der dem Buch zugrunde liegende Plot ist gut erdacht und raffiniert ausgebreitet. Die Protagonisten sind gut gezeichnet, so dass ich eine Verbindung zu ihnen aufbaue und ihnen gerne folge. Und wie gewohnt, hat der Autor seinen Ausführungen im Vorfeld umfangreiche, solide Recherchen vorausgehen lassen, so dass der Fall, die Ermittlung und auch das Finale schlüssig, zufriedenstellend und spannend voranschreiten.

Gunnar Schwarz = absolute Lese-Empfehlung für Thriller-Fans!


Gunnar Schwarz, Der Frauenkeller, Thriller, eBook, Feuerwerke Verlag, 5224 KB, 344 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin: 28.09.2023

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Veröffentlicht am 21.09.2023

Solide Polizeiarbeit

Nach der Zeit
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Die Polizei in Lüneburg sieht sich kurz hintereinander mit zwei Morden konfrontiert. Zunächst scheint es ich um Suizide zu handeln; die Obduktionen bieten Raum für Zweifel. So werden Hanna Will und Jan ...

Die Polizei in Lüneburg sieht sich kurz hintereinander mit zwei Morden konfrontiert. Zunächst scheint es ich um Suizide zu handeln; die Obduktionen bieten Raum für Zweifel. So werden Hanna Will und Jan de Bruyn als Spezialisten angefordert. Es geht darum, ein mögliches Mordmotiv zutage zu fördern sowie ein Täterprofil zu erstellen, um einen evtl. Serienmörder zeitnah zu stellen.
„Nach der Zeit“ ist der zweite gemeinsame Fall des Ermittlerduos Will und de Bruyn. Der erste Fall ist mir nicht bekannt. Im Grunde stellt dies für das Verständnis des Buches kein Problem dar. Allerdings wird sich in diesem zweiten Teil viel dem Privatleben / dem Gemütszustand von Jan gewidmet, was mich teilweise nervt. Hanna bleibt mir fremd, ich kann sie nicht einordnen, ich kann Vieles nicht nachvollziehen. Dies könnte evtl. an fehlenden Informationen aus Band ein liegen. Insgesamt kann ich leider keine Beziehung zu den Protagonisten in diesem Buch herstellen.
Die solide polizeiliche Ermittlungsarbeit in diesem Kriminalroman hat mir gut gefallen. Die privaten Nebenschauplätze hätten für mich deutlich weniger Raum einnehmen können. Zum Finale kam für mich ein klein wenig Spannung auf; davon hätte ich gerne mehr gehabt. Es scheint insgesamt auf einen Mainstreaminhalt hinauszulaufen, aber immerhin ergeben sich zum Ende hin überraschende, dem Krimi wohltuende Wendungen, welche alles in neuem Licht erscheinen und mich mit dem Buch zufrieden abschließen lassen.

Anna Johannsen, Nach der Zeit, Kriminalroman, Taschenbuch, Edition M, 317 Seiten, Erscheinungstermin: 29.08.2023

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