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BrigittesitztinderMitte

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.10.2025

Eine Anklage

Da, wo ich dich sehen kann
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Ein bewegender Roman, der das Thema Femizid von allen Seiten beleuchtet.

Als dieses Buch beginnt, ist das Unaussprechliche bereits geschehen: Der Vater der 9-jährigen Maja ist im Gefängnis, nachdem er ...

Ein bewegender Roman, der das Thema Femizid von allen Seiten beleuchtet.

Als dieses Buch beginnt, ist das Unaussprechliche bereits geschehen: Der Vater der 9-jährigen Maja ist im Gefängnis, nachdem er die Mutter ermordet hat. Aus wechselnder Perspektive treffen wir auf die Angehörigen: Nebst der zutiefst traumatisierten Tochter lernen wir die Grosseltern mütterlicher- und väterlicherseits kennen und auch die Patentante. Sogar Hündin Chloé bekommt eine Erzählstimme, was ich besonders schön fand. In Rückblicken kommt auch die Ermordete selbst zu Wort, was unglaublich beklemmend ist. Alle Beteiligten befinden sich noch immer im Schockzustand, einer Leere und werden von massiven Schuldgefühlen getrieben - sogar ein 9-jähriges Kind. Die Angehörigen versuchen, jeder für sich selbst, aber vor allem für die kleine Tochter, irgendwo wieder Halt zu finden. Aber wie?

Dieser Roman hat mich tief bewegt und lässt mich nicht mehr los. Besonders eindringlich erlebte ich die eingefügten Zusätze wie Notrufprotokoll, Obduktionsbericht und Gerichtsurteile. Auf sehr eindringliche Weise werden wir dokumentiert, was für eine entsetzliche Zerstörung ein Femizid im gesamten Umfeld hinterlässt. Zudem ist es auch eine Streitschrift. Ein Pamphlet gegen das gesellschaftliche Problem, dass beinahe reflexartig in den Köpfen eine Opfer-Täter-Umkehr stattfindet. Und über das strukturelle Versagen, wenn Opfer sich zurückziehen, einschränken und verstecken müssen, wohingegen die Gefährder unbehellligt ihre Freiheiten behalten.

Veröffentlicht am 28.10.2025

Eine Ode an das Leben

Mr. Saitos reisendes Kino
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Buenos Aires, anfangs des 20. Jahrhunderts: Fabiola wächst im Kloster auf und fällt den Nonnen durch folgende Eigenschaften auf: Starrsinn, grosse Leidenschaft für Tango und Schuhe sowie enormer Freiheitsdrang. ...

Buenos Aires, anfangs des 20. Jahrhunderts: Fabiola wächst im Kloster auf und fällt den Nonnen durch folgende Eigenschaften auf: Starrsinn, grosse Leidenschaft für Tango und Schuhe sowie enormer Freiheitsdrang. Mit 17 wird sie schwanger und Tochter Lita erblickt das Licht der Welt. Der Vater ist unbekannt.

In wirtschaftlich und politisch unruhigen Zeiten schaffen es Mutter und Tochter, irgendwie über die Runden zu kommen und die Lebensfreude nie zu verlieren. Eines Tages eskaliert die Lage aber und die beiden finden sich als gestrandete Schiffspassagiere auf einer sturmumtosten kleinen Insel vor Neufundland wieder. Im Seemannsheim "Bethlehem" finden sie Unterschlupf und treffen dort auf zahlreiche kuriose und skurille Figuren. Eines Tages erscheint der ominöse Mr. Saito auf der Insel. Er hat ein mobiles Kino dabei und bringt alljährlich die Faszination der grossen, weiten Welt auf das vergessene Eiland. Doch nach und nach erreichen auch die Ereignisse um den beginnenden 2. Weltkrieg die heile Welt der Inselbewohner.

Ein fantastischer Roman. Die Sprache ist direkt, unverblümt und manchmal derb. Besonders bewegend ist, wie die überschäumende Fantasie des Mädchens und die Hingabe sowie das tiefe Gespür für alles Menschliche der Mutter umschrieben wird. Laut, bunt und lebendig zeigt uns dieses Buch, wie kostbar das Leben ist, wie nährend Begegnungen sein können und wie wertvoll jeder Einzelne von uns ist.

Empfehlung für Leser von Jess Kidd oder Elena Ferrante.

Veröffentlicht am 25.10.2025

Miss Marple war gestern

Der Tag, an dem Barbara starb
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Margaret Winterbottom ist 89 und verwitwet. Sie lebt alleine in einem beschaulichen Wohnquartier irgendwo in Nordengland und redet täglich mit ihrem verstorbenen Mann. Der Körper und das Gedächtnis lassen ...

Margaret Winterbottom ist 89 und verwitwet. Sie lebt alleine in einem beschaulichen Wohnquartier irgendwo in Nordengland und redet täglich mit ihrem verstorbenen Mann. Der Körper und das Gedächtnis lassen sie immer mehr im Stich, was seitens der Angehörigen zu zunehmender Überwachung und Bevormundung führt. Alt werden ist eben nichts für Schwächlinge!
Dann passiert das Unvorstellbare: Ihre 10 Jahre jüngere Nachbarin Barbara wird tot aufgefunden und es stellt sich heraus, dass sie ermordet eurde. Wer kann dieser herzensguten Frau so etwas angetan haben? Zusammen mit ihrem pubertierenden Enkel James, will Margaret den Mord aufklären. Schon bald wird dem Leser aber klar, dass auch Margaret ihre dunklen Geheimnisse verbirgt.
Inspiriert von seiner Grossmutter, die an Alzheimer starb, präsentiert Richard Hooton mit seinem Debüt einen erstklassigen Cozy-Krimi. Nebst der von der ersten Seite an aufgebauten Spannung, sind es aber vor allem die Zwischentöne, die so berühren. Die Kostbarkeit von Erinnerungen, was es bedeutet, alt und gebrechlich zu werden und immer einsamer zu sein. Die Wichtigkeit von Eigenständigeit, Würde und Selbstbestimmung im Alter werden wunderbar beschrieben und die liebevollen inneren Dialoge, die die Protagonistin täglich mit ihrem verstorbenen Mann führt, haben mich zutiefst bewegt.

Veröffentlicht am 23.10.2025

Hinter der Idylle

Heimat
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Jana ist schwanger mit dem dritten Kind. Sie ist mit ihrer Familie in ein ländliches Neubaugebiet gezogen und trägt noch die rosarote Brille, durch die sie vom heilen, idyllischen Landleben träumt. Doch ...

Jana ist schwanger mit dem dritten Kind. Sie ist mit ihrer Familie in ein ländliches Neubaugebiet gezogen und trägt noch die rosarote Brille, durch die sie vom heilen, idyllischen Landleben träumt. Doch schon bald wird sie mit der Tatsache konfrontiert, dass gerade in den ländlichen Gebieten ein grosser Rechtsrutsch passiert. Da sie ohne Absprache mit ihrem Mann ihren Job gekündigt hat, kriselt zudem die Ehe und es kommt zur zunehmenden Entfremdung in der Beziehung.
Wie anders scheint das Leben von Karoline und deren Mann Clemens! Jana freundet sich mit Karoline an und idealisiert bald alles an ihr. Karoline führt ein ausgeglichenes Leben in Einklang mit sich selber, dem Ehemann und den fünf Kindern. Sie ist zudem eine Instagram Influencerin und preist das einfache und nachhaltige Landleben an. Bald muss Jana aber erkennen, dass hinter der glücklichen Fassade Abgründe lauern.
Wenn Faszination zur Besessenheit wird, der Tradwife-Hype, die zunehmende Radikalisierung unserer Gesellschaft sowie die ständige Frage, was das Richtige für unsere Kinder ist: Die Autorin schafft es auf vergleichsweise wenig Seiten, diese aktuellen Themen spannend und immer wieder kritisch aufzubereiten. Das einzige, was mich enttäuscht hat, war das Ende.

Veröffentlicht am 23.10.2025

Hinter der Idylle

Heimat
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Jana ist schwanger mit dem dritten Kind. Sie ist mit ihrer Familie in ein ländliches Neubaugebiet gezogen und trägt noch die rosarote Brille, durch die sie vom heilen, idyllischen Landleben träumt. Doch ...

Jana ist schwanger mit dem dritten Kind. Sie ist mit ihrer Familie in ein ländliches Neubaugebiet gezogen und trägt noch die rosarote Brille, durch die sie vom heilen, idyllischen Landleben träumt. Doch schon bald wird sie mit der Tatsache konfrontiert, dass gerade in den ländlichen Gebieten ein grosser Rechtsrutsch passiert. Da sie ohne Absprache mit ihrem Mann ihren Job gekündigt hat, kriselt zudem die Ehe und es kommt zur zunehmenden Entfremdung in der Beziehung.
Wie anders scheint das Leben von Karoline und deren Mann Clemens! Jana freundet sich mit Karoline an und idealisiert bald alles an ihr. Karoline führt ein ausgeglichenes Leben in Einklang mit sich selber, dem Ehemann und den fünf Kindern. Sie ist zudem eine Instagram Influencerin und preist das einfache und nachhaltige Landleben an. Bald muss Jana aber erkennen, dass hinter der glücklichen Fassade Abgründe lauern.
Wenn Faszination zur Besessenheit wird, der Tradwife-Hype, die zunehmende Radikalisierung unserer Gesellschaft sowie die ständige Frage, was das Richtige für unsere Kinder ist: Die Autorin schafft es auf vergleichsweise wenig Seiten, diese aktuellen Themen spannend und immer wieder kritisch aufzubereiten. Das einzige, was mich enttäuscht hat, war das Ende.