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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.12.2025

Ein Mädchen verschwindet

Wem du traust
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Eva führt mit Ehemann und kleinem Sohn ein harmonisches Leben. Sie geniesst eine respektvolle Beziehung mit Daniel, ist vernetzt in der Nachbarschaft und hat auch wieder im Berufsleben Fuss gefasst. Einfach ...

Eva führt mit Ehemann und kleinem Sohn ein harmonisches Leben. Sie geniesst eine respektvolle Beziehung mit Daniel, ist vernetzt in der Nachbarschaft und hat auch wieder im Berufsleben Fuss gefasst. Einfach super, oder?

Doch dann verschwindet über Nacht die 15-jährige Sofie, Tochter von Evas bester Freundin. Wie schon oft hatte Sofie auf Evas Sohn als Babysitterin aufgepasst und ist danach nie zu Hause angekommen. Stunde um Stunde vergeht und die Nerven liegen blank. Die für den Vermisstenfall eingesetzte Kommissarin stellt schon bald fest, dass sich Widersprüche ergeben und nicht nur eine Person lügt. Und immer noch keine Spur des Mädchens.

Die Autorin hat einen klug geplotteten Erzählstrang aufgebaut. Sie spielt mit unseren Vorurteilen und führt den Leser elegant aufs Glatteis. Ich liebe und hasse es, wenn Autoren es schaffen, mich trotz all meiner Wachsamkeit so in die Irre zu führen. Die Figuren erhalten ausreichend Tiefe und überzeugen. Bis zuletzt vermag die Geschichte die Spannung souverän zu halten. Ebenfalls gefallen mir die Darstellung der akribischen, oft auch fruchtlosen Ermittlerarbeit und die Beharrlichkeit der Ermittlerin. Ein grossartiger Pageturner, auch dank der knackig-kurzen Länge der Kapitel. Diese verleitete mich oft zum Vorsatz: "Nur noch 1 Kapitel..."

Empfehlung für Leser von Ellen Sandberg oder Minette Walters.

Veröffentlicht am 27.11.2025

komplexe Figur neu erzählt

Medea
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Der antike Dramatiker Euripides hatte vor vielen hundert Jahren die Geschichte der Medea erzählt. Eine Frau, die seither als eine der dunkelsten Figuren der griechischen Mythologie bekannt ist. Medea, ...

Der antike Dramatiker Euripides hatte vor vielen hundert Jahren die Geschichte der Medea erzählt. Eine Frau, die seither als eine der dunkelsten Figuren der griechischen Mythologie bekannt ist. Medea, die Hexe. Medea, die Mörderin ihrer eigenen Kinder. Nicht gerade ein schmeichelhafter Ruf, der wohl bis in die Neuzeit hinein Autoren davon abgehalten hat, dieser Figur ein eigenes Buch zu widmen. Rosie Hewlett hat sich an eine komplette Neuerzählumg gewagt und bereits das wunderschöne Cover hatte auf mich eine magnetische Anziehungskraft.

Die Autorin nimmt uns mit bis an den Anfang. Wir lernen das kleine Mädchen Medea kennen. Eine Königstochter, die unter einem lieblosen, brutalen Vater und einem sadistischen Bruder zu leiden hat. Die Mutter, selbst eingeschüchtert und abgestumpft, vermag dem Mädchen weder Liebe noch Wärme zu schenken. Bereits im Kindesalter erwachen in dem Kind grosse magische Fähigkeiten, die sie aber zur Ausgestossene und Geächteten machen. Sie wächst unter zahlreichen Repressalien zu einer jungen Frau heran. Sie erkennt schon früh, dass sie trotz, oder gerade wegen ihrer magischen Fähigkeiten zum Spielball machtgieriger Menschen wird. Die Ereignisse werden immer dramatischer und gipfeln im Unvorstellbaren.

Eine kraftvolle, magische, feminine und zugleich feministische Erzählung. Das Lied einer Frau, die nie ihren Platz im Leben finden durfte, getrieben von Schuld und Rache. Der Roman ist dramaturgisch hervorragend orchestriert. Die beinahe 500 Seiten lesen sich flüssig und ohne Langeweile. Für die Ausgestaltung der Charaktere bleibt bei dieser Länge ausreichend Platz. Nun können wir diese Figur auch aus einem anderen Blickwinkel sehen: Medea, die Leidenschaftliche. Medea die Verratene. Medea die Alleingelassene.

Mein gewähltes Zitat aus diesem Buch: "Ich bin nicht blind für die Grenzen, die eine Frau beschränken."

Veröffentlicht am 25.11.2025

Aus persönlichen Gründen zutiefst berührt

Elf ist eine gerade Zahl
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Die 14-jährige Paula leidet an einer seltenen Krebserkrankung. Wegen eines Ablegers in der Lunge befindet sie sich in Warteposition für eine grosse Operation, die auch das weitere Vorgehen klären soll. ...

Die 14-jährige Paula leidet an einer seltenen Krebserkrankung. Wegen eines Ablegers in der Lunge befindet sie sich in Warteposition für eine grosse Operation, die auch das weitere Vorgehen klären soll. In diesem luftleeren Raum fehlen sowohl ihr als auch der ganzen Familie die Worte. Um das unerträgliche Warten zu verkürzen, beginnt die erschöpfte Mutter Katja, ihrer Tochter eine magische Geschichte zu erzählen. Es ist die Geschichte eines mutigen Mädchens, das vor bösen Schatten fliehen muss und ein ungewöhnlicher Fuchs spielt eine besondere Rolle. Die Geschichte wird zum Fixpunkt und Anker im tristen Klinikalltag und dies nicht nur für die kranke Tochter.

Wer einen solchen Roman weben kann, ist nicht ein Autor, sondern ein Zauberer. Wer ein Leben mit metastasierendem Krebs in diese Worte kleiden kann und punktgenau veranschaulichen kann, was das Warten, die Ungewissheit und die Verzweiflung bedeuten, der muss ein solches Schicksal selbst im allernächsten Umfeld erfahren haben. Krebs zu haben bedeutet, dass Welten von heute auf morgen Kopf stehen und dass sich in kürzester Zeit Dinge, Perspektiven und Zeitrechnung ändern. Dazu mein Lieblingszitat aus dem Buch: "Sie haben auch gerne zusammen gesungen, als sie noch in dieser Galaxie der Gesunden gelebt haben."

Da mein Ehemann auch Krebskämpfer ist, hat dieser Roman mein Herz mehrfach gebrochen und wieder geheilt, auf eine Weise, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Ich dachte immer, es gebe kein Buch der Welt, das je ausdrücken könnte, was in Angehörigen von Krebspatienten wahrhaftig vorgeht. Hier habe ich Sätze lesen dürfen, die bislang nur in meinem Kopf existiert haben.

Veröffentlicht am 17.11.2025

Es fehlt der Feinschliff

Belladonnas
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Julie und Chloe sind eineiige Zwillingsschwestern. Im Alter von drei Jahren wurden sie getrennt, als die Eltern starben. Chloe wird von einem reichen New Yorker Paar adoptiert, lebt in Saus und Braus und ...

Julie und Chloe sind eineiige Zwillingsschwestern. Im Alter von drei Jahren wurden sie getrennt, als die Eltern starben. Chloe wird von einem reichen New Yorker Paar adoptiert, lebt in Saus und Braus und führt ein erfolgreiches Leben als Influencerin. Julie hingegen muss in ärmlichen Verhältnissen bei der boshaften Tante leben und sich mit unterbezahlten Jobs über Wasser halten.

Als ihre Schwester Chloe überraschend stirbt, ergibt sich für Julie DIE Chance ihres Lebens, unerkannt die Identität der Schwester anzunehmen. Sie taucht ein in das scheinbar sorglose Leben einer Millionärin und steht plötzlich im Rampenlicht. Doch es wird gefährlich, denn nicht nur ihr falsches Spiel droht aufzufliegen, sondern es gibt nebst Followern und Fans offenbar auch Todfeinde.

Anfangs hat es mich sehr inspiriert, über das ganze Social Media Phänomen, inszenierte Authenzitität, unreflektiertes Konsumverhalten, Pseudopersönlichkeiten, sowie der Gier nach Reichweite, Macht und Geld zu lesen. Der Erzählstil, den ich zu Beginn noch als Coolness wahrgenommen habe, wurde mir aber schon bald zu oberflächlich und eindimensional. Der teilweise hemdsärmelige Plot hat mich nicht überzeugt, ich fand ihn ziemlich anspruchslos. Ich mag es, wenn ich beim Lesen eines Buchs intellektuell gefordert werde, hier habe ich teilweise Szenen regelrecht vorausgesehen. Auch die Übergänge fand ich ziemlich abrupt, manchmal einfach eine lieblose Aneinanderreihung einzelner Szenen - wie bei einem gut gemeinten Schüleraufsatz. Es hat der Feinschliff gefehlt.

Veröffentlicht am 17.11.2025

Es fehlt der Feinschliff

Belladonnas
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Julie und Chloe sind eineiige Zwillingsschwestern. Im Alter von drei Jahren wurden sie getrennt, als die Eltern starben. Chloe wird von einem reichen New Yorker Paar adoptiert, lebt in Saus und Braus und ...

Julie und Chloe sind eineiige Zwillingsschwestern. Im Alter von drei Jahren wurden sie getrennt, als die Eltern starben. Chloe wird von einem reichen New Yorker Paar adoptiert, lebt in Saus und Braus und führt ein erfolgreiches Leben als Influencerin. Julie hingegen muss in ärmlichen Verhältnissen bei der boshaften Tante leben und sich mit unterbezahlten Jobs über Wasser halten.

Als ihre Schwester Chloe überraschend stirbt, ergibt sich für Julie DIE Chance ihres Lebens, unerkannt die Identität der Schwester anzunehmen. Sie taucht ein in das scheinbar sorglose Leben einer Millionärin und steht plötzlich im Rampenlicht. Doch es wird gefährlich, denn nicht nur ihr falsches Spiel droht aufzufliegen, sondern es gibt nebst Followern und Fans offenbar auch Todfeinde.

Anfangs hat es mich sehr inspiriert, über das ganze Social Media Phänomen, inszenierte Authenzitität, unreflektiertes Konsumverhalten, Pseudopersönlichkeiten, sowie der Gier nach Reichweite, Macht und Geld zu lesen. Der Erzählstil, den ich zu Beginn noch als Coolness wahrgenommen habe, wurde mir aber schon bald zu oberflächlich und eindimensional. Der teilweise hemdsärmelige Plot hat mich nicht überzeugt, ich fand ihn ziemlich anspruchslos. Ich mag es, wenn ich beim Lesen eines Buchs intellektuell gefordert werde, hier habe ich teilweise Szenen regelrecht vorausgesehen. Auch die Übergänge fand ich ziemlich abrupt, manchmal einfach eine lieblose Aneinanderreihung einzelner Szenen - wie bei einem gut gemeinten Schüleraufsatz. Es hat der Feinschliff gefehlt.