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Veröffentlicht am 05.09.2025

Zauberhafte Idee schwach umgesetzt

Der Laden in der Mondlichtgasse
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Eine geheimnisvolle Confiserie in Japan, versteckt und nur zu gewissen Mondphasen geöffnet. Sie ist ausschliesslich zugänglich für Menschen mit wenig Selbstbewusstsein, deren Leben gerade aus der Balace ...

Eine geheimnisvolle Confiserie in Japan, versteckt und nur zu gewissen Mondphasen geöffnet. Sie ist ausschliesslich zugänglich für Menschen mit wenig Selbstbewusstsein, deren Leben gerade aus der Balace ist. Ein mysteriöser Ladenbesitzer (mit Fuchsohren!) verkauft hier ganz besondere Leckereien, die das Leben der Kundschaft zum Positiven verändern sollen. Doch Vorsicht mit der Verzehrmenge!

Bereits die Buchbeschreibung und das schöne Cover haben mich neugierig gemacht und ich habe eine spannende und fantastische Geschichte mit Tiefgang erwartet. Leider wurden meine grossen Erwartungen enttäuscht.

Zwar taucht man in japanische Lebensart und Kultur ein, was eine Bereicherung ist. (Hier sei auch das Glossar der japanischen Süssigkeiten lobend erwähnt). Doch die Erzählweise kommt oft derart hölzern und hemdsärmelig daher, dass sie sich eher wie der Aufsatz eines braven Schülers liest, als ein professioneller Roman. Ich frage mich, ob das auch an der Übersetzung liegen könnte. Der Plot ist nicht gerade anspruchsvoll konstruiert, und so ähneln sich die sechs einzelnen Episoden ziemlich. Die Story ist zu vorhersehbar, bietet keinen Raum für Überraschungen und so war ich bei der Lektüre über weite Strecken unterfordert. Schade, ich hätte mir mehr gewünscht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.09.2025

Zauberhafte Idee schwach umgesetzt

Der Laden in der Mondlichtgasse
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Eine geheimnisvolle Confiserie in Japan, versteckt und nur zu gewissen Mondphasen geöffnet. Sie ist ausschliesslich zugänglich für Menschen mit wenig Selbstbewusstsein, deren Leben gerade aus der Balace ...

Eine geheimnisvolle Confiserie in Japan, versteckt und nur zu gewissen Mondphasen geöffnet. Sie ist ausschliesslich zugänglich für Menschen mit wenig Selbstbewusstsein, deren Leben gerade aus der Balace ist. Ein mysteriöser Ladenbesitzer (mit Fuchsohren!) verkauft hier ganz besondere Leckereien, die das Leben der Kundschaft zum Positiven verändern sollen. Doch Vorsicht mit der Verzehrmenge!

Bereits die Buchbeschreibung und das schöne Cover haben mich neugierig gemacht und ich habe eine spannende und fantastische Geschichte mit Tiefgang erwartet. Leider wurden meine grossen Erwartungen enttäuscht.

Zwar taucht man in japanische Lebensart und Kultur ein, was eine Bereicherung ist. (Hier sei auch das Glossar der japanischen Süssigkeiten lobend erwähnt). Doch die Erzählweise kommt oft derart hölzern und hemdsärmelig daher, dass sie sich eher wie der Aufsatz eines braven Schülers liest, als ein professioneller Roman. Ich frage mich, ob das auch an der Übersetzung liegen könnte. Der Plot ist nicht gerade anspruchsvoll konstruiert, und so ähneln sich die sechs einzelnen Episoden ziemlich. Die Story ist zu vorhersehbar, bietet keinen Raum für Überraschungen und so war ich bei der Lektüre über weite Strecken unterfordert. Schade, ich hätte mir mehr gewünscht.

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Veröffentlicht am 30.08.2025

Ein Leben implodiert

Aufsteiger
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Felix Licht, 48, verheiratet, eine Tochter, rackert sich seit 20 Jahren in der Geschäftsleitung eines einflussreichen Deutschen Wochenmagazins ab. Alles hat er bisher seiner Karriere untergeordnet: die ...

Felix Licht, 48, verheiratet, eine Tochter, rackert sich seit 20 Jahren in der Geschäftsleitung eines einflussreichen Deutschen Wochenmagazins ab. Alles hat er bisher seiner Karriere untergeordnet: die Ehe, seine Familie und seine Gesundheit kamen immer erst nach der wichtigen Arbeit. Mit bedingungslosem Ehrgeiz und blinder Treue folgte er immer seinem Mentor. Als dieser die Redaktion verlässt, ist für Felix der Weg frei, um endlich den freigewordenen Sessel des Chefredakteurs einzunehmen. Damit hat er nämlich die letzten Jahre fix gerechnet und in Annahme dessen sogar bereits einen Lebensstil gewählt, der über seine Verhältnisse geht.

In Erwartung seiner feierlichen Beförderung erhält er im Büro des Verlegers stattdessen die Mitteilung, dass jemand anders gewählt wurde. Ausgerechnet die 20 Jahre jüngere Feministin Zoe Rauch, mit der ihn eine pikante gemeinsame Vergangenheit verbindet, wird seine neue Chefin. Statt der neue gefeierte Stern der Deutschen Medienlandschaft zu sein, steht Felix plötzlich alleine da, Weggefährten lassen ihn fallen wie eine heisse Kartoffel. Ihm wird bewusst, wie dünn die Luft dort oben ist und wie einfach jeder ersetzbar ist. Die Lage spitzt sich zu und gipfelt in einem hochdramatischen Finale.

Dieser Roman ist intelligenteste und pure Unterhaltung. Nicht einen einzigen langweiligen Hänger habe ich zu bemängeln. Alles ist dabei: Macht- und Ränkespiele, menschliches Drama und die gesamte Bandbreite der Themen, die unsere Gesellschaft derzeit bewegen. Dazu die wichtige Frage, wie weit Medien gehen dürfen und was politisch korrekter Journalisums sein soll. Peter Huth ist meine persönliche Entdeckung als kluger Beobachter und pointierter Erzähler mit messerscharfer Feder.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

entwurzelt

Meine Mutter
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Wer war meine Mutter? Diese Frage stellt sich die Autorin urplötzlich, obwohl die Mutter schon seit Jahren tot ist. Die Leserschaft erfährt auf den ersten Seiten gleich direkt und ohne abfedernde Umschweife, ...

Wer war meine Mutter? Diese Frage stellt sich die Autorin urplötzlich, obwohl die Mutter schon seit Jahren tot ist. Die Leserschaft erfährt auf den ersten Seiten gleich direkt und ohne abfedernde Umschweife, dass sowohl die Mutter als auch die Schwester durch Suizid gestorben sind. Man erkennt bereits die gewählte Erzählsprache: direkt, ehrlich, sachlich und schonungslos. Alleine schon der erste Satz ist ein Fausthieb - mutig, diesen gewählt zu haben, auch wenn er nicht von der Autorin selbst stammt.

Zeitlebens hatte die Autorin zur Mutter ein distanziertes Verhältnis. Entrückt, unnahbar, dramatisch oder depressiv nahm sie diese wahr. Sie begreift, dass sie auf der Suche nach der Mutter die ganze Ahnenlinie freilegen muss, zurück bis zum Ursprung. Wir reisen in einen Luftkurort im heutigen Polen. Die Mutter lebte dort ihre ersten zehn Lebensjahre, damals gehörte die Region Niederschlesien zu Deutschland. Die Familie des Mädchens führte dort ein Sanatorium. Wir befinden uns in den Wirren des 2. Weltkrieges. Hunger, Verluste, Leid und schliesslich die Vertreibung nach Kriegsende prägten die Menschen, die sich entwurzelt und traumatisiert inmitten von neu gezogenen Grenzen fanden.

Mit viel Geschick entwirrt die Autorin eine sehr vorbelastete Familiengeschichte und beleuchtet parallel dazu das enorme Kriegsleid, das Millionen Menschen getroffen hat. Durch die nüchterne Sprache werden auch grausame Details des Krieges ohne Effekthascherei veranschaulicht. Besonders eindrücklich werden das Machtvakuum und die Orientierungslosigkeit in den ersten Tagen nach Kriegsende geschildert.

Ich habe den Roman innert Kürze gelesen und bin tief beeindruckt von der Offenheit der Autorin. Mit emotionsarmer Sprache werden hier umso mehr Emotionen geweckt. Bei diesem Inhalt, mit dem die Leserschaft hier konfrontiert wird, möchte ich noch anregen, dass das Anbringen einer entsprechenden Triggerwarnung sinnvoll gewesen wäre.

Veröffentlicht am 06.08.2025

Zurückkatapultiert in das eigene Erwachsenwerden und die Urgewalt der ersten Liebe

Öffnet sich der Himmel
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James, der in einer grossen Lebenskrise steckt, nachdem seine Ehe gescheitert ist, kehrt nach 20 Jahren zurück in sein Heimatdorf in Nordengland. Er begibt sich auf gedankliche Zeitreise zurück in jenen ...

James, der in einer grossen Lebenskrise steckt, nachdem seine Ehe gescheitert ist, kehrt nach 20 Jahren zurück in sein Heimatdorf in Nordengland. Er begibt sich auf gedankliche Zeitreise zurück in jenen Sommer, in dem er 16 Jahre alt war. Damals ging er noch zur Schule und hatte gerade sein Coming-out hinter sich, was in dem konservativen Ort zu Demütigungen und Ausgrenzung führte. Als Einzelgänger verbringt er dort ereignislose und langweilige Tage.

Dies ändert sich schlagartig, als Luke, der Neffe eines Nachbarn in der Nähe einzieht und hier einen Sommer verbringen soll. Obwohl James sich seiner sexuellen Orientierung bereits bewusst war, hatte seine Begierde noch nie den konkreten Weg zu einer Person gefunden. Luke entfacht in James nun dieses Feuer, verhält sich aber selbst stets distanziert und abweisend. Besonders angefeuert durch Lukes Unnahbarkeit, lodern die Emotionen in James umso heller und verzehrender. Dann bahnt sich eine Tragödie an.

Der Roman lebt und atmet durch die lebhafte und intensive Bildsprache, der Gravitationskraft der beiden Protagonisten und dem Wechselspiel von Nähe und Distanz. Ein Buch für alle, deren eigenes Heranwachsen schon etwas zurückliegt, die jedoch bereit sind, diese bitter-süsse Zeit nochmals aufleuchten zu lassen. Wer sich diesem Roman ganz hingibt, wird ihn nicht mit den Augen, sondern dem Herzen lesen. Von der ersten bis zur letzten Seite lag mein Innerstes beim Lesen offen und verletzlich da. Hervorheben möchte ich auch die exzellente Übersetzungsarbeit, die es geschafft hat, dass sich dieser Roman wie die reinste Prosa lesen und geniessen lässt.

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