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BrigittesitztinderMitte

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.09.2025

Fiktive Politikerin, die mir sympathisch war

Die Frau der Stunde
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Bonn, Bundesrepublik Deutschland, Ende der Siebziger Jahre. Die liberale Bundestagsabgeordnete Catharina Cornelius wird völlig unerwartet Aussenministerin und Vizekanzlerin der Republik. Sprachgewandt, ...

Bonn, Bundesrepublik Deutschland, Ende der Siebziger Jahre. Die liberale Bundestagsabgeordnete Catharina Cornelius wird völlig unerwartet Aussenministerin und Vizekanzlerin der Republik. Sprachgewandt, selbstbewusst und eloquent betritt sie männliches Hoheitsgebiet und muss sich ihren Status mühsam erkämpfen.

Catharina ist Intelligent, scharfsinnig und ausgezeichnet mit einem Gespür für Menschen jeglicher Gesinnung, dazu ordentlich trinkfest und kettenrauchend. Die Ernennung in das Amt ist eine Zäsur in ihrem politischen und persönlichen Leben - es gibt fortan nur noch ein Davor und Danach. Sie ist nun eine gläserne Person und wird von allen Seiten mit Argusaugen beobachtet. Keinen Misstritt darf sie sich mehr leisten, denn die Luft ist dünn dort oben und Fehltritte werden nicht verziehen - schon gar nicht einer Frau. Auch ihre Liaison mit einem Journalisten könnte zum Stolperstein werden. Die innen- und aussenpolitische Lage ist äusserst schwierig. Die richtigen Schachzüge bei der komplexen Koalitionsbildung sind zu treffen, Entscheidungen in der EG-Politik stehen an und im Iran zeichnet sich ein Machtwechsel an, der auch seine Schatten nach Westeuropa wirft. Unerschütterlich bleibt jedoch Catharinas Freundschaft zu zwei Frauen, die sie durch Dick und Dünn begleiten.

Die Autorin schafft es, der Leserschaft ein realistisches und lebendiges Bild eines bewegten Jahrzehnts zu vermitteln. Unso beeindruckender, da sie selbst aufgrund ihres Jahrgangs keine eigenen Erinnerungen an diese Zeit haben dürfte. Besonders schön fand ich auch die geschilderte tiefe Frauenfreundschaft, welche den Protagonistinnen Halt gibt. Danke auch für die musikalischen Ohrwürner, die ich eine Weile nicht mehr loswurde.

Veröffentlicht am 05.09.2025

Zauberhafte Idee schwach umgesetzt

Der Laden in der Mondlichtgasse
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Eine geheimnisvolle Confiserie in Japan, versteckt und nur zu gewissen Mondphasen geöffnet. Sie ist ausschliesslich zugänglich für Menschen mit wenig Selbstbewusstsein, deren Leben gerade aus der Balace ...

Eine geheimnisvolle Confiserie in Japan, versteckt und nur zu gewissen Mondphasen geöffnet. Sie ist ausschliesslich zugänglich für Menschen mit wenig Selbstbewusstsein, deren Leben gerade aus der Balace ist. Ein mysteriöser Ladenbesitzer (mit Fuchsohren!) verkauft hier ganz besondere Leckereien, die das Leben der Kundschaft zum Positiven verändern sollen. Doch Vorsicht mit der Verzehrmenge!

Bereits die Buchbeschreibung und das schöne Cover haben mich neugierig gemacht und ich habe eine spannende und fantastische Geschichte mit Tiefgang erwartet. Leider wurden meine grossen Erwartungen enttäuscht.

Zwar taucht man in japanische Lebensart und Kultur ein, was eine Bereicherung ist. (Hier sei auch das Glossar der japanischen Süssigkeiten lobend erwähnt). Doch die Erzählweise kommt oft derart hölzern und hemdsärmelig daher, dass sie sich eher wie der Aufsatz eines braven Schülers liest, als ein professioneller Roman. Ich frage mich, ob das auch an der Übersetzung liegen könnte. Der Plot ist nicht gerade anspruchsvoll konstruiert, und so ähneln sich die sechs einzelnen Episoden ziemlich. Die Story ist zu vorhersehbar, bietet keinen Raum für Überraschungen und so war ich bei der Lektüre über weite Strecken unterfordert. Schade, ich hätte mir mehr gewünscht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.09.2025

Zauberhafte Idee schwach umgesetzt

Der Laden in der Mondlichtgasse
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Eine geheimnisvolle Confiserie in Japan, versteckt und nur zu gewissen Mondphasen geöffnet. Sie ist ausschliesslich zugänglich für Menschen mit wenig Selbstbewusstsein, deren Leben gerade aus der Balace ...

Eine geheimnisvolle Confiserie in Japan, versteckt und nur zu gewissen Mondphasen geöffnet. Sie ist ausschliesslich zugänglich für Menschen mit wenig Selbstbewusstsein, deren Leben gerade aus der Balace ist. Ein mysteriöser Ladenbesitzer (mit Fuchsohren!) verkauft hier ganz besondere Leckereien, die das Leben der Kundschaft zum Positiven verändern sollen. Doch Vorsicht mit der Verzehrmenge!

Bereits die Buchbeschreibung und das schöne Cover haben mich neugierig gemacht und ich habe eine spannende und fantastische Geschichte mit Tiefgang erwartet. Leider wurden meine grossen Erwartungen enttäuscht.

Zwar taucht man in japanische Lebensart und Kultur ein, was eine Bereicherung ist. (Hier sei auch das Glossar der japanischen Süssigkeiten lobend erwähnt). Doch die Erzählweise kommt oft derart hölzern und hemdsärmelig daher, dass sie sich eher wie der Aufsatz eines braven Schülers liest, als ein professioneller Roman. Ich frage mich, ob das auch an der Übersetzung liegen könnte. Der Plot ist nicht gerade anspruchsvoll konstruiert, und so ähneln sich die sechs einzelnen Episoden ziemlich. Die Story ist zu vorhersehbar, bietet keinen Raum für Überraschungen und so war ich bei der Lektüre über weite Strecken unterfordert. Schade, ich hätte mir mehr gewünscht.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.08.2025

Ein Leben implodiert

Aufsteiger
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Felix Licht, 48, verheiratet, eine Tochter, rackert sich seit 20 Jahren in der Geschäftsleitung eines einflussreichen Deutschen Wochenmagazins ab. Alles hat er bisher seiner Karriere untergeordnet: die ...

Felix Licht, 48, verheiratet, eine Tochter, rackert sich seit 20 Jahren in der Geschäftsleitung eines einflussreichen Deutschen Wochenmagazins ab. Alles hat er bisher seiner Karriere untergeordnet: die Ehe, seine Familie und seine Gesundheit kamen immer erst nach der wichtigen Arbeit. Mit bedingungslosem Ehrgeiz und blinder Treue folgte er immer seinem Mentor. Als dieser die Redaktion verlässt, ist für Felix der Weg frei, um endlich den freigewordenen Sessel des Chefredakteurs einzunehmen. Damit hat er nämlich die letzten Jahre fix gerechnet und in Annahme dessen sogar bereits einen Lebensstil gewählt, der über seine Verhältnisse geht.

In Erwartung seiner feierlichen Beförderung erhält er im Büro des Verlegers stattdessen die Mitteilung, dass jemand anders gewählt wurde. Ausgerechnet die 20 Jahre jüngere Feministin Zoe Rauch, mit der ihn eine pikante gemeinsame Vergangenheit verbindet, wird seine neue Chefin. Statt der neue gefeierte Stern der Deutschen Medienlandschaft zu sein, steht Felix plötzlich alleine da, Weggefährten lassen ihn fallen wie eine heisse Kartoffel. Ihm wird bewusst, wie dünn die Luft dort oben ist und wie einfach jeder ersetzbar ist. Die Lage spitzt sich zu und gipfelt in einem hochdramatischen Finale.

Dieser Roman ist intelligenteste und pure Unterhaltung. Nicht einen einzigen langweiligen Hänger habe ich zu bemängeln. Alles ist dabei: Macht- und Ränkespiele, menschliches Drama und die gesamte Bandbreite der Themen, die unsere Gesellschaft derzeit bewegen. Dazu die wichtige Frage, wie weit Medien gehen dürfen und was politisch korrekter Journalisums sein soll. Peter Huth ist meine persönliche Entdeckung als kluger Beobachter und pointierter Erzähler mit messerscharfer Feder.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

entwurzelt

Meine Mutter
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Wer war meine Mutter? Diese Frage stellt sich die Autorin urplötzlich, obwohl die Mutter schon seit Jahren tot ist. Die Leserschaft erfährt auf den ersten Seiten gleich direkt und ohne abfedernde Umschweife, ...

Wer war meine Mutter? Diese Frage stellt sich die Autorin urplötzlich, obwohl die Mutter schon seit Jahren tot ist. Die Leserschaft erfährt auf den ersten Seiten gleich direkt und ohne abfedernde Umschweife, dass sowohl die Mutter als auch die Schwester durch Suizid gestorben sind. Man erkennt bereits die gewählte Erzählsprache: direkt, ehrlich, sachlich und schonungslos. Alleine schon der erste Satz ist ein Fausthieb - mutig, diesen gewählt zu haben, auch wenn er nicht von der Autorin selbst stammt.

Zeitlebens hatte die Autorin zur Mutter ein distanziertes Verhältnis. Entrückt, unnahbar, dramatisch oder depressiv nahm sie diese wahr. Sie begreift, dass sie auf der Suche nach der Mutter die ganze Ahnenlinie freilegen muss, zurück bis zum Ursprung. Wir reisen in einen Luftkurort im heutigen Polen. Die Mutter lebte dort ihre ersten zehn Lebensjahre, damals gehörte die Region Niederschlesien zu Deutschland. Die Familie des Mädchens führte dort ein Sanatorium. Wir befinden uns in den Wirren des 2. Weltkrieges. Hunger, Verluste, Leid und schliesslich die Vertreibung nach Kriegsende prägten die Menschen, die sich entwurzelt und traumatisiert inmitten von neu gezogenen Grenzen fanden.

Mit viel Geschick entwirrt die Autorin eine sehr vorbelastete Familiengeschichte und beleuchtet parallel dazu das enorme Kriegsleid, das Millionen Menschen getroffen hat. Durch die nüchterne Sprache werden auch grausame Details des Krieges ohne Effekthascherei veranschaulicht. Besonders eindrücklich werden das Machtvakuum und die Orientierungslosigkeit in den ersten Tagen nach Kriegsende geschildert.

Ich habe den Roman innert Kürze gelesen und bin tief beeindruckt von der Offenheit der Autorin. Mit emotionsarmer Sprache werden hier umso mehr Emotionen geweckt. Bei diesem Inhalt, mit dem die Leserschaft hier konfrontiert wird, möchte ich noch anregen, dass das Anbringen einer entsprechenden Triggerwarnung sinnvoll gewesen wäre.