Abwechslungsreicher Sommerroman mit realitätsschwächen
Himmelsee – Über den Wellen leuchtet das Glück (Himmelsee 1)Linna kehrt mit ihrem Sohn Miko in ihren Heimatort "Himmelsee" an der Ostsee zurück, nachdem ihre Mutter einen Schwächeanfall erlitten hat. Denn ihre Schwester und ihr Vater benötigen Hilfe im Familieneigenen ...
Linna kehrt mit ihrem Sohn Miko in ihren Heimatort "Himmelsee" an der Ostsee zurück, nachdem ihre Mutter einen Schwächeanfall erlitten hat. Denn ihre Schwester und ihr Vater benötigen Hilfe im Familieneigenen Hotel. 10 Jahre zuvor hatte Linna Himmelsee nach einem tragischen Unglück verlassen. Nun trifft sie auf alte Freunde und Bekannte, schließlich sogar auf ihre alte Liebe.
Der Beziehung mit ihrem Partner Ilja, der als Pilot arbeitet, hatte sie bereits vor ihrer Reise nach Himmelsee eine vorübergehende Pause verordnet, weil er zu selten für sie und den gemeinsamen Sohn da war. So muss Linna im beruflichen, aber vor allem im privaten Bereich sortieren, wo und mit wem sie ihre Zukunft gestalten möchte. Dazu muss sie sich der Vergangenheit, aber auch der Gegenwart mit ihren Herausforderungen stellen, denn eine endgültige Entscheidung muss getroffen werden.
Der erste Band der "Himmelsee"-Reihe von Tanja Janz überzeugt mit einem schönen Cover, das einen von Urlaub und Ruhe träumen lässt. Der Roman liest sich flüssig und abwechslungsreich, die Protagonisten wirken ehrlich sympathisch. Leider ist die Handlung an einigen Stellen sehr unrealistisch. Zum Beispiel geht Linna während einer Hotelveranstaltung, bei der jede Hand benötigt wird, einfach mit ihrer Freundin zum Spaziergang. Ihre Mutter, die ihren Schwächeanfall aufgrund Überarbeitung erlitten hat und nicht loslassen kann, ist genau so wenig wie der Vater beim Vorstellungsgespräch für eine neue Mitarbeiterin dabei. Diese, die zur Entlastung der Mutter eingestellt wird, bringt mit einem Foodtruck noch mehr Arbeit ins Spiel. Wobei der Truck dann innerhalb weniger Tage hergerichtet ist und mit sämtlichen Genehmigungen versehen. Auch Linnas Umgang mit ihrem Sohn Miko wirft Fragen auf, denn gefühlt verbringt sie nur sehr wenig Zeit mit ihm. Also genau das, was sie eigentlich ihrem Mann vorwirft.
Für mich hätte das Buch gerne 50-100 Seiten mehr haben können. Diese hätten sich sicherlich ebenso leicht gelesen wie die anderen 300, aber viele Dinge hätten realistischer dargestellt werden können.
Weitere Bücher der Reihe werde ich sicher lesen, denn Tanja Janz ist ein schöner, abwechslungsreicher Sommerroman gelungen, dem man sogar in der Gesamtschau die realitätsferne nachsieht. Mehr Lesevergnügen wäre jedoch garantiert, wenn weniger künstlerische Freiheit zum Tragen gekommen wäre.