Zeitloser Appell
Die Klage des FriedensIm 16. Jahrhundert geschrieben ist dieses Buch heute immer noch erschreckend aktuell. Erasmus von Rotterdam lässt den Frieden selbst sprechen und klagen, warum er gerade unter den Menschen keinen Platz ...
Im 16. Jahrhundert geschrieben ist dieses Buch heute immer noch erschreckend aktuell. Erasmus von Rotterdam lässt den Frieden selbst sprechen und klagen, warum er gerade unter den Menschen keinen Platz findet, deren Vernunft, Glauben und deren vergleichsweise schwache Stellung innerhalb einer feindlichen Umwelt, geprägt von Krankheiten, Missernten und anderen Beschwerlichkeiten, Frieden und Zusammenhalt geradezu fordert. Dabei führt der Frieden aus, dass er sowohl in großen Gruppen – wie einer Religionsgemeinschaft – als auch im Kleinen – wie der Ehe – keinen Platz hat.
Selbstverständlich sind einige Eckpunkte dieses Appells zeitgebunden: Kriegstreiberei durch Papst Julius II, Hoffnung auf einige junge Könige, die gerade die Macht in Europa übernommen hatten, der Krieg gegen die Türken – aber der Großteil des Textes ist absolut zeitlos: Die Forderung nach Frieden, die Notwendigkeit des Friedens, die Sinnlosigkeit des Krieges schon im Hinblick auf alles, was mit ihm erreicht werden soll. Das gilt heute wie damals und wird immer gelten.
Als problematisch betrachte ich nur einen einzigen Aspekt: An zwei/ drei Stellen werden damals aktuelle Feindbilder beschworen: Juden und Türken. Diese Aspekte müssen vom heutigen Leser reflektiert und in den zeitlichen Kontext gesetzt werden. Deswegen kann ich diesem so genialen und äußerst wichtigen Buch nur 4 Sterne geben.
Mir hat dieses Buch ausgezeichnet gefallen. Eine zeitlose Botschaft, die heute noch Geltung hat und die jeder beherzigen sollte.