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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.03.2024

Für mich ein perfekter Urlaubsroman

Muschelsommer
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Influencer-City-Girl trifft auf verschlossenen Bauern auf dem Land und schon wird aus der Abneigung ein heftiges Knistern. So könnte man die Liebesgeschichte beschreiben, die wir in Muschelsommer von Karin ...

Influencer-City-Girl trifft auf verschlossenen Bauern auf dem Land und schon wird aus der Abneigung ein heftiges Knistern. So könnte man die Liebesgeschichte beschreiben, die wir in Muschelsommer von Karin König präsentiert bekommen.
Isabella lebt in Berlin und arbeitet als Köchin in einem ausbeuterischen, italienischen Restaurant. Während ihr diese Arbeit alles abverlangt, kann sie ihre Leidenschaft für das Kochen nur noch auf ihrem eigenen Food-Instagram-Kanal ausleben. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sie das Sponsoren-Angebot eines großen Lebensmittelkonzerns direkt annimmt, um ihrem Traum näher zu kommen, von ihrem Influencer-Dasein Leben zu können. Doch dieses Sponsorship lässt sie nicht etwa in der Hauptstadt. Nein, sie wird an die Ostsee auf einen abgelegenen Bauernhof geschickt, um ihren Followern von dort aus zu präsentieren, wo ihre Lebensmittel herkommen. Bauer Tim macht es Isabella jedoch nicht leicht und vermittelt mit jeder Faser, dass er sie eigentlich nicht dort haben möchte. Aber wie es sich für eine richtige Enemies-to-Lovers-Romanze gehört, wird aus der unterkühlten Stimmung schnell ein immer heftigeres Knistern.
Muschelsommer spielt mit den Klischees der Figuren und das mochte ich sehr: So ist Isabella das typische Großstadt-Mädchen – sie geht gerne feiern, will professionelle Influencerin werden, wohnt in einer WG und wundert sich über die schlechte Anbindung der öffentlichen Verkehrsmittel auf dem Land. Sie ist überrascht von der Hilfsbereitschaft und dem Tratschen der Landbewohner, aber lässt sich bereitwillig darauf ein, um ihrem Traum näher zu kommen. Tim dagegen ist verschlossen, skeptisch gegenüber Neuem und gar nicht begeistert von dem, was er für Social Media aufnehmen soll. Doch sie beide verbindet die Abneigung gegenüber dem unsympathischen PR-Manager León, dem sofort etwas unnahbares, abgehobenes und Zwielichtiges anhaftet. Und so bedienen auch alle weiteren Hauptfiguren die typischen Stereotypen. Das fand ich sehr unterhaltsam, weil es die Klischees so schön übertreibt. Vor allem aber konnten sich die Figuren dadurch ganz herrlich entwickeln. So verschmilzen und verschwinden die Klischees gegen Ende des Buches völlig, was wirklich gut zur Handlung passt.
Auch die Liebesgeschichte zwischen Isabella und Tim verläuft ganz nach meinem Geschmack. Denn die Autorin schafft es, dass es sich für mich nach genau dem richtigen Tempo anfühlt. Mal passiert etwas zwischen den beiden, was sie einander näherbringt. Dann sind sie wieder ganz kühl miteinander und es passiert ein paar Tage gar nichts, bis dann plötzlich zwei oder drei Sprünge schnell hintereinanderkommen. Das hält die Spannung hoch, weil man die nächsten Schritte schlecht vorausahnen kann, und macht es zu einer authentischen, realitätsnahen Entwicklung zwischen zwei Menschen, die sich langsam näherkommen. Auch Tims Probleme mit dem Vertrauen wirken nachvollziehbar und ebenso realistisch wie der Streit zwischen den beiden. Daher fühlt man sich, während man von den beiden liest, selbst wie ein verliebter Teenager, dem die eigenen Gefühle immer bewusster werden. Ich konnte mich hervorragend in die Emotionen fallen lassen und wirklich mitfiebern.
Durch die Aufklärung mit dem Betrug des Unternehmens kommt zusätzlich zu der Liebesgeschichte eine gewisse Spannung in die Geschichte, die ich ebenfalls sehr mochte. Mich hat Muschelsommer von der ersten Seite an gefesselt und mir schöne Lesestunden beschert. Das Einzige, was mir noch gut gefallen hätte, wären etwas mehr Szenen am Meer, die ja erst zur Mitte des Buches eingebunden werden. Sie haben zwar weder für die Handlung noch für die Gefühle gefehlt, aber sie machen so einen Leseurlaub für mich noch perfekter. Das ist aber nur ein kleines Manko, sodass ich Muschelsommer uneingeschränkt weiterempfehlen kann.

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Veröffentlicht am 09.03.2024

Bedrückende Emotionen durch Kraft der Sprache

Leuchtfeuer
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Leuchtfeuer skizziert das Bild von zwei Familien, die mehr oder weniger zusammenhängen, und greift gleichzeitig auf, wie sehr einzelne Entscheidungen unser ganzes Leben beeinflussen können.
Im Zentrum ...

Leuchtfeuer skizziert das Bild von zwei Familien, die mehr oder weniger zusammenhängen, und greift gleichzeitig auf, wie sehr einzelne Entscheidungen unser ganzes Leben beeinflussen können.
Im Zentrum von Leuchtfeuer steht die Familie Wilf: Die beiden Kinder Sarah und Theo, die als Jugendliche einen Autounfall verursacht haben, bei dem ein junges Mädchen verstorben ist. Ben Wilf der als Arzt dem Mädchen an der Unfallstelle helfen wollte und mit einer falschen Handbewegung alles noch schlimmer gemacht hat. Und Mimi Wilf, die Mutter der Familie, die dachte, dass es für alle leichter sein würde, wenn sie nicht über die Geschehnisse sprechen. Doch die Zeit schreitet voran und wir als Leser erfahren in verschiedenen Kapiteln und zu verschiedenen Zeiten, wie die Personen damit umgegangen sind und wie es ihr Leben beeinflusst hat. Und als dann der kleine Nachbarsjunge auftaucht, dem Ben damals auf die Welt geholfen hat, zeichnet sich ab, dass irgendwie alles zusammenhängt.
Besonders hat mich an diesem Buch die Sprache beeindruckt. Sie ist so wortgewaltig, dass sie mit wenigen Umschreibungen alle Emotionen transportiert, die die Figuren gerade selbst durchleben. Auch die Sprünge zwischen den Personen und Zeiten schaffen eine besondere Atmosphäre, die mir als Leser das Gefühl gegeben hat, dass wir alle miteinander in Verbindung stehen. Leuchtfeuer lässt sich schwer in wenigen Sätzen zusammenfassen, aber man muss diese beeindruckende Sprache gelesen haben. Das dadurch entstehende bedrückende Gefühl ist sicherlich nicht für jeden etwas. Mir jedoch hat Leuchtfeuer irgendwie nähergebracht, jeden Moment etwas bewusster zu leben.
Wer es gerne etwas tiefgründiger mag, sollte Leuchtfeuer unbedingt für sich entdecken.

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Veröffentlicht am 29.02.2024

Agentengeschichte mit nicht ganz einfachem Schreibstil

Code Name Verity
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Eine echte Agenten-Geschichte mit zwei weiblichen Hauptfiguren, die eine tiefe, intensive Freundschaft verbindet, das hatte ich erwartet. Zumindest in puncto Agent bin ich nicht enttäuscht worden. Denn ...

Eine echte Agenten-Geschichte mit zwei weiblichen Hauptfiguren, die eine tiefe, intensive Freundschaft verbindet, das hatte ich erwartet. Zumindest in puncto Agent bin ich nicht enttäuscht worden. Denn das Buch beginnt mit der britischen Agentin Verity, die in einer französischen Stadt von den Nazis während der Belagerung gefangen gehalten und verhört wird. Wir erfahren von ihr, dass sie mit einem Flugzeug hergebracht wurde, das ihre Freundin Maddie geflogen hat. Letztere ist aber abgestürzt und Verity wurde kurz nach ihrer Ankunft in Frankreich festgenommen, weil sie beim Überqueren der Straße zuerst zur falschen Seite geschaut hat.
Die Erzählung dieser Verhörsituation bildet den ersten Part des Buches und schafft es mit dem Schreibstil gut, dem Leser zu zeigen, wie wirr Veritys Gedanken umherflattern und dass sie sich nicht mehr konzentrieren kann. Zwar macht es die Situation so sehr authentisch, dennoch fand ich es unheimlich schwer, den Gedanken zu folgen und ich musste mich mehr als einmal fragen, worum es gerade geht. Gut gelungen ist es aber, dass man Verity während der Verhörsituation das Geschriebene zu einhundert Prozent glaubt und hinterher durch die Wendung ziemlich überrascht wird. Den zweiten Part des Buches lesen wir aus Maddies Sicht. Dieser wird zwar auch als Bericht verfasst, man kann ihren Gedanken aber deutlich besser folgen. Durch den durchlaufenden Erzählstrang baut sich hier auch eine größere Spannung auf und man entwickelt mehr Nähe zu den Figuren. Noch besser hätte ich es allerdings gefunden, wenn wir nicht erst rückwirkend von den Erlebnissen lesen würden, sondern dieser direkt aus der Erleb-Perspektive geschildert würden.
Natürlich sind auch die Erlebnisse der beiden Frauen mehr als schockierend und sehr realitätsnah wiedergegeben. Doch ich konnte zu den beiden keine richtige Verbindung aufbauen und auch die enge Freundschaft zwischen den beiden konnte ich nicht nachempfinden oder fühlen. Für mich blieb es dadurch eine Erzählung mit Spannung, deren Figuren mir aber total fremd und fern waren.
Alles in allem muss ich sagen, dass ich die Geschichte und Idee des Buches wirklich gut fand, mir aber die Umsetzung aus zwei Gründen nicht gut gefallen hat: Mir war der Schreibstil zuerst zu wirr und danach zu distanziert von den Ereignissen. Und zweitens haben mir die Emotionen gefehlt, die mich den Figuren nähergebracht hätten. Daher kann ich dieses Buch leider nicht weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 09.02.2024

Eine Frauenfreundschaft wie ein rotes Band

Sturmmädchen
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Sturmmädchen ist die Geschichte dreier Freundinnen zur Zeit des Nationalsozialismus, die mich so tief berührt hat, als wäre ich die vierte Freundin im Bund.
Elli, Käthe und Margot sind seit früher Kindheit ...

Sturmmädchen ist die Geschichte dreier Freundinnen zur Zeit des Nationalsozialismus, die mich so tief berührt hat, als wäre ich die vierte Freundin im Bund.
Elli, Käthe und Margot sind seit früher Kindheit miteinander befreundet und das obwohl sie so unterschiedlich sind: Käthe, die in ärmlichen Verhältnissen aufwächst und das uneheliche Kind ihrer Schwester großzieht. Margot, die aus reichem Elternhaus und aus der Stadt kommt und die das Landleben nur durch das Ferienhaus kennt. Elli, die eine Missbildung ihres Beines hat und Zeitlebens als Hinkemädchen gehänselt wird. Doch der Unterschied, der die Freundschaft strapaziert und letztendlich teilweise zerstört, kommt durch den Nationalsozialismus. Denn Käthe wird strenge Anhängerin der Ideologie, während Margot als Jüdin zur Verfolgten wird. Und Elli steht zwischen den beiden. Doch sie fühlt sich Margot viel näher und will ihr und ihrer Familie helfen.
Geschichten aus dem Nationalsozialismus habe ich schon viele gelesen und auch diese erzählt kein Leid, das man nicht schon gelesen haben könnte. Was mich allerdings so gefesselt hat, war der atmosphärische Erzählstil. Ich habe wirklich das Gefühl gehabt, mich selbst in den ärmlichen Verhältnissen in dem kleinen, alten Backhaus zu befinden. Nicht nur die Geschichten von unterernährten Kindern, sterbenden Säuglingen und dem Hunger haben dazu beigetragen, sondern auch, dass Elli die Geschichte erzählt. Sie hat selbst ein Handicap, wird gehänselt und muss fürchten, selbst als Mensch zweiter Klasse gesehen zu werden. Und diese Befürchtung schwingt zwischen allen Zeilen mit. Gleichzeitig hat sie aber so ein großes Herz, will helfen und versteckt sich nicht. Doch sie weiß nicht, wie und auch nicht, wem sie noch trauen kann und was sie denken soll bei den vielen ungesagten Geheimnissen, die jeder um sie herum zu haben scheint. So schleicht sich im Verlauf der Geschichte auch eine Angst um das eigene Leben ein und ein Misstrauen gegenüber den Mitmenschen, das man förmlich spüren kann. Elli aber wird immer mutiger und entschlossener, selbst etwas zu tun. Diese Persönlichkeitsentwicklung hat sich sehr authentisch angefühlt, genau wie die Gefühle so realistisch transportiert wurden, dass sie mich richtig mitgerissen haben.
Zu diesen Gefühlen und der bedrückenden Atmosphäre gesellen sich aber auch eine kaum auszuhaltende Spannung, ob alles funktioniert wie geplant, und ein Funke Hoffnung, der immer wieder aufglüht. Ich habe mir die ganze Zeit über so sehr ein Happy End für Margot und ihre Familie gewünscht. Genau das hat mich aber sehr nachdenklich gemacht, wenn ich das Buch mal aus der Hand gelegt habe: Denn ich habe mir ein Happy End für die jüdische Familie herbeigesehnt, obwohl man aus heutiger Sicht genau weiß, dass es für die meisten Juden damals kein Happy End geben konnte. Und das hat mich wirklich traurig gemacht.
Gut gefallen hat mir auch, dass die Autorin die Freundschaft der drei Mädchen, auch wenn sich Käthe durch die Ideologie von ihnen entfernt hat, immer wieder aufgreift. Sie begegnen sich immer wieder und führen kurze Unterhaltungen, sodass der rote Faden nicht abreißt, und am Ende weiß man auch warum. Das fand ich wirklich gelungen!
Für mich schon jetzt eines der Lese- oder Hör-Highlights in diesem Jahr!

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Veröffentlicht am 09.02.2024

Gleicher Hörspaß doppelt so viel lernen, wie bei anderen Hörgeschichten

Wieso? Weshalb? Warum? junior. Wir gehen einkaufen
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Die meisten Kinder lieben Hörspiele. Doch die Vielzahl der Geschichten fokussiert sich mehr oder weniger ausschließlich auf die Unterhaltung der Kleinen. In den Wieso, weshalb, warum Hörspielen ist das ...

Die meisten Kinder lieben Hörspiele. Doch die Vielzahl der Geschichten fokussiert sich mehr oder weniger ausschließlich auf die Unterhaltung der Kleinen. In den Wieso, weshalb, warum Hörspielen ist das anders: der Unterhaltungsfaktor bleibt der Gleiche, aber es gibt so viel zu lernen und zu verstehen. Deshalb kommen diese Hörspiele bei uns auch so gut an.
Diese Ausgabe konzentriert sich auf das Einkaufen. Ein Kind erzählt einer Erwachsenen, was es beim Einkaufen so erlebt hat. Hier ist vom Supermarkt, über den Markt, den Schuh- und Kleidungskauf bis hin zum Apothekenbesuch alles dabei. Die Dialoge sind dabei leicht verständlich und doch ansprechend gestaltet. Zwischen den Dialogsequenzen werden immer wieder schöne, einprägsame Lieder eingespielt. Besonders die Lieder sind etwas für Wiederholungshörer und lassen sich schon beim zweiten Zuhören mitsingen, das gefällt den Kleinsten natürlich.
Wir waren begeistert!

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