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Veröffentlicht am 06.04.2026

Toller Abschluss

Löwenherzen
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Jones beendet seine Essex Dogs-Trilogie und verzichtet komplett auf romantisierte Ritterfantasien. Stattdessen bekommt man ein raues, ehrliches Bild einer Welt im Krieg und Umbruch. Krieg ist hier kein ...

Jones beendet seine Essex Dogs-Trilogie und verzichtet komplett auf romantisierte Ritterfantasien. Stattdessen bekommt man ein raues, ehrliches Bild einer Welt im Krieg und Umbruch. Krieg ist hier kein Abenteuer, sondern Alltag. Dreckig, erschöpfend und oft sinnlos.

Die Handlung setzt nach den großen Schlachten des Vorgängers ein. Die Gruppe ist zerstreut. Loveday versucht, sich in Winchelsea ein ruhiges Leben aufzubauen, was in dieser Zeit fast schon naiv wirkt. Stattdessen rutscht er in Schmuggel und kriminelle Strukturen ab.
Parallel dazu erleben wir Romford am Hof in Windsor: Prunk, Intrigen und Machtspiele. Aber auch hier ist der Glanz nur Fassade. Die Folgen der Pest sind überall spürbar.

Das Besondere am Buch? Es geht nicht um Könige. Nicht um die große Helden.
Sondern um Menschen, die einfach nur versuchen zu überleben und den Krieg zu überstehen.

Die Essex Dogs sind müde, desillusioniert und oft Spielball einer Welt, die sie nicht kontrollieren können. Das zeichnet die Reihe seit jeher aus. Auch die Figurenentwicklung ist richtig gut gelungen. Wer die Reihe kennt, wird auch hier wieder abgeholt. Gerade Lovedays Geschichte hat mich ziemlich beeindruckt.

Erzählerisch ist das Ganze diesmal etwas anders aufgebaut. Der Einstieg braucht ein bisschen, aber sobald die Handlungsstränge zusammenlaufen, zieht das Buch richtig an. Die Wendungen im Mittelteil haben mich auf jeden Fall überzeugen können. Kritischer sehe ich das Ende: Das Finale kommt dann doch überraschend schnell und wirkt im Vergleich zum Aufbau etwas knapp. Da wäre deutlich mehr drin gewesen, vor allem weil Jones sich solche "Schnitzer" normalerweise eher nicht erlaubt. Auch sprachlich muss man sich drauf einlassen. Teilweise sehr moderne Ausdrucksweisen, das passt nicht immer perfekt zur Zeit, muss man so hinnehmen.

Dennoch bleibt unterm Strich ein starker, ehrlicher Abschluss, der weniger auf Spektakel setzt, sondern auf Figuren, Atmosphäre und ein glaubwürdiges Bild des Mittelalters. Die Essex Trilogie bleibt eine starke historische Reihe rund um den 100- jährigen Krieg und ich hoffe, der Autor legt nach.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Absolut empfehlenswert

Teufels Bruder
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1896: Zwei Brüder reisen durch Italien. Heinrich, 25, selbstbewusst, schon auf dem Weg zum Schriftsteller. Und Thomas, der jüngere Bruder, unsicher, suchend, ein bisschen verloren. Noch ist er nur „Tommy“, ...

1896: Zwei Brüder reisen durch Italien. Heinrich, 25, selbstbewusst, schon auf dem Weg zum Schriftsteller. Und Thomas, der jüngere Bruder, unsicher, suchend, ein bisschen verloren. Noch ist er nur „Tommy“, der Sitzenbleiber. Als Leser:in weiß man, wer er einmal sein wird. Aber hier, in dieser Geschichte, steht er noch ganz am Anfang.

Was mich am meisten begeistert hat, ist die Beziehung der Brüder.
Thomas bewundert Heinrich fast schon schmerzhaft. Er will gesehen werden, ernst genommen werden. Dieses Szenario prägt das ganze Buch. Es zeigt einen verletzlichen jungen Mann, der seinen Sinn und Zweck im Leben noch sucht und geprägt wird durch Erfahrungen.

Und Heinrich? Der wirkt stark, fast überlegen. Aber auch das bröckelt. Da sind Unsicherheit, Druck, Erwartungen. Beide sind im Grunde auf der gleichen Suche: nach sich selbst, nach Anerkennung und nach Liebe. Die Reise durch Italien ist dabei viel mehr als nur schicke Kulisse. Besonders in Venedig verändert sich Thomas. Die Begegnung mit dem melancholischen Jungen, der ihn nicht mehr loslässt. Der Autor erzählt das gefühlvoll und zeigt die feinen Nuancen des Lebens. Diese Passagen haben mir wirklich sehr gut gefallen, weil Matthias Lohre hier sein ganzes literarisches Talent zeigt. Den großen Thomas Mann als verletzlichen Menschen zu zeichnen.

Was Lohre ebenfalls richtig gut macht: Er verbindet Realität und Fiktion so, dass man ständig denkt, genau so könnte es gewesen sein. Gleichzeitig hat man das Gefühl, Thomas Mann beim Entstehen zuzusehen. Beim Sammeln von Eindrücken, die später Literatur werden.

Und trotzdem bleibt es ein eigener Roman. Keine bloße Nacherzählung, keine Biografie in Romanform, sondern eine Geschichte, die für sich alleinstehend überaus gut funktioniert.

Für mich war das ein richtig starkes Buch.
Ich habe oft vergessen, dass ich hier über einen der größten Schriftsteller überhaupt lese. Es ging einfach nur um Thomas. Um einen jungen Mann, der seinen Weg sucht.

Am Ende ist es für mich eine klare Leseempfehlung. Ein Buch, das zeigt, wie aus Unsicherheit etwas Großes entstehen kann. Die Geschichte rund um Thomas Mann ist ein literarischer Genuss, Matthias Lohre hat hier ein Buch vorgelegt, dass den großen Mythos "Thomas Mann" nicht entzaubert, sondern menschlicher macht. Ein großes Jahreshighlight.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Starker historischer Thriller

Im Schatten der Ruinen
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„Im Schatten der Ruinen“ von Peter Klisa hat mich wirklich beeindruckt und gehört für mich zu den besten Büchern des laufenden Jahres.

Der Roman spielt im Berlin des Jahres 1948, einer Stadt, die noch ...

„Im Schatten der Ruinen“ von Peter Klisa hat mich wirklich beeindruckt und gehört für mich zu den besten Büchern des laufenden Jahres.

Der Roman spielt im Berlin des Jahres 1948, einer Stadt, die noch immer von den Folgen des Krieges gezeichnet ist. Trümmer, Hunger und eine völlig zerstörte Infrastruktur bestimmen den Alltag. Peter Klisa gelingt es nämlich erstaunlich gut, diese Zeit lebendig werden zu lassen. Beim Lesen hat man oft das Gefühl, selbst durch die Ruinen der Stadt zu laufen.

Was mir besonders gefallen hat: Das Buch funktioniert nicht nur als spannender Thriller, sondern auch als sehr glaubwürdiges und realistisches Zeitbild. Die Nachkriegszeit wird hier ziemlich schonungslos gezeigt. Schwarzmarkt, Armut und ein Alltag, der für viele Menschen nur aus Improvisation besteht.

Auch die Figuren haben mir richtig gut gefallen. Gerade Captain Matthew Wallet ist eine spannende Hauptfigur, weil er mit vielen Vorurteilen nach Berlin kommt und im Laufe der Geschichte merkt, dass die Realität deutlich komplizierter ist als gedacht. Besonders die Begegnungen mit den Menschen vor Ort verändern seinen Blick auf vieles. Überhaupt lebt der Roman stark von seinen Figuren. Sie wirken greifbar, menschlich und manchmal auch tragisch.

Der Schreibstil von Peter Klisa ist dabei angenehm direkt und sehr bildhaft. Die Seiten fliegen förmlich dahin, weil Spannung und Atmosphäre hier wirklich gut zusammen funktionieren. Gleichzeitig nimmt sich der Autor immer wieder Zeit für kleine Beobachtungen des Alltags, die dem Ganzen noch mehr Authentizität geben.

Für mich ist „Im Schatten der Ruinen“ ein richtig starker historischer Thriller geworden. Spannung, Atmosphäre und ein sehr lebendiges Bild der Nachkriegszeit greifen hier wunderbar ineinander. Wenn ihr historische Thriller mögt, solltet ihr euch dieses Buch definitiv anschauen. Für mich persönlich ganz klar das erste Jahreshighlight 2026.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Sehr gelungen

Das Reich der Rose
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Frankreich, 1293. Das Land ist in Aufruhr, der Templerorden steht unter Druck, Misstrauen und Machtkämpfe liegen in der Luft. Mitten hinein in diese unruhige Zeit schickt Daniel Wolf seinen jungen Protagonisten ...

Frankreich, 1293. Das Land ist in Aufruhr, der Templerorden steht unter Druck, Misstrauen und Machtkämpfe liegen in der Luft. Mitten hinein in diese unruhige Zeit schickt Daniel Wolf seinen jungen Protagonisten Constantin Fleury. Als Knappe zweifelt er nicht nur an seiner Eignung zum Ritter, sondern auch an sich selbst. Der Auftrag, einen sagenumwobenen Stein mit heilender Wirkung zu finden, klingt zunächst wie eine Bewährungsprobe, entwickelt sich jedoch rasch zu einer Reise, die ihn körperlich wie seelisch an seine Grenzen bringt.

Was diesen Roman besonders macht, ist die Art, wie der Autor die Geschichte zum Leben erweckt. Von den Nachwirkungen der Kreuzzüge bis in die verschlammten Straßen französischer Städte entfaltet sich ein Panorama, das stark recherchiert wirkt, Dabei begegnen uns Intrigen, Verrat, Loyalität und Freundschaft. Übergeordnet verknüpfen sich dabei mehrere Handlungsstränge geschickt miteinander, sodass der Lesespaß über weite Strecken erhalten bleibt.

Trotz des Umfangs bleibt die Erzählung recht zugänglich. Die Figuren stehen im Mittelpunkt, so wie ich das mag. Am Ende bleibt eine abgeschlossene Geschichte, die einen zufrieden zurücklässt, aber auch durchaus Lust auf mehr macht.

Für mich ist „Das Reich der Rose“ ein starker historischer Roman, mit tollen Figuren und einem Setting, das ich ohnehin sehr gerne lese. Wer Mittelalterromane liebt, die Abenteuer und Charakterentwicklung verbinden, sollte hier definitiv zugreifen.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Absolut fantastisch geschrieben

Kampf der Könige
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Bei „Kampf der Könige: Das Haus Plantagenet und das blutige Spiel um Englands Thron“ geht es um die Dynastie der Plantagenets, jene Familie, die England und zeitweise halb Frankreich über gut zweieinhalb ...

Bei „Kampf der Könige: Das Haus Plantagenet und das blutige Spiel um Englands Thron“ geht es um die Dynastie der Plantagenets, jene Familie, die England und zeitweise halb Frankreich über gut zweieinhalb Jahrhunderte geprägt, geformt, verheizt und immer wieder an den Rand des Abgrunds geführt hat. Jones spannt dabei einen großen Bogen: vom Aufstieg der Familie im 12. Jahrhundert über Kreuzzüge, innere Machtkämpfe, politische Intrigen und persönliche Tragödien bis hin zu ihrem Niedergang. Es ist die Geschichte einer Herrscherfamilie, die kaum zur Ruhe kam, weil Macht hier nie selbstverständlich war, sondern immer neu erkämpft, verteidigt oder verloren wurde. Für mich war dieses Buch damals der Einstieg in die spannende Welt der Geschichte.

Im Zentrum stehen bekannte, aber auch weniger präsente Namen: Eleonore von Aquitanien, Richard Löwenherz oder Johann Ohneland, dessen Regentschaft oft als gescheitert gilt, der mit der Magna Carta aber ein Fundament legte, das bis heute nachwirkt. Später folgen Heinrich III. und schließlich Richard II., kunstsinnig, empfindsam und politisch überfordert. Jones erzählt all das nicht als trockene Abfolge von Jahreszahlen, sondern als Geschichte von Menschen, die Entscheidungen trafen und mit deren Konsequenzen leben mussten.

Meine persönliche Beziehung zu diesem Buch ist eine besondere. Ich habe es damals im englischen Original gelesen, was nicht immer leicht war, mich aber doch beeindruckt hat. Geschichte fühlte sich plötzlich lebendig und greifbar an. Für mich ist „Kampf der Könige“ eines der besten Bücher von Dan Jones überhaupt. Es ist der Grund, warum ich ihn bis heute für einen der besten populärwissenschaftlichen Historiker halte. Dieses Buch hat mich geprägt, mein Interesse an Geschichte vertieft und mir gezeigt, wie spannend Sachbücher sein können, wenn sie gut geschrieben sind. Es ist keine trockene Geschichtsstunde, sondern eine Einladung, sich auf eine wilde, blutige, faszinierende Epoche einzulassen.

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