Toller Abschluss
LöwenherzenJones beendet seine Essex Dogs-Trilogie und verzichtet komplett auf romantisierte Ritterfantasien. Stattdessen bekommt man ein raues, ehrliches Bild einer Welt im Krieg und Umbruch. Krieg ist hier kein ...
Jones beendet seine Essex Dogs-Trilogie und verzichtet komplett auf romantisierte Ritterfantasien. Stattdessen bekommt man ein raues, ehrliches Bild einer Welt im Krieg und Umbruch. Krieg ist hier kein Abenteuer, sondern Alltag. Dreckig, erschöpfend und oft sinnlos.
Die Handlung setzt nach den großen Schlachten des Vorgängers ein. Die Gruppe ist zerstreut. Loveday versucht, sich in Winchelsea ein ruhiges Leben aufzubauen, was in dieser Zeit fast schon naiv wirkt. Stattdessen rutscht er in Schmuggel und kriminelle Strukturen ab.
Parallel dazu erleben wir Romford am Hof in Windsor: Prunk, Intrigen und Machtspiele. Aber auch hier ist der Glanz nur Fassade. Die Folgen der Pest sind überall spürbar.
Das Besondere am Buch? Es geht nicht um Könige. Nicht um die große Helden.
Sondern um Menschen, die einfach nur versuchen zu überleben und den Krieg zu überstehen.
Die Essex Dogs sind müde, desillusioniert und oft Spielball einer Welt, die sie nicht kontrollieren können. Das zeichnet die Reihe seit jeher aus. Auch die Figurenentwicklung ist richtig gut gelungen. Wer die Reihe kennt, wird auch hier wieder abgeholt. Gerade Lovedays Geschichte hat mich ziemlich beeindruckt.
Erzählerisch ist das Ganze diesmal etwas anders aufgebaut. Der Einstieg braucht ein bisschen, aber sobald die Handlungsstränge zusammenlaufen, zieht das Buch richtig an. Die Wendungen im Mittelteil haben mich auf jeden Fall überzeugen können. Kritischer sehe ich das Ende: Das Finale kommt dann doch überraschend schnell und wirkt im Vergleich zum Aufbau etwas knapp. Da wäre deutlich mehr drin gewesen, vor allem weil Jones sich solche "Schnitzer" normalerweise eher nicht erlaubt. Auch sprachlich muss man sich drauf einlassen. Teilweise sehr moderne Ausdrucksweisen, das passt nicht immer perfekt zur Zeit, muss man so hinnehmen.
Dennoch bleibt unterm Strich ein starker, ehrlicher Abschluss, der weniger auf Spektakel setzt, sondern auf Figuren, Atmosphäre und ein glaubwürdiges Bild des Mittelalters. Die Essex Trilogie bleibt eine starke historische Reihe rund um den 100- jährigen Krieg und ich hoffe, der Autor legt nach.