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Veröffentlicht am 18.01.2026

mir fehlte etwas

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Bei Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel von Alena Schröder hatte mich der Klappentext und die Leseprobe sehr neugierig gemacht. Ich wollte unbedingt mehr über die Geschichten von Marlen, Wilma ...

Bei Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel von Alena Schröder hatte mich der Klappentext und die Leseprobe sehr neugierig gemacht. Ich wollte unbedingt mehr über die Geschichten von Marlen, Wilma und Hannah erfahren.

Die Geschichte von Marlen und Wilma ist so tiefgreifend, bedrückend und doch auch voller Geheimnisse. Als Wilma von der kleinen Marlen in einem Forsthaus entdeckt wird, schafft sie es gerade noch das Mädchen zu verstecken. Ja sogar vor größerem Unheil zu beschützen und nimmt sie erstmal mit nach Hause. Ein Haus, das viel Leid und Gefühlskälte erlebt hat und dessen gute Seele Burgel ist. Früher das Kindermädchen des Hausbesitzers und nun mit dessen Frau den Widrigkeiten des Krieges getrotzt hat. Jetzt auch noch ein Kind?! Irgendwie schaffen die drei es ein einigermaßen gutes Leben zu führen. Denn Wilma ist Malerin, immer von ihren im Krieg verschollenen Mann unterdrückt, klein gemacht und geschlagen. Wilma findet den Mut selbst zu malen und wird im Laufe der Jahre zu einer anerkannten Malerin. Doch sie hütet ein Geheimnis und nur Marlen kann es mit ihr zusammen hüten. Doch Marlen will nicht immer nur im Schatten der großen Malerin stehen und dann taucht auch noch plötzlich der verschollene und verhasste Ehemann von Wilma auf.

Hannahs Geschichte hat mich weniger überzeugt. Hier wirkte alles irgendwie ‚zusammen geschustert‘, unglaubwürdig und bisweilen an den Haaren herbei gezogen. Ihre beste Freundin zieht auf Grund ihrer Schwangerschaft mit ihren Freund in eine Kommune aufs Land und plötzlich zieht der Neffe ihrer Arbeitskollegin in ihre Wohnung mit ein. Als dann auch sofort und plötzlich ein großer Blumenstrauß mit einer Karte auf ihrem Küchentisch steht von ihrem Vater steht. Fortan nennt sie ihn Martin Klammer auf Papa Klammer zu.
Während sie ihren Untermieter und seine Freundin immer nerviger empfindet taucht auch noch plötzlich ein alter Freund ihrer Mutter aus Amerika wieder auf. Das erste Treffen mit der Familie von Martin Klammer auf Papa Klammer zu passieren merkwürdige Dinge und ab dem Punkt war es für dann nicht mehr greifbar.

Zwar sind zwei Zeitebenen toll und doch fehlte mir etwas! Bis zum Ende des Buches konnte ich nicht greifen was es genau ist. Aber dann wurde es mir klar. Wo ist der Zusammenhang oder Übergang dieser im Klappentext genannten Leinwand? Welche Verbindung haben diese beiden Frauen außer dieser in Marlens Geschichte beschriebene Leinwand?
Die Lösung ist eigentlich simpel allerdings auch wichtig. Es gibt noch quasi zwei vorherige Bücher. Diese Info hätte ich gern gehabt. Denn so war Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel von Alena Schröder für mich nur ein Buch über zwei Frauen und sehr vielen offenen Fragen.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

fesselndes chinesisches Light Novel

Till the End of the Moon 1
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Als ich sah, dass zu der chinesischen Drama Serie Till the End of the Moon endlich die Vorlage auf deutsch im Bramble Verlag erscheint, entlockte mir dies schon ein freudiges Quietschen. Als ich dann das ...

Als ich sah, dass zu der chinesischen Drama Serie Till the End of the Moon endlich die Vorlage auf deutsch im Bramble Verlag erscheint, entlockte mir dies schon ein freudiges Quietschen. Als ich dann das Buch in meinen Händen hielt gab es kein Zögern! Nachdem ich das Cover mit dem Dämonengott Tantai Jin darauf und dem zurückhaltenden, edlen Farbschnitt sah war ich gleich zum Lesen verführt!
Aber kann ein Buch bzw. eine Buchreihe das wiedergeben oder gar übertrumpfen was ich schon sah? Wie mag es sich anfühlen die Geschichte von Tantai Jin und Li Susu zu folgen? Werden dieselben Emotionen erweckt oder schafft es Teng Luo Wei Zhi während des Lesens noch neue Aspekte einzubringen? Wird mir auch das Buch diese eisige Schönheit von Tantai Jin zeigen? Wird mich auch die wärmende Anmut und die sanftmütige Entschlossenheit von Li Susu ebenso gefangen nehmen?

Mir schossen so viele Fragen durch den Kopf. Ja, man könnte sagen ich war etwas voreingenommen. Ich konnte mich dem Blick des Dämonengottes nicht widersetzen und folgte dem Drang endlich Till the End of the Moon – Verdorbenes Herz von Teng Luo Wei Zhi zu lesen.

Schon mit den ersten Worten befand ich mich in einer mir bekannten Welt und war dort gefangen. Mir fiel es wirklich schwer das Buch aus der Hand zulegen, denn beim lesen entdeckte ich immer mehr neue Details und Fassetten an Tantai und Susu. Es fühlte sich an als würde ich nicht lesen sondern vielmehr sehen und fühlen was die Protagonisten sahen und empfanden. Zwar verfügt das Buch und die Geschichte über unzählige Protagonisten, welche zu Beginn des Buch vorgestellt werden. Allerdings hatte ich nie das Gefühl einer Überforderung durch die Anzahl oder der Verwirrtheit wer zu wem gehört oder wer welche Position inne hat. Jede einzelne Person hat ihren Platz und wird niemals ‚klein geredet. Ganz im Gegenteil, denn jede einzelne Person ist wichtig für die Geschehnisse. Dies und die Fähigkeit in einer schier endlosen Bildgewalt zu schreiben gelingt Teng Luo Wei Zhi so perfekt, dass es schon ein gewisses Suchtpotenzial hat das Buch zu lesen. Hier empfinde ich es beim Buch schon stärker als bei der Serie.



Darum geht es
In Till the End of the Moon – Verdorbenes Herz begleiten wir den künftigen Dämonengott Tantai Jin. Was brachte ihn vor 500 Jahren dazu so grausam, kaltherzig und mächtig zu werden? Wurde er womöglich schon so geboren oder ist es nur eine Verkettung von Erfahrungen und Leiden? Li Susu wird von ihren Vater, dem Oberhaupt der Hengyang-Schule in der Zeit zurückgeschickt um Tantai schon in den Anfängen zu stoppen. Was Susu nicht ahnt, sie ‚landet‘ im Körper von Ye Xiwu der Ehefrau von Tantai. Ye Xiwu ist kaltherzig, arrogant und überheblich, das genaue Gegenteil von Susu.
Hier jetzt noch mehr zu erzählen würde in wilde Spoiler enden. Denn die folgenden Ereignisse sind so maßgeblich für den Verlauf so wichtig, spannend und entbehren nicht an Spannung.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

berührend schön

Onigiri
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Onigiri ist ein sehr berührendes Buch und mit so viel Gefühl geschrieben, dass es eigentlich mit einem Päckchen Taschentücher verkauft werden müsste. Die Autorin schreibt so authentisch und berührend, ...

Onigiri ist ein sehr berührendes Buch und mit so viel Gefühl geschrieben, dass es eigentlich mit einem Päckchen Taschentücher verkauft werden müsste. Die Autorin schreibt so authentisch und berührend, eigentlich möchte man am Ende des Buches Aki und ihre demenzkranke Mutter Keiko in den Arm nehmen und nie mehr los lassen.

Akis Großmutter, die in Japan lebte ist verstorben und sie beschließt mit ihrer Mutter noch einmal in deren Heimat zu reisen. Es ist eine Reise voller Gefühle. Denn so eine lange Reise ist so schon nicht einfach und weißt auch teils amüsante Episoden auf. Dennoch ist aber auch eine Reise in das Leben von Keiko. Ich kam nach Deutschland in ein für sie völlig fremdes Land mit einer fremden Kultur, heiratete bekam zwei Kinder und wurde geschieden. Mit ihren deutschen Schwiegereltern kam sie nie wirklich zurecht und auch ihr Ex-Mann war nicht wirklich für die Kinder da. Um so mutiger ist es, dass sie in Deutschland blieb. Die Reise in ihre Heimat ist für sie wie eine Zeitreise und mit vielen Erinnerungen behaftet die sie trotz ihrer Erkrankung noch fühlen kann.
Gleichzeitig ist es aber auch die Aufarbeitung einer Familie, ihrer Geschichte und dem Wunsch des Nichtvergessens

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Veröffentlicht am 22.09.2025

erschütterndes Familiengeheimnis

Die Verlorene
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Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt und sehr offen aber auch höchst gefühlvoll geschrieben. Besonders die Zeit in Schlesien zur Kriegszeit empfand ich höchst emotional. Es ist eine mutige Reise ...

Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt und sehr offen aber auch höchst gefühlvoll geschrieben. Besonders die Zeit in Schlesien zur Kriegszeit empfand ich höchst emotional. Es ist eine mutige Reise in die Vergangenheit mit einem sehr persönlichen und erschütternden Blick auf ein Familiengeheimnis.

Die Geschichte von Änna ist selbst in der heutigen Zeit bedrückend und erschreckend. Ein Leben lang muss ich in einer dunklen Dachkammer verbringen. Zwar als Schutz aber es wirkt auch als wäre es eine Erleichterung für ihre Familie. Denn Änna ist nicht einfach und sie hängt viel zu sehr an ihrer Zwillingsschwester. Als sich ihre Schwester in einen Zwangsarbeiter verliebt und sich immer mehr zu einer eigenständigen Person entwickelt tut Änna etwas unaussprechliches. Sie wird schwanger und verliert damit alles was sie eigentlich wollte. Die Bindung zu ihrer Tochter Ellen ist überhaupt nicht vorhanden und als etwas traumatisches während der Besetzung des Hauses passiert entwickelt Änna sich immer mehr zur Kämpferin. Die Bindung zu ihrer Tochter wird immer weniger und ihre Zwillingsschwester kümmert sich rührend um das kleine Mädchen. Dafür ist sie zu bewundern, ist doch das kleine Mädchen dass was sie sich von Karl erträumt hatte.

Für mich ist das Buch wie eine Zeitreise, die ich leider niemals selbst erfahren durfte. Auch ich habe familiären Bezug zu Schlesien und die damalige Flucht. Umso spannender war Die Verlorene für mich.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Traumaaufarbeitung

Eden
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Eden von Jan Costin Wagner ist ein sehr bewegender und mutiger Blick auf einen tragischen Verlust. Markus schenkt seiner Tochter Sofie Karten für ein Konzert ihrer Lieblingssängerin. Zusammen mit seiner ...

Eden von Jan Costin Wagner ist ein sehr bewegender und mutiger Blick auf einen tragischen Verlust. Markus schenkt seiner Tochter Sofie Karten für ein Konzert ihrer Lieblingssängerin. Zusammen mit seiner Schwester und deren Tochter besucht Sofie das Konzert. Es herrscht Ausgelassenheit und Stauen, doch unvermittelt als Markus die drei abholen will geschieht es! Ein Selbstmordattentäter zündet oberhalb der Rolltreppen einen Sprengsatz! Markus rast die Rolltreppe hinauf während alle anderen nach unten flüchten. Als er Sofie findet ist diese tot und nichts ist mehr so wie es war. Wo Freude und Ausgelassenheit war ist Dunkelheit und die Tiefe des unaussprechlichen Verlust. Auch für die Mitschüler von Sofie und ganz besonders für Tobis, der heimlich irgendwie in Sofie verliebt ist und es ihr nie gesagt hat, ist es eine schwere Zeit.

Wir begleiten Markus, Kerstin und Tobis durch ihre Versuche den Verlust von Sofie zu verarbeiten. Während Kerstin in Depressionen verfällt, erinnert sich Markus an Sofies Kraft und beginnt ihren Tot anders zu verarbeiten. Besonders nachdem er in einer Fernsehsendung war beginnt für ihn ein kraftzehrender Weg. Er begibt sich zu dem Bruder des Selbstmordattentäters und dessen Mutter. Er will einfach nur wissen was dies für Menschen sind und warum er diesen Anschlag verübt hat. Den Blick auf Kerstin und der Familie verliert er teilweise und flüchtet sich in seine schmerzvolle Welt. Er verfolgt einen Plan und setzt ihn um.
Tobis wird immer mehr Teil der Familie und kümmert sich rührend um Sofies Grab.

Allerdings habe ich einen Teil nicht wirklich verstanden da er für mich verbindungslos zur eigentlichen Erzählung wirkte. Der Vater von Tobias! Er ist quasi ein Corona-Leugner und Querdenken. Das Treffen mit seinen alten Freunden endet mit einem großen Streit und weiteren Folgen. Diesen Teil habe ich als unpassend empfunden, auch wenn er einen kleinen Einblick in das Familienleben von Tobias gibt.

Es gab viele Stellen an denen ich eine Lesepause benötigte und Tränen trocknen musste. Mit Eden gelingt es Jan Costin Wagner mit dem Thema umzugehen und all die Gefühle zu benennen.

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