Eine Liebe zwischen Faszination und Abgrund.
LimerenceMit "Limerence" legt H. C. Dolores den Auftakt ihrer Fated-Fixation-Dilogie vor. Für mich ist er ins Genre eines düsteren New-Adult-Romans mit deutlichen Dark-Romance-Elementen einzuordnen und ist offiziell ...
Mit "Limerence" legt H. C. Dolores den Auftakt ihrer Fated-Fixation-Dilogie vor. Für mich ist er ins Genre eines düsteren New-Adult-Romans mit deutlichen Dark-Romance-Elementen einzuordnen und ist offiziell ab 18 Jahren freigegeben. Eine Einstufung, die sich weniger durch explizite Szenen erklärt als vielmehr durch die moralischen Grenzüberschreitungen, psychische Abgründe und die schonungslose Darstellung von Gewalt und Manipulation. Persönlich hätte ich die Geschichte jedoch durchaus ab 16 Jahren als lesbar empfunden.
Kurz zum Inhalt: Im Zentrum steht Poppy, Stipendiatin am angesehenen Internat Lionswood Prep, die sich seit vier Jahren in einer Welt behauptet, die nicht die ihre ist. Ohne Geld, ohne Rückhalt, ohne echte Freunde kämpft sie dort um ihre Zukunft – und träumt insgeheim von einer Karriere als Künstlerin. Als der einzige andere Stipendiat, Mickey, tot aufgefunden wird hat sie sofort jemanden in Verdacht. Denn sie glaubt Adrian Ellis gesehen zu haben, wie er aus dem Zimmer des Toten gekommen ist. Adrian Ellis ist reich, einflussreich und unantastbar, der Vorzeigeschüler von Lionswood. Poppy beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und gerät dabei immer tiefer in Adrians Bann. Die Frage ist bald nicht mehr nur, ob Adrian schuldig ist, sondern auch, warum Poppy sich trotz aller Warnsignale zu ihm hingezogen fühlt. ...
Einige Entwicklungen waren für mich vorhersehbar, es störte mich jedoch zu keiner Zeit, da die Geschichte mich total mitgerissen hat und ich das Buch nicht zur Seite legen konnte. Der Roman ist aus der Ich-Perspektive von Poppy erzählt, ein Stilmittel, das ich persönlich sehr liebe. Man ist unmittelbar in ihren Gedanken, Zweifeln und Ängsten gefangen. Der Schreibstil ist emotional, atmosphärisch dicht und stellenweise angenehm düster und an vielen Stellen auch humorvoll. Besonders gelungen fand ich die Mischung aus unterschwelliger Bedrohung und spritzigen Dialogen.
Poppy ist keine typische unschuldige Protagonistin. Sie ist schlagfertig, intelligent und besitzt einen trockenen Humor, der mir besonders gut gefallen hat. Trotz ihrer Außenseiterrolle lässt sie sich nicht einschüchtern. Gleichzeitig trägt auch sie ein dunkles Geheimnis mit sich und schreckt nicht davor zurück, moralische Grenzen zu überschreiten, wenn es ihrem Überleben dient. Ihre Entwicklung vom stillen, beobachtenden Mädchen zur selbstbewussten Akteurin ist glaubhaft und spannend umgesetzt. Adrian hingegen ist eine harte Nuss. Lange bleibt er schwer greifbar. Er interessiert sich für Medizin, er erbringt die besten Leistungen in allen Fächern, sogar im Sport. Er ist kein klassischer Love Interest – eher ein moralisch zutiefst ambivalenter Charakter mit psychopathischen Zügen. Und genau das macht ihn so spannend und die Frage, warum er so ist, wie er ist. Die Beziehung der Beiden ist keine romantische Spielerei, sondern hochtoxisch. Und doch – oder gerade deshalb – ist die Chemie zwischen ihnen elektrisierend. Ihre Wortgefechte, das Knistern, das ständige Abtasten von Grenzen: Das war für mich das Herzstück des Romans. Ich kann das Buch definitiv empfehlen – trotz oder gerade wegen seiner Abgründe. Jetzt heißt es warten auf die Fortsetzung.