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Veröffentlicht am 21.04.2023

Flossenwunder!

Nomaden der Ozeane – Das Geheimnis der Meeresschildkröten
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Was für ein tolles, informatives und dennoch unterhaltsames Buch! Leider war es mir bisher nicht vergönnt, eine Meeresschildkröte in der freien Natur zu sehen, aber mit diesem Buch kann man sich den Flossenwundern ...

Was für ein tolles, informatives und dennoch unterhaltsames Buch! Leider war es mir bisher nicht vergönnt, eine Meeresschildkröte in der freien Natur zu sehen, aber mit diesem Buch kann man sich den Flossenwundern ganz ohne Berührungsängste nähern, während man in freier Natur immer genügend Abstand lassen sollte, um die Tiere nicht zu (ver-)stören.

Die Autorin Frauke Bagusche nimmt uns mit auf eine Reise durch die Ozeane, beschreibt die sieben verschiedenen Schildkrötenarten, führt uns zu den Nist- und Futterplätzen der Schildkröten, beschreibt ihren unglaublichen Orientierungssinn (sie finden über tausende Kilometer an den Strand ihrer Geburt zurück!) und klärt über die Gefahren für die imposanten Meeresbewohner auf.

Ihr Stil ist dabei lehrreich, aber nie belehrend, informativ und unterhaltsam – sie versteht es, auch komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge so zu erklären, dass man sie ohne weitere Vorkenntnisse verstehen kann. Das sorgt dafür, dass man ein Bewusstsein entwickelt für die vielen Schwierigkeiten, denen die Meeresschildkröten in unserer modernen Umwelt ausgesetzt sind.

Natürlich sind Klimawandel und Umweltverschmutzung große Faktoren, die permanent auf die Population der Meeresschildkröten einwirken. Frauke Bagusche zeigt an vielen Beispielen aus ihrer Forschung, was welche Folgen hat, aber auch, wo Lösungsansätze liegen könnten. Besonders deutlich wird das Problem zum Beispiel an einem Foto aus dem Bildteil, das den Mageninhalt einer verendeten Meeresschildkröte zeigt – ausschließlich Kunststoffe und Plastik. Warum sich gerade der Plastikmüll im Magen der Schildkröten sammelt, erläutert sie nachvollziehbar – das ist wirklich herzzerreißend.

Die vielen Quellenangaben am Ende des Buchs zeigen, wie erst die Autorin ihre Recherche für das Buch genommen hat. Es ist auf keinen Fall nur „dahingeschrieben“, sondern steckt voller nachvollziehbarer Fakten, die auch alle gut belegt sind. Das spricht für die Glaubwürdigkeit der dargestellten Zusammenhänge und hat in mir ein tiefes Vertrauen in die Autorin und ihre Bücher geweckt – und darum werde ich ganz sicher auch noch ihr erstes Buch „Das blaue Wunder“ lesen.

Lediglich ein paar Kleinigkeiten habe ich vermisst: Ich hätte gern noch etwas mehr aus dem „Alltag“ der Meeresschildkröten erfahren. Zum Beispiel habe ich mich gefragt wie sie schlafen (über Wasser? Unter Wasser, obwohl sie keine Kiemen haben?). Das wurde leider nicht beleuchtet im Buch. An einigen Stellen hätte ich gern noch etwas vertiefter gelesen, z. B. als es um die Geschlechtsbildung des Nachwuchses ging (das ist nämlich eine super interessante Geschichte!). Von diesen wenigen Kleinigkeiten abgesehen war es für mich ein tolles Leseerlebnis mit dem guten Gefühl, sich Wissen und Bewusstsein angeeignet zu haben für diese wunderbaren Wesen. Ein Buch, das ich jedem Naturliebhaber nur wärmstens empfehlen kann!

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Veröffentlicht am 12.04.2023

Raffiniert und voller Twists - eine Meisterleistung!

One of the Girls
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Sobald es ein neues Buch von Lucy Clarke gibt, bin ich dabei. Ich liebe ihre Romane, die immer fesselnd geschrieben sind und in denen meist noch viel mehr steckt als ich erwartet habe. Und auch diesmal ...

Sobald es ein neues Buch von Lucy Clarke gibt, bin ich dabei. Ich liebe ihre Romane, die immer fesselnd geschrieben sind und in denen meist noch viel mehr steckt als ich erwartet habe. Und auch diesmal hat sie mich nicht enttäuscht - ganz im Gegenteil, ich bin wieder begeistert!

6 Frauen auf einem Junggesellinnenabschied. Eine Villa auf einer griechischen Insel. Sonne, Musik, leckere Drinks. Lexi freut sich auf ihre Hochzeit, hat zwei Freundinnen aus Schulzeiten eingeladen, eine davon bringt ihre Lebensgefährtin mit. Die Runde wird vervollständigt von Lexis baldiger Schwägerin und einer guten Freundin, die Lexi erst vor einem Jahr zufällig kennengelernt hat. Sechs ganz unterschiedliche Frauen auf einem Haufen, die sich zum Teil vor dem Junggesellinnenabschied gar nicht kannten - kann das gut gehen?
Nicht schwer zu ahnen, dass es Komplikationen geben wird. Doch nicht nur der zusammengewürfelte Haufen an sich ist das Problem - viel problematischer ist, dass jede der Frauen ein Geheimnis mit auf die Insel bringt. Und so entspinnen sich vor der traumhaft schönen Kulisse der Ägäis gefährliche Verwicklungen...

Es gibt wenige Autor*innen, die so gekonnt mit ihrem Plot umgehen wie Lucy Clarke. Nicht nur, dass von vornherein die unterschwellige Spannung spürbar ist, die zwischen den Frauen herrscht, sie schafft es auch, alltägliche Situationen so zu schildern, dass man als Leser keiner der Figuren mehr über den Weg traut. Das Ganze spielt sich allerdings in einer Szenerie ab, die so idyllisch ist, dass man ständig hin und her gerissen ist zwischen Urlaubsfeeling und Gänsehaut. Ein absolut genialer Gegensatz, mit dem die Autorin gekonnt spielt.

Durch die relativ kurzen Kapitel, in denen wir jeweils eine der Frauen ein Stück begleiten, werden viele Puzzleteile gestreut, die sich Stück für Stück zu einem Bild zusammensetzen. Immer wenn man meint verstanden zu haben, was die eine oder andere antreibt, gibt es eine Wendung, die das wieder relativiert und / oder neue Entwicklungen. Das Einzige, was man als Leser sicher weiß: dieser Urlaub steuert auf eine Katastrophe hin. Wie, warum und wann genau, das weiß man nicht und es ist super spannend, das herauszufinden.

Mich hat mein Gefühl mehr als einmal getrogen, ich wurde auf falsche Fährten gelockt und habe Zusammenhänge völlig anders gedeutet, als sie sich letztlich darstellten. Dass Lucy Clarke es geschafft hat, mich im Laufe des Romans nicht nur ein- oder zweimal, sondern andauernd zu überraschen, ist wirklich eine Meisterleistung, die man - wie ich finde - nicht genug hervorheben kann.

Wer sollte also dieses Buch lesen? ALLE! Jeder, der Krimis und Thriller mag. Jeder, der Griechenland mag. Jeder, der diese besondere Stimmung von Junggesellinnenabschieden mag. Jeder, der ein Buch mit Urlaubsfeeling will. Jeder, der Nervenkitzel sucht. Jeder, der unterschwellige Spannung liebt. Jeder, der gern von Twists überrascht wird. Jeder, der Lucy Clarke kennt und liebt und auch jeder, der sie noch nicht kennt (denn dann wird es Zeit!). Wirklich - dieses Buch ist einfach ein Allroundroman, den ich tatsächlich jedem empfehlen kann!

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Veröffentlicht am 08.04.2023

Selbstfindung für Anfänger (und Fortgeschrittene)

Agnes geht
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„Welches Missverständnis schob sich zwischen sie wie ein Keil und spaltete das Wir ihrer Ehe in zwei Ichs, die einander wie Fremde gegenüberstanden und nichts vom anderen wussten?“

Dieser Satz von Seite ...

„Welches Missverständnis schob sich zwischen sie wie ein Keil und spaltete das Wir ihrer Ehe in zwei Ichs, die einander wie Fremde gegenüberstanden und nichts vom anderen wussten?“

Dieser Satz von Seite 158/159 fasst aus meiner Sicht sehr gut zusammen, worum es in diesem Buch geht: eine Beziehung, in der sich zwei Menschen jahrelang aufgerieben haben, jahrelang glaubten, dass sie das Richtige für sich und den jeweils anderen tun und plötzlich merken, dass sie sich selbst dabei verloren haben.

Nach einem eskalierten Streit auf einer Veranstaltung, bei der Agnes‘ Ehemann Tom eine Auszeichnung als Arzt erhielt, hat Agnes die Nase voll. Davon, dass sie wie selbstverständlich das Hausmütterchen gibt, obwohl sie studiert hat und gern in ihrem Interessengebiet arbeiten würde. Davon, dass sie die Alltagsretterin ist, während ihr Mann täglich von der Arbeit an den gedeckten Tisch zurückkommt. Und ihr vorwirft, dass ER sich ja mit seinen Schichtdiensten für die Familie aufopfert, während sie den ganzen Tag zuhause ist. Sie will nicht mehr „zuhause sein“. In einem Etuikleid, das mittlerweile ziemlich eng sitzt, läuft sie einfach los – und kehrt (zunächst) nicht mehr nach Hause zurück.

Währenddessen versucht sich Tom am Alltag mit den beiden Teenagerkindern – und merkt, dass auch er irgendwie den Faden verloren hat. Gezwungenermaßen nimmt er sich eine Auszeit vom Job, um die Alltagspflichten zu bewältigen, um die sich sonst immer Agnes gekümmert hat und entdeckt, dass das trotz aller Ärgernisse auch gute Seiten hat.

Abwechselnd schildert die Autorin, wie sowohl Agnes auf ihrer Wanderung als auch Tom im ungewohnten häuslichen Umfeld buchstäblich neue Wege gehen müssen. Sie tut das nicht oberflächlich – und doch konnten mich weder Agnes‘ Geschichte noch Toms Selbstfindung wirklich für sich einnehmen. Vielleicht bin ich als Nicht-Mutter und Nicht-Verheiratete einfach zu weit weg von dieser Lebenswirklichkeit und diesen Problemen, so dass ich keine Nähe zu den Protagonisten aufbauen konnte. Statt dessen habe ich mich tatsächlich das eine oder andere Mal gefragt, wie Agnes es schafft, ihre Familie auszublenden und so plötzlich (nur noch) ihre eigenen Ziele zu verfolgen.

Es war definitiv spannend, ihren Weg zu begleiten und auch Toms Selbstfindung, die notgedrungen nach Agnes‘ überstürztem Aufbruch parallel zu Agnes Wanderung stattfand. Da ich aber kaum Parallelen zu mir gefunden habe, war ich emotional in diesem Buch nicht so drin und habe es mit einem gewissen Abstand auf mich wirken lassen. Ich konnte viele von Agnes‘ bewussten und unbewussten Entscheidungen nicht richtig nachvollziehen und empfand das Buch daher auch nicht als Highlight für mich. Für Frauen, die sich in einer ähnlichen familiären und/oder beruflichen Situation wie Agnes befinden, mag es aber durchaus ein Augenöffner sein – ihnen würde ich es auf jeden Fall empfehlen.

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Veröffentlicht am 20.03.2023

Ein Roman, der die Bezeichnung „Wohlfühlbuch“ wirklich verdient!

Ein isländischer Frühling
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Mit diesem Buch kann man so richtig schön vom Alltag abschalten und dabei sogar noch gedanklich nach Island reisen.

Es war mein erstes Buch von Eva Seifert und ich war gespannt, ob sie tatsächlich so ...

Mit diesem Buch kann man so richtig schön vom Alltag abschalten und dabei sogar noch gedanklich nach Island reisen.

Es war mein erstes Buch von Eva Seifert und ich war gespannt, ob sie tatsächlich so schöne Wohlfühlbücher schreibt wie in vielen Rezensionen beschrieben wird. Und ich kann bestätigen – ja, mit diesem Buch kann man sich gedanklich wirklich gut wegträumen und dem Alltag entfliehen.

Die Geschichte selbst ist angesiedelt auf zwei Zeitebenen. Einerseits begleiten wir Ulrike im Jahr 1949 auf ihrer Reise in ein neues Leben. Tatsächlich gab es nach dem zweiten Weltkrieg Zeitungsannoncen des Isländischen Bauernverbandes, in dem Arbeiterinnen gesucht wurden, die in Island für ein Jahr auf den Höfen helfen. Da die Perspektiven für Ulrike in der Heimat dürftig sind, lässt sie sich darauf ein – nicht ahnend, dass es nicht nur einfach ein Jahr in einem anderen Land sein wird…

Im zweiten Erzählstrang, der in der Gegenwart spielt, geht es um Katharina und ihre Mutter Bärbel. Katharina ist mit den Nerven am Ende – das Familienleben zehrt sie auf und sie steckt in einer emotionalen Krise. Ihre Mutter Bärbel versucht, sich mit ihrem Leben als Witwe zu arrangieren, doch ihr Mann fehlt an allen Ecken und Enden… ein gemeinsamer Mutter-Tochter-Urlaub in Island soll beiden wieder Kraft schenken für neue Herausforderungen.

Wie Ulrikes Leben und das der „heutigen“ Familie zusammenhängen, möchte ich noch nicht verraten. Aber ich kann versprechen, dass die Geschichte eine schöne Lesezeit bereithält, in der man abtauchen kann, sich in die Geschichte verlieren und eben einfach wohlfühlen.

Die Verwicklungen sind nicht sooooo dramatisch, es ist kein Buch, das einen als Leser fordert oder mit tragischen Ereignissen konfrontiert (abgesehen von der Ausgangssituation, dass Bärbel ihren Mann verloren hat). Das ist auch nicht der Anspruch des Buches, es will unterhalten und die Leser nach Island mitnehmen, im besten Fall auch Fernweh wecken (bei mir definitiv geglückt).

Damit ist es andererseits natürlich kein Buch, dass lange nachhallt (außer mit dem Wohlgefühl nach dem natürlich zu erwartenden Happy End). Aber es ist eben schön und ab und zu braucht schließlich jeder mal was fürs Herz.

Einfach unterhaltsame Lektüre mit einem idyllischen Setting, etwas Landeskunde und viel Rosamunde-Pilcher-Flair. Ich hab es gern gelesen und bin auch beim nächsten Ausflug von Eva Seifert auf jeden Fall wieder mit dabei.



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Veröffentlicht am 11.03.2023

Wenn Geschichte über Generationen nachwirkt

Als Großmutter im Regen tanzte
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Von einem Geheimnis aus Kriegszeiten, das noch über Generationen nachwirkt, erzählt Trude Teige in Als Großmutter im Regen tanzte .

Leider konnte mich das Buch nicht ganz so packen wie erhofft, einige ...

Von einem Geheimnis aus Kriegszeiten, das noch über Generationen nachwirkt, erzählt Trude Teige in Als Großmutter im Regen tanzte .

Leider konnte mich das Buch nicht ganz so packen wie erhofft, einige Erzählstränge erschienen mir zu lang und ausufernd, andere - die aus meiner Sicht wichtig waren - wiederum zu kurz. Es hat auch recht lange gedauert, bis mir die Figuren mit ihren (ohne Frage dramatischen) Erlebnissen nahekamen. Vielleicht war es für mich einfach nicht das richtige Buch zur richtigen Zeit.

Sehr interessant fand ich es aber, wie eine nichtdeutsche Autorin - in diesem Fall eine Norwegerin - das Thema Nachkriegszeit in Deutschland sieht und darstellt. Wer sich dafür interessiert, für den könnte das Buch die richtige Wahl sein.

Ihr solltet außerdem dazu greifen, wenn ihr geschichtlich interessiert seid und noch nie vom Massensuizid von Demmin 1945 gehört habt (mir war das bisher kein Begriff). Wenn ihr darüber etwas erfahren möchtet, kann euch das Buch etwas vermitteln.

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