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Veröffentlicht am 19.12.2022

Sensationell!

Fifty-Fifty
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Wie würde ich jemandem, der den Autor nicht kennt, die Bücher von Steve Cavanagh beschreiben? „So wie John Grisham. Nur besser!“

Nachdem ich „Thirteen“ von Steve Cavanagh schon im April zum Thriller des ...

Wie würde ich jemandem, der den Autor nicht kennt, die Bücher von Steve Cavanagh beschreiben? „So wie John Grisham. Nur besser!“

Nachdem ich „Thirteen“ von Steve Cavanagh schon im April zum Thriller des Jahres erklärt hatte, hatte ich aber meine Zweifel, ob er an diesen furiosen Roman mit seinem neuen Werk wirklich anknüpfen kann.

Kann er! Fifty-Fifty hat erneut eine unheimlich spannende Grundidee und sobald man einmal angefangen hat, kann man das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen!

Zwei Schwestern wählen unabhängig voneinander den Notruf und melden die Ermordung ihres Vaters. Die Notrufe erfolgen im Abstand von nur einer Minute. Beide halten sich dabei im Haus des Vaters auf. Beide bezichtigen die jeweils andere Schwester, den grausamen Mord verübt zu haben. Welche der jungen Frauen sagt die Wahrheit? Und welche spielt ein ausgeklügeltes Spiel?

Steve Cavanagh versteht es unheimlich gut, den Plot so zu stricken, dass man beim Miträtseln im Unklaren bleibt und immer wieder Zweifel an der eigenen Theorie aufkommen. Er schickt die Leser auf falsche Fährten und interessante Spuren werden des Öfteren zunichte gemacht, weil sich plötzlich herausstellt – das hätte jetzt auch die andere Schwester sein können.

Ich muss dem Autor für seine großartigen Plots einfach Respekt zollen – wie er die Fälle aufbaut, ist wirklich sensationell und seine Art zu schreiben hat mich richtig gepackt. Die Story ist dynamisch und voller Rätsel, gleichzeitig gibt sie einen unheimlich interessanten Einblick in das US-amerikanische Rechtssystem.

Die Dialoge der Verteidiger im Prozess, z.B. bei den Kreuzverhören der Gutachter, waren auf dem Punkt. Präzise nehmen sie die Sachverständigen auseinander und die Story wirkt dabei an keiner Stelle konstruiert. Das muss man als Autor erstmal schaffen!

Hier hilft es natürlich ungemein, dass Cavanagh selbst lange Zeit als Anwalt gearbeitet hat und dieses Metier in- und auswendig kennt. Das merkt man seinen Romanen an und das macht gerade die Beschreibung der Gerichtsprozesse so authentisch.

Dass der Thriller an einigen Stellen doch sehr plastisch ist und ins Detail geht, was die im Buch vorkommenden Morde angeht, war für mich persönlich ein Tick zu viel. Aber das muss man bei dieser Art von Roman wohl hinnehmen.

Ich bin jedenfalls – spätestens nach diesem zweiten Volltreffer von Cavanagh – ein großer Fan und werde auch die anderen Bücher rund um Eddie Flynn lesen. Auch hier nochmal ein Lob – diese Hauptfigur ist nicht einfach ein „Gutmensch-Anwalt“, sondern ein cleverer Typ, der sich vor seiner Anwaltskarriere als Trickbetrüger durchgeschlagen hat. Trotzdem ist er sympathisch und nimmt die Leser für sich ein.

Cavanagh macht mit dieser Reihe alles richtig und ist auf dem Weg, die Ikone John Grisham einzuholen. Oder zu überholen?

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Veröffentlicht am 12.12.2022

Neues Leben in unsicheren Zeiten

Fräulein Gold: Die Rote Insel
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Im bereits 5. Band der Hulda-Gold-Reihe begleiten wir die hochschwangere Hulda durch ihr neues Leben. Nach dem Tod ihres Verlobten Johannes ist sie als ledige werdende Mutter vielen Schwierigkeiten ausgesetzt. ...


Im bereits 5. Band der Hulda-Gold-Reihe begleiten wir die hochschwangere Hulda durch ihr neues Leben. Nach dem Tod ihres Verlobten Johannes ist sie als ledige werdende Mutter vielen Schwierigkeiten ausgesetzt. Ihre Stelle als Hebamme im Krankenhaus musste sie aufgeben, ihre Wohnung am Winterfeldtplatz ebenso.

Sie hilft nun ihrer Bekannten, der Ärztin Grete Fischer, in ihrer Praxis und kann in einer kleinen Wohnung im Souterrain der Praxis wohnen. Doch ihr neuer Kiez ist berüchtigt… die „Rote Insel“ – ein Gebiet zwischen zwei Bahnstrecken - ist eine Hochburg der Kommunisten und immer wieder Schauplatz von Unruhen. Da auch Grete und ihr Lebensgefährte überzeugte Kommunisten sind, wird Hulda in die Unruhen auf der Roten Insel direkt hineingezogen.

Wie in jedem ihrer Hulda-Gold-Romane gelingt es Anne Stern auch diesmal wieder, ein umfassendes und authentisches Bild des Berliner Lebens in den 1920er Jahren zu zeichnen. Die verschiedenen politischen Strömungen und die Umstände, unter denen die Berliner versuchen ihr Leben zu gestalten, schildert sie anschaulich, so dass man immer wieder das Gefühl hat mittendrin zu sein.

Mir haben diesmal besonders Huldas Reflexionen ihres eigenen Zustands gefallen – jahrelang hat sie Frauen auf Geburten vorbereitet, sie begleitet während und nach der Geburt und ihnen mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Doch jetzt merkt sie auf einmal, wie es ist „auf der anderen Seite“ zu stehen und selbst diese Situation zu durchleben. Ihre Zweifel und ihre Erkenntnisse fand ich sehr schön wiedergegeben, sehr wirklichkeitsnah und nachvollziehbar.

Im Herbst 2023 geht es dann schon mit Band 6 weiter – das Buch enthält auf den letzten Seiten schon eine Leseprobe zu „Die Lichter der Stadt“. Ich werde gern wieder mit dabei sein!


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Veröffentlicht am 12.12.2022

Komplexer und verzwickter Krimi

Einsame Nacht
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Wer Charlotte Link liest, wird nicht enttäuscht! Auch ihr neuestes Werk Einsame Nacht ist wieder ein komplexer und verzwickter Krimi, bei dem sich das Mitraten lohnt. Und er passt super zur jetzigen Weihnachtszeit, ...

Wer Charlotte Link liest, wird nicht enttäuscht! Auch ihr neuestes Werk Einsame Nacht ist wieder ein komplexer und verzwickter Krimi, bei dem sich das Mitraten lohnt. Und er passt super zur jetzigen Weihnachtszeit, denn er spielt in den Tagen vor und nach Weihnachten 2019.

Warum 2019? Ihr ahnt es wahrscheinlich... es wäre wohl einfach zu schwierig gewesen, die gesamte Handlung auch noch in den Corona-Kontext zu stellen. So gibt es nur ganz am Schluss ein paar wenige Sätze, die jedoch treffsicher das widerspiegeln, was wohl jeder zu dem Zeitpunkt gedacht hat...

Zur Handlung selbst muss und will ich nicht viel sagen - das muss man lesen und auf sich wirken lassen. Aber wie auf einmal Spuren zu einem alten Fall zurückführen und sich alles letztlich miteinander verflechtet - das ist schon die höhere Kunst des Krimischreibens - und die Autorin hat das richtig gut drauf.

Ich fand es etwas schade, dass Caleb Hale, den man aus den Vorgängerbänden kennt, in diesem Roman ein bisschen kurz kam. Seine Figur ist am zerrissensten und birgt für mich daher das meiste Spannungspotential. Ich hoffe, dass er beim nächsten Fall wieder eine etwas größere Rolle spielen darf.

Dabei sein werde ich beim nächsten Roman auf jeden Fall wieder!

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Veröffentlicht am 28.11.2022

Kleine Helden!

Federleicht
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Was für ein wunderschönes, lehrreiches und unterhaltsames Buch! Hier passt mal wirklich alles zusammen - die liebevolle Gestaltung, die unterhaltsam präsentierten Fakten und die Geschichte eines kleinen ...


Was für ein wunderschönes, lehrreiches und unterhaltsames Buch! Hier passt mal wirklich alles zusammen - die liebevolle Gestaltung, die unterhaltsam präsentierten Fakten und die Geschichte eines kleinen Spatzenmädchens, das uns im Buch immer wieder begegnet.

Wenn ich jemandem ein Buch vorschlagen müsste, das als Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk geeignet ist, dann wäre es definitiv dieses. Denn schließlich kennt absolut jeder die kleinen frechen Piepser, die in Mitteleuropa allgegenwärtig scheinen - und es doch nicht (mehr) sind. Den Blick auf ihre Situation zu lenken, die stellvertretend für so viele Probleme der heutigen Zeit steht, ist mit diesem Buch perfekt gelungen.

Denn angesichts der Horden von Spatzen, die in der Nähe von Cafes und Biergärten geradezu ungeduldig auf die nächsten Brötchenkrümel warten (und dabei mitunter echt nervig sein können), ist es kaum denkbar dass sie eine bedrohte Art sind. Und doch - die Spatzenpopulation ist in den letzten 100 Jahren um bis zu 70 % zurückgegangen. Tendenz? Man kann es sich leider denken...

Die Autoren zeigen in ihrem Buch auf, dass man das Gefüge Natur immer im Ganzen betrachten muss, welche Faktoren sich gegenseitig bedingen und dass manche Maßnahmen wie Dominosteine Folgen auslösen, an dessen Ende ein Ende stehen kann. Das vom Spatz. Oder, wenn wir es übertreiben, das vom Mensch. So schnell kanns gehen... Diese Zusammenhänge untechnisch und kurzweilig präsentiert zu bekommen, ist unheimlich interessant und schult definitiv das Problembewusstsein. Meine ersten Taten nach dem Lesen? Vogelhaus auf Tauglichkeit prüfen, Futter kaufen (natürlich nun das sinnvolle Futter - schließlich hab ich was gelernt aus dem Buch!), Spatzen-Wellnessbereich einrichten. Und nun: die Piep-Show genießen und sich daran freuen, dass man etwas Gutes tut.

Neben der Geschichte des Spatzenmädchens „Federle“, die sich durch das ganze Buch zieht, gibt es von den Autoren auch Tipps zum spatzenfreundlichen Garten und für sinnvolle Nisthilfen, eine Übersicht über das „Spatzenjahr“ und Hinweise zur Ersten Hilfe, falls man mal über einen jungen Bruchpiloten stolpert, der unsanft auf dem Boden der Tatsachen gelandet ist.

Abgerundet wird das liebevoll gestaltete Buch von Illustrationen des Malers Bernd Pöppelmann. Der auf Tiermalerei spezialisierte Künstler hat mit feinen Bleistiftzeichnungen die Eigenarten der Spatzen eingefangen und viele alltägliche, aber auch besondere Spatzensituationen festgehalten. Diese Zeichnungen geben dem Buch noch einmal eine ganz besondere Wertigkeit, genau so wie der hübsche bunte Inneneinband.

Wer nach dem Lesen dieses Buches nicht sofort in den nächsten Baumarkt sprintet, um ein Vogelhaus zu kaufen, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen! Es ist ein ganz wunderbares Buch, das uns daran erinnert, immer das Besondere im Alltäglichen zu suchen (und zu hinterfragen) - für mich ist dieses Buch DIE Geschenkidee fürs diesjährige Weihnachtsfest. Ich wünsche ihm ganz viele begeisterte Leser und die Aufmerksamkeit, die es verdient!



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Veröffentlicht am 17.11.2022

Wieder ein tolles, eher unkonventionelles Ende!

Das Tor zur Welt: Hoffnung
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Zuerst muss ich unbedingt etwas loswerden, was mir bei diesem Buch - wie auch schon bei „Elbstürme“ - wieder sehr positiv aufgefallen ist: Miriam Georg schafft es, ganz unkonventionelle Enden für ihre ...

Zuerst muss ich unbedingt etwas loswerden, was mir bei diesem Buch - wie auch schon bei „Elbstürme“ - wieder sehr positiv aufgefallen ist: Miriam Georg schafft es, ganz unkonventionelle Enden für ihre Romane zu schreiben, die man so nicht erwartet und die trotzdem absolut stimmig sind!

In den „typischen“ historischen Sagas weiß man ja doch irgendwie immer weit im Voraus, wie das Ganze ausgehen wird und ist mehr daran interessiert, wie die Protagonisten dorthin kommen als dass es zum Schluss wirklich noch eine Überraschung gibt. Nicht so bei Miriam Georg! Sie hat einen deutlich realistischeren Blick auf ihre Figuren und lässt sie nicht einfach in einem erwartbaren Happy End entschweben... nein, ihre Abschlüsse sind vielschichtiger, realistischer - und eben vor allem unerwartet und überraschend!

Das ist ein Punkt, weshalb ich ihre Romane so gern lese. Der zweite ist: sie kann einen einfach richtig gut in die Zeit versetzen, in der ihre Bücher spielen. Man ist mittendrin statt nur dabei und hat jede Szene ganz bildhaft vor Augen - sei es nun ein Sturm auf dem Atlantik, den ein Auswandererschiff überstehen muss oder ein Treffen zum Tee, bei dem der neue Schwieger-Enkel von der distinguierten Großmutter in die Mangel genommen wird :)

Auch diesmal merkt man wieder gar nicht, dass man einen 640-Seiten-Wälzer liest. Der Schreibstil ist so schön flüssig, dass es einem wie ein „normales“ 400-Seiten-Buch vorkommt.

Trotzdem bin ich diesmal der Meinung, dass man an einigen Stellen etwas hätte kürzen können. Die Nebenhandlungen uferten zum Teil schon etwas aus (zumindest war das mein Eindruck) und es gab ein paar Nebenfiguren, deren Geschichte ich nicht so als notwendig angesehen habe. Aufgrund der Zeitsprünge war ich diesmal auch etwas durcheinander (zumal ich das Buch in Teilstücken auch als Hörbuch gehört habe und dort nicht so gut zuordnen konnte, wie manche Szenen in den Gesamtzusammenhang passen sollten...).

Bei ein paar Passagen ist mir auch aufgefallen, dass zu Beginn einer Szene nur ominös von „er“ gesprochen wurde und dann wurde die ganze Szene über kein Name genannt, mit wem das Gespräch/die Szene überhaupt spielt. Das kann als Spannungselement an einzelnen Stellen schon mal ganz nett sein, wenn erst zum Schluss verraten wird, wer da gemeint ist, aber teilweise hat mich das dann doch gestört.

Insgesamt gesehen war dieser zweite und abschließende Band der Dilogie daher aus meiner Sicht ein klein wenig schwächer als der erste - aber stach für mich immer noch positiv aus der Masse der historischen Romane über die Zeit 1900 - 1920 heraus! Insbesondere die Thematik der Auswandererstadt, die es in Hamburg in dieser Zeit ja tatsächlich so gab, war ein toller neuer Aspekt, der das Buch abwechslungsreich und spannend machte. Wer historische Romane mag, liegt mit Büchern von Miriam Georg also definitiv richtig!

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