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Veröffentlicht am 19.04.2022

Zauberhafter Liebesroman mit Fernwehgarantie

Heimkehr nach Whale Island
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An einem alten Leuchtturm sitzen, mit Blick auf den weiten Atlantik, die Sonne strahlt von einem tiefblauen Himmel und da! War das etwa eine Walflosse im glitzernden Wasser des Ozeans? Auch wenn man gerade ...

An einem alten Leuchtturm sitzen, mit Blick auf den weiten Atlantik, die Sonne strahlt von einem tiefblauen Himmel und da! War das etwa eine Walflosse im glitzernden Wasser des Ozeans? Auch wenn man gerade „nur“ im heimischen Garten sitzt – mit Miriam Covis Roman ist man ganz schnell ganz weit weg…

Ihre neue 3-bändige Reihe hat die Autorin auf einer kleinen (fiktiven) Insel vor Kanadas Ostküste angesiedelt. Da sie selbst ein riesiger Fan von Nova Scotia ist und die Gegend durch ihre vielen Aufenthalte fast wie ihre Westentasche kennt, kann Miriam Covi hier aus dem Vollen schöpfen. Die Beschreibungen der traumhaft schönen Landschaften sind daher ein Highlight des Buches.

Doch um was geht es überhaupt? Kurz gesagt ist es (natürlich) eine Liebes- und Familiengeschichte. Die drei Bände werden die Lebens- und Liebesgeschichten von drei Brüdern erzählen, die aus einem familienbetriebenen Hotel auf Whale Island stammen. Im ersten Band geht es um Duncan, der mittlerweile in New York ein Hotel der Sommerset-Gruppe leitet – und der mit der Tochter des Hoteltycoons Richard Sommerset verheiratet ist. Als er mit seiner Angestellten Greta einen Businesstrip in seine alte Heimat unternimmt, stürmen die Geister der Vergangenheit auf ihn ein. Und Greta wird durch eine Verwechslung für seine Ehefrau gehalten. Eine Situation, die viele Turbulenzen, aber auch ein gewisses Knistern verspricht…

Natürlich wissen Leser*innen solcher Romane, wie das Buch enden wird. Aber darum geht es gar nicht. Sondern es geht darum, sich – wie ich über die Osterfeiertage – völlig in den Roman fallen lassen zu können, einen Kurzurlaub im Kopf zu verleben und dabei auch noch tolle Charaktere kennenzulernen. Und bei Duncans Familie möchte man am liebsten selbst sofort Urlaub machen! Seine herzliche Mutter Heather, sein etwas grummeliger Dad (mit einem weichen Herz!), seine quirlige Schwester Skye und sein etwas reservierter Bruder Aidan sind eine Mischung, die einem sofort ans Herz wächst. Aidans 12jährige Tochter Isla und Familienhund Johnnie Walker komplettieren die Sippe. Aber auch die Nebencharaktere sind mit sehr viel Liebe gezeichnet, so etwa der deutschstämmige Einsiedler Gottlieb Müller oder die Bibliothekarin Rae, die nicht nur die richtigen Bücher sondern auch immer einen klugen Rat für jeden Inselbewohner hat.

Erzählerisch hatte das Buch für mich genau das richtige Tempo und ich war völlig versunken in die Geschichte. Es gab nur eine Kleinigkeit, die mich (am Anfang) etwas gestört hat und das war die Bezeichnung von Duncan. Greta und ihre Kolleginnen aus dem New Yorker Hotel nennen ihn heimlich wegen seiner kühlen Ausstrahlung den „Eisblock“. Diese Bezeichnung nutzt die Autorin sehr oft statt seines Namens, wenn sie im ersten Drittel des Buches aus Gretas Sicht schreibt. Es kommen mitunter dreimal pro Seite Sätze vor wie „Der Eisblock geht auf ein Schild zu…“/“Nicht zu fassen“ brummt der Eisblock/ Ich beobachte den Eisblock, wie er…“ Das war echt zu viel. Es las sich nicht gut und hat mich ehrlich gesagt etwas genervt. Zum Glück verliert sich das im Laufe des Buches, als Greta und Duncan sich besser kennenlernen.

Insgesamt war es aber nur ein kleiner Wermutstropfen in einer ansonsten ganz zauberhaften Geschichte, die alles bietet, was man sich für eine Auszeit vom Alltag wünschen kann. Beste Wahl als Urlaubs- oder Wochenendlektüre, wenn man einfach mal abschalten will. Und wer einen Vergleich sucht: Fans von Netflix-Serien wie Chesapeake Shores oder Virgin River werden hier voll auf ihre Kosten kommen!

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Veröffentlicht am 08.04.2022

Das große Finale der Polizeiärztin-Saga

Polizeiärztin Magda Fuchs – Das Leben, ein wilder Tanz
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Zum 3. Mal bin ich mit Polizeiärztin Magda Fuchs ins Berlin der 1920er Jahre gereist. Da ich mittlerweile schon einige Bücher gelesen habe, die in dieser Zeit in Berlin spielen, war mir der gesellschaftliche ...

Zum 3. Mal bin ich mit Polizeiärztin Magda Fuchs ins Berlin der 1920er Jahre gereist. Da ich mittlerweile schon einige Bücher gelesen habe, die in dieser Zeit in Berlin spielen, war mir der gesellschaftliche und politische Rahmen der Geschichte vertraut. Nun könnte man das Fluch oder Segen nennen… Denn einerseits war ich sofort drin in der Geschichte, andererseits hatte ich natürlich bei vielen Erläuterungen oder Beschreibungen das Gefühl, es so oder ähnlich bereits einmal gelesen zu haben.

Dennoch erzählt das Autorenduo, das sich hinter dem Pseudonym Helene Sommerfeld verbirgt, die Geschichte von Magda Fuchs, nun verheiratete Mehring, und den anderen aus Band 1 und 2 bekannten Frauen spannend weiter. Magda hatte ja in den Vorgängerbänden die kleine Elke gerettet, die nun als Ziehkind bei Magdas Schwester lebt. Wo jedoch Elkes kleiner Bruder Otto abgeblieben ist, weiß niemand. Magda hat die Hoffnung noch immer nicht aufgegeben und versucht mit Hilfe ihres Mannes Kuno, der ja Kriminalkommissar ist, den Jungen aufzuspüren.

Celia hatte den reichen Industriellensohn Edgar geheiratet. Sie wollten eine Ehe auf Augenhöhe führen, doch als Edgars Vater stirbt und Edgar die Geschäfte seines Vaters übernehmen muss, entfernen sie sich voneinander.

Derweil hat sich Doris Kaufmann zum gefeierten Filmstar entwickelt, will sogar einen eigenen Film produzieren und träumt von der ganz großen Karriere in Amerika.

Über 500 Seiten führen die Autoren durch das turbulente Berlin jener Zeit und erzählen in diesem Buch außerdem noch einen Kriminalfall. Insgesamt hatte ich diesmal den Eindruck, dass unheimlich viele Themen angefasst werden – von LGBTQ-Personen bis Autismus. Dabei können diese Themen neben den Haupt-Handlungssträngen jedoch für sich jeweils nicht die Tiefe erfahren, die ich mir dafür gewünscht hätte und so „verpufft“ das eine oder andere interessante Thema leider als „unter ferner liefen…“ Das fand ich etwas schade.

Insgesamt ist der Roman wieder sehr flüssig erzählt und man kann richtig durch die Seiten fliegen. Dennoch konnte mich dieser dritte Teil nicht ganz so sehr einfangen wie die beiden Vorgängerbände. Aber das will ich gar nicht den Autoren anlasten – wahrscheinlich habe ich, wie eingangs erwähnt – nun mittlerweile einfach (zu) viele ähnliche Romane gelesen und entdecke daher weniger Besonderes darin. Für mich ist es einfach das Zeichen, mich verstärkt Büchern mit anderen Themen zu widmen. Aber wer gern in Romanen über die Goldenen Zwanziger schwelgt, der ist mit der Magda-Fuchs-Reihe auf jeden Fall gut beraten!

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Veröffentlicht am 05.04.2022

Es kam kein Gefühl auf beim Lesen

Das Land, von dem wir träumen
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1925 in einem kleinen Ort in den Dolomiten. Franziska Bruggmoser hat gerade in Innsbruck ihren Ausbildung zur Lehrerin beendet und kehrt heim auf den Südtiroler Hof. Dort erwartet sie ein Brief der italienischen ...

1925 in einem kleinen Ort in den Dolomiten. Franziska Bruggmoser hat gerade in Innsbruck ihren Ausbildung zur Lehrerin beendet und kehrt heim auf den Südtiroler Hof. Dort erwartet sie ein Brief der italienischen Behörden – ihr wird das Lehren untersagt, sofern sie nicht ausreichend Italienischkenntnisse nachweist und den Unterricht auf italienisch führt.

Die Annexion Südtirols durch Italien nach Ende des Ersten Weltkriegs wird für viele Bewohner des Landstrichs zu einer Zerreißprobe. Wie sollen sie reagieren? Sich anpassen, die übergestülpten italienischen Nachnamen akzeptieren und nicht aufbegehren? Oder sich dem Regime widersetzen und – wo immer möglich – die deutsche Sprache und ihre Kultur pflegen?

Franziskas Vater entscheidet sich fürs Anpassen, möchte keinen Ärger mit den Behörden. Franziska selbst kann sich mit den Gegebenheiten nicht abfinden und gründet eine sogenannte „Katakombenschule“, in der sie Kinder heimlich in der deutschen Sprache unterrichtet. Letztendlich geht es aber auch für Franziska darum, den Hof und ihre Heimat zu bewahren, denn um den Hof steht es schlecht – gleich recht, da ihr alkoholabhängiger Bruder ihn in Kürze übernehmen soll…

Franziska war leider keine Hauptfigur, mit der ich mich identifizieren konnte. Ich hatte den Eindruck, dass sie die Gegebenheiten um sich herum kaum bis gar nicht reflektiert. Sie begehrt gegen ihren Vater auf, ohne die Beweggründe für seine Anpassung an die Italiener zu hinterfragen. Sie beschwert sich über ihren alkoholabhängigen Bruder, ohne seine Krankheit auch nur ernst zu nehmen (es ist eine posttraumatische Belastungsstörung aus dem ersten Weltkrieg und daraus folgend eine Alkoholabhängigkeit). Sie nutzt den ihr zugetanen Knecht Wilhelm als Arbeitskraft für ihre Pläne, ohne zu reflektieren, was er alles für sie tut… kurz gesagt, für meine Begriffe ging sie zu sehr mit Scheuklappen durch die Welt und nahm immer sich selbst und ihre Situation zuerst wahr. Auch kam ihre Hingebung an den Lehrerberuf für mich nicht so richtig rüber.

Die Geschichte des Buches empfand ich als etwas unausgegoren. Sollte es um Franziskas Weg als Lehrerin gehen? Um die Rettung des Heimathofes? Um ihr politisches Engagement? So richtig überzeugend fand ich keinen dieser Handlungsstränge.

Außerdem konnte ich die Liebe zu Südtirol leider nicht wirklich zwischen den Zeilen herauslesen. Dazu hätten für mich auch Szenen gehört, in denen Franziska sich in die Natur zurückzieht, die Landschaft ihrer Heimat genießt und dort ihre Situation reflektiert. Das habe ich vermisst.

Merkwürdig mutete für mich auch an, dass sie ihre Eltern mit „Sie“ anspricht. War das in Südtirol im Jahr 1925 tatsächlich üblich? Wenn ja, hätte ich dazu zumindest eine kleine Erläuterung erwartet – so empfand ich das einfach nur als eigenartig.

Für mich zog sich die Geschichte und außer dem Knecht Wilhelm konnte ich für keine der Figuren echte Sympathie aufbauen. Es war einfach nicht mein Buch… Die weiteren Teile der Saga wecken bei mir daher leider auch keine Neugier und ich werde die Reihe nicht weiterlesen. 2,5 Sterne.


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Veröffentlicht am 30.03.2022

Vom Wunderkind zur coolen Socke

Wenn ihr wüsstet
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Stellt euch vor, ihr sitzt mit David Garrett bei ein paar Drinks gemütlich an der Bar, er erzählt aus seinem Leben und zeigt euch einige seiner Handyfotos… das ist die Stimmung, die beim Lesen aufkommt, ...

Stellt euch vor, ihr sitzt mit David Garrett bei ein paar Drinks gemütlich an der Bar, er erzählt aus seinem Leben und zeigt euch einige seiner Handyfotos… das ist die Stimmung, die beim Lesen aufkommt, wenn ihr euch in dieses Buch vertieft. Es wirkt wie ein Gespräch unter Freunden und ich denke, das ist die große Stärke dieser Autobiografie.

Ich denke, nicht jeder wird in einer Autobiografie über einen der größten Geigenvirtuosen unserer Zeit diesen Ton erwartet haben… obwohl, doch … denn es ist ja eine AUTObiografie. Es ist keine Materialsammlung, basierend auf offiziellen Interviews, die man mal eben so zusammenstückeln kann (auch davon gibt es welche über David Garrett). Hier spricht er selbst und man hat tatsächlich das Gefühl, den Menschen hinter dem Star kennenzulernen.

Seine Biografie folgt keiner geraden Linie, es gibt einen Bruch in seiner Jugend und der hat auch einen guten Grund… Mit 4 Jahren entdeckt der Sohn eines Geigenhändlers seine Liebe zu diesen Instrumenten und als der Vater bemerkt, dass hier Talent und Ehrgeiz zusammenkommen, passiert das, was oft beschrieben wird: der Vater versucht, mit seinem Sohn das zu erreichen, was ihm selbst als Karriere nicht geglückt ist. Meist geht das zulasten der Kinder und auch David schaut mit ambivalenten Gefühlen auf seine Kindheit zurück. Einerseits ist er dankbar, dass ihm die Möglichkeit gegeben wurde, so einzigartig spielen zu lernen. Von den Besten zu lernen. Andererseits war seine Kindheit geprägt davon, sich ausschließlich in einer Erwachsenenwelt zu bewegen – und so etwas tut einer kindlichen Seele nun mal nicht gut.

Im Teenageralter suchten sich Geist und Körper Möglichkeiten, ihm zu zeigen, dass er auf dem falschen Weg war. Das permanente Streben nach Perfektion und das rastlose Leben von Konzert zu Konzert hatten ihre Spuren hinterlassen. David traf eine radikale Entscheidung – komplette Abnabelung vom Vater, auch finanziell, Schluss mit Konzerten. Er bewarb sich ohne Wissen des Vaters in New York an der renommierten Juilliard School. Es folgten 4 Jahre Studium – Musik und Komposition. In dieser Zeit holte er seine verlorene Jugend endlich nach, knüpfte Kontakte zu Gleichaltrigen – und schlug auch mal ordentlich über die Stränge. Es sei ihm gegönnt!

Danach berichtet David davon, wie es ihm gelang mit Crossover, also dem bewussten Zusammenbringen von Klassik und Pop/Rock, die Welt zu erobern. Es war ein Triumph - und David auf einmal ein Rockstar. Er spricht darüber, wie ein solches unstetes Leben aussieht, dass es viel Licht, aber auch genügend Schattenseiten gibt und dass man sich in der ersten Zeit als hofierter Superstar durchaus mal die eine oder andere Allüre gönnt (ich sag nur: der Audi R8 GT vorm Club grins…). Auch der 2016 durch die Medien gezerrte Skandal über seine angebliche Gewalttätigkeit wird kurz aufgegriffen. Aber man merkt, dass David das nicht wirklich wieder an die Öffentlichkeit bringen will. Was da genau passiert ist, wissen eh nur er und seine damalige Freundin. Wer hier also auf eine öffentliche Abrechnung wartet, wird ziemlich enttäuscht werden…

Viel lieber und viel detaillierter geht er auf sein Lieblingsinstrument und den Geigenbau ein – mit Witz und Charme erzählt er von den Anfängen des Geigenbaus im 16. Jahrhundert, von der Weiterentwicklung des Instruments und von seiner Freude, solch kostbare Stücke in den Händen zu halten. Man merkt ganz deutlich: hier spricht einer, der Geigen und Musik liebt, man kann seine kindliche Freude beim Anblick einer besonders hochwertigen Geige durch die Zeilen spüren und muss schmunzeln, wie liebevoll er davon erzählt. Man merkt auch, dass er versucht, den Lesern das weiterzuvermitteln (bei mir ist es angekommen!). Und am Ende hat man das Gefühl, man hat einen Menschen kennengelernt, der eine Berufung hat und mit seinem Leben mittlerweile absolut im Reinen ist. Und man freut sich einfach mit ihm darüber und legt das Buch nach dem Lesen mit einem guten Gefühl beiseite.

Für das Lesen des Buches sollte man aber etwas mehr Zeit einplanen als nur die reine Lesezeit. Denn am Ende jedes Kapitels gibt es einen QR-Code, der zu Videos und Fotos führt. Und ich sags gleich – man verliert sich darin. Da schaut man mal einem 8jährigen beim Proben zuhause zu, da bestaunt man ein „Wunderkind“ beim Konzert mit einem berühmten Orchester, da schaut man sich neugierig in seinen New Yorker Wohnungen um und verfolgt gebannt seinen Auftritt vor Queen Elizabeth II. Es ist ein reicher Fundus an (zum Teil privatem) Zusatzmaterial, mit dem man den Eindruck bekommt, tatsächlich dem Menschen hinter dem Namen zu begegnen. Eine tolle Ergänzung des Buches, die ich in dieser Form vorher noch nie erlebt habe!

Fazit:
Sehr persönliche und mit dem Zusatzmaterial modern und innovativ gestaltete Autobiografie, die das Gefühl hinterlässt, den Menschen hinter dem Künstler David Garrett kennengelernt zu haben. Highlight!


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Veröffentlicht am 27.03.2022

Ein außergewöhnliches Leben

Löwenland
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Also, eins ist mal Fakt: Ein bisschen durchgeknallt muss man schon sein, wenn man sich im „Niemandsland“ von Botswana niederlassen und dort sein Leben verbringen will… 😉 Ich meine durchgeknallt zwar im ...

Also, eins ist mal Fakt: Ein bisschen durchgeknallt muss man schon sein, wenn man sich im „Niemandsland“ von Botswana niederlassen und dort sein Leben verbringen will… 😉 Ich meine durchgeknallt zwar im respektvollen Sinn, habe aber beim Lesen des Buches auch gemerkt, dass das absolut nicht mein Leben wäre.

Denn Valentin Grüner beschreibt in seinem Buch „Löwenland“ kein „Jenseits von Afrika“-Märchen, sondern die harte Realität. Und die bringt ihn immer wieder an seine physischen und psychischen Grenzen.

Einige kennen Valentin und seine Löwin Sirga vielleicht als Social Media Stars. Beide haben Accounts bei Instagram – ein Blick lohnt sich! Wie ich im Buch erfahren habe, wurde über die beiden aber auch eine Dokumentation (Saving Sirga) gedreht. Es ist im Buch (das zwei tolle Fotostrecken mitbringt) absolut faszinierend zu sehen, wie Valentins Freundschaft mit der Löwin aussieht und dass die beiden sogar zusammen spazieren und manchmal auch jagen gehen. Aber auch hier sollte man vor dem Lesen wissen: Nein, dies ist keine Disney-Geschichte. Es wird nichts weichgespült und dass Sirga töten kann (und es manchmal auch tut) ist ein Fakt und wird nicht verschwiegen. Die Instinkte des Löwen sind nun mal da – und das ist es auch, was die Freundschaft zwischen Valentin und Sirga durchaus zu einer Gratwanderung macht. So hübsch die Fotos sind, auf denen die riesige Löwin wie ein Kätzchen neben Valentin sitzt – beim Anschauen hatte ich trotzdem immer irgendwie ein mulmiges Gefühl.

Neben Sirga ist der Aufbau seines Gästecamps für nachhaltigen Tourismus in der Kalahari ein großes Thema des Buchs. Und hier merkt man, wie hart man im Nehmen sein muss, wenn man sich das Ziel gesetzt hat, für die Natur, das Land und seine Bewohner zu kämpfen. Es sind unheimlich große Entfernungen zu überwinden, es lauern überall Gefahren und es stellt sich heraus, dass selbst der Besuch von Botswanas Präsident nicht davor schützt, kurze Zeit später von den Behörden hops genommen zu werden, weil man angeblich gegen Gesetze/Auflagen verstoßen hat.

Mitunter klangen die Begebenheiten, die Valentin schildert für mich fast zu krass um wahr zu sein. Tagelang ackern, um einen Schiffscontainer auf einen Lastwagen zu verladen und 1.000 km ins neue Camp zu fahren. Dann wieder tagelang ackern, um ihn abzuladen. Und das mehrfach… man muss schon viel Humor und Durchhaltevermögen mitbringen, um sich so etwas anzutun.

Aber genau diese Einstellung hat Valentin, er will es unbedingt schaffen und scheut sich nicht vor harter Arbeit und Entbehrungen. Und das ist der Grund, warum er es schafft und ihm selbst in der Corona-Zeit Gutes widerfährt.

Fazit:
Ein realistischer Blick auf das Leben in Afrika, sprachlich vielleicht nicht brilliant, aber dafür authentisch. Man muss Valentin Grüner Respekt zollen für seinen Einsatz für das Land und den Naturschutz – sein Weg zeugt von absoluter Hingabe an seinen Traum.

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