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Veröffentlicht am 29.10.2025

Skurrile Krimikomödie a la „Achtsam morden“

Der Doktor und der liebe Mord
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Mit "Der Doktor und der liebe Mord" versucht sich Rene Anour an einem Balanceakt zwischen schwarzem Humor und Krimi. Die Geschichte um Severin Herr, einen Tierarzt, der mehr Herz als Kalkül besitzt, hat ...

Mit "Der Doktor und der liebe Mord" versucht sich Rene Anour an einem Balanceakt zwischen schwarzem Humor und Krimi. Die Geschichte um Severin Herr, einen Tierarzt, der mehr Herz als Kalkül besitzt, hat was von einem Theaterstück: exzentrische Figuren treten auf, es gibt Alltägliches, aber auch überraschende Wendungen, und unter der Oberfläche lauert ein Hauch von Melancholie. 


Der Ton dieses Buches hat mich stark an "Achtsam morden" erinnert und auch die Geschichte an sich (umgänglicher Tierarzt wird wider Willen zum Mörder und gerät in eine haarsträubende Geschichte) hat aus meiner Sicht starke Anklänge daran. Für mich war die Frage: finde ich das gut oder schlecht? 


Letztlich muss ich sagen, ich hatte mich im Vorfeld nicht genug mit dem Inhalt des Buches beschäftigt und so passierte, was passieren musste - ich bekam etwas völlig anderes als erwartet. Als Fan der Serie "Der Doktor und das liebe Vieh" stellte ich mir anhand des Titels einen cosy Krimi vor, in dem ein Tierarzt in idyllischem Setting Kriminalfälle aufklärt. Weit gefehlt! Hier geht es deutlich skurriler zu - das muss man mögen. Die Sätze sind oft lakonisch, gelegentlich sarkastisch und die Szenen drifteten für meine Brgriffe manchmal zu sehr in Richtung Absurdität.



Was ich den Buch positiv anrechne, ist Gespür für Ambivalenz: Menschen, die helfen wollen, handeln nicht immer richtig; Helfer sind nicht automatisch Helden; Opfer bleiben komplex. Das schafft nicht jeder Autor.


Fazit:

Wer einen gemütlichen cosy Tierarztkrimi sucht (wie ich), könnte seine Probleme mit diesem Buch haben und es als zu "abgedreht" empfinden. Für Fans von Büchern a la "Achtsam morden" und Liebhaber des schwarzen Humors, skurriler Szenen und etwas exzentrischer Charaktere ist es ein wahres Fest. Also bitte unbedingt ausprobieren, falls das gut klingt für euch - auch wenn es für mich nicht das richtige Buch war! 

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Tierforscher in Afrika

Der Ruf der Kalahari
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In der Neuauflage des Nature-Writing-Klassikers aus dem Jahr 1984 " Der Ruf der Kalahari " beschreiben Mark und Delia Owens (ja, die von den Flusskrebsen!) ihre Forschungsarbeit in einem abgelegenen Camp ...

In der Neuauflage des Nature-Writing-Klassikers aus dem Jahr 1984 " Der Ruf der Kalahari " beschreiben Mark und Delia Owens (ja, die von den Flusskrebsen!) ihre Forschungsarbeit in einem abgelegenen Camp jenseits der Zivilisation in Afrika.

Am Anfang hat mich das Buch etwas herausgefordert, denn wie die beiden ihr Leben in Afrika starten, fand ich sehr blauäugig und weltfremd. Des öfteren habe ich über ihre Entscheidungen, die teilweise wirklich lebensgefährlich waren, den Kopf geschüttelt und mich gefragt wie studierte, erwachsene Leute so agieren können. Aber zum Glück ging letztlich alles gut und als die Forschungsgelder dann flossen, nahm das Buch hauptsächlich die Tierforschung in den Fokus und ich war wieder versöhnt 😅

Ihre Beobachtungen des Sozialverhaltens von Löwenrudeln, Hyänen und weiterer Kalahari-Bewohner zeigten von Respekt und Demut vor der Tierwelt und gaben einen interessanten Einblick in das harte Alltagsleben in einem unwirtlichen Landstrich.

Insgesamt habe ich das Buch also dennoch als sehr bereichernd empfunden und gebe gern eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 09.10.2025

Super atmosphärisch, clevere Wendungen - der perfekte Thriller für den Herbst!

Das Internat
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Dies war mein erstes Buch von Hannah Richell, aber es wird definitiv nicht mein letztes sein! Von der ersten Seite an war ich mitten im Geschehen, habe die düstere Atmosphäre rund um eine Halloweenparty ...

Dies war mein erstes Buch von Hannah Richell, aber es wird definitiv nicht mein letztes sein! Von der ersten Seite an war ich mitten im Geschehen, habe die düstere Atmosphäre rund um eine Halloweenparty und ein Upper-Class-Internat aufgesogen und mich zurückversetzt gefühlt in meinen England-Urlaub, der mich nur wenige Kilometer am Schauplatz dieses Romans vorbeiführte.

 

Denn Hannah Richell hat zwar die Schule und weitere Ortsbezeichnungen erfunden, eingebettet ist die Geschichte jedoch in die Landschaft rund um Bath und einen Straßenabschnitt mit dem merkwürdigen Namen Sally in the wood. Und hier könnt ihr schon mal anfangen zu googeln - den gibt es nämlich wirklich. Und auch den Turm auf einem Hügel, der im Buch eine bedeutende Rolle spielt (gebt mal Brown’s Folly im Routenplaner ein). Selbst die Höhlen, die im Buch vorkommen, kann man sich auf Fotos anschauen und taucht so völlig ein in den Schauplatz - schon mal sehr clever gemacht und für Leser spannend nachzuverfolgen.

 

Die Story selbst fand ich unheimlich gut erzählt. Nachdem die Halloweenparty einiger Schüler des Internats im nahegelegenen Wald etwas aus dem Ruder gelaufen ist, wird die Leiche einer Schülerin am Fuße des (oben beschriebenen) Turms gefunden. In einem weißen Kleid, wie die Legende der „Sally in the wood“, mit einer Vogelmaske und mit Worten, die auf Arme und Beine geschrieben sind.

 

Polizist Ben versucht den Fall schnellstmöglich aufzuklären - was nicht einfach ist, da seine Tochter selbst Schülerin dieser Schule ist. Und seine Ex-Partnerin die Schulpsychologin. Die interessante Familienkonstellation und die dadurch entstehenden Spannungen legen auf die ohnehin schon gute Grundidee nochmal eine Schippe drauf und geben dem Roman eine noch komplexere Struktur - ohne dass das den Lesefluss negativ beeinflusst. Ganz im Gegenteil. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen, hatte klare Sympathien, aber auch viele Verdächtige (wobei mir so einige Theorien am Ende um die Ohren geflogen sind) und war einfach völlig drin im Geschehen. Ich habe selten einen Thriller so gern gelesen, denn trotz der kühlen und düsteren Atmosphäre war auch immer wieder Raum für Menschelndes. Diese Kombination hat mir sehr gut gefallen.

 

Einzig den deutschen Titel fand ich nicht ganz passend gewählt. Der Originaltitel ist „One dark night“ und das fasst die Stimmung und die Handlung erheblich besser zusammen als „Das Internat“. Denn ja, das Internat hat zwar eine große Bedeutung im Buch, aber das eigentliche Geschehen und auch die Ermittlungen spielen sich eben hauptsächlich außerhalb des Schulgeländes ab, während der Titel ja eher eine Art „Kammerspiel“ innerhalb der Internatsmauern erwarten lässt. Das nur als Hinweis für potentielle Leser.

 

Ich jedenfalls habe mich mit diesem Thriller bestens unterhalten gefühlt und muss auch zugeben, dass ich diverse Twists nicht habe kommen sehen - insbesondere den am Ende. Ich empfehle das Buch unbedingt weiter für all diejenigen, die in eine herbstliche, düstere Atmosphäre rund um Halloween eintauchen möchten, die mit der Sally-Legende auch einen leichten Gruselfaktor ertragen können und die gern flüssig geschriebene, unterhaltende Thriller lesen, die ohne Unmengen von Blut auskommen. 

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Veröffentlicht am 08.10.2025

Genau das Richtige für den Herbst!

Eichhörnchenglück
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Eichhörnchen sind fürchterliche Tiere. Sie buddeln im Dreck und sind so vergesslich, dass sie nicht mehr wissen, wo sie ihr Futter versteckt haben. Dass sie nebenbei auch super niedlich aussehen mit ihrem ...

Eichhörnchen sind fürchterliche Tiere. Sie buddeln im Dreck und sind so vergesslich, dass sie nicht mehr wissen, wo sie ihr Futter versteckt haben. Dass sie nebenbei auch super niedlich aussehen mit ihrem seidigen Fell, den Puschelöhrchen und ihren aufgeweckten Augen, ist Annikes Mutter völlig egal. Sie beschimpft alles und jeden, einschließlich ihrer Tochter, die nach dem Tod des Vaters nur widerwillig den Weg ins elterliche Heim gefunden hat. Doch ein Eichhörnchen-Notfall wird zum Rettungsanker für die Familie – und auch für die kleine Manou, die mit dem verwundeten Nager plötzlich vor ihrer Haustür steht.

„Eichhörnchenglück“ ist ein amüsanter, gleichzeitig aber erstaunlich ernsthafter Roman über Missverständnisse innerhalb einer Familie. Nur langsam gelingt wieder eine vorsichtige Annäherung zwischen Mutter und Tochter, doch unterstützt vom liebenswerten Ex-Lehrer Onkel Theo und Manou findet sich am Ende vielleicht doch eine Handvoll Nüsse…. äääääh, eine Handvoll Glück. 😉

Süße Feelgood-Lektüre mit durchaus ernsten Anklängen, viel Humor und einem tierischen Sidekick – genau das Richtige für den Herbst!

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Veröffentlicht am 01.10.2025

Nicht ganz so fesselnd wie Teil 1

Die Freiheit so weit
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Obwohl man es dem Buch äußerlich nicht ansieht und der Einband keinen Hinweis darauf enthält, handelt es sich bei diesem Buch nicht um einen eigenständigen Roman, sondern den zweiten Teil einer Dilogie. ...

Obwohl man es dem Buch äußerlich nicht ansieht und der Einband keinen Hinweis darauf enthält, handelt es sich bei diesem Buch nicht um einen eigenständigen Roman, sondern den zweiten Teil einer Dilogie. Band 1 hieß „Der Unendlichkeit so nah“ und erzählte die Geschichte von Elias und Emma, die sich auf Hawaii kennen- und lieben lernen. Außerdem wurde dort in Rückblenden von ihren jeweiligen Vorfahren erzählt, die ebenfalls etwas verband.

 

Diese Handlungsstränge werden in diesem zweiten Band fortgesetzt. Bei mir ist es ca. ein dreiviertel Jahr her, dass ich Band 1 gelesen habe und ich hatte die Zusammenhänge – gerade im historischen Teil – nicht mehr so präsent. Ich habe gemerkt, dass mir das nicht gut getan hat für das Leseerlebnis, da ich oft gestutzt habe und Geschehnisse nicht richtig einordnen konnte. Die sehr kurzen Zusammenfassungen der bisherigen Handlung waren für mich persönlich etwas wenig, um den Anschluss wieder richtig zu finden.

 

Der Anschluss in der Gegenwartshandlung war reibungsloser und klarer, so dass ich hier besser zurecht und hineingekommen bin in die aktuelle Handlung.

 

Ich habe mich allerdings mehr als einmal gefragt, warum das Buch in zwei Bücher aufgeteilt wurde. Aus meiner Sicht wären in beiden Büchern Kürzungen ohne Verlust an „Gehalt“ möglich gewesen. Darüber hinaus hätte man sich viele Erläuterungen im zweiten Buch gespart. Klar, es wäre dann ein 600-Seiten-Epos gewesen, aber dies ist bei Familiengeschichten auf zwei Zeitebenen nichts ungewöhnliches und hätte mir persönlich besser gefallen als die Aufteilung in eine Dilogie, bei der die Erscheinungsdaten viele Monate auseinander liegen.

 

Beide Romane sind sicherlich gute Unterhaltungslektüre und durch ihr besonderes Setting Hawaii und das Thema Astronomie sticht insbesondere der erste Teil auch aus der Masse heraus. Der zweite Teil spielt hauptsächlich in Deutschland und der historische Teil in New York, was nicht mehr ganz so exotisch ist. Die Schicksale der Protagonisten werden konsequent weitererzählt und im Gegenwartsteil erleben wir insbesondere Emmas schwierige Trennungsphase von ihrem Exfreund und ihre innerliche Auseinandersetzung damit, von ihm schwanger zu sein. Wer eine romantische Liebesgeschichte sucht, ist also mit diesem Band nicht so gut beraten. Mich persönlich konnte dieser zweite Band nicht ganz so fesseln wie der erste, auch wenn er letztlich natürlich den logischen Abschluss aller Erzählstränge enthält.


Fazit:

Band 1 war top, Band 2 ergänzt ihn und klärt die noch offenen Erzählstränge auf. Allerdings konnte ich Band 1 etwas mehr genießen als Band 2.

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