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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.05.2020

Unkonventioneller Familienroman

Dreck am Stecken
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Mit dreckamstecken bin ich in ein neues Experiment gestartet. Es war mein erstes bookatfirstsight - einmal im Monat kaufe ich in der kleinen Buchhandlung um die Ecke ein Buch, das mir in der Auslage sofort ...

Mit

dreckamstecken bin ich in ein neues Experiment gestartet. Es war mein erstes

bookatfirstsight - einmal im Monat kaufe ich in der kleinen Buchhandlung um die Ecke ein Buch, das mir in der Auslage sofort ins Auge springt. Ich erhoffe mir dadurch, meinen Lesehorizont zu erweitern und ein paar interessante Überraschungen zu erlesen. 😃 Und ganz nebenbei kann ich damit die lokale Buchhandlung unterstützen. Die Idee ist übrigens ein wenig geklaut, das muss ich zugeben. In meinem zuletzt gelesenen Buch hat Meike Winnemuth von einer ähnlichen Challenge berichtet, die sie selbst für sich entwickelt hat und ich habe den Gedanken aufgegriffen.

Warum also "Dreck am Stecken"? Es klang einfach gut. Und der Klappentext versprach eine interessante Familiengeschichte rund um Schuld in der übernächsten Generation nach dem Weltkrieg. Das Buch ist flott geschrieben und die Charaktere sind so eigenwillig, wie es der Titel verlangt. Allerdings hätte es mir noch besser gefallen, wenn sich Opa Heinrich nicht nur als getriebener Mitläufer herausgestellt hätte, sondern als wirklich überzeugter Nazi. Dann wäre die Gewissensfrage für die Enkelgeneration noch spannender gewesen. Trotzdem ein kurzweilig geschriebener Roman, der mehrere schwierige Themen aufgreift und absolut lesenswert ist!

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Veröffentlicht am 24.04.2020

Auch im zweiten Einsatz saustark!

Sterben auf Portugiesisch
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Es gibt nur wenige Buchreihen, bei denen ich den zweiten Teil noch besser fand als den ersten – diese hier gehört dazu. Heidi van Elderen ist es gelungen, nach einem amüsanten Portugalkrimi („Mord auf ...

Es gibt nur wenige Buchreihen, bei denen ich den zweiten Teil noch besser fand als den ersten – diese hier gehört dazu. Heidi van Elderen ist es gelungen, nach einem amüsanten Portugalkrimi („Mord auf portugiesisch“) einen noch amüsanteren zweiten Portugalkrimi zu zaubern. Und auch diesmal haben Inspektor Valente und sein Schwein Raquel wieder gut zu tun, um mehrere Morde aufzuklären.

Es ist Hochsommer im beschaulichen Landesteil Alentejo, das der viel bekannteren (und überlaufeneren) Algarve in allem so ein bisschen hinterherhinkt. Die Luft steht bei mehr als 35 Grad im Schatten und weder Fernando Valente noch sein Hausschwein Raquel haben viel Elan, um irgendetwas zu tun. Außer vielleicht baden. Doch wie so oft kommt es anders – Fernando wird zum Fundort einer Leiche gerufen, an einen Strand. Dort steckt der Verblichene eingebuddelt im Sand und nur der Kopf schaut noch heraus. Ein perfider Mord? Eine Mutprobe, die schief gelaufen ist? Fernando traut dem Frieden nicht, Raquel erschnüffelt ebenfalls nichts Gutes – und so müssen die beiden wohl oder übel die Ermittlungen aufnehmen. Als kurz darauf noch zwei weitere Wasserleichen auftauchen – allesamt stellen sich als recht junge Männer heraus – kommt Fernando der leise Verdacht, dass all das zusammenhängen könnte…

Fernando und seine ganze Sippschaft (er wohnt als Junggeselle natürlich noch bei Mutti und Großmutti…) habe ich schon im ersten Teil sehr liebgewonnen, insbesondere die fast 90jährige Mafalda, die mit ihrem beeindruckenden Riechkolben schon eine halbe Woche im Voraus das Wetter vorhersehen kann. Man könnte fast meinen, zwischen Mafalda und Raquel bestünde eine gewisse Verwandtschaft… aber das wäre natürlich anmaßend und deshalb denke ich das auch gar nicht erst weiter Jedenfalls mag ich die Familie Valente wirklich sehr und auch Fernandos unglückliche, mehr oder weniger heimliche Liebe zur verheirateten Anabela und seine Abwehrversuche gegenüber der aufdringlichen Lucia (die aber von Mutti Valente schon als Schwiegertochter geführt wird) verfolge ich höchst gespannt. Um Lucia loszuwerden, greift Fernando diesmal sogar mit seinem homosexuellen Kumpel Matheo zu drastischen Methoden Es war wirklich ein Fest, diese Szenen zu lesen!

Raquel spielt bei den Ermittlungen wie schon im ersten Teil immer eine eher träge als tragende Rolle und ist hauptsächlich putzig und amüsant. Das finde ich auch gut so, denn ein „Super-Ermittlerschwein“ wäre doch eher unglaubwürdig. Trotzdem gibt es ab und zu ein paar wenige Szenen, in denen Raquel entscheidend zur Handlung beiträgt und man als Leser nicht so recht einordnen kann, ist das jetzt Instinkt oder Zufall oder ist Raquel etwa doch ein richtiges Polizeischwein??? Ich finde jedenfalls, die tierische Hauptdarstellerin wird nicht überfrachtet und trägt doch immer wieder dazu bei, dass man sich mit diesem Krimi entspannt schmunzelnd zurücklehnen kann.

Ich kann nur sagen: Raquel war auch diesmal wieder saustark und ich freue mich jetzt schon darauf, Neues von ihr und Fernando und der Valente-Sippe zu erfahren und einen weiteren Fall mit ihnen allen lösen zu können!

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Veröffentlicht am 19.04.2020

Historischer Krimi mit Inselflair

Die Tote in der Sommerfrische
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Elsa Dix ist es mit diesem Roman gelungen, die derzeit beliebten Genres der Lokal-Krimis und der historischen Romane zu verbinden. Dazu kommt noch, dass auch Insel-Geschichten seit Jahren einen absoluten ...

Elsa Dix ist es mit diesem Roman gelungen, die derzeit beliebten Genres der Lokal-Krimis und der historischen Romane zu verbinden. Dazu kommt noch, dass auch Insel-Geschichten seit Jahren einen absoluten Boom erleben und so verbindet sich alles in diesem Buch zu einem runden Ganzen.

Alles beginnt damit, dass das Dienstmädchen Henny tot am Strand aufgefunden wird. Der junge Journalist Christian findet sie und zufällig ist auch Lehrerin Viktoria Berg zugegen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie nicht an einen Unfall glauben und so stellen sie zusammen Ermittlungen an, die beweisen sollen, dass Henny Opfer eines Verbrechens geworden ist. Das stellt sie vor viele Herausforderungen – wir können als Leser eines historischen Kriminalromans hier schließlich nicht erwarten, dass die Ermittlungen wie heutzutage gewohnt mit Technik geführt werden – nein, hier ist taktisches Geschick beim Befragen von Zeugen gefordert und natürlich Kombinationsgabe, um die kleinen Fitzelchen schließlich zu einem großen Ganzen zusammenzusetzen. Die Autorin präsentiert auch immer wieder Wendungen und neue Aspekte, so dass die Ermittlungen nicht langweilig werden (gerade weil sie ja historisch bedingt nicht so schnell voranschreiten können wie heutzutage).

Es hat mir Spaß gemacht, Christian und Viktoria bei ihren Ermittlungen im Seebad zu begleiten und ich fand insbesondere diesen neuen Aspekt reizvoll, dass es keine historische Familiensaga war – wie derzeit so oft – und auch kein klassischer Kriminalroman, sondern dass hier genreübergreifend eine Geschichte erzählt wird, die sich aus der Masse heraushebt.

Viktoria und Christian waren mir als Ermittlergespann sehr sympathisch, und dass sich zwischen den beiden auch zarte Bande ergeben, hat mein Leser- (bzw. in diesem Fall Hörer-)Herz sehr gefreut.

Das Schönste an diesem Buch war für mich die Atmosphäre, die Elsa Dix hier erzeugt. Man war förmlich mittendrin in der „Sommerfrische“ und konnte sich bildhaft vorstellen, wie es in den Seebädern damals kurz vor dem 1. Weltkrieg zugegangen ist. Es wird viel Stimmung erzeugt mit der anschaulichen Erzählweise, so dass man immer das Gefühl hatte, hautnah dabei zu sein, wenn Christian und Viktoria ermitteln. Sprachlich umgesetzt wurde das Ganze von Sprecher Steffen Groth, der die Geschichte zwar gut gelesen hat, aber mich doch nicht zu 100 % überzeugen konnte. Es hätte noch ein wenig lebhafter sein können und ich habe mich zwischenzeitlich gefragt, ob eine weibliche Stimme das Buch nicht noch besser „verkauft“ hätte.

Ich bin überzeugt, dass dieser Roman viele Fans finden wird. Empfehlen kann ich dazu auch die Internetseite der autorin www.elsa-dix.de. Dort präsentiert sie u. a. Bilder aus Norderney aus dem frühen 20. Jahrhundert und vermittelt noch weiteres Hintergrundwissen zum historischen Seebad Norderney.

Es war mir ein Hörvergnügen und ich hoffe bald wieder ein neues Buch von Elsa Dix in den Händen halten zu können.

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Veröffentlicht am 13.04.2020

Zwei Frauen auf dem Weg in die Zukunft

Neuleben
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Therese und Gisela sind jung und haben das Leben vor sich – sie stellen Anfang der 1950er Jahre die Weichen für ihr späteres Leben, obwohl sie doch gleichzeitig ihre Jugend genießen möchten. Doch Frauen ...

Therese und Gisela sind jung und haben das Leben vor sich – sie stellen Anfang der 1950er Jahre die Weichen für ihr späteres Leben, obwohl sie doch gleichzeitig ihre Jugend genießen möchten. Doch Frauen wird es in dieser Zeit nicht leicht gemacht – schon gar nicht, wenn sie ambitioniert sind wie Therese und nicht mit ihren weiblichen Attributen punkten wollen oder können.

Therese lebt für ihr Studium. Als eine von nur zwei Frauen hat sie es bis ins letzte Jura-Semester geschafft und sich gegen ihre Kommilitonen behauptet, die Frauen lieber als Heimchen am Herd sehen wollen und nicht als Rechtsanwältin oder Richterin im Berufsleben. Aber Therese träumt davon, eine der ersten weiblichen Berufsrichter zu werden – und sie opfert diesem Kampf letztlich sogar ihr Privatleben.

Gisela scheint auf den ersten Blick eine junge Frau zu sein, die einen „typischen“ Lebensweg der 50er Jahre geht. Ausbildung, fester Freund, Verlobung… und nach der Hochzeit würde ihr Felix sie ebenfalls gern als seine treue, liebende Ehefrau sehen, die keine seiner Entscheidungen in Frage stellt. Doch Gisela ist mit Leib und Seele Schneiderin und hat sich vorgenommen, auch nach der Hochzeit weiterzuarbeiten. Ob sich das verwirklichen lässt in einer Zeit, als Frauen die Einwilligung ihres Mannes brauchten, um einen Arbeitsvertrag zu schließen?

Untermalt wird diese Emanzipationsgeschichte von den Zu-ständen des zerrissenen Deutschlands der Nachkriegszeit. Therese und Felix (Giselas Verlobter) stammen aus einem Gutshof bei Chemnitz, also aus der sowjetischen Besatzungszone. Sie sind allerdings nach der Enteignung in den Westteil Berlins gegangen und versuchen sich nun dort ein Leben aufzubauen. Immer wieder kommt es zu Konfrontationen der Systeme – der Sozialismus in der noch jungen DDR und das beginnende Wirtschaftswunder im Westen. Felix lässt sich auf halbseidene Geschäfte ein und verbaut damit fast sein und Giselas Leben.

Katharina Fuchs erzählt detailliert von den Zuständen in Ost und West zu Beginn der 50er und gibt damit ein Bild wieder, in das man sich als Leser gut hineinversetzen kann. Sie schildert Alltagsbegebenheiten, aber webt in ihrem Roman auch den 17. Juni 1953 ein, das geschichtsträchtige Datum der Arbeiteraufstände in der DDR. Als zeitgeschichtlichen Roman fand ich das Buch sehr interessant, zumal es wirklich umfassend und gut recherchiert zu sein scheint.

Leider bin ich beim Klappentext einer Fehlinterpretation aufgesessen, denn ich war darauf aus, dass das Buch eine viel größere Zeitspanne umfasst und den Weg und auch die persönliche Weiterentwicklung der Hauptfiguren schildert. Der Hauptteil der Handlung spielt allerdings in einem recht kurzen Zeitraum von etwa einem Jahr, in dem Therese ihr Staatsexamen macht und Gisela ihren Berufsweg in die Modebranche findet. In einem Nachklapp wird dann der rasante Aufstieg Thereses bis zur Vorsitzenden Richterin auf wenigen Seiten geschildert. Ich persönlich hatte die Geschichte etwas anders erwartet bzw. erhofft und war deshalb nicht zu hundert Prozent glücklich damit.

Aber ich habe trotzdem einen lesenswerten historischen Ro-man genießen dürfen, der ein Alltagsbild der frühen 50er Jahre bietet und anschaulich die Situation im West- und Ostteil Deutschlands betrachtet.

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Veröffentlicht am 13.04.2020

Ein Wohlfühl-Frühlingsschmöker, der einen ans Meer versetzt!

Osterglockenträume
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Mit diesem Buch hat einfach alles gepasst – ich hatte es mir als Entspannungslektüre fürs Osterfest vorgenommen und das war genau richtig! Es heißt nämlich nicht nur „Osterglockenträume“, sondern spielt ...

Mit diesem Buch hat einfach alles gepasst – ich hatte es mir als Entspannungslektüre fürs Osterfest vorgenommen und das war genau richtig! Es heißt nämlich nicht nur „Osterglockenträume“, sondern spielt auch an den Osterfeiertagen. Also die passende Lektüre zur passenden Zeit und dann auch noch bei Traumwetter von 20 Grad und strahlendem Sonnenschein… einfach toll.

Dazu kommt, dass es sich um eine wirklich süße Geschichte handelt, die alles hat, was man zur Entspannung braucht: ein idyllisches Setting an der Nordsee, eine turbulente Familiengeschichte und ein paar tierisch gute Nebenrollen – als da wären Bernd, der riesige Hund des örtlichen Tierarztes. Oder Wolf, das Osterlamm. Oder Herr Schmidt, das Meerschweinchen der kleinen Katharina, das um ein Haar im großen Maul von Bernd verschwunden wäre…

Aber von vorn:
Eigentlich geht es um die liebenswerte, aber etwas unstete Nella, die mit Mitte Dreißig leider immer noch nicht ihren Weg gefunden hat. Als ihr Großvater sie und Schwester Karen samt Vorzeigefamilie in sein Friesenhaus an die Nordsee einbestellt, um eine „Ankündigung“ zu machen, wird ihr umso mehr bewusst, wie wenig sie bisher im Leben erreicht hat. Kein Mann, kein Kind, keine Eigentumswohnung… noch nicht mal ihren Traumjob hat sie gefunden. Nella fährt mit gemischten Gefühlen ans Meer. Dort angekommen, rennt sie prompt in die Arme ihres Freundes aus Kindertagen, Hauke. Er ist mittlerweile Tierarzt geworden und Nella wird es noch schwerer ums Herz. Irgendwie scheinen alle zu wissen was sie wollen und das auch hinzukriegen… nur sie taumelt herum und kommt ihrem Lebenstraum kein bisschen näher…

Wie Nella in den Osterfeiertagen klar wird, muss sie zunächst erstmal herausfinden, was sie sich eigentlich vom Leben wünscht, um es dann anzupacken. Und zum Glück ist ihr Hauke da eine große Hilfe Aber auch ihre kleine Nichte Katharina, die sie daran erinnert, mit welcher Inbrunst sie selbst sich als Kind um Tiere gekümmert hat und dass es doch immer ihr Traum war, das später beruflich zu tun…

Ich gebe zu, dieses Buch ist sehr leichte Kost und verdient mit Sicherheit keinen Literaturpreis. Aber es ist einfach eine niedliche Geschichte, um mal vom Alltag abzuschalten und sich – wenn wir momentan schon in unseren Reisemöglichkeiten ein-geschränkt sind – ans Meer zu träumen. Ich jedenfalls habe mich nach diesem Buch gefühlt wie nach einem Kurzurlaub an der Nordsee – und ich glaube, das ist auch genau das, was dieses Buch erreichen will. Nicht mehr und nicht weniger. Und weil es ein so schöner Kurztrip war, gebe ich auch gern fünf Sterne und hoffe, dass dieser Roman noch vielen „Lesereisenden“ einen schönen Urlaub beschert!

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