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Veröffentlicht am 13.11.2019

Zwei Bücher in einem

Die Schuld jenes Sommers
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Bath, England, 1942: Mitten in den Wirren des 2. Weltkriegs gerät die Welt der 32-jährigen Frances aus den Fugen. Bei der Bombardierung der Stadt verschwindet der 6jährige Davy, auf den sie an diesem Abend ...

Bath, England, 1942: Mitten in den Wirren des 2. Weltkriegs gerät die Welt der 32-jährigen Frances aus den Fugen. Bei der Bombardierung der Stadt verschwindet der 6jährige Davy, auf den sie an diesem Abend aufpassen sollte. Doch statt sich nach dem Bombenangriff auf die Suche konzentrieren zu können, sucht sie ein weiterer Schicksalsschlag heim: In einem Bombenkrater wird das Skelett eines Mädchens gefunden – ihre Freundin Bronwyn, die vor langer Zeit im Alter von nur 8 Jahren spurlos verschwand. Das erschüttert Frances zutiefst, denn man ging damals von einem Mord aus, ein mutmaßlicher Täter wurde hingerichtet. Doch insgeheim hegte Frances immer Zweifel daran, dass der richtige Täter gefasst wurde. Während sie versucht, Davy zu finden, taucht sie gleichzeitig immer tiefer in den Kriminalfall von damals ein und versucht die Wahrheit über den Mord an ihrer besten Freundin herauszufinden.
Das Besondere dieses Buches ist aus meiner Sicht gleichzeitig auch seine Schwäche: hier werden zwei ebenbürtige Handlungsstränge zu einer Geschichte verwoben. Für meine Begriffe gelingt das aber nicht wirklich gut. Da der Vermisstenfall Davy und auch der Mordfall Bronwyn beide das Potential hätten, den Plot zu tragen, entsteht eine gewisse Konkurrenz, die das Buch für mich zerrissen erscheinen lässt. Ich fühlte mich als Leser oft hin und hergerissen zwischen den beiden Handlungssträngen und das hat meine Lesefreude etwas getrübt. Zwei Bücher in einem – aber nicht immer ist so ein Doppelpack das Nonplusultra.

Dazu kam, dass ich die Geschichte etwas zu ausführlich erzählt fand. Man hätte hier vieles straffen können, um zu einem rasanten Spannungsroman zu kommen – so wirkte er über weite Teile behäbig.

Man merkt also schon – ich wurde nicht so richtig warm mit diesem Buch. Auch wenn durch die eingestreuten Rückblenden in die Zeit kurz vor Bronwyns Tod eine gewisse Spannung und Dynamik entstand, empfand ich den Roman doch insgesamt als etwas langatmig (wer detailreich erzählte Geschichten mag, wird das vielleicht anders sehen). Ich muss zugeben, dass ich einige Passagen dann nur noch quergelesen habe. Die Figuren waren mir durchweg nicht besonders sympathisch – einzig die patente Pam war eine Ausnahme für mich. Sie war erfrischend anders und strahlte Herzenswärme in ihrer Beziehung zu Frances aus.

Tja...was soll ich sagen... nicht gerade ein Glücksgriff für mich, dieser Roman. Und ich habe lange überlegt, ob ich ihm 2 oder 3 Sterne geben soll angesichts meiner vielen Kritikpunkte. Letztlich überzeugte mich aber die umfassende „Verarbeitung“ der Kriminalgeschichte, die für mich keine Fragen offenließ und ich habe auf 3 Sterne aufgerundet.

Veröffentlicht am 08.11.2019

Kämpferische Frauen

Die Frauen vom Nordstrand – Eine neue Zeit
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„Die Frauen vom Nordstrand – Eine neue Zeit“ erzählt von drei jungen Frauen Anfang der 1950er Jahre in St. Peter an der Nordsee. Hauptfigur Anni ist patent und voller Tatendrang, um das Hotel ihres Vaters ...


„Die Frauen vom Nordstrand – Eine neue Zeit“ erzählt von drei jungen Frauen Anfang der 1950er Jahre in St. Peter an der Nordsee. Hauptfigur Anni ist patent und voller Tatendrang, um das Hotel ihres Vaters in eine neue Ära zu führen. Mit ihrem besten Freund Hans, der seit dem Krieg im Rollstuhl sitzt, macht sie aus dem leicht angestaubten Haus ein Kleinod. Durch Zufall lernt sie Lehrerin Edith kennen. Die neue Landärztin Helena komplettiert das Damen-Kleeblatt.

Die Frauen müssen sich durch viele Widrigkeiten kämpfen. Eine ungewollte Schwangerschaft von einem Mann, der schließlich eine andere heiratet. Eine unglückliche Ehe mit einem Spieler und Trinker. Ein Kind, das der alleinerziehenden Mutter weggenommen wurde. Mehrere Todesfälle. Usw.

Alle drei Frauen sind sehr fortschrittlich eingestellt, mitunter sogar sehr emanzipiert und kämpfen äußerst deutlich für ihre Rechte und ihre Selbstbestimmung. Leider tun sie das mitunter so plakativ, dass ich mich etwas schwergetan habe mit den Mädels…

Das Buch, das der Auftakt zur sogenannten „Seebad-Saga“ ist, greift sehr viele – auch komplexe und tragische – Themen auf. Von Depression über Demenz, gewalttätige (Ehe-)Männer, Vergewaltigung, verbotene Schwangerschaftsabbrüche, entzogenes Sorgerecht für Kinder, alleinerziehende Frauen in der Nachkriegszeit, Todesfälle bis hin zu Spielsucht, Alkoholismus und sogar missbrauchte und verstümmelte KZ-Insassen ist auf gut 360 Seiten alles dabei. Und genau das sehe ich als Problem an diesem Buch: ich finde es zu überfrachtet mit tiefgreifenden Themen, die (natürlich!) in diesem überschaubaren Rahmen nur sehr oberflächlich behandelt oder angerissen werden können.

Schon allein Helenas Geschichte rund um zwei misshandelte KZ-Insassinnen hätte ein Buch für sich allein werden können – dann vielleicht auch in der Tiefe und Einfühlsamkeit, die ich mir für diesen Handlungsstrang gewünscht hätte. Leider kann durch die Vielzahl an Themen keines wirklich in der ihm gebührenden Weise dargestellt werden.


Ohne Frage, das Buch liest sich weg wie nix und bietet einen guten Unterhaltungswert. Mir persönlich allerdings blieben die Figuren zu stereotyp und die Probleme wurden für meine Begriffe zu oberflächlich abgehandelt. Hier wäre weniger sicher mehr gewesen. Daher kann ich für diesen Roman nicht mehr als 3 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 04.11.2019

Emanzipierter Roman und tolle, starke Frauenfiguren

Wie ein Leuchten in tiefer Nacht
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Zunächst einmal muss ich sagen: schade, dass hier vom Verlag an der „Kitsch-Schiene“ festgehalten wurde. Seit „Ein ganzes halbes Jahr“ hat Jojo Moyes den Herzschmerz-Stempel drauf und leider wird bei diesem ...

Zunächst einmal muss ich sagen: schade, dass hier vom Verlag an der „Kitsch-Schiene“ festgehalten wurde. Seit „Ein ganzes halbes Jahr“ hat Jojo Moyes den Herzschmerz-Stempel drauf und leider wird bei diesem Buch lieber auf Bewährt-Vertrautes gesetzt statt auch nur ein kleines Wagnis einzugehen. Wenn die Autorin sich traut, neue Wege zu gehen, warum geht der Verlag diese nicht mit und presst das Buch statt dessen mit Cover und Titel wieder in die Kitsch-Schublade? Aber gut... die Mechanismen des Marketings haben wohl ihre eigenen Gesetze.

Jetzt aber ans „Eingemachte“: Ich finde dieses Buch ist das beste, das Jojo Moyes je geschrieben hat. Es erzählt mitrei-ßend und dennoch einfühlsam von starken Frauen und man merkt dem Buch an, dass viel Leidenschaft der Autorin zu dem aufgegriffenen Thema darin steckt.

Jojo Moyes verwebt hier historische Fakten über die sogenannten „Satteltaschen-Bibliothekarinnen“ und spannende Lebensläufe von mehreren Frauen zu einem großartigen Roman. Da ist Margery, die schon immer unangepasst war und die es schwer hat, sich im ländlichen Kentucky der 1930er Jahre mit ihrer Lebensweise zu behaupten. Da ist die junge Engländerin Alice, die nach einer überstürzten Heirat ihrem Mann nach Kentucky folgt und vor der Vereinsamung flieht, indem sie sich den reitenden Bibliothekarinnen anschließt. Da ist die Farbige Sophia, die gut gebildet, aber unter Weißen kaum akzeptiert ist. Und da sind weitere Frauen, die alle nach und nach ihr angeblich gottgegebenes Dasein in Frage stellen und selbstständig werden – im Denken und im Handeln.

Auch wenn Alice laut Klappentext die Hauptfigur ist, so ist das im Roman nicht immer präsent. Auch Margery nimmt eine sehr große Rolle ein und das zentrale Thema ist immer die Bücherei und die Veränderungen, die die Frauen mit ihrem beschwerlichen Beruf anstoßen. Das macht das Buch zu soviel mehr als einem „Herzschmerz-Roman“. Es feiert die Selbstbestimmung von Frauen in einer Zeit, in der sie in vielen Bereichen eingeengt wurden. Und es feiert die Freundschaft – und diese Themen nehmen viel mehr Raum ein als die – natürlich auch vorhandene – Liebesgeschichte. Aber ganz ehrlich: ich habe nichts vermisst. Der Roman ist genau richtig, so wie er ist.
Die bisher kaum bekannte Geschichte der „Packhorse Library“ erhält endlich eine Stimme und die Frauen, die den schweren Job auf sich genommen haben, um anderen Gutes zu tun und Bildung zu vermitteln, erhalten endlich die Anerkennung, die sie seit fast 100 Jahren verdienen. Ich kann nur meinen Hut ziehen vor dem, was diese Frauen geleistet haben – aber auch vor der berührenden Geschichte, die Jojo Moyes daraus gemacht hat.

Ein wunderbarer Roman, in dem man die Weite Kentuckys und die Verbundenheit der Autorin zu ihren Figuren in jeder Zeile spürt. Und ich lass mich auf die Wette ein, dass eine Verfilmung wohl nicht lange auf sich warten lassen wird – denn schon beim Lesen sieht man die Geschichte quasi im Kinoformat vor sich

„Sie liebte diese Gegend. Sie liebte die Berge und die Men-schen und den unendlichen Himmel. Sie liebte das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, sich jeden Tag herauszufordern und das Leben der Menschen durch Worte zu verändern. Sie hatte sich jeden blauen Fleck und jede Blase am Fuß verdient. Sie hatte eine neue Alice aus der Gestalt der früheren geschaf-fen...“


Veröffentlicht am 03.11.2019

Würdiger Abschluss der Trilogie mit vielen politischen Details

Das Weingut. Tage des Schicksals
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Im dritten und letzten Teil der Weingut-Saga geht es vorrangig um die Entwicklung der Protagonisten Irene und Franz als Paar und als politisch interessierte Menschen. Im Fokus stehen ihre Aktivitäten auf ...

Im dritten und letzten Teil der Weingut-Saga geht es vorrangig um die Entwicklung der Protagonisten Irene und Franz als Paar und als politisch interessierte Menschen. Im Fokus stehen ihre Aktivitäten auf politischer Ebene, die beide – zuweilen recht verbissen, aus meiner Sicht – verfolgen.

Nachdem Irene und Franz Gerban in den Teilen 1 und 2 nach vielen Irrungen und Wirrungen zueinander gefunden hatten, sind sie nun verheiratet und haben drei gemeinsame Kinder, einen Jungen und Zwillingsmädchen. Franz tritt noch immer für seine Region, das Elsass, ein und nutzt die Chance, seinen Einfluss mit einem Reichstagsmandat in Berlin geltend zu ma-chen. Währenddessen kann Irene nicht aus ihrer Haut und fühlt sich dazu berufen, zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiterschicht einzutreten. Sie wird über ihren früheren Lebensgefährten zur Sozialistin und lernt z. B. August Bebel kennen. Ihre politischen Aktivitäten muss sie gut vertuschen, da sie verboten sind und von der gesellschaftlichen Schicht, in der die Gerbans verkehren, auch verpönt werden.

Mehr als einmal steckt Irene bis zum Hals in Schwierigkeiten, weil sie sich weigert, mit ihrem Engagement kürzer zu treten. Aufgrund des damit verbundenen Aufsehens sieht sich Franz des öfteren düpiert und es kommt zu handfesten Ehekrisen. Teilweise hat man den Eindruck, die beiden haben sich kaum noch etwas zu sagen. Franz entwickelt sich zeitweise zu einem herrischen Großgrundbesitzer und Irene wird immer verbisse-ner. In diesen Teilen des (Hör)Buches konnte ich für beide lei-der nur noch wenig Sympathie aufbringen.

Als Franz schließlich erfährt, wer sein leiblicher Vater ist, es-kaliert die Situation. Vor einer Adoption in hohe Adelskreise verlangt sein Vater, dass er sich von seiner „unschicklichen“ Ehefrau lossagt. Und Franz zieht diese Möglichkeit ernsthaft in Betracht, denn die Eheleute haben sich ohnehin auseinander-gelebt…

Dass sich am Ende trotzdem noch alles zum Guten wendet und es ein Happy End gibt, sollte nicht überraschen. Aber der Weg dahin ist steinig und von vielen Krisen überschattet. Und so sind es nicht nur Tage des Schicksals, sondern Jahre des Schicksals, die hier beschrieben werden.

Wie immer hat es mir Freude gemacht, dieser groß angelegten Erzählung zu folgen und Katrin Fröhlich als Sprecherin hat dafür gesorgt, dass ich immer interessiert am Ball geblieben bin. Dennoch war es mir diesmal ein wenig zu viel Politik und ich bin der Meinung, dass die Hauptfiguren zu sehr als Sinnbild für die damalige politische Landschaft herhalten mussten. Daher waren es für mich diesmal 4 Sterne.

Jedem Leser oder Hörer würde ich empfehlen, die Reihe von Beginn an zu verfolgen und nicht Band 2 oder 3 separat zu le-sen/hören. Zwar werden an den passenden Stellen die bisheri-gen Ereignisse kurz erwähnt, aber ich denke trotzdem, dass man mehr Freude an den Büchern hat, wenn man die Vorge-schichte ausführlich mitverfolgt hat.

Insgesamt war ich sehr gern mit Irene und Franz im Elsass un-terwegs und bedaure, dass ihre Geschichte nun ein Ende ge-funden hat. Aber vielleicht hat Marie Lacrosse (Achtung, Pseu-donym von Marita Spang!) ja schon die nächste große Saga in Planung… ich würd mich freuen!

Veröffentlicht am 31.10.2019

Überzeugender und hochaktueller Thriller!

Opfer 2117
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Mit diesem 8. Fall für Carl Morck und sein Sonderdezernat Q konnte mich Jussi Adler Olsen endlich wieder überzeugen. Nachdem ich die letzten zwei Romane nicht so gelungen fand, war dieser hier wieder ...


Mit diesem 8. Fall für Carl Morck und sein Sonderdezernat Q konnte mich Jussi Adler Olsen endlich wieder überzeugen. Nachdem ich die letzten zwei Romane nicht so gelungen fand, war dieser hier wieder Krimi-/Thrillerkost vom feinsten.

Im Mittelpunkt des Buches steht diesmal Assad, Carls Ermitt-lungsassistent, den die meisten Leser schon aufgrund seiner drolligen Versprecher und seiner gelassenen Art lieb gewonnen haben. Dass vieles von dem, was Assad bisher ausmachte, arg untertrieben war, klärt sich in diesem Fall auf. Bisher war dieser Charakter immer ein großes Fragezeichen in der SDQ-Reihe, man ahnte, dass ein großes Geheimnis hinter Assad steckt – und das wird in diesem Roman spektakulär aufgedeckt. Es geht um seine Herkunft, sein bisheriges Leben und die Leute, die er sich zum Feind gemacht hatte…

Damit verknüpft ist die Vorbereitung eines Terroranschlags im Herzen Europas und auch das weiß Jussi Adler Olsen mit Hoch-spannung in Szene zu setzen. Ein hochbrisantes Thema, das der Autor hier anpackt. Und ein weiteres – quasi ein Fall im Fall – steht ebenfalls damit im Zusammenhang und porträtiert auf andere, aber nicht minder spannende Weise eine weitere latente Gefahr, die immer präsent ist: den psychisch gestörten Einzeltäter, dessen Motive und Ziele völlig im Unklaren liegen.

Insgesamt zeichnet der Autor ein sehr aktuelles Porträt der Gefahrenlage in Zentraleuropa und lässt seine Helden viel durchleiden – aber am Ende auch strahlen. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie er auf diesen Roman noch einen draufsetzen will, zumal das große Geheimnis um Assad, das die Reihe mitträgt, nun gelüftet ist. Aber ich lasse mich gern eines Besseren belehren beim nächsten Roman