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Veröffentlicht am 13.03.2025

Wir brauchen mehr Natur in unserem Leben

Hase und ich
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Chloe Dalton berichtet in diesem Buch, wie sie zurück zur Natur gefunden hat, obwohl ihr Lebensentwurf davon meilenweit entfernt war. Als Beraterin für Persönlichkeiten aus der (politischen) Öffentlichkeit ...

Chloe Dalton berichtet in diesem Buch, wie sie zurück zur Natur gefunden hat, obwohl ihr Lebensentwurf davon meilenweit entfernt war. Als Beraterin für Persönlichkeiten aus der (politischen) Öffentlichkeit war sie permanent auf dem Sprung, in Hotelzimmern zu Hause und hat ihr persönliches Leben dem Job völlig untergeordnet. Bis Corona kam und die Welt gefühlt still stand.

 

Chloe zog sich in eine umgebaute Scheune auf dem Land zurück, mit nichts um sich herum als der englischen Hügellandschaft und Natur. Und völlig unverhofft stolperte sie im wahrsten Sinne des Wortes über ein Hasenkind, von dem sie vermutete, dass es Hilfe benötigt. Mit viel Enthusiasmus, aber zu diesem Zeitpunkt noch wenig Wissen über Feldhasen versuchte sie das kleine Wesen aufzupäppeln – und entgegen aller Unkenrufe aus ihrem Umfeld gelang das tatsächlich.

 

Der kleine Hase wurde zu ihrem täglichen Begleiter, ohne zum Haustier zu werden, nahm das Haus und den Garten in Beschlag und half der Autorin bei ihrer persönlichen Entschleunigung in der Corona-Zeit.

 

Über die Monate wurde Chloe zum wandelnden Lexikon, was Feldhasen betrifft und fing an, die Welt aus einem anderem Blickwinkel zu sehen – dem eines Fluchttieres, dem überall in der modernen Welt Gefahren drohen – und sei es nur durch das gut gemeinte Umsetzen eines Hasenbabys an einen vermeintlich sichereren Ort zwei Meter weiter.

 

Gemeinsam mit der Autorin erleben wir drei spannende Hasen- und Menschenjahre mit Übermut und Freude, aber auch Sorge und schlaflosen Nächten. Wie notwendig es auch in unserer modernen Welt (noch) ist, sich der Natur um sich herum bewusst zu werden und die Bedürfnisse aller lebenden Wesen zu respektieren, davon handelt dieses Buch.

 

Natürlich würde man nach dem Lesen am liebsten selbst sofort ein kleines Hasenbaby adoptieren. Warum das im Grunde das Falscheste ist, was man machen könnte, wird im Laufe der Lektüre ebenfalls deutlich. Und noch vieles mehr.

 

Unwillkürlich fängt man an, auch den Zustand vor der eigenen Haustür zu reflektieren und im besten Fall kommt man auf Ideen, was man den Lebewesen in seinem Umfeld mit kleinen Gesten Gutes tun könnte. Besonders auf den letzten Seiten hat die Autorin dafür auch einige Impulse parat. Für alle, die die Natur mögen und die eine ehrliche Erzählung ohne Vermenschlichung des vermeintlichen „Kuschelhasen“ schätzen, ist dieses Buch jetzt im Frühjahr eine sehr gute Wahl fürs Osternest 😊


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Veröffentlicht am 03.03.2025

Der Vergleich mit den „Flusskrebsen“ drängt sich auf…

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
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Nach vielen Jahren kommt Elijah in seinen Heimatort zurück. Hier ließ er seinen alkoholsüchtigen Vater zurück, seine Kindheit und seine erste große Liebe, die indigene Nakita. Ein gefeierter Schriftsteller ...

Nach vielen Jahren kommt Elijah in seinen Heimatort zurück. Hier ließ er seinen alkoholsüchtigen Vater zurück, seine Kindheit und seine erste große Liebe, die indigene Nakita. Ein gefeierter Schriftsteller wollte er werden – doch er kommt zurück, nachdem sein Buch floppte und die Geldmittel nicht mehr reichen, um sein Leben in San Francisco zu finanzieren. Nach dem Tod des Vaters zieht er in dessen Hütte mitten in der Natur und baut sich ein bescheidenes, aber fast unabhängiges Leben auf. Doch dann wird auf seinem Grundstück die Ärztin des Ortes erhängt aufgefunden – und die Umstände ihres Todes gleichen haargenau dem Verbrechen, das Elijah in seinem Roman geschildert hatte. Für ihn beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn alle Indizien sprechen gegen ihn…

 

Sarah Crouch versucht in ihrem Roman dem Beispiel von „Der Gesang der Flusskrebse“ zu folgen. Das Buch lebt von ausladenden Naturbeschreibungen, der Protagonist versucht sich inmitten dieser Natur ein weitgehend autarkes Leben aufzubauen. Mit einem mysteriösen Todesfall kommt Spannung in den Roman und der Protagonist wird zum Verdächtigen. Die Zutaten sind also die gleichen, nur der Schauplatz – in diesem Fall die Westküste der USA nahe Seattle – ist ein anderer. Doch gelingt es Sarah Crouch genau so gut wie Delia Owens, diese Zutaten zu einem „perfekten Dinner“ zu verarbeiten? Aus meiner Sicht nicht ganz.

 

Eigentlich sollte man Bücher nicht vergleichend bewerten, aber da die Vergleichbarkeit hier scheinbar sehr bewusst gewählt wurde, muss das Buch dem auch standhalten... Während ich an Delia Owens Protagonistin Kya ganz nah dran war und mit ihr mitgefiebert und -gelitten habe, blieb ich zu Elijah aus irgendeinem Grund auf Distanz. Er hat mich einfach nicht so für sich einnehmen können. Die Nebenfigur der Nakita fand ich wiederum sehr gut getroffen – hier hätte ich mir gewünscht, noch mehr über das Leben indigener Personen in einem Reservat in den USA zu erfahren. Auch Elijahs väterlicher Freund Chitto war eine wunderbare Figur, die ich sehr gemocht habe. Umso mehr ärgert es mich, dass es mir nicht gelang, die gleiche Verbundenheit zu Elijah aufzubauen.

 

Spannendes Lesevergnügen stellte sich bei mir leider erst im letzten Drittel ein, als es um den Mordprozess gegen Elijah ging. Da nahm die Dramatik noch mal richtig Fahrt auf und hat für einen Abschluss des Buches gesorgt, der mich teilweise mit der etwas behäbigen Handlung zwischendurch versöhnt hat.

 

Als Leser sollte man noch wissen, dass der Roman viele Zeitsprünge beinhaltet, und zwar nicht nur in eine Richtung. Dieses Hin- und Herspringen innerhalb der Jahre 1988 bis 1994 könnte es Hörbuch-Hörern schwer machen, die Geschichte zu verfolgen. Ich würde daher zum Lesen, nicht zum Hören raten.

 

Insgesamt war es eine Geschichte, die von Inhalt und Aufbau sehr deutlich an „Der Gesang der Flusskrebse“ erinnert, ohne jedoch dessen grandioses Lesegefühl vermitteln zu können. Wer das Buch aber vorbehaltlos zur Hand nimmt und Nature Writing mit einem Hauch Spannung mag, wird an dem Buch sicher Freude haben.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Wieviel wusste sie?

Die Komplizin – Ihr Mann ist ein Serienkiller. Was ist sie – Täterin oder Opfer?
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Wer ist Carrie Miller? Die nichts ahnende Ehefrau, deren Welt plötzlich zusammenbricht als ihr Mann vom FBI als berüchtigter Serienmörder „Sandmann“ gesucht wird? Oder diejenige, die ihm die Flucht ermöglicht ...

Wer ist Carrie Miller? Die nichts ahnende Ehefrau, deren Welt plötzlich zusammenbricht als ihr Mann vom FBI als berüchtigter Serienmörder „Sandmann“ gesucht wird? Oder diejenige, die ihm die Flucht ermöglicht hat, weil sie seine Taten deckte? Sie soll als Mitwisserin vor Gericht kommen während der „Sandmann“ noch immer flüchtig ist, doch dann kommt alles anders…

 

Eddie Flynn entscheidet sich, Carrie zu vertreten, weil er tief in seinem Herzen an ihre Unschuld glaubt. Er versucht, ihr mit einer guten Strategie zu einem Freispruch zu verhelfen, doch vieles spricht gegen sie. Und dann erhält er plötzlich eine unmissverständliche Botschaft vom Sandmann: entweder meine Frau kommt frei, oder deine Kanzleipartnerin stirbt…

 

Der Prozess wird zu einem Katz-und-Maus-Spiel, bei dem Eddie plötzlich nicht mehr davon überzeugt ist, dass Carrie ebenso hinters Licht geführt wurde wie er. Welche Rolle spielt sie hier wirklich?

 

Steve Cavanagh gelingt es wie keinem anderen, seiner Leser genauso wie seine Hauptfiguren in Zwiespalt zu stürzen. Genauso wie Eddie ist man beim Lesen hin- und hergerissen, ob man Carrie glauben sollte oder nicht. Vieles spricht gegen, einiges für sie – doch in jeder Hinsicht bleiben Zweifel. Zweifel an ihrer Schuld, aber auch Zweifel an ihrer Unschuld.

 

Und so wird auch dieser Thriller zum atemlosen Lesevergnügen, das einen Seite für Seite hastig umblättern lässt. Cavanaghs Bücher sind einfach immer ein Garant für gute und unheimlich spannende Unterhaltung, und meistens wird – so wie hier – ein psychologisches oder moralisches Dilemma thematisiert. Und auch bei diesem Roman ist es ihm wieder gelungen, mich von Anfang bis Ende bei der Stange zu halten und mich selbst zu hinterfragen. Hätte ich ihr geglaubt? Wie hätte ich reagiert, wenn ich auf dieser Geschworenenbank gesessen hätte?

 

Ich liebe die Romane von Steve Cavanagh einfach und finde sie ragen aus der Masse der Justiz- und Gerichtsthriller ziemlich weit heraus. Selbst zwei Seiten vor dem Ende schafft er es mitunter, die Geschichte nochmal zu drehen und ihr einen völlig neuen Blickwinkel zu geben. Auch hier? Das müsst ihr unbedingt selbst lesen!

 

PS: Der Roman lässt sich problemlos ohne Vorkenntnisse der anderen Bände lesen – auch wenn man natürlich am besten alle Bücher des Autors gelesen haben sollte! 😉

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Veröffentlicht am 20.02.2025

Barbie und ihre „Erfinder“ - eine polarisierende Geschichte

Ein Leben für Barbie
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Barbie-Puppen sind aus Kinderzimmern seit Jahrzehnten nicht wegzudenken. Zuletzt bekam die berühmteste Puppe der Welt durch den gleichnamigen Film noch einmal einen richtigen Popularitätsschub. Pink ist ...

Barbie-Puppen sind aus Kinderzimmern seit Jahrzehnten nicht wegzudenken. Zuletzt bekam die berühmteste Puppe der Welt durch den gleichnamigen Film noch einmal einen richtigen Popularitätsschub. Pink ist in und Barbie ein größerer Star denn je. Doch wer kam eigentlich auf die Idee, eine Gelenkpuppe zu kreieren, die nicht - wie bisher üblich - einem Baby oder Kleinkind nachempfunden ist, sondern einer erwachsenen Frau mit Modebewusstsein?

 

Die Antwort wird überraschen und sie ist nicht so eindeutig, wie der Untertitel des Buches das suggeriert. Denn man kann sich durchaus seine ganz eigenen Gedanken dazu machen, ob man das, was Ruth Handler und ihre Mitarbeiter getan haben, als „Erfindung“ der Barbiepuppe werten will. Wer jetzt neugierig geworden ist, sollte selbst lesen, was es damit genau auf sich hat.

 

Und zu diesem Buch sollte man noch etwas wissen, denn ich finde er ist nicht nur „ein Roman über eine bemerkenswerte Frau“, wie der Klappentext suggeriert, sondern vor allem die Unternehmensgeschichte von Mattel, der Herstellerfirma von Barbie. Ruth Handler stand an der Spitze dieser Firma und diese war - vielleicht mehr als ihre eigenen zwei Kinder - ihr „Baby“. Sie ordnete dem Unternehmen ihr Privatleben deutlich unter und die Firma hatte immer Priorität. Doch in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts schossen auch Aktiengesellschaften wie Pilze aus dem Boden, die Wall Street boomte und wer etwas sein sollte, musste ein börsennotiertes Unternehmen haben… Das machte Mattel noch größer - aber auch anfällig für Skandale.

 

Der Roman, den Renée Rosen hier geschrieben hat, beleuchtet mehr die Unternehmensgeschichte als das Privatleben von Ruth (vielleicht auch, weil ersteres vielmehr hergibt als letzteres). Es bezieht die tatsächlich beteiligten Mitarbeiter, den engsten Kreis, ein und geht auch auf deren Lebensgeschichten ein - z.B. Jack Ryan, den genialen Chefentwickler, der für den Erfolg von Barbie und auch anderen Spielzeugen von Mattel verantwortlich war. Aber auch Charlotte Johnson, die Chef-Designerin von Barbies umfangreicher Garderobe, findet sich im Buch wieder.

 

Und so handelt es sich bei diesem Roman um eine interessante Mischung aus Romanbiografie(n) und Betrachtung der Geschichte eines Großunternehmens. Mit allen Höhen und Tiefen. Letztlich ist es - wie bei vielen solcher Firmen - eine Geschichte von Kapitalismus und Macht(gier). Auch wird beleuchtet, was Geld und Ruhm mit einem Menschen machen können (Beispiel Jack Ryan). Die Story ist unterhaltsam aufbereitet und macht Spaß zu lesen - wenn ich auch eine etwas andere Geschichte erwartet hatte.

 

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Veröffentlicht am 04.02.2025

DDR-Geschichte ganz nah

Fernwehland
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Zum wiederholten Mal entführt uns Kati Naumann ganz tief in die DDR-Geschichte. Diesmal hat sie sich das DDR-Kreuzfahrtschiff „Völkerfreundschaft“ vorgenommen und erzählt sowohl dessen wechselvolle Geschichte ...

Zum wiederholten Mal entführt uns Kati Naumann ganz tief in die DDR-Geschichte. Diesmal hat sie sich das DDR-Kreuzfahrtschiff „Völkerfreundschaft“ vorgenommen und erzählt sowohl dessen wechselvolle Geschichte als auch die von mehreren Personen, die etwas ganz Besonderes mit diesem Schiff verbindet.

 

Mit Henri erleben wir, wie ein Junge aus Radebeul bei Dresden, dessen Eltern gerade mal die Dampfschiffe auf der Elbe kennenlernen durften, sich durchkämpft, bis er seinen Traum von der Arbeit als Matrose auf hoher See verwirklichen kann. Simone stammt aus Warnemünde und kann sich nichts Schöneres vorstellen als Stewardess auf der „Völkerfreundschaft“ zu werden. Und die Schwedin Frida hat ebenfalls eine ganz besondere Beziehung zu dem Schiff, denn lange bevor es als „Völkerfreundschaft“ für die DDR fuhr, war sie schon bei der Schiffstaufe dabei, als das Schiff noch „Stockholm“ hieß und für Schweden fahren sollte und erlebte später auf der „Stockholm“ die tragischsten Momente ihres Lebens.

 

12 Schiffsnamen und zwei Schiffsunglücke später pflügt der Koloss immer noch durch die Meere - nun als „Astoria“ im Jahr 2019. Und Henri, Simone und Frida treffen sich auf diesem Schiff, auf dem alle drei aus nostalgischen Gründen noch einmal ein paar Tage verbringen wollten.

 

Kati Naumann schafft es auch diesmal wieder, einen unheimlich dichten und zeitgeschichtlich interessanten Roman zu schreiben, der einerseits die komplette Geschichte des Schiffes erzählt, andererseits aber auch die Geschichte der DDR  und seiner Bürger wieder auferstehen lässt.

 

Da ich selbst die DDR in den 80er Jahren noch als Kind erlebt habe, kamen mir so einige Dinge bekannt vor - von der SERO-Sammelaktion bis zum miserablen Fernsehempfang im Dresdener Elbtal („Tal der Ahnungslosen“). Vieles war aber auch für mich neu und insbesondere die Geschichten rund um Radebeul und die Geschichte der Dresdner Dampfschiffahrt fand ich unheimlich spannend. Und da ich selbst auch schon öfters auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs war, war auch die Geschichte der Stockholm/Völkerfreundschaft/Astoria für mich super interessant.

 

Die Charaktere, mit deren Hilfe Kati Naumann die Geschichte erzählt, sind nicht eindimensional, sondern haben ihre Ecken und Kanten (z.B. Henri), aber sie sind wunderbar ausgearbeitet und man ist dennoch oder vielleicht gerade deswegen schnell von ihnen eingenommen. Ich wäre so gern noch weiter mit Frida, Simone und Henri unterwegs gewesen und hätte ihren Erinnerungen an die schönsten, aber auch schlimmsten Zeiten ihres Lebens gelauscht. Ein rundum gelungenes Buch und ein tolles Stück Zeitgeschichte! Unbedingt lesen!

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