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Veröffentlicht am 11.08.2017

Zar und Zimmermann – und das Entstehen einer Metropole

Die Stadt des Zaren
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Martina Sahlers historischer Sankt Petersburg-Roman beleuchtet die Jahre 1702 bis 1712. Von der ersten Besiedlung des Newa-Ufers bis zur offiziellen Ernennung zur Hauptstadt Russlands spannt sich der Handlungsbogen, ...

Martina Sahlers historischer Sankt Petersburg-Roman beleuchtet die Jahre 1702 bis 1712. Von der ersten Besiedlung des Newa-Ufers bis zur offiziellen Ernennung zur Hauptstadt Russlands spannt sich der Handlungsbogen, der nicht nur die russische Aristokratie, sondern vor allem auch viele Handwerkerschicksale unter die Lupe nimmt.

Zar Peter hat es sich in den Kopf gesetzt – und was der unbeugsame Herrscher einmal geplant hat, davon lässt er nicht ab, mögen die Umstände auch noch so widrig sein. Im sumpfigen Newa-Delta soll Russlands strahlende Hauptstadt entstehen: Pieterburch.
Nachdem Peter in der Vergangenheit inkognito die europäischen Städte besucht und sich insbesondere in Holland dem Schiffbau und dem Zimmereihandwerk gewidmet hatte, schwebt ihm vor, seine eigene Stadt zu bauen. Mit einem großen Ostseehafen, der den russischen Handel beleben soll.

Diesem Projekt ordnet Zar Peter alles unter und schart Untergebene, aber auch die Leibeigenen seiner Fürsten um sich. Mit viel Schweiß, Blut und unzähligen Opfern setzt er sich durch. An der Newa erblüht Sankt Petersburg. Weder Fluten noch eisige Winter können Peter von seinem Ansinnen abbringen – für die ersten Siedler sind es jedoch entbehrungsreiche, unheimlich schwere Jahre und so mancher bereut den Schritt, nach Petersburg gekommen zu sein – oder bezahlt ihn sogar mit dem Leben.

Gewürzt wird der Roman von den Lebensgeschichten einiger Siedler: des holländischen Handwerkersohns Willem, der deutschen Arztfamilie Albrecht mit ihren Töchtern Helena und Paula, den italienischen Architekten Francesco und Matteo, aber auch der jungen Leibeigenen Zoja.

Auch wenn die hier dargestellte Geschichte sehr interessant ist, so hat mich doch der Roman als solches nicht ganz in seinen Bann ziehen können. Die Teile, in denen vom Entstehen der Stadt unter Zar Peter erzählt wird, muten eher wie ein historischer Bericht an. Für mich fühlte sich das leider immer ein bisschen wie eine Unterbrechung des Romans an, der ansonsten lebhaft die Geschichte der Siedler schilderte. Deshalb kam ich leider immer wieder etwas raus aus dem Lesefluss und das beeinträchtigte für mich das Leseerlebnis etwas.

Dennoch war es eine interessante Geschichtsstunde, umso mehr, weil ich St. Petersburg vor einigen Jahren selbst besucht habe und die Stadt sehr faszinierend fand.

Veröffentlicht am 06.08.2017

Gelungener Mix aus Familien- und Spannungsroman

Am dunklen Fluss
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Seit langem mal wieder habe ich einen Roman gelesen, der im weit entfernten Australien spielt. Da ich den Kontinent selbst schon besucht habe, ist es immer ein bisschen so, als könne man mit der Lektüre ...

Seit langem mal wieder habe ich einen Roman gelesen, der im weit entfernten Australien spielt. Da ich den Kontinent selbst schon besucht habe, ist es immer ein bisschen so, als könne man mit der Lektüre die Erlebnisse zurückholen.

Es ist eine sehr spannende Geschichte, die Anna Romer hier erzählt und sie spannt den Bogen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Am Anfang hat man den Eindruck, dass die historische Geschichte um Brenna und ihre Vernunftehe mit einem tasmanischen Geschäftsmann nichts zu tun hat mit der Geschichte um Ruby und ihre verlorene Schwester Jamie. Doch natürlich gibt es eine Verbindung, die im Laufe des Buches offenbar wird.

Oftmals ist ja bei solch „zweigeteilten“ Büchern der historische Part der interessantere und die Teile aus der Gegenwart dienen nur dazu, der Haupthandlung einen Rahmen zu geben. Diesmal empfand ich es aber umgekehrt und war am meisten von der „aktuellen“ Geschichte fasziniert. Nicht zuletzt, weil sie eigentlich ein Krimi ist und es darum geht, wie Rubys Schwester als Teenager zu Tode kam. Ruby war dabei, aber aufgrund der traumatischen Erlebnisse ist das gesamte Jahr der Geschehnisse aus ihrem Gedächtnis wie ausradiert. Ganz langsam tastet sie sich bei einem Besuch auf Lyrebird Hill, (dem Anwesen, wo sie ihre Kindheit verbracht hat) wieder heran und die Erinnerungen kehren Stück für Stück wieder…

Zwar konnte mich das Ende nicht überraschen, da ich die Auflösung aus irgendeinem Grund schon geahnt habe, aber es war sehr spannend geschrieben, so dass man wirklich dranbleiben und Seite um Seite mehr erfahren wollte. Für Freude von Familiengeschichten sehr zu empfehlen, aber auch Krimifreunde könnten durchaus ihre Freude an dem Buch haben!

Veröffentlicht am 30.07.2017

Leider nicht mehr viel Neues unter der bretonischen Sonne…

Bretonisches Leuchten. Kommissar Dupins sechster Fall
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Dupin in seinem sechsten Fall… der eigentlich gar keiner sein dürfte, da der Kommissar Urlaub macht. Seine Lebensgefährtin Claire hat ihn zu einer 14 tägigen Auszeit überredet – aber als im Urlaubsort ...

Dupin in seinem sechsten Fall… der eigentlich gar keiner sein dürfte, da der Kommissar Urlaub macht. Seine Lebensgefährtin Claire hat ihn zu einer 14 tägigen Auszeit überredet – aber als im Urlaubsort ein Diebstahl in einer Kirche begangen wird, frohlockt Dupin innerlich. Endlich kein Strand mehr! Endlich was zu tun! Glücklicherweise (zumindest für Dupin) verschwindet auch noch eine Dame aus seinem Hotel spurlos. Nun kommt der Kommissar außer Dienst erst so richtig in Fahrt – natürlich heimlich, denn Claire würde ihm was husten, wenn sie von seinen Eskapaden erführe.

Nun ja – was soll man sich auch immer für Fälle ausdenken? Früher oder später wird ja fast jeder Kommissar einer Krimi-Reihe mal in den Urlaub verfrachtet (und darf dort mehr oder weniger offiziell ermitteln). Dort lässt sich vielleicht einfacher etwas Neues konstruieren als im altbekannten Umfeld. Dennoch – mir erschien der Kommissar nicht in Höchstform. Vielleicht hätte er besser daran getan, tatsächlich mal Urlaub zu machen… Und auch der Fall (bzw. die Fälle) erschienen mir ein wenig wie eine zusammengestückelte Patchworkdecke – deren Nähte nicht immer ganz glatt saßen.

Es war zwar grundsätzlich eine entspannte Lektüre, die auch der Krimileser gut im Urlaub verwenden kann. Aber ich hätte mir trotzdem irgendwie mehr erwartet… Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf – vielleicht ist ja der nächste Fall für Dupin wieder richtig interessant. Ich würde es mir wünschen.

Veröffentlicht am 26.07.2017

Schritt für Schritt aus der Krise

Seit du bei mir bist
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Schritt für Schritt aus der Krise

Eigentlich ist es ein schönes Buch. Also ein lesenswertes. Aber eben eigentlich... Ich war anfangs wirklich angetan davon, denn das beherrschende Thema war mal zur Abwechslung ...

Schritt für Schritt aus der Krise

Eigentlich ist es ein schönes Buch. Also ein lesenswertes. Aber eben eigentlich... Ich war anfangs wirklich angetan davon, denn das beherrschende Thema war mal zur Abwechslung nicht die große Liebe, die allen Widerständen trotzt, sondern das Gegenteil: die schlimme Erfahrung, wenn die Liebe sich wegschleicht und die Partnerschaft daran zerbricht. Und wenn dann noch ein Kind da ist, um das es sich zu kümmern gilt, wird es richtig kompliziert.

Es ist vielleicht folgerichtig, dass eine solche, eigentlich Sparks-untypische Geschichte, anderthalb Jahre nach seiner Scheidung erscheint. Da wird schon einiges an persönlichen Erfahrungen eingeflossen sein, vermute ich. Und das tat dem Buch auch gut, denn zuweilen las es sich eben nicht wie eine Geschichte, sondern (auch bedingt durch die Ich-Perspektive) wie ein Bericht über eine tatsächliche Begebenheit. Aus dem Leben gegriffen ist sie allemal.

Und so war ich froh und glücklich, ein wirklich authentisches Sparks-Buch lesen zu dürfen. Bis... ja bis der Meister der großen Dramatik es doch nicht lassen konnte und auch hier noch zusätzliche schwerste Schicksalsschläge obendrauf packte. Warum bloß? Das hätte die Geschichte aus meiner Sicht gar nicht nötig gehabt. Für mich wurde sie dann von etwas Authentischem wieder zu etwas Ausgedachten und der Zauber ging leider verloren...

Lesenswert finde ich die Geschichte dennoch, insbesondere für Menschen, die vielleicht selbst als Elternteil die innere Zerrissenheit nachvollziehen können, die eine Trennung mit sich bringt, wenn man Kinder hat.

Und eins muss ich noch erwähnen: den deutschen Titel finde ich – nachdem ich nun den Inhalt des Buches kenne – ziemlich daneben. Seit du bei mir bist... seit wer bei ihm ist? Bezieht sich das auf seine Tochter? Seine Frau und später Ex-Frau? Seine Schwester, die ebenfalls eine große Rolle in dem Buch spielt? Seine große Liebe Emily, die er selbstverschuldet verloren hatte? So richtig will es sich mir nicht erschließen, denn zur Handlung passt der Titel nicht wirklich. Der Originaltitel „Two by two“ wirkt gefälliger, bezieht er sich doch nachvollziehbar auf die Rolle als alleinerziehender Vater, in die Hauptfigur Russell hineinrutscht. Vielleicht wäre da etwas wie „Mit jedem kleinen Schritt“ o. ä. besser gewesen. Das könnte sich sowohl im tatsächlichen Wortsinn auf die kleine Tochter als auch im übertragenen Sinn auf Russell beziehen, der sich langsam aus dem Chaos der Trennung herausarbeiten muss. Aber egal... das war jetzt Verlagsarbeit, für die ich als Leser nicht bezahlt werde Das können andere dann beim nächsten Roman von ihm besser machen :) Lesen werde ich auch den sicherlich wieder. In der Hoffnung, dass dann weniger Pathos, aber wieder so viel Authentizität enthalten ist.

Veröffentlicht am 21.07.2017

Ein Bankräubertrio, eine resolute Omma und Rollmops-Burger en masse

Rollmopskommando
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Auch dieser Nordsee-Krimi war wieder ganz auf Schmunzeln angelegt. Ein Bankräubertrio und ein alter Geldkoffer sorgen für Aufregung im beschaulichen Fredenbüll. Und immer an vorderster Front dabei: Oma ...

Auch dieser Nordsee-Krimi war wieder ganz auf Schmunzeln angelegt. Ein Bankräubertrio und ein alter Geldkoffer sorgen für Aufregung im beschaulichen Fredenbüll. Und immer an vorderster Front dabei: Oma Ahlbeck, die Mutter des Bürgermeisters. Obwohl im Verlauf des Buches reichlich Tote zu beklagen sind, kann man die irgendwie gar nicht ernst nehmen, wenn dazwischen der Althippie Bounty über seine bewusstseinserweiternden Pilze philosophiert, Friseurin Alexandra die Vorzüge der neuesten Frisurenkreation „Marco-Reus-Bürste“ schildert und Dorfpolizist Thies seinen berühmten Kuhblick bekommt.

Mittlerweile – beim 3. Fall für Thies Detlefsen – birgt der Aufbau des Krimis und auch die Handlung kaum noch Überraschungen. Es ist aber auch schwer, das muss man zugeben, mit einer überschaubaren Anzahl handelnder Personen immer wieder neue und dennoch halbwegs glaubhafte Kriminalfälle zu konstruieren. Und dabei den Humor nicht totzulaufen, der in den ersten beiden Bänden noch frisch und unverbraucht rüberkam. Mittlerweile hat sich halt alles „eingeschuckelt“. Man kennt die „Hidde Kist“ mit seiner Wirtin und dem Stammtisch, als gehöre man schon selber dazu. Das einzig Neue waren diesmal die Rollmops-Burger.

Trotzdem hab ich mich wieder über Thies und seine schrullige Dorfgemeinschaft amüsiert. Und klar, auch die nächsten Bände werde ich lesen („Dreimal tote Tante“ und „Backfischalarm“). Auch wenn sich das Frische, Außergewöhnliche der Reihe mittlerweile etwas abgenutzt hat… es ist wie mit einem Ohrensessel. Am Anfang ist er neu und sitzt sich ungewohnt und es ist jedes Mal ein Erlebnis, sich hineinzusetzen. Und irgendwann ist er eben „normal“. Aber saubequem. Und auch das ist ja durchaus ein Pluspunkt