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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.06.2017

Familiengeschichte vor idyllischer Kulisse

Mein Herz ist eine Insel
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Isla kommt nach Jahren in Edinburgh wieder zurück auf ihre kleine schottische Heimatinsel. Sie wusste nach der Trennung von ihrem langjährigen Lebensgefährten und Rausschmiss aus der gemeinsamen Wohnung ...

Isla kommt nach Jahren in Edinburgh wieder zurück auf ihre kleine schottische Heimatinsel. Sie wusste nach der Trennung von ihrem langjährigen Lebensgefährten und Rausschmiss aus der gemeinsamen Wohnung einfach nicht, wohin sie sonst sollte… Nun holt sie die Vergangenheit wieder ein, denn sie hatte nicht nur einen wütenden Vater zurückgelassen und zwei grummelnde Brüder, sondern auch ihre Jugendliebe Finn.

Während ihr Start in der alten Heimat sehr holprig verläuft, gibt ihr nur die alte Dame Shona Rückendeckung. Shona, die selbst seit vielen Jahren ein Geheimnis hütet. Als mit Jared ein weiterer Fremder auf die kleine Insel kommt und merkwürdige Fragen stellt, spitzt sich die Lage zu und die Gefühle der Inselbewohner werden auf eine harte Probe gestellt.
Der Roman ist natürlich zum Entspannen und Wohlfühlen gedacht. Insofern gibt es einige aus meiner Sicht vorhersehbare Entwicklungen. Aber wenn man einfach mal ein wenig die Seele baumeln lassen möchte – sei es im Urlaub oder einfach nach Feierabend - dann ist „Mein Herz ist eine Insel“ genau das Richtige dafür.

Ich habe den Roman als Hörbuch gehört, dabei bringen eine weibliche Sprecherin und ein männlicher Sprecher Abwechslung in die Geschichte. Besonders die Interpretation von Shona hat mir gefallen, man hörte förmlich, wie verschmitzt Shona trotz ihres hohen Alters war. Das fand ich sehr gelungen!

Die Geschichte an sich wartet sicherlich nicht mit außergewöhnlichen Ideen auf. Aber das habe ich in diesem Genre auch nicht erwartet. Letztlich ist es ein solide geschriebener Frauen-Roman, der entspannte Stunden gewährleistet.

Veröffentlicht am 18.06.2017

Mörderjagd mit Mops – wie immer beste Unterhaltung!

Blutrote Provence
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Der penetrante Unruheständler Albin Leclerc ist mir schon in seinem ersten Fall „Tod in der Provence“ ans Herz gewachsen. In „Blutrote Provence“ erlebt er nun sein zweites kriminelles Abenteuer und auch ...

Der penetrante Unruheständler Albin Leclerc ist mir schon in seinem ersten Fall „Tod in der Provence“ ans Herz gewachsen. In „Blutrote Provence“ erlebt er nun sein zweites kriminelles Abenteuer und auch das war wieder beste Krimi-Unterhaltung.

Albin müsste als Kommissar im Ruhestand ja eigentlich froh sein, nicht mehr in der Nacht wegen eines Falles aus dem Bett geklingelt zu werden, Blut riechen zu müssen oder hässlich verdrehte oder verunstaltete Leichen begutachten zu müssen. Aber – was macht man, wenn man seinen Beruf trotz aller Schwierigkeiten geliebt hat und als Rentner von 100 auf 0 runtergebremst wird? Mit der Oldie-Truppe des Örtchens Boule spielen? Nee, das reicht dem umtriebigen Albin nicht aus und so zapft er alle verfügbaren Quellen an und weiß in der Regel (fast) genauso schnell wie die Polizei, wenn ein Verbrechen begangen wurde. Und dann läuft er zur Hochform aus. Denn jahrzehntelanger Polizeidienst und kriminalistischer Spürsinn lässt sich nicht einfach so ausschalten…

Auch diesmal wieder hat mich Autor Pierre Lagrange, hinter dem ein deutscher Krimi-Autor steckt, mitnehmen können in die flirrende Hitze der Provence. Angesiedelt irgendwo zwischen cosy crime und beinhartem Krimi, weiß der Fall bis zum Schluss mit einem guten Aufbau zu überzeugen. Neben Albin, der sich überall einmischt und von den ehemaligen Kollegen nicht gern gesehen ist, ist auch sein Mops Tyson wieder von der Partie. Mich freut, dass auch hier wieder Tyson das Bild vervollständigt, aber keine tragende Rolle einnimmt (die „tragende Rolle“ hat eher Albin, wenn er Tyson immer in den Kofferraum hieven muss hihi). Ein ermittelnder Mops wäre nicht glaubwürdig und deshalb wird Tyson – aus meiner Sicht zu Recht – im Hintergrund gehalten.

Eine große Rolle spielt diesmal Caterine Castel, eine junge Streifenpolizistin, die früher im Kriminaldienst gearbeitet hat und in die Provence strafversetzt wird. Natürlich findet Albin in seiner gewohnt penetranten Art heraus, was es damit auf sich hat. Und am Ende führt das sogar zu einem mörderisch guten Showdown.

Ein besonderes Highlight sind für mich auch immer Albins Wortwechsel mit Matteo, dem Betreiber seiner Lieblingsbar. Wie die beiden sich hänseln und aufziehen, ist absolut lesenswert und gibt dem Buch bei aller Action dann auch schnell wieder eine lockere Note.

Aus meiner Sicht auch diesmal wieder ein gelungener Mix aus Schmunzeln und Fingernägelkauen… sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 11.06.2017

Das ideale Urlaubsbuch für Katzenliebhaber

Katzenglück und Dolce Vita
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Dieses Buch hat alles, was Katzenfreunde mögen: drei putzige Fellnasen, die das Leben eines Menschen auf den Kopf stellen. Viele Szenen, in denen Katzenbesitzer denken werden: Ja, GENAU SO ist meine(r) ...

Dieses Buch hat alles, was Katzenfreunde mögen: drei putzige Fellnasen, die das Leben eines Menschen auf den Kopf stellen. Viele Szenen, in denen Katzenbesitzer denken werden: Ja, GENAU SO ist meine(r) auch. Und als kleines Schmankerl sogar noch tolle Katzen-Zeichnungen am Beginn eines jeden Kapitels.

Obendrauf gibt es noch die wunderschöne Landschaft der Toskana, gewürzt mit einigem Wissenswerten über diese Region. Und eine Geschichte, in die man sich einfach fallen lassen kann. Buch auf, Alltag aus könnte man sagen. Oder – um eine mehrfach augenzwinkernd gebrauchte Satzart der Autorin nachzuahmen: Hinsetz und träum!

Mit fröhlicher Leichtigkeit erzählt Hermien Stellmacher – wie schon in „Cottage mit Kater“ – eine humorvolle Geschichte mit kleinen ernsten Seiten. Dabei konnte ich den Alltagstrott komplett ausblenden und mich in dieser Geschichte verlieren. Nebenbei habe ich die Arbeit einer Illustratorin näher kennengelernt – hier plaudert Hermien sicher ein wenig aus dem Nähkästchen, denn meines Wissens ist sie selbst nicht nur Schriftstellerin, sondern auch Zeichnerin. Ich nehme auch an, dass die hübschen Zeichnungen an den Kapitelanfängen von ihr selbst stammen.

Durch dieses Zusammenspiel von Wort und Bild – denn die Zeichnungen stellen den Bezug zum jeweiligen Kapitelinhalt her und können als die Zeichnungen der Protagonistin Karla interpretiert werden – ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild. Und ich war überrascht, dass auch das in der Romanhandlung entstehende „Zweibeiner-ABC“ aus der Sicht einer Katze tatsächlich im Herbst als Buch erscheinen wird. Darauf bin ich schon neugierig! Clevere Werbung, könnte man sagen. Aber auch wirklich eine gute Idee.

Ich war auch diesmal wieder vom Buch überzeugt und erwarte neben dem „ABC“ auch mit Vorfreude die nächste Katzengeschichte von Hermien Stellmacher!

Veröffentlicht am 05.06.2017

Die lange Reise der Beaumont-Perlen – ein tolles Buch!

Die Perlenfrauen
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Dieses Buch hat mich wirklich begeistert. Natürlich ist es (mal wieder) ein Roman um Familiengeheimnisse und natürlich kennt man dann als Leserin solcher Romane auch schon einige Tricks und Kniffe, mit ...

Dieses Buch hat mich wirklich begeistert. Natürlich ist es (mal wieder) ein Roman um Familiengeheimnisse und natürlich kennt man dann als Leserin solcher Romane auch schon einige Tricks und Kniffe, mit denen die Autoren Wendungen herbeiführen oder Spannung aufbauen. Umso überraschter war ich, dass dieses Buch eben gar nicht so typisch aufgebaut ist wie gedacht. Und dass auch die Hauptfigur, Sophia, nicht die rechtschaffene Frau ist, die es nur aufgrund widriger Umstände schwer hat. Nein, Sophia hat sich selbst in eine höchst unschöne Lebenssituation gebracht und man bringt ihr am Anfang nicht viel Sympathie entgegen. Dennoch schimmert immer durch, dass es sich für sie lohnen könnte, wenn sie ihren Hintern hochkriegt und um das Leben kämpft, das sie eigentlich führen möchte. Und das hat mir bei diesem Buch sehr imponiert: eine Anti-Heldin, die im Laufe des Buches zur Heldin und zur Sympathieträgerin wird. Das habe ich in Romanen noch nicht oft erlebt, deshalb wird er mir sicherlich auch lange in Erinnerung bleiben.

Auch die Geschichte selbst ist wunderbar gezeichnet. Im ersten Teil lernt der Leser Sophia und ihre Lebenssituation kennen sowie ihre Großmutter Tilly Beaumont, eine berühmte Filmdiva, die nun im Sterben liegt. Daneben lernt man Dominic in New York kennen, der gerade in einer privaten Lebenskrise steckt. Was er mit den Beaumont-Perlen zu tun hat? Nun - das enthüllt sich schon noch…

In kleinen zwischengeschalteten Abschnitten erfährt der Leser zunächst in der ersten Hälfte des Romans, unter welch dramatischen Umständen die Perlen für das Collier gesammelt wurden. Dieser Teil der Geschichte spielt in Japan und man lernt viel über die schwierige Lebenssituation der Perlentaucherinnen.

In der zweiten Hälfte geht es dann darum, die verlorengegangenen Perlen wiederzufinden und ihren Weg seit ihrem Verschwinden nachzuvollziehen. Die Suche ist spannend und ich konnte kaum aufhören zu lesen. Ein Kapitel geht noch, und noch eine Seite und noch eine…

Zusammenfassend kann ich nur wiederholen, was ich im ersten Abschnitt schon geschrieben habe: es ist eine außergewöhnliche (auch außergewöhnlich gut gestrickte) Geschichte, die mir lange in Erinnerung bleiben wird. Verdiente 5 Sterne!

Veröffentlicht am 29.05.2017

Man taumelt mit Coralie de Lirac durch die Wirren des 2. Weltkriegs

Das Geheimnis der Hutmacherin
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Puh, was für ein Wälzer. 620 Seiten – da sollte einiges geboten werden, damit es nicht langweilig wird. Leider hatte das Buch dann doch die eine oder andere Länge und irgendwie war die Handlung den Kriegswirren, ...

Puh, was für ein Wälzer. 620 Seiten – da sollte einiges geboten werden, damit es nicht langweilig wird. Leider hatte das Buch dann doch die eine oder andere Länge und irgendwie war die Handlung den Kriegswirren, in denen sie spielt, angepasst: so richtig wusste man nicht, in welche Richtung es gehen soll.

Mal wurde die berufliche Karriere der Hutmacherin Coralie in den Mittelpunkt gestellt, mal die Schicksale von Coralies Freunden. Mal ging es um ihr privates Glück und Leid, dann wieder um ihr „Hineinrutschen“ in die Widerstandsbewegung Resistance. Die Handlung folgte irgendwie keiner geraden Linie – gut, es herrschte eben Krieg und kaum etwas entwickelte sich wie geplant – aber ich bin der Meinung, man hätte die Handlung straighter ausarbeiten können.

So taumelte ich mit Coralie durch die Kriegsjahre und frage mich im Nachhinein – was hat diese Geschichte mir gebracht? Und ich kann es leider nicht so recht greifen. Ja, die schlimme Zeit des 2. Weltkriegs wurde mir näher gebracht aus der Sicht einer Einwohnerin von Paris. Aber Coralie als Heldin des Romans wird mir leider nicht in Erinnerung bleiben.

Der Roman ist trotz dieser Schwächen gut wegzulesen und insofern hat mich auch die Länge von mehr als 600 Seiten nicht gestört. Dennoch finde ich man hätte die Handlung an einigen Stellen straffen können. Wer ausladende Bücher über eine historische Zeitspanne mag, wird hier sicher auf seine Kosten kommen. Für mich fehlte allerdings ein wenig der „rote Faden“ und die Dynamik der Hauptfigur.