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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.01.2017

Vorsicht! Dieses Buch könnte unerwartete Selbsterkenntnisse auslösen ;-)

Wunder wirken Wunder
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Ich bin begeistert! Eckart von Hirschhausen ist gelungen, was sonst nur selten einem Sachbuchautor gelingt: mich über das gesamte Buch mitzureißen, als würde ich einen spannenden Roman lesen. Ich habe ...

Ich bin begeistert! Eckart von Hirschhausen ist gelungen, was sonst nur selten einem Sachbuchautor gelingt: mich über das gesamte Buch mitzureißen, als würde ich einen spannenden Roman lesen. Ich habe mich wirklich jeden Tag schon drauf gefreut, das Buch wieder in die Hand nehmen zu können. Und ich war jeden Tag gespannt darauf, welche Erkenntnisse es mir heute wieder bringen würde.

Und gebracht hat es mir wirklich einiges! Das Tolle daran: Der Autor vertritt zwar zu vielen der angesprochenen Gesundheitsthemen eine eigene Meinung und gibt die auch klar im Buch wieder (auf deutsch: er redet weder um den heißen Brei herum noch sich selbst raus). Aber er tut das nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit vielen Geschichten, die uns Leser zum Nachdenken anregen und uns dazu bringen sollen, uns mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dazu benutzt er z. B. kleine Anekdoten, Beispiele aus seiner eigenen medizinischen Laufbahn, Erfahrungen von Kollegen und vor allem: viel Humor, der aber von einem großen Sachverstand geprägt ist und selten „kalauert“. Das Resultat: ich habe mich nicht „bevormundet“ gefühlt, sondern sanft angeleitet. Ich habe über Dinge nachgedacht, an die ich noch nie einen Gedanken verschwendet hatte. Und ich habe gemerkt: Es tut mir gut und es festigt mich in meiner Lebensweise, wenn ich ab und zu hinterfrage.

Und angesprochen wird wirklich viel – dafür ist auf fast 500 Seiten ja auch Platz. Vom überforderten Krankenhauspersonal über Alternativmedizin und die manchmal wundersamen Selbstheilungskräfte des Körpers bis zu Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, Burnout und Depressionen. Von der „Schlank-im-Schlaf“- Gesellschaft über Impfvorbehalte bis zu Suchterkrankungen und „Volkssüchten“ wie Rauchen und Alkohol.

Eine Sache wird mir wohl besonders in Erinnerung bleiben. Ich blätterte nichtsahnend um und da war plötzlich die Kapitelüberschrift „Was würde ich tun, wenn ich Krebs habe?“. Normalerweise hätte ich das Kapitel überblättert, weil ich mich mit so negativen Dingen nicht gern beschäftige. Es würde mir zu viel Angst machen. Diesmal habe ich weitergelesen. Und es nicht bereut. Ich fühle mich besser vorbereitet auf einen möglichen Tag X, weil ich zugelassen habe, mich damit auseinanderzusetzen. Ein Punkt für Eckart – er hat etwas in mir verändert.

Ich kann nur jedem empfehlen, diesem Werk einen Dauerplatz im Bücherregal einzuräumen. Denn es ist ein Wegweiser durch den Dschungel des modernen Gesundheitssystems, der mit viel Humor und noch mehr Sachkenntnis beweist: Ein Sachbuch muss nicht staubtrocken sein. Gute Tipps gibt’s nicht nur auf dem Lottoschein. Und: es lohnt sich, jemanden zu fragen, der sich auskennt. Dieses Buch ist heilsam – eigentlich sollte es das auf Rezept geben :)

Veröffentlicht am 15.01.2017

Spannende Spurensuche im New York der 1890er

Straße der Schatten
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Die Geschichte von Jo (Josephine Montfort), die den mysteriösen Todesfall ihres Vaters aufklären will, hat mich fasziniert und mitgerissen. Der Schreibstil ist flüssig und respektiert trotzdem die Eigenwilligkeiten ...

Die Geschichte von Jo (Josephine Montfort), die den mysteriösen Todesfall ihres Vaters aufklären will, hat mich fasziniert und mitgerissen. Der Schreibstil ist flüssig und respektiert trotzdem die Eigenwilligkeiten der damaligen Zeit. Nur selten passiert es der Autorin (vielleicht ist es auch der Übersetzung geschuldet), dass Redewendungen ins Buch rutschen, die der damaligen Zeit nicht angemessen (sondern zu modern) sind. Aber darüber konnte man gut weglesen.

Besonders interessant fand ich, dass sowohl die „Upper class“ als auch die Welt der Armen im damaligen New York plastisch und glaubwürdig dargestellt wird. Jo selbst und ihre Familie stammen aus gutsituiertem Hause – ihr Vater war Miteigner einer Schifffahrtsgesellschaft. Die Welt, die sich ihr allerdings bei der Recherche zum Todesfall ihres Vaters erschließt, ist eine komplett andere. Dort geht es ruppig zu und ein zu gutes Herz kann einem leicht zum Verhängnis werden. Und doch ist sie fasziniert von der Welt des Reporters Eddie, den sie für ihre Recherchen als Helfer gewinnen kann. Man merkt ihr an, dass sie eine moderne junge Frau ist, die für die Konventionen ihrer Zeit wenig übrig hat. Nur Gesellschaften geben und eine Zierde am Arm ihres Ehemannes sein – das ist ihr zu wenig.
Umso packender ist es, ihren Weg mitzuverfolgen, der nicht nur von Erfolgen, sondern vor allem auch von Niederlagen geprägt ist. Jo ist eine sympathische Heldin, der man gern durch die Geschichte folgt und mit der man mitfiebert.

Allein die Tatsache, dass ich schon nach der Hälfte des Buches den wirklichen Bösewicht der Geschichte erraten hatte, lässt mich einen Stern Abzug geben. Davon abgesehen hat mich der Roman aber bestens unterhalten.

Veröffentlicht am 15.01.2017

Gelungener Auftakt zu einer Jahrhundertsaga

Spiel der Zeit
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In letzter Zeit war die „Clifton-Saga“ von Jeffrey Archer in aller Munde, man kam kaum an einer Buchhandlung vorbei, in dem nicht mindestens eins der Bücher das Schaufenster zierte und selbst im Supermarkt ...

In letzter Zeit war die „Clifton-Saga“ von Jeffrey Archer in aller Munde, man kam kaum an einer Buchhandlung vorbei, in dem nicht mindestens eins der Bücher das Schaufenster zierte und selbst im Supermarkt waren die Bücher zahlreich vertreten. Es muss also irgendwas dran sein, sagte ich mir und habe losgelesen…

Archer hat wirklich ein Talent zum Erzählen. Man will immer mehr wissen und kommt schon nach kurzer Zeit nicht mehr los von der Geschichte (muss ich erwähnen, dass ich sofort Teil 2 runtergeladen habe, nachdem ich mit Teil 1 durch war?)

Den Aufbau des Buches fand ich allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. In diesem ersten Teil geht es ja um die Jugend von Harry Clifton. Geboren in eine Arbeiterfamilie, helfen ihm Zufälle und vor allem gutmeinende Menschen, und ermöglichen ihm eine Ausbildung, die weit über dem liegt, was ein Jungen seines Standes normalerweise erreichen kann. In den ersten Teilen des Buches wird Harrys Jugend aus verschiedenen Sichten erzählt – z. B. aus Sicht seiner Mutter oder seines Mentors Old Jack. Dadurch werden mehrmals die gleichen Ereignisse erzählt und ich hatte teilweise den Eindruck, dass die Handlung dadurch stockt. Allerdings werden nur durch die verschiedenen Sichtweisen Stück für Stück die Zusammenhänge offenbar, die zu Harrys guter Ausbildung und seinem Voranschreiten geführt haben. Grundsätzlich also ein interessanter Ansatz, die Geschichte so zu erzählen, für mich allerdings stellenweise etwas zäh.

Im letzten Drittel des Buches, als Harry die Schwester seines besten Freundes Giles Barrington heiraten will, wird es aber wieder so richtig spannend. Und als Harry 1939 auf einem Schiff als Offizier anheuert, wird es dramatisch. Der fiese Cliffhanger am Ende des Buches sorgt garantiert dafür, dass man weiterlesen will.

Insgesamt für mich ein guter Auftakt zu einer großen Jahrhundertsaga. Ich bin gespannt wie es weitergeht – wie gesagt, Teil 2 steht schon bereit

Veröffentlicht am 07.01.2017

Beeindruckendes Zeitzeugnis mit einem Krimi als i-Tüpfelchen

Der Angstmann
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Frank Goldammers Buch soll ein Krimi sein, der in den letzten Kriegsjahren 1944/45 spielt. Das Buch darauf zu reduzieren, wäre aber ein Fehler, denn viel mehr noch als der Kriminalfall haben mich die Beschreibungen ...

Frank Goldammers Buch soll ein Krimi sein, der in den letzten Kriegsjahren 1944/45 spielt. Das Buch darauf zu reduzieren, wäre aber ein Fehler, denn viel mehr noch als der Kriminalfall haben mich die Beschreibungen des Lebens zu dieser Zeit beeindruckt. Die Entbehrungen, der Hunger, die verzweifelten Versuche der Menschen, etwas Normalität in ihren hoffnungslosen Alltag zu bringen… das geht einem als Leser sehr nahe. Es wird auch deutlich, mit welchen unterschiedlichen Methoden Menschen versuchen, ihr Leben in dieser Zeit zu meistern.

Der Roman spielt in Dresden, das ja bekanntlich im Februar 1945 durch einen verheerenden Bombenangriff zu großen Teilen zerstört wurde. Auch diese Nacht bekommt im Buch viel Raum und die Schilderungen jagen einem Schauer über den Rücken. Ich wohne selbst in Dresden und Vorfahren von mir sind in jener Nacht umgekommen. So anschaulich zu lesen, wie das Feuerinferno durch Dresdens Straßen tobte, durch Straßen, in denen ich mich selbst jeden Tag aufhalte… das war schon eine sehr besondere und auch nicht ganz einfache Lektüre. Da der Autor selbst auch Dresdner ist, gehe ich davon aus, dass viel Sachkenntnis hinter diesen Beschreibungen steckt.

Was mich trotzdem bewogen hat, einen Stern abzuziehen, war letztlich „nur“ die Auflösung des Kriminalfalls. Ich möchte nicht zu viel verraten, denn spannend war der Fall definitiv. Für mich persönlich führten nur zu viele separate Handlungsstränge zu dieser Auflösung. obwohl man dem Autor natürlich zugute halten muss, dass auf diese Zusammenhänge kein Leser kommen wird und somit garantiert sein sollte, dass es bis zum Schluss spannend bleibt.

Mein Rat: lesen Sie das Buch nicht als Kriminalroman, sondern als Zeitzeugnis über eine Stadt in ihren schwersten Tagen und sehen Sie den Krimi als i-Tüpfelchen an. Wenn man das Buch so betrachtet, hätte es kaum besser geschrieben sein können.

Veröffentlicht am 02.01.2017

Man spürt förmlich den Sand zwischen den Zähnen ... :-)

Das Versprechen der Wüste
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Katherine Webb ist mit diesem Roman eine tolle Abenteuergeschichte gelungen. Da dies mein erstes Buch der Autorin ist, kann ich keine Vergleiche ziehen – aber was ich gelesen habe, hat mir so gut gefallen, ...


Katherine Webb ist mit diesem Roman eine tolle Abenteuergeschichte gelungen. Da dies mein erstes Buch der Autorin ist, kann ich keine Vergleiche ziehen – aber was ich gelesen habe, hat mir so gut gefallen, dass ich definitiv auch die anderen Bücher von ihr lesen werde.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen im Oman. Einerseits wird die Geschichte von Joan erzählt, die im Jahr 1958 mit ihrem Verlobten dorthin reist. Sie möchten dort Joans Bruder Daniel besuchen, der als britischer Soldat dort dient. Außerdem brennt Joan darauf, die alte Dame Maude Vickery kennenzulernen, die als erste Frau die Wüste durchquert hat und von der Joan seit Jahren fasziniert ist.
Parallel dazu wird die Geschichte von Joans Wüstenexpedition im Jahr 1909 erzählt.

Vor diesem Hintergrund entsteht eine imposante Geschichte, die so lebhaft erzählt ist, dass man förmlich den Wüstensand zwischen den Zähnen spürt beim Lesen. Mich persönlich fasziniert das Land, Oman, seit ich vor einigen Jahren Maskat kennengelernt habe. Eine wunderbare, teilweise noch sehr urwüchsige Stadt, die auch Schauplatz dieses Buches ist. Das war auch der Hauptgrund, weshalb ich es unbedingt lesen wollte.

Neben dem grandiosen Setting hat mich aber auch die Geschichte der zwei starken Frauen Joan und Maude beeindruckt. Man bekommt einen Eindruck, wie schwer es Frauen Anfang des 20. Jahrhunderts hatten, sich in Männerdomänen zu behaupten. Und auch Joan muss 50 Jahre später immer noch gegen die Konventionen ihrer Zeit ankämpfen. An welchen realen Personen sich die Autorin bei ihren Hauptfiguren orientiert hat, beschreibt sie in einem kurzen, aber interessanten Nachwort.

Ein rundum gelungener (Frauen-)Roman mit einer guten Prise Abenteuer.