Historisch, Spannend, Lesenswert!
Eine vergessene SchuldIm Januar 2026 hat der Autor Arne Jensen gemeinsam mit dem Verlag Heyne den historischen Roman „Eine vergessene Schuld“ herausgebracht. Das Cover zeigt ein liebendes Pärchen vor historischer Kulisse. Es ...
Im Januar 2026 hat der Autor Arne Jensen gemeinsam mit dem Verlag Heyne den historischen Roman „Eine vergessene Schuld“ herausgebracht. Das Cover zeigt ein liebendes Pärchen vor historischer Kulisse. Es passt gut zur Geschichte und in das Genre. Der Titel des Buches und der Name des Autors sind gut lesbar. Arne Jensen ist ein Pseudonym. Dahinter verbirgt sich Michael Jensen.
Neben Kriminalromanen lese ich sehr gerne historische Romane. Besonders interessiert mich die Zeit um den Zweiten Weltkrieg. Da habe ich gleich zugegriffen, als ich „Eine vergessene Schuld“ in die Finger bekam. Mit Neugier starte ich in die Lektüre.
Der Einstieg ist für mich nicht ganz einfach. Obwohl ich viel und gerne lese, dauert es ein wenig, bis ich Zugang zum Schreibstil des Autors bekomme. Ohne Frage zeigt sich hier die hohe Bildung des Autors. Die Sätze sind häufig lang und ich finde viele Kommas. Dazu einige Fremdwörter (z. B. Pleistozän auf Seite 65, Claqueure auf Seite 96), die sicherlich nicht in jedem Wortschatz zu finden sind. Hier empfehle ich die ein oder andere Fußnote um die Leser nicht zu verschrecken. Mit der Zeit finde ich gefallen an der Wortwahl und dem Ausdruck von Arne Jensen. Je weiter ich lese, desto besser gefällt mir sein Schreibstil, bis er mir richtig Lesefreude bereitet. Er hat eindeutig einen Wiedererkennungswert und zeichnet sich zwischenzeitlich durch hervorragende Bilder aus.
Die Hauptfiguren für mich sind der pensionierte Verfassungsrichter Heppner und die junge Kriminalpsychologin Jasina Behrens. Heppner eckt massiv an. Er äußert sich deutlich rechtsradikal zu den Themen Deserteure und NS-Justiz. Damit gerät er in die Zielgruppe gewaltbereiter Extremisten. Der Verfassungsschutz und das BKA haben ihn im Visier. Jasina soll ein Gutachten über ihn Schreiben. Das Thema bewegt sie selbst. Schließlich ist sie mit ihrer Familie aus Syrien geflohen und hat ihren Bruder zurückgelassen. Er hat den Syrischen Wehrdienst verweigert und ist seitdem spurlos verschwunden. Hier muss der Leser sich mit der Frage beschäftigen, ob Jasina die Richtige für dieses Gutachten ist und ob sie den Auftrag nicht ablehnen müsste. Heppner ist immerhin nicht irgendwer sondern ein pensionierter Verfassungsrichter, der so im Fokus steht, das es dafür sicherlich qualifiziertere Psychologen gibt. Wer mit diesem Punkt seinen Frieden macht, kommt in den Genuss eines spannenden Kriminalfalls, der auf mehreren Zeitebenen spielt und erst spät zusammenläuft.
Die Figuren sind entsprechend ihrer Rollen erstaunlich fein gezeichnet. Sie haben Ecken und Kanten. Es ist keine tragende Sympathiefigur dabei, die die ganze Geschichte dominiert. Mich haben Heppner und Jasina am meisten beschäftigt. Immer wieder schimmert der berufliche Hintergrund von Michael Jensen durch. Er war lange als Arzt und in der Traumatherapie tätig. Wer Interesse an vielschichtigen Persönlichkeiten hat, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen.
Hervorzuheben ist der akribisch recherchierte Hintergrund dieser Erzählung. Hin und wieder lässt der Autor Daten und Fakten einfließen, die mich schlicht schaudern lassen. Da ich gerne dazu lerne, finde ich das ganz ausgezeichnet.
Alles in allem hat der Autor Arne Jensen mit „Eine vergessene Schuld“ einen historischen Roman auf den Büchermarkt gebracht, den es sich zu lesen lohnt. Wer sich für die Zeitgeschichte um den Zweiten Weltkrieg interessiert und Sinn für Romane hat, die in verschiedenen Erzählsträngen spielen, der ist hier richtig. Von mir bekommt der Autor 4 verdiente Lesesterne und eine Leseempfehlung.