Facettenreicher und tiefgründiger Roman rund um das Thema Schuld
Mit diesem Buch legt der Autor Arne Jensen einen äußerst facettenreichen Roman vor, der sich mit dem Thema Schuld auseinandersetzt und neben spannender Unterhaltung auch noch viel Stoff zum Nachdenken ...
Mit diesem Buch legt der Autor Arne Jensen einen äußerst facettenreichen Roman vor, der sich mit dem Thema Schuld auseinandersetzt und neben spannender Unterhaltung auch noch viel Stoff zum Nachdenken bietet.
Der pensionierte Verfassungsrichter Rudolf Heppner sorgt mit einigen Äußerungen zum Thema Deserteure und NS-Justiz für großes Aufsehen und kontroverse Diskussionen. Als er im Rahmen einer Fernsehdiskussion zu seinen Aussagen Stellung beziehen soll, kommt es im Vorfeld der Sendung zu einem Zwischenfall, der das BKA auf den Plan ruft. Während die Ermittler die Hintergründe klären sollen, wird die Kriminalpsychologin Jasina Behrens beauftragt, ein Gutachten über Heppner zu erstellen. Die vor Jahren mit ihren Eltern aus Syrien geflüchtete Frau hat durch ihren Bruder, der damals in Syrien zurückbleiben musste und dort nun in großen Schwierigkeiten steckt, weil er den Wehrdienst in der syrischen Armee verweigert, einen ganz eigenen Blick auf das Thema. Und so gestalten sich die Gespräche auch zunächst ziemlich schwierig. Nach und nach nähern sich die beiden ungleichen Gesprächspartner aber doch einander an und tauchen tief in die Familiengeschichte des Richters ein.
Mit einem packenden Schreibstil treibt der Autor seine gut aufgebaute Geschichte voran und liefert so nach und nach die einzelnen Puzzlestücke, aus denen sich am Ende das überzeugende Gesamtbild zusammensetzt, bei dem keine wesentlichen Fragen offenbleiben. Dabei muss man schon sehr aufmerksam lesen, damit einem hier kein wichtiges Detail entgeht. Dieses Buch kann man definitiv nicht nebenbei lesen, sondern muss sich schon komplett auf die Geschichte einlassen und sie auf sich wirken lassen. Getragen wird das Ganze von gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen. Neben dem Haupterzählstrang, der im Jahr 2023 angesiedelt ist, gibt es zwei weitere Stränge, die in der Vergangenheit spielen. So erleben wir den jungen Rudolf Heppner in seiner rebellischen Phase Ende der Sechziger Jahre, die zu Konflikten mit seinem sehr dominanten Vater führt. Eine zentrale Rolle nimmt zudem der Strang um den Wehrmachtsoldaten Raimund Bach ein, der sich kurz vor Ende des 2. Weltkriegs einer Versetzung in den Osten widersetzt und sich über Monate in Amsterdam versteckt. In welcher Verbindung Rudolf Heppner zu dieser tragischen Geschichte steht, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht geboren war, erweist sich als Schlüsselmoment der gesamten Geschichte.
Ein bewegender und tiefgründiger Roman, der nicht nur gute und spannende Unterhaltung bietet, sondern zudem auch noch lange über sein Ende hinaus nachhallt.