Profilbild von Gartenfee-Berlin

Gartenfee-Berlin

Lesejury Star
offline

Gartenfee-Berlin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Gartenfee-Berlin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.06.2026

Zwischen Beruf und Familie

Julimord
0

Die Handlung spielt in der schwedischen Stadt Motala. Ermittlerin Maia Bohm ist gerade mit ihrer Familie dorthin gezogen, weil ihr schwerkranker Sohn auf ein Spenderherz wartet. Gleichzeitig wird sie mit ...

Die Handlung spielt in der schwedischen Stadt Motala. Ermittlerin Maia Bohm ist gerade mit ihrer Familie dorthin gezogen, weil ihr schwerkranker Sohn auf ein Spenderherz wartet. Gleichzeitig wird sie mit einem rätselhaften Fall konfrontiert: Johan Sundin liegt nach einem brutalen Überfall im Koma. Besonders mysteriös ist, dass seine Frau Amanda bereits ein Jahr zuvor spurlos verschwunden ist. Während Maia versucht, die Wahrheit herauszufinden, gerät sie zunehmend unter persönlichen und beruflichen Druck.

Besonders gelungen ist die Verbindung von Spannung und Emotion. Die Sorgen um ihren Sohn machen Maia zu einer glaubwürdigen und nahbaren Hauptfigur. Dadurch erhält die Geschichte eine persönliche Tiefe, die über einen gewöhnlichen Kriminalfall hinausgeht. Gleichzeitig sorgt das Geheimnis um die verschwundene Ehefrau für zahlreiche Wendungen und eine stetig wachsende Spannung.

Auch sprachlich überzeugt Schepp mit einem flüssigen und temporeichen Stil. Die Kapitel sind kurz gehalten und wechseln geschickt zwischen den verschiedenen Handlungssträngen. Dadurch entsteht ein hohes Lesetempo, das es schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen.

Insgesamt ist Julimord ein packender Schwedenkrimi mit einer starken Ermittlerin, emotionaler Tiefe und einem vielschichtigen Fall. Fans skandinavischer Spannungsliteratur werden hier ebenso auf ihre Kosten kommen wie Leserinnen und Leser, die neben der Krimihandlung auch Wert auf glaubwürdige Charaktere legen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.06.2026

Ermittlungen auf der Heimatinsel

Der Tote auf dem Kniepsand
0

Anna Johannsen präsentiert hier einen atmosphärischen Nordseekrimi, der uns erneut auf die Insel Amrum führt. Im Mittelpunkt steht Hauptkommissarin Lena Lorenzen, die auf ihrer Heimatinsel den Tod des ...

Anna Johannsen präsentiert hier einen atmosphärischen Nordseekrimi, der uns erneut auf die Insel Amrum führt. Im Mittelpunkt steht Hauptkommissarin Lena Lorenzen, die auf ihrer Heimatinsel den Tod des 35-jährigen Dennis Claasen untersucht. Was zunächst nach einem Fall im Zusammenhang mit angespülten Drogenpaketen aussieht, entwickelt sich schnell zu einem komplexen Geflecht aus Familienkonflikten, Geldsorgen und verborgenen Geheimnissen.

Besonders gelungen finde ich die Verbindung von spannender Ermittlungsarbeit und norddeutschem Inselflair. Die Autorin beschreibt die Landschaft Amrums so anschaulich, dass man die Dünen, den Wind und die Weite des Kniepsands förmlich vor sich sehen kann. Dadurch entsteht eine dichte Atmosphäre, die hervorragend zum Krimigenre passt.

Die Figuren wirken authentisch und sympathisch. Vor allem Lena Lorenzen überzeugt durch ihre Nähe zur Insel und ihre persönliche Verbundenheit mit den Menschen vor Ort. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Naya Olsen verfolgt sie die verschiedenen Spuren mit Ruhe und Beharrlichkeit, wodurch die Ermittlungen nachvollziehbar und glaubwürdig erscheinen. Da ich bisher alle Bände gelesen habe, ist Lena mir natürlich besonders ans Herz gewachsen.

Der Schreibstil ist klar, flüssig und angenehm zu lesen. Die Handlung entwickelt sich ohne unnötige Ausschmückungen und konzentriert sich auf die wesentlichen Aspekte des Falls. Auch wenn die Spannung erst im letzten Drittel deutlich zunimmt, sorgt die überraschende Auflösung für einen gelungenen Abschluss. Ich habe mich trotzdem an keiner Stelle gelangweilt.

Insgesamt ist Der Tote auf dem Kniepsand ein solider und atmosphärischer Küstenkrimi, der besonders Fans von Regional- und Inselkrimis ansprechen dürfte. Die Mischung aus norddeutscher Kulisse, sympathischen Ermittlerinnen und einem vielschichtigen Fall macht den Roman zu einer gelungenen Fortsetzung der beliebten Reihe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.06.2026

Politische Irrungen

Hart Backbord
0

Arnd Rüskamp legt hier einen ungewöhnlichen Küstenkrimi vor, der weit mehr sein möchte als klassische Unterhaltung. Vor der rauen Kulisse der Flensburger Förde verbindet der Autor Spannung mit politischen ...

Arnd Rüskamp legt hier einen ungewöhnlichen Küstenkrimi vor, der weit mehr sein möchte als klassische Unterhaltung. Vor der rauen Kulisse der Flensburger Förde verbindet der Autor Spannung mit politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen. Im Mittelpunkt steht die Entführung eines Ausflugsschiffes durch eine rechtsextreme Partei, die mit ihren Forderungen die Demokratie herausfordert. Ex-Kommissarin Marie Geisler und ihre Freundin Frauke Frisch geraten dabei in einen Wettlauf gegen die Zeit, da sich Maries Familie unter den Geiseln befindet.

Besonders überzeugend wirkt die Aktualität des Themas. Rüskamp greift politische Spannungen auf, die auch in der realen Gesellschaft diskutiert werden, ohne dabei den Spannungsbogen aus den Augen zu verlieren. Dadurch entsteht ein Kriminalroman, der nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt.

Die Figuren erscheinen glaubwürdig und menschlich. Vor allem Marie Geisler überzeugt durch ihre persönliche Betroffenheit, die den Fall emotional auflädt. Die Ermittlungen wirken dadurch nicht wie reine Polizeiarbeit, sondern entwickeln eine zusätzliche persönliche Dimension.

Ein weiterer Pluspunkt ist die atmosphärische Darstellung der Küstenregion Schleswig-Holsteins. Die Schauplätze an der Förde und in der Schleiregion verleihen dem Roman ein authentisches norddeutsches Flair, das hervorragend zur Handlung passt.

Sprachlich setzt Rüskamp auf einen klaren, direkten Stil, der das Tempo der Geschichte unterstützt. Die Handlung entwickelt sich zügig und hält die Spannung bis zum Ende aufrecht. Wer allerdings einen klassischen „Whodunit“-Krimi erwartet, sollte wissen, dass hier politische Konflikte und gesellschaftliche Fragen ebenso wichtig sind wie die eigentliche Verbrechensaufklärung.

Insgesamt ist Hart Backbord ein packender und aktueller Küstenkrimi, der durch seine politische Brisanz, glaubwürdige Figuren und eine eindrucksvolle Küstenatmosphäre überzeugt, wenngleich ich am Anfang ein wenig gebraucht habe, um ins Buch hineinzukommen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.06.2026

Ungewöhnliche Kommissare

Léon und die Frau im blauen Kleid
0

Mit „Léon und die Frau im blauen Kleid“ entführt Alexander Oetker uns an die sonnenverwöhnte Côte d’Azur, wo hinter Luxus, Glamour und mediterraner Leichtigkeit dunkle Geheimnisse lauern. Der Auftakt der ...

Mit „Léon und die Frau im blauen Kleid“ entführt Alexander Oetker uns an die sonnenverwöhnte Côte d’Azur, wo hinter Luxus, Glamour und mediterraner Leichtigkeit dunkle Geheimnisse lauern. Der Auftakt der neuen Krimireihe um Commissaire Léon de Cavallier und seine Kollegin Nadia Bentaleb verbindet spannende Ermittlungsarbeit mit einer atmosphärisch dichten Kulisse.

Die Handlung beginnt mit dem Fund einer jungen Frau, die in einem blauen Kleid an den Strand von Nizza gespült wird. Was zunächst wie ein rätselhaftes Verbrechen erscheint, entwickelt sich zu einer komplexen Untersuchung, die tief in die Welt der Reichen und Mächtigen führt. Oetker gelingt es, die schillernde Fassade der High Society mit Themen wie Korruption, Machtmissbrauch und gesellschaftlichen Abgründen zu kontrastieren.

Besonders überzeugend ist das Ermittlerduo. Léon de Cavallier wirkt zunächst arrogant und elitär, zeigt jedoch im Verlauf der Geschichte immer mehr Facetten. Nadia Bentaleb bildet dazu einen gelungenen Gegenpol: intelligent, pragmatisch und selbstbewusst. Ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten sorgen für Dynamik, Reibung und gelegentlich auch humorvolle Momente.

Sprachlich überzeugt Oetker mit einem flüssigen, bildhaften Stil. Die Beschreibungen der Côte d’Azur erzeugen beinahe Urlaubsstimmung, ohne dabei die Spannung der Handlung zu überdecken.

Insgesamt ist „Léon und die Frau im blauen Kleid“ ein gelungener Kriminalroman, der von seinem starken Schauplatz, interessanten Figuren und einer spannenden Mischung aus Gesellschaftsporträt und Ermittlungsarbeit lebt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.05.2026

Der geht unter die Haut

Nebelbeute
0

Mit Nebelbeute liefert Benjamin Cors einen düsteren und atmosphärisch dichten Thriller ab, der von der ersten Seite an Spannung erzeugt. Der dritte Band der Reihe um die „Gruppe 4“ verbindet psychologische ...

Mit Nebelbeute liefert Benjamin Cors einen düsteren und atmosphärisch dichten Thriller ab, der von der ersten Seite an Spannung erzeugt. Der dritte Band der Reihe um die „Gruppe 4“ verbindet psychologische Abgründe, ein beklemmendes Setting und eine persönliche Vergangenheit zu einem intensiven Leseerlebnis. Ich empfehle unbedingt die anderen Teile vorher zu lesen!

Im Mittelpunkt steht erneut Mila Weiss, die auf eigene Faust einem Mann aus ihrer Vergangenheit nachjagt: Johannes Toblach. Ihre Spur führt sie in ein abgelegenes Bergdorf, umgeben von dunklen Wäldern, dichtem Nebel und einer fast greifbaren Bedrohung. Als dort eine grausam inszenierte Leiche gefunden wird und Mila plötzlich verschwindet, beginnt für Jakob Krogh und die Gruppe 4 ein Wettlauf gegen die Zeit.

Besonders stark ist die Atmosphäre des Romans. Benjamin Cors gelingt es hervorragend, die verschneiten Wälder, die Isolation des Dorfes und das ständige Gefühl von Gefahr lebendig werden zu lassen. Der Nebel wird dabei fast zu einer eigenen Figur – bedrückend, undurchschaubar und allgegenwärtig. Gerade diese düstere Stimmung sorgt dafür, dass der Thriller lange nachwirkt.

Auch die Figuren überzeugen. Mila Weiss ist eine komplexe Protagonistin, deren persönliche Verstrickung dem Fall zusätzliche emotionale Tiefe verleiht. Gleichzeitig punktet das Team der Gruppe 4 mit glaubwürdiger Dynamik und interessanten Charakteren. Besonders die Zusammenarbeit innerhalb der Ermittlergruppe, die mir mit jedem Band mehr ans Herz wächst, hat mir sehr gut gefallen.

Die Handlung entwickelt sich temporeich und wartet immer wieder mit überraschenden Wendungen auf. Cors versteht es, falsche Fährten zu legen und die Spannung konstant hochzuhalten. Gleichzeitig bleibt genug Raum für psychologische Aspekte und die Entwicklung der Figuren. Wer atmosphärische Thriller mit Serienkiller-Thematik und starken Ermittlerfiguren mag, kommt hier voll auf seine Kosten.

Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und direkt. Gerade die kurzen Kapitel und die wechselnden Perspektiven sorgen dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Allerdings ist Nebelbeute stellenweise sehr düster und brutal – ein klassischer Wohlfühlkrimi ist dieser Thriller definitiv nicht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere