Familentragödie
Die verlorene Frau"Die verlorene Frau" ist nach dem Bestseller "Das Haus der Verlassenen" der zweite Roman von Emily Gunnis. Er erschien 2020 im Heyne Verlag als Hardcover mit Schutzumschlag und umfasst 384 Seiten.
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"Die verlorene Frau" ist nach dem Bestseller "Das Haus der Verlassenen" der zweite Roman von Emily Gunnis. Er erschien 2020 im Heyne Verlag als Hardcover mit Schutzumschlag und umfasst 384 Seiten.
Es handelt sich um eine Familiengeschichte, welche der Leser aus verschiedenen Blickwinkeln erfährt. In der Gegenwart (2014) geht es vor allem um Jessie, welche nach der Geburt ihrer Tochter an einer postpartalen Psychose leidet und das Spital nur Stunden nach der Geburt mit ihrer kranken Tochter heimlich verlässt. Ihre Familie und die Polizei suchen sie fieberhaft, denn das Leben der kleinen Elizabeth steht auf dem Spiel.
Jessies Mutter Rebecca litt nach der Geburt von Jessie ebenfalls an einer postpartalen Psychose und kam nicht damit klar. Zusätzlich macht ihr die Ermordung ihrer Mutter durch ihren Vater und der anschliessende Tod des Vaters zu schaffen. Seit jeher ist das Verhältnis zwischen Jessie und Rebecca gestört, doch nur die Aufklärung von Rebeccas Vergangenheit kann Jessie und ihr Kind retten.
Die Geschichte wird auf verschiedenen Zeitebenen und aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Dies kann gerade zu Beginn etwas verwirrend sein, da der Leser die Figuren noch nicht kennt und sich erst nach und nach ein komplettes Bild ergibt. Dennoch ist der Schreibstil flüssig und die Sprache leicht verständlich, sodass dem Handlungsverlauf in dieser Hinsicht gut gefolgt werden kann. Langsam löst sich auch das Rätsel um Rebeccas Eltern und deren Tod auf.
Das Thema postpartale Psychose steht dabei im Vordergrund. Ein wichtiges Thema, über welches man selten hört oder liest. Postpartale oder postnatale Depressionen sind weitaus besser bekannt, obwohl auch die schlimmere postpartale Psychose rund 1 bis 3 von 1000 Müttern betrifft.
Die Autorin hat hier ein interessantes und wesentliches Thema aufgegriffen, ohne dabei auf medizinische oder psychologische Hintergründe einzugehen. Dennoch vermag sie eine spannende Geschichte zu erzählen und überlässt es der Leserschaft sich tiefgehender mit der Thematik der postpartalen Psychose auseinanderzusetzen.
Ich kann das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen. Es handelt sich um eine spannende, abwechslungsreiche Lektüre mit einem ernsten thematischen Hintergrund.