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Chrystally

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.01.2024

Geschichte ohne Anfang

Diamantnächte
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Das Cover von „Diamantnächte“ von Hilde Rød-Larsen mit seinem irisierenden Farbspiel hat mich persönlich sofort angezogen, und der Inhalt hat mich auch neugierig gemacht.
Es geht um Agnete, die sich – ...

Das Cover von „Diamantnächte“ von Hilde Rød-Larsen mit seinem irisierenden Farbspiel hat mich persönlich sofort angezogen, und der Inhalt hat mich auch neugierig gemacht.
Es geht um Agnete, die sich – ganz für sich – ihrer Vergangenheit und erlebten schwierigen Beziehungen stellt, indem sie sich zwingt, sich zurückzuerinnern. Anfangs ist sie noch ambivalent und vermeidet die Erinnerung – dieser Teil las sich entsprechend zwar schön geschrieben, aber eben oberflächlich und bisweilen etwas langatmig. Doch dann nutzt Agnete (und Rød-Larsen) einen Kunstgriff, der auch als Psychotherapietechnik genutzt wird: sie geht auf Abstand, ändert die Namen – und plötzlich sprudelt die Erzählung und nimmt an Fahrt auf, und wir begleiten sie durch die Erinnerungen an eine aufregende, aber auch schmerzvolle Zeit ihres Lebens. Diese Erzähltechnik fand ich kurz verwirrend, dann aber sehr elegant und stimmig. Über diese Brücke schafft Agnete auch wieder, den Bogen zu sich zu schließen, und erzählt dann mit neuer Tiefe von sich selbst weiter, bis sie im Hier und Jetzt ankommt.
Am Ende des Buchs bleiben jedoch Fragezeichen bei mir zurück. Denn Agnete stellt sich zwar einer schweren Erinnerung und ihrem eigenen Verhalten, verfolgt auch dessen Vorläufer bis in ihre Kindheit – es bleibt jedoch offen, wieso sie schon früh bestimmte Eigenarten entwickelt hat. So endete die Selbsterfahrungsreise, ohne ganz ans Ende (bzgl. den Anfang) zu gelangen.
Ansonsten fand ich das Buch stimmig und stimmungsvoll und gebe eine Leseempfehlung für alle Menschen, die psychologisch interessiert sind und für solche, die ein Vorbild brauchen, wie man an der Ehrlichkeit sich selbst gegenüber wachsen kann.

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Veröffentlicht am 19.12.2023

Wackeliger Spagat

Büchermenschen
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„Büchermenschen“ zeigt und erzählt, durch wie viele Hände ein Buch geht, bis es von der ersten Idee bei den Leserinnen und Lesern ankommt. Die Aufmachung ist definitiv ein Blickfang: bunte Illustrationen, ...

„Büchermenschen“ zeigt und erzählt, durch wie viele Hände ein Buch geht, bis es von der ersten Idee bei den Leserinnen und Lesern ankommt. Die Aufmachung ist definitiv ein Blickfang: bunte Illustrationen, der beschnittene Einband und die Schweizer Bindung, die ich persönlich vorher noch nie in der Hand hatte. Allein das macht das Buch zu einem kleinen Schatz.
Jede der 10 miteinbezogenen Personengruppen wird auf zwei Doppelseiten beschrieben. Dabei mischen sich allgemeine Tätigkeitsbeschreibungen mit Anekdoten und Beispielen. Auch wenn nicht jede Personengruppe im gleichen Umfang dargestellt werden kann, hätte ich es spannend gefunden, auch über die anderen Parteien innerhalb des Verlags zumindest kurz etwas zu erfahren, sie werden jedoch bei den Lektor:innen nur aufgelistet. Die Tätigkeiten der Beteiligten sind ebenfalls oft Auflistungen und ich konnte mich oft nicht so richtig in ihren Berufsalltag hineinfühlen. Inhaltlich würde ich das Buch nicht als Kinderbuch einstufen, weil es sehr viele Fachausdrücke beinhaltet, abstrakte Konzepte (wie den Rhythmus eines Layouts) behandelt und oft ins Detail geht, aber die größeren Zusammenhänge (die man als Erwachsene ungefähr kennt) wenig deutlich werden. Ich würde das Buch also eher einem Teenager als einem Grundschulkind in die Hand drücken.
Was mich gestört hat, war, dass die Illustrationen nur in wenigen Fällen einen Mehrwert zum Text liefern, aber in Relation zum klein gedruckten Text sehr viel Raum einnehmen. Die Bilder sind für sich genommen interessant (auch wenn ich persönlich die Farbgebung als zu unruhig empfinde) und es gibt viel zu entdecken, sie stehen eben nur eher neben dem Text als in klarem Bezug dazu.
Für mich eine schöne Idee, die leider den gewünschten Spagat zwischen Bilder- und Sachbuch nicht so richtig hinkriegt.

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Veröffentlicht am 26.07.2023

Jeder Mensch hat eine Geschichte.

Das Glück der Geschichtensammlerin
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Janice lebt im Hintergrund – während sie ihrer Arbeit als Reinigungskraft und ihrem Alltag nachgeht, ist sie diejenige, die sich die Geschichten der anderen anhört, und auch von ihrem Mann und ihrem Sohn ...

Janice lebt im Hintergrund – während sie ihrer Arbeit als Reinigungskraft und ihrem Alltag nachgeht, ist sie diejenige, die sich die Geschichten der anderen anhört, und auch von ihrem Mann und ihrem Sohn erfährt sie keine Beachtung. Doch plötzlich ist da dieser Busfahrer, und eine neue Arbeitgeberin, und Janice muss sich entscheiden, ob sie aus dem Schatten tritt…

Sally Page hat eine redliche Protagonistin geschaffen, wie sie wohl jeder kennt: die gute Seele, die sich um alle und alles kümmert, hier und da auch ehrliche Anerkennung bekommt, aber es klaglos hinnimmt, wenn sie schlecht behandelt und ignoriert wird. Und die man gerne mal schütteln möchte, warum sie das mit sich machen lassen. Dabei ist Janice kein Klischee, sondern ein glaubhaftes Individuum mit regem geistigem Innenleben und oft auch schönen und berührenden Begegnungen mit anderen, vielseitigen, interessanten und bisweilen schrägen Personen. Und erfreulicherweise stoßen ihr die Veränderungen nicht einfach zu, sondern Janice trifft einige neue Entscheidungen, die Bewegung in ihren eingefahrenen Alltag bringen. Die emotionalen Turbulenzen, in die sie diese Veränderungen stürzen, und auch der weitere Verlauf der Geschichte sind glaubhaft. Umso mehr habe ich mich über das in vielen Aspekten unerwartete Happy End gefreut. Der Schreibstil gleitet mühelos dahin und zaubert in wenigen, einfachen Worten eindrucksvolle Szenen. Das gilt besonders auch bei den kleinen Geschichten, die Janice über andere Menschen sammelt und die umso schöner sind, wenn man hinten im Buch liest, dass Sally Page hier aus wahren Begebenheiten schöpft.

Insgesamt ein Schatz von einem Buch, das einen in die Höhen und Tiefen der menschlichen Existenz mitnimmt und ein warmes Gefühl im Bauch hinterlässt. Beherzte Leseempfehlung für Fans von „Die Eleganz des Igels“ und „Miss Harris und ein Kleid von Dior“.

Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.

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Veröffentlicht am 26.07.2023

Starke Frauen (incl. der Autorin)

Porträt auf grüner Wandfarbe
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Gwen wird von ihrer Tante zu einer Reise in die ehemalige Heimat ihrer Familie mitgenommen und deckt im Gespräch mit Familienmitgliedern und dem Lesen in alten Dokumenten die schwierige Freundschaft zwischen ...

Gwen wird von ihrer Tante zu einer Reise in die ehemalige Heimat ihrer Familie mitgenommen und deckt im Gespräch mit Familienmitgliedern und dem Lesen in alten Dokumenten die schwierige Freundschaft zwischen der leiblichen und der Ziehmutter ihrer Mutter auf.
Elisabeth Sandmann erzählt zwei Geschichten: die der Freundinnen Ella und Ilsa, die ungleicher nicht sein könnten und trotzdem Zeit ihres Lebens über Kriege und familiäre Verwicklungen hinweg miteinander verbunden sind. Und die von Gwen, die diese gemeinsame Geschichte 70 Jahre später ans Tageslicht holt. Der Erzählstil ist atmosphärisch und emotional, dabei jedoch immer elegant und nie undifferenziert oder überladen. Ich konnte die Handlungsorte und Protagonistinnen vor meinem inneren Auge sehen, so lebendig, wie Sandmann von Räumen, Stoffen, Kleidungsstücken und Essen erzählt, und mich in die Figuren einfühlen, insbesondere wenn sie selbst von den Entwicklungen überrannt schienen.
Die mutige Ella aus einfachen Verhältnissen, die es dank starker Fürsprecherinnen schafft, sich die Welt zu eröffnen, kann man überhaupt nicht nicht mögen. Und auch die exaltierte Ilsabe kann man auf ihre eigene verschrobene Art verstehen. In der aufgedeckten Familiengeschichte ist es bisweilen gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten – da hilft auch das Lesezeichen mit einer Auflistung der wichtigsten Charaktere nicht, ich habe mir tatsächlich irgendwann einen Stammbaum gemalt, auf dem ich immer wieder gespickt hab. Das macht die Geschichte jedoch nicht weniger fesselnd, und auch wenn man manches voraussehen kann, bleibt es bis zuletzt spannend und die Schicksale der Beteiligten berührend. Eingebettet werden sie in zeitgeschichtliche Zusammenhänge, über die man dadurch auch nochmal manches (wieder) lernt. Das meiste erfahren wir aus den Tagebüchern von Ella – hier fand ich es schade, dass Sandmann die Chance nicht genutzt hat, Ella selbst erzählen zu lassen, sondern die Geschichte aus der dritten Person erzählt. Viel lieber hätte ich es aus Ellas Feder erfahren, wie sie die Geschehnisse erlebt hat.
Die Handlung rund um Gwen, die die Familiengeschichte aufdeckt, fand ich im Wesentlichen auch schön zu lesen. Man leidet mit in ihren Drang, endlich Klarheit über die Fragezeichen zu ihrer Vergangenheit zu bekommen, und die Begegnungen mit ihren differenziert gezeichneten Verwandten und Freunden waren glaubwürdig darin, wie Gwen um Antworten ringen musste. Aus wie vielen Winkeln plötzlich Dokumente, Fotos etc. auftauchen, oder wie Gwen rein zufällig auf einen ziemlich alten Katalog stößt, der sie auf eine entscheidende Fährte führt, das fand ich allerdings überzogen, genau wie der kitschige Epilog, den es für meinen Geschmack nicht gebraucht hätte – das beides hat meine Lesefreude getrübt.
Insgesamt jedoch eine bewegende Familiengeschichte mit ungekünsteltem Fokus auf verschiedene beeindruckende Frauen und einem tollen Schreibstil, von dem ich gerne mehr lesen möchte. Aufgrund der Komplexität klare Leseempfehlung für Menschen, die Familien- und Detektivgeschichten gleichermaßen mögen.
Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.

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Veröffentlicht am 28.06.2023

Zauberhafte Katzengeschichte

Cosmo Zauberkater (Bd. 1)
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Kater Cosmo kann zaubern, obwohl Tiere das sonst nicht können, und das impulsive Zaubermädchen Aywa kriegt ihre Magie nicht unter Kontrolle. Als Cosmo Aywa als Tiergefährte zugeteilt wird, sind beide erstmal ...

Kater Cosmo kann zaubern, obwohl Tiere das sonst nicht können, und das impulsive Zaubermädchen Aywa kriegt ihre Magie nicht unter Kontrolle. Als Cosmo Aywa als Tiergefährte zugeteilt wird, sind beide erstmal wenig begeistert. Aber als sie ihre gegenseitigen Stärken kennenlernen, werden sie ein echtes Dreamteam, das auch im Angesicht höchster Gefahr zusammenhält.
Die Illustrationen haben für mich den Ausschlag gegeben, dieses Buch zu lesen. Vor allem Aywa und ihre Zauberereltern finde ich richtig niedlich, kleine Detailgrafiken lassen vor meinem inneren Auge ganze Szenen entstehen, ohne die eigene Phantasie einzuschränken, und Cosmo ist auf den Bildern genauso ein knuddeliger Rabauke wie in der Geschichte. Die dezenten Glitzerapplikationen auf dem Cover geben dem Buch nochmal zusätzliches Flair. Eine Landkarte auf der ersten Doppelseite hilft, sich zurechtzufinden.
Die Geschichte hat mir gut gefallen. Aywa, ihre Familie und Cosmo mochte ich nicht nur auf den Bildern, Aywa bringt mit ihren lustigen Flüchen bestimmt die meisten Kinder zum Lachen. Die Lehrkräfte und die anderen Tiergefährten sind individuell und besonders, die Figuren gehen angenehm über Klischees aus Zaubereigeschichten hinaus. Wie jede Zauberwelt hat die Welt von Cosmo ihre eigenen Regeln und Gesetzmäßigkeiten, und bisweilen fragt man sich hier (vielleicht auch nur als Erwachsener) nach dem Warum (z.B., dass nur die Gefährten-Tiere in Häuser dürfen, oder nach welchen Kriterien die Schüler*innen ausgewählt werden), aber insgesamt ist alles stimmig. Den Anfang fand ich ein bisschen langatmig, aber als Cosmo erstmal im Tiergefährtentrainingslager ist und Flughörnchen Cliff kennenlernt und Aywa die Schulzusage hat, nimmt das Buch ordentlich an Fahrt auf, und zum Schluss wird es richtig spannend.
Insgesamt ein phantasievoller, spannender Lesespaß. Leseempfehlung für Kinder, die noch zu jung für Harry Potter sind, und ihre Eltern.
Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.

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