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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.01.2026

Wahnsinnig lang

Dornenmädchen
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Nachdem die „Tränen“ Trilogie ein Highlight für mich war, war ich optimistisch gestimmt, um mich an die „Dornen“ Reihe zu wagen, die mich bisher aufgrund der extrem dicken Wälzer abgeschreckt hatte.
„Dornenmädchen“ ...

Nachdem die „Tränen“ Trilogie ein Highlight für mich war, war ich optimistisch gestimmt, um mich an die „Dornen“ Reihe zu wagen, die mich bisher aufgrund der extrem dicken Wälzer abgeschreckt hatte.
„Dornenmädchen“ ist mit 880 in Minischrift bedruckten Seiten definitiv das dickste Buch, welches ich seit langem gelesen habe. Die Stimmen zu diesem Thriller sind überwiegend positiv und ich bin überrascht sagen zu müssen, dass ich „Dornenmädchen“ nur mittelmäßig fand. Es hat viele Seiten und liest sich leider genauso. Sehr langatmig und ausschweifend. Kurios ist auch, dass bis Seite 400 zum Beispiel erst ein Tag in der Zeitrechnung der Handlung vergangen ist.

Im Zentrum steht Therapeutin Faye, die von einem Stalker aufs Übelste verfolgt wird. Als sie unter neuem Namen einen Neustart wagt, wartet das Grauen bereit auf sie. Zunächst läuft ihr eine verletzte Frau vors Auto und dann werden Leichen in ihrem Haus gefunden.

Der Fall um die entführten Frauen ist spannend und schockierend brutal. Es gelang der Autorin sehr erfolgreich, die Identität des Täters undurchsichtig zu halten. Ich war mir lange nicht sicher, wer es ist. Nachdem die Identität dann allerdings endgültig gelüftet ist, ging das Buch für meinen Geschmack noch zu lange weiter.

Bedauerlicherweise war es immer wieder so, dass jedes Mal, wenn ich das Gefühl hatte, die Handlung zieht an, das nächste langatmige Kapitel dazwischen kam.
Die Liebesgeschichte konnte mich diesmal auch überhaupt nicht überzeugen. Ich fand das Geschmachte zwischen Faye und Gideon eher zum Fremdschämen schwülstig und die Emotionen sind bei mir null angekommen.
Für mich war „Dornenmädchen“ eher eine Quälerei als ein Genuss und ich war froh, als ich endlich bei der letzten Seite angekommen war.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Gemischte Gefühle

Gut Erlensee – Marillas Schicksal
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Band 1 und 2 der „Gut Erlensee“ Trilogie habe ich seinerzeit kurz nach Erscheinen gelesen und sie haben mir sehr gefallen. Trotzdem lag Band 3 nun 2,5 Jahre auf meinem SuB. Ich wollte zwar wissen, wie ...

Band 1 und 2 der „Gut Erlensee“ Trilogie habe ich seinerzeit kurz nach Erscheinen gelesen und sie haben mir sehr gefallen. Trotzdem lag Band 3 nun 2,5 Jahre auf meinem SuB. Ich wollte zwar wissen, wie es weitergeht, konnte mich aber nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass das Happy-End von Marilla und Eduard nicht von Dauer ist.
Nach dem Verlust von Eduard kehrt Marilla also in den Kreis ihrer Familie zurück. Obwohl erst wenige Monate vergangen sind, konnte sie sich auffallend schnell für den Nachbarn Graf Leonhardt erwärmen. Das fand ich etwas befremdlich, auch, wie schnell Liebesschwüre für sie möglich waren. Die komplette Geschichte von Marilla empfand ich ziemlich forciert und auf Drama ausgerichtet. Insbesondere auch das Verhältnis zur bösen Schwiegermutter in spe. Meiner Meinung nach hätte man Marilla und Eduard nicht antasten müssen, um Stoff für einen dritten Band zu haben. Die Nebenhandlungen waren nämlich äußerst fesselnd und mit mehr Tiefe als die Haupthandlung.
Zum einen hatten wir hier den Handlungsstrang um die jüngste Schwester Carla die einfach nur eine selbstständige Frau, die einen Hof leitet, sein möchte. Doch in den 1920er Jahren sehen die Konventionen andere Pläne für junge Mädchen vor. Ich fand ihren inneren Struggle sehr realistisch dargestellt und es hat mich bewegt, zu welchen Überwindungen sie fähig war, immer in der Hoffnung, ein wenig Glück zu finden.
Auch Bruder Georgs Geschichte ist eine, die zu Herzen geht. Ich habe mir Sorgen um ihn gemacht und gehofft, dass alles gut wird.
Schade, dass es keine weiteren Bände gibt und wir somit nicht erfahren werden, ob es für Carla und Georg ein Happy-End gibt.

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Veröffentlicht am 23.12.2025

Erst spannend, dann absurd

Der Boss – Ist er ein Monster oder ein Genie?
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Nachdem mich „Love, Mom“ kürzlich enttäuscht hatte, wollte ich Iliana Xander eine zweite Chance geben. Der Klappentext von „Der Boss“ klingt nämlich ausgesprochen viel versprechend. Kaum angefangen, war ...

Nachdem mich „Love, Mom“ kürzlich enttäuscht hatte, wollte ich Iliana Xander eine zweite Chance geben. Der Klappentext von „Der Boss“ klingt nämlich ausgesprochen viel versprechend. Kaum angefangen, war ich von dem Thriller zunächst einmal richtig begeistert. Die Handlung ist temporeich, die Kapitel sehr kurz. Ich flog durch die Seiten, eben ein richtig guter Buchsnack für zwischendurch.

Als Natalies Freundin nach einer Partynacht vergiftet im Krankenhaus liegt, beschließt sie auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Unter einem Vorwand besorgt sie sich einen Job bei dem Mann, dem sie die Schuld am Zustand ihrer Freundin gibt. In dem Haushalt ist alles sonderbar. Der Hausherr ist exzentrisch, die Angestellten geheimniskrämerisch und es gibt eine Menge seltsamer Regeln.

Alles ist sehr fesselnd geschrieben. Iliana Xander führt den Leser erfolgreich aufs Glatteis, was die Gründe für die Vergiftung sein könnten. Für weitere Verwirrung sorgen kurze Kapitel aus der Perspektive einer unbekannten Person. Schien es am Anfang noch eindeutig, um wenn es sich hierbei handelt, musste ich meine Vermutung im Verlauf der Geschichte mehrmals ändern. Hier kamen „Pretty little liars“ Vibes auf, mit einem Anonymus, der die Strippen zieht.

Ich fand „Der Boss“ richtig gelungen, bis zu dem Moment, als die Auflösung anfing sich zu entwickeln. Ab da ging es steil in Richtung Absurdität. Die Handlung nahm eine Wendung, die ich zwar nie hätte kommen sehen, die die Geschichte allerdings komplett an den Haaren herbei gezogen und unrealistisch macht.
Schade, die letzten ca. 70 Seiten haben den Thriller für mich leider verbockt.

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Veröffentlicht am 20.12.2025

Harte Kost, grandios umgesetzt

Da, wo ich dich sehen kann
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Beim ersten Blick auf das Cover von „Da, wo ich dich sehen kann“ könnte man meinen, dass es sich um einen Liebesroman handelt, doch weit gefehlt. Jasmin Schreibers neues Buch ist schwere Kost, bei der ...

Beim ersten Blick auf das Cover von „Da, wo ich dich sehen kann“ könnte man meinen, dass es sich um einen Liebesroman handelt, doch weit gefehlt. Jasmin Schreibers neues Buch ist schwere Kost, bei der ich mehrmals einen dicken Kloß im Hals hatte.
Die Geschichte befasst sich mit dem Thema Femizid. Emma wurde von ihrem Ehemann erdrosselt. Sie hinterlässt ihre Eltern, ihre Tochter Maja und ihre beste Freundin Liv. Vier Menschen, die weiterleben müssen und deren tägliche Gedanken um Emma kreisen. Allgegenwärtig sind Schuldgefühle und die Frage, ob das Unglück hätte verhindert werden können.

Der Schreibstil und die Herangehensweise an dieses Thema hat mich sehr beeindruckt. Jasmin Schreiber ist sehr wortgewandt und weiß, wie man Emotionen nachvollziehbar beschreiben kann. Ich konnte mich in die Charaktere sehr gut hineinversetzen und ihren Schmerz ebenfalls fühlen. Sie bedient sich einer äußerst bildgewaltigen Sprache. Am liebsten hätte ich mit Textmarker gelesen, um mir besonders gelungene Zeilen zu markieren.

Allgemein fand ich die Erzählweise und die graphische Ausarbeitung sehr originell. Es gibt zum Beispiel Kinderzeichnungen von Maja, offizielle Schriftstücke wie den Bericht der Gerichtsmedizin oder Briefe vom Anwalt. Die Charaktere befassen sich mit „Was wäre wenn“ Fragen, die zur besseren Verdeutlichung auf schwarzem Untergrund gedruckt wurden, was ich ebenfalls eine gute Idee der Umsetzung fand.
Obwohl es sich hier um Fiktion handelt, fühlte sich alles sehr realitätsgetreu an. Als wenn man eine wahre Geschichte lesen würde.

„Da wo ich dich sehen kann“ ist ein Roman, der nachhallt, zum Nachdenken anregt und der im Gedächtnis bleiben wird. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass ich manche Stellen zu pauschalisiert finde. Wenn zum Beispiel Sätze fallen, dass „Alle Männer“ Frauen hassen. Definitiv erfahren zu viele Frauen Gewalt. Dennoch kann man nicht jeden Mann unter Generalverdacht stellen.

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Veröffentlicht am 14.12.2025

Hanebüchen

The Woman in Suite 11
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Als ich in der Verlagsvorschau gesehen habe, dass Ruth Ware einen zweiten Thriller mit Lo Blacklock geschrieben hat, war ich gleich neugierig. „The woman in cabin 10“ hatte mir seinerseits gut gefallen. ...

Als ich in der Verlagsvorschau gesehen habe, dass Ruth Ware einen zweiten Thriller mit Lo Blacklock geschrieben hat, war ich gleich neugierig. „The woman in cabin 10“ hatte mir seinerseits gut gefallen. Vom Klappentext her dachte ich, dass „The woman in suite 11“ ein unabhängiger Thriller, mit der selben Hauptperson ist. Letztendlich ist das auch so, bei den ersten 100 hatte ich jedoch stark das Gefühl, dass ich eine Auffrischung gebraucht hätte. Nach 7 Jahren kann ich mich nur noch schemenhaft an das erste Buch erinnern und die plötzlich auftauchenden Charaktere vom Schiff und deren Konstellation lösten Fragezeichen in mir aus.

Nach den ersten 100 Seiten beginnt zum Glück der neue, in sich abgeschlossene Plot. Für ihren ersten Job nach der Kinderpause reist Journalistin Lo nach England. Sie hofft auf auf ein Exklusivinterview mit dem Finanzier Marcus Leidmann. Stattdessen trifft sie allerdings auf eine Frau, die Lo um Hilfe bittet.
Ab diesem Zeitpunkt kam es mir so vor, als wenn ich einen Bericht über einen Enkelkindertrick lese. Der Plan der Frau schreit aus jedem Wort förmlich „Das ist Betrug, du wirst reingelegt“. Es ist sonnenklar, dass diese aberwitzige Idee nicht funktionieren wird. Doch Lo ist unfassbar naiv. Sie lässt sich für eine quasi Fremde auf etwas kriminelles ein. Selbst, als sie ins Fadenkreuz einer Polizeiermittlung gerät, deckt sie die andere Frau, obwohl ihr Verhalten keinerlei Sinn macht. Wer geht ins Gefängnis für jemanden, den er nicht kennt. Wer würde überhaupt irgendetwas davon machen.
Hinzu kommt, dass gefüllt nie jemand telefonisch zu erreichen ist, sei es Los Mutter oder ihr Mann. Ständig erreicht Lo nur die Mailbox, was nach einer Weile einfach nur nervig und unglaubwürdig wurde. Die komplette Story inklusive des Endes ist dermaßen hanebüchen, dass man nur mit dem Kopf schütteln kann.
Ich habe keine Ahnung, warum Ruth Ware diese Fortsetzung schreiben wollte, sie ist komplett unnötig. Charaktere aus „The woman in cabin 10“ hatten Gastauftritte, aber bis auf eine Person verschwanden sie sang- und klanglos wieder. Man hat auf irgendeinen Sinn gehofft, aber den gab es nicht. Warum haben Ben und Cole zum Beispiel den Anwalt besorgt. Mir kam alles einfach sehr wenig durchdacht vor.

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