Gegen dass Vergessen
Aspergers SchülerEhrlich gesagt fällt es mir schwer, dieses Buch zu beurteilen. Die Autorin Laura Baldini beschreibt die schaurigen Zeiten der Weltgeschichte um die Zeit des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Und den Fokus ...
Ehrlich gesagt fällt es mir schwer, dieses Buch zu beurteilen. Die Autorin Laura Baldini beschreibt die schaurigen Zeiten der Weltgeschichte um die Zeit des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Und den Fokus ihrer Geschichte schenkt sie Hans Asperger, der Entdeckung des Autismus und was es für diese Zeit bedeutet.
Zunächst lernt man den Jungen Erich kennen. Erich ist schnell überfordert, wenn zu viele Reize auf ihn einströmen. Doch schnell entdeckt die Krankenschwester Viktorine, dass in den kleinen Jungen ein besonderes Talent schlummert. Viktorine hat den Jungen sofort in ihr Herz geschlossen und kümmert sich liebevoll um ihn. Und außerdem verehrt sie die behandelnden Arzt, Dr. Hans Asperger. Er erforscht das Verhalten der Kinder, die bislang nur als „psychopathische Autisten“ abgestempelt wurden. Doch als der Nationalsozialismus Einzug hält, verändern sich diese Zeiten.
In der Erzählschiene der Gegenwart, genauer 1986, lernt man die junge Psychologiestudentin Sarah aus England kennen. Sie möchte gern ihre Doktorarbeit über das Leben und Wirken von Dr. Hans Asperger schreiben. Mit Hilfe des Journalisten Stefan findet sie schnell mehr heraus, als ihr lieb ist.
Die Autorin erzählt abwechselnd aus der Sicht von Sarah, Viktorine und Erich. Aspekte, die dem Ganzen eine ganz besondere Entwicklung und Tiefe geben. Oft stellte sich mir beim Lesen die Frage, ob nicht vielleicht auch Asperger selbst Autist war. Und dann wird auch von Protagonistin Sarah die Vermutung geäußert. Wie oft hat er wohl die Kinder direkt in die Heilanstalt „Spiegelgrund“ überwiesen, obwohl er doch immer so verständnisvoll getan hat. Fragen, die heute keiner mehr beantworten kann. Aber die in dem Roman einen Ton erzeugen, der zu Herzen geht und zum Nachdenken anregt.
Alles in Allem ist „Aspergers Schüler“ ein Roman, den man beim Lesen einfach nicht aus der Hand legen kann. Definitiv eine Geschichte, die gegen das Vergessen der Vergangenheit ankämpft, und von mir eine absolute Leseempfehlung bekommt. Absolut ein Jahreshighlight für mich.