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Veröffentlicht am 28.01.2025

Sehr gelungener Start in ein düsteres Kapitel deutscher Geschichte

Zwanzig Jahre - 1933
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"Zwanzig Jahre - 1933" ist genau die Art von Verbindung zwischen historisch belegten Fakten und Fiktion, die ich mir in einem historischen Roman wünsche.

Roman Just erzählt in seinem Roman die Geschichte ...

"Zwanzig Jahre - 1933" ist genau die Art von Verbindung zwischen historisch belegten Fakten und Fiktion, die ich mir in einem historischen Roman wünsche.

Roman Just erzählt in seinem Roman die Geschichte im Jahre 1933 zweier Familien, die auf unterschiedlichen Kontinenten leben. Da ist auf der einen Seite die Familie von Dannenburg in Greifswald, Deutsches Reich und auf der anderen Seite die Familie McKenzie in Massachusetts, USA. Die Familien verbindet die enge Freundschaft der Familienoberhäupter Otto und John.

Während Otto von Dannenburg frühzeitig die Veränderung in Deutschland durch die Machtergreifung Adolf Hitlers und seiner NSDAP erkennt und mit ansehen muß, wie sein eigener Bruder Walter von der Ideologie der Nazis geblendet und vereinnahmt wird, findet er durch John James McKenzie die erhoffte Hilfe, um seinen Sohn Peter vor den Nationalsozialisten zu schützen. Durch fiktive Romanstränge wird diese ohnehin schon sehr spannende, bewegende und erschütternde, düstere Episode in unserer deutschen Historie noch um einiges lebendiger und greifbarer erzählt. Es wirkt auf uns Leser/innen - obgleich den meisten von uns dieses Jahr durchaus bekannt ist - unbegreiflich, wie ein kulturell bunt aufgestelltes Land, wo unterschiedliche Menschen mit ihren unterschiedlichen Religionen und Abstammungen seit Jahren friedlich und respektvoll zusammen gelebt haben, binnen einem Jahr fremdgesteuert beginnen, einer brutalen, irrsinnigen Ideologie zu folgen. Roman Just zeigt in seinem Roman auf, daß diese Verblendung nicht einmal vor der eigenen Familie Halt findet.

Der Roman lebt zum einen von der Fiktion die beiden Familien betreffend und zum anderen von der geschichtlichen Kenntnis seiner Leser/innen, die dadurch mit den beiden Familien hoffen und bangen, wie sie durch dieses Jahr 1933 hindurchkommen werden.

Ein sehr gelungener Start in eine neue Romanreihe, die Lust auf seine weiteren Bände macht!

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Veröffentlicht am 24.01.2025

Der "Sturzflug" setzt zum Höhenflug an. Würdiges Finale einer tollen Trilogie!

Aufstand der Vögel
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Im dritten Band seiner Trilogie "Aufstand der Vögel" mit dem Titel "Sturzflug" erzählt Götz Adrian über den Widerstand der Vögel gegenüber dem besalischen Kaiser Zoro, der wieder einmal versucht, die Länder ...

Im dritten Band seiner Trilogie "Aufstand der Vögel" mit dem Titel "Sturzflug" erzählt Götz Adrian über den Widerstand der Vögel gegenüber dem besalischen Kaiser Zoro, der wieder einmal versucht, die Länder Tungäs zu unterjochen und einzunehmen.

In diesem Band belagert Zoro das Kaiserreich Hadrien. Sein Heer setzt zu einer gewaltigen und beharrlichen Belagerung an, um in Hadrien einzumarschieren und das Land zu erobern.
Zoro wird dabei insbesondere durch Rachegelüste angetrieben, da die Länder wie Hadrien und Chanien ihn mit Hilfe der Armee der Vögel erfolgreich Widerstand leisten konnten.
Auch dieses Mal setzen die Vögel alles daran, Zoro so erfolgreich wie nur möglich in Schach zu halten, bestenfalls zurückzudrängen und ihm immer wieder empfindliche Nadelstiche zu verpassen. Natürlich geht dieses nicht ohne den einen oder anderen herben Verlust vonstatten. Eine ihrer besten Kriegerinnen Mostra kann von den Besaliern gefangen genommen werden. Gerade mit ihr hat Zoro noch eine gewaltige Rechnung offen.
Können die Vögel erneut sich den Besaliern widersetzen? Werden die Völker gegen den Feind zusammen stehen? Und kann Mostra Zoro entkommen, bevor er an ihr seine brutale Rache ausüben kann?

Dieser Band ist absolut ein würdiges Finale der von mir so geliebten Trilogie.
Wieder einmal sind die Figuren sehr gut dargestellt, so daß wir Leser/innen sie erneut direkt vor Augen haben und das Gefühl entsteht, mit ihnen gemeinsam gegen Zoro in den Kampf zu ziehen. Die neuen Intrigen, Kampfbeschreibungen und zum Teil dramatischen Beziehungen der Charaktere zueinander als auch die Gefangenschaften einiger "Vögel" lassen wieder eine tolle Spannung entstehen, die uns durch den kompletten Band begleitet und nicht wieder loslässt.
Sehr schön und dem Lesefluss sehr dienlich ist die Titulierung jedes Kapitels mit dem Namen der jeweiligen Person, die in dem entsprechenden Kapitel die Hauptrolle einnimmt bzw aus deren Sicht die Situation gerade beschrieben wird. Die Kapitel sind zudem in einer sehr angenehmen Länge geschrieben. Dadurch bleiben wir immer nah am Geschehen und verlieren nicht den Überblick.

Mein Fazit:
Ein Finale, welches ich sehr genossen habe. Es lieferte mir Spannung, Fantasy, Erotik und wieder einmal auch ein sehr schönes Landschaftsbild.
Für alle, die die beiden ersten Bände der Trilogie bereits gelesen haben, ist der dritte Teil ein unbedingtes Muß. Allen anderen, die Fantasieromane mit Spannung lieben, möchte ich nicht nur diesen Band, sondern insbesondere die komplette Trilogie sehr empfehlen.
Abgerundet wird das Lesevergnügen mit einem sehr schönen Anhang bestehend aus einem Personenverzeichnis, Erklärung der Armeeränge innerhalb der Vögel und Kartenmaterial des Kontinentes Tungä.

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Veröffentlicht am 18.01.2025

Erotisch angehauchte, augenzwinkernde Hardcore-Horrorsatire. Genial

Feuchte Beute
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Gleich vorab: Mit "Feuchte Beute" ist Matthias Krause ein echter Geniestreich gelungen.

Die Horrorsatire startet mit einer öffentlichen Hexenverbrennung im Jahre 1575. Eine Hexe mit Namen Theodore wird ...

Gleich vorab: Mit "Feuchte Beute" ist Matthias Krause ein echter Geniestreich gelungen.

Die Horrorsatire startet mit einer öffentlichen Hexenverbrennung im Jahre 1575. Eine Hexe mit Namen Theodore wird öffentlich auch vor den Augen von Kindern verbrannt. Doch geschieht dieses nicht, ohne daß sie zuvor den Grafen Waldemar verflucht und ihm prophezeit, er würde sich in ein Monster verwandeln. Danach springt die Handlung in die Zukunft, in das Jahr 2028 nach Cuxhaven an die Nordsee. Hier leben ein Pärchen, welches zahlreichen Sexexperimenten sehr zugewandt und aufgeschlossen ist, zwei junge Frauen, die sich als Influencerinnen einen Namen machen wollen, eine Polizistin, die sich in der Männerwelt durchsetzen möchte, der immer wieder geliebte Pizzabote und andere Personen zusammen, nicht wissend, daß ein Rudel von Werwölfen auf den Weg zu Ihnen ist, um seinen Hunger und Sextrieb an ihnen stillen zu wollen.

Der Hinweis auf dem Cover des Buches, daß die Satire bitte von Personen über 18 Jahre gelesen werden sollte, sollte meiner Meinung auch ernst genommen werden. Das Buch erhält nicht nur die oben beschriebenen Sex- und Horrorszenen, sondern spart auch nicht mit dem ein oder anderen Ekelaspekt. Wer bei all diesen sexistischen, gruseligen und ekeligen Erzählungen jedoch auch Gefallen an vielen satirischen und humorvollen, überspitzten Sequenzen hat, die uns hinter viele fragwürdige Kulissen unserer Gesellschaft blicken lassen, kommt hier voll und ganz auf seine/ ihre Kosten und wird nicht enttäuscht, sondern wie ich total begeistert sein. "Feuchte Beute" toppt seine Vorgänger bei Weitem.

Ich bin jetzt schon sehr gespannt, was sich Matthias Krause als nächstes einfallen lässt. Die Meßlatte hat er sich selber jedenfalls sehr hoch gehängt!

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Veröffentlicht am 02.01.2025

Diesem Wolf entkommst Du nicht!

Der Wolf von Hamburg
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"Der Wolf von Hamburg" ist ein sehr spannender Regionalkrimi von Jürgen Ehlers, der seine Leser/innen von Anfang bis zum Ende im wahrsten Sinne des Wortes in seinen Fängen hat.
Es beginnt damit, dass eine ...

"Der Wolf von Hamburg" ist ein sehr spannender Regionalkrimi von Jürgen Ehlers, der seine Leser/innen von Anfang bis zum Ende im wahrsten Sinne des Wortes in seinen Fängen hat.
Es beginnt damit, dass eine Frau mit Bissspuren ausgerechnet vor dem Hause von Kommissar Bernd Kastrup tot aufgefunden wird. Es stellt sich dabei heraus, dass sie aber nicht am Fundort ermordet wurde, so dass die Nähe zu Kastrup noch gezielter erscheint. Bei der Frau wird zudem noch eine Notiz mit dem Namen "Wolf" gefunden. War es wirklich ein Wolf, der der Frau die Bisswunden zugefügt hat? Und wenn ja, wie kommt das Tier nach Hamburg? Und was hat Bernd Kastrup mit der Toten zu tun. Schnell finden die Ermittler eine Verbindung zu einem Raubmord bei einem Hamburger Juwelier vor einigen Jahren. Und die Jagd auf den Wolf beginnt.
Der Krimi beginnt gleich mit einem rasanten Tempo, welches der Autor bis zum Ende durchzuziehen vermag. Es bleibt keine Zeit zum Luftholen. Wir Leser/innen sind dabei den Ermittlern immer einen Hauch bei deren Suche voraus, so dass die Spannung darin besteht, wann werden sie endlich zuschlagen können oder kann der Mörder entkommen. Das Team um Bernd Kastrup ist herrlich authentisch dargestellt, mit allen Stärken und Schwächen, die wir Menschen so mit uns bringen. So bleibt immer eine gewisse Nähe spürbar und macht die Geschichte so realistisch und wahrscheinlich. Den einzelnen Kapiteln steht immer der jeweilige Tag als Überschrift vor Kopf geschrieben, so dass hier eine Art Gefühl von Echtzeit entsteht. Dem Autor gelingt es bei der Jagd nach dem Wolf die gesponnen Fäden am Ende glaubhaft zusammenzuführen. Einziger kleiner Wermutstropfen für mich ist das etwas zu kurz gehaltenen Ende des Krimis. Konsequenter Weise passt es jedoch zu dem bereits erwähnten Tempo der gesamten Handlung.
Allen Krimifans - insbesondere natürlich den Hamburg-Liebhabern - kann ich diesen Krimi unbedingt empfehlen. Hier passt einfach alles: Düsteres Cover mit auffallendem Titel, Spannung, tolle Charaktere und glaubhaftes Finale.

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Veröffentlicht am 30.12.2024

Beeindruckende Autobiografie über eine zerstörte Kindheit

Wavewalker
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Suzanne Heywood nimmt uns mit auf die "Wavewalker", ein Segelboot, mit dem ihr Vater die Reise von Captain Cook nachsegeln will. Für diesen Traum bringt er seine Kinder um ihre Schuldbildung, ihre Freundschaften ...

Suzanne Heywood nimmt uns mit auf die "Wavewalker", ein Segelboot, mit dem ihr Vater die Reise von Captain Cook nachsegeln will. Für diesen Traum bringt er seine Kinder um ihre Schuldbildung, ihre Freundschaften und ignoriert die Seekrankheit seiner Frau. Die Familie verbringt zehn Jahre auf wenigen Quadratmetern auf den Meeren dieser Erde, der Einsamkeit, den Ängsten, Geldsorgen und den Naturgewalten ausgesetzt. Dabei kommt es zwangsläufig immer wieder zu Konflikten, den die Familienmitglieder aufgrund der Enge des Bootes nicht aus dem Wege gehen können. Die Kinder müssen sich häufig den Wünschen und Planungen der Eltern beugen und stehen mit der Bewältigung ihrer kindlichen Sorgen, Ängsten und Problemen alleine gegenüber. Keine Möglichkeit sich Freunden oder Verwandten anzuvertrauen. Oft wenden sie sich daher an die angeheuerten Crewmitglieder, die ihr Vater mit an Bord nimmt, um die Reise über die Ozeane überhaupt bewältigen zu können. Über diese Sorgen und Ängste können dann selbst die schönsten Strände, Sonnenauf- und -untergänge und die Tierwelt des Meeres nicht hinwegtrösten. Was wird die Zukunft für Suzanne und ihren Bruder Jon bereithalten? Werden sie sich irgendwann gegen die Eltern durchsetzen können?

Diese Autobiografie fesselt von Beginn an. Bereits der Beginn der Reise lässt erahnen, was da auf die Familie zukommen wird. Eine Fahrt ins Ungewisse, auch wenn der Vater sein Segelhandwerk zu verstehen scheint. Die Beschreibung der Stürme auf dem Meer und die Todesängste, die die Kinder dabei durchstehen müssen, sind so authentisch beschrieben, dass man sich selber auf dem Boot zu sehen scheint. Es macht uns selber traurig, die gerade erst entstandenen Freundschaften bereits nach kurzen Aufenthalten an Land wieder beenden zu müssen. Aufgrund der langen Zeit auf dem Boot, weiß die Familie am Ende beinahe gar nicht mehr, haben wir noch irgendwo ein Zuhause.

Die Autobiografie lässt uns sehr nachdenklich und verstörend zurück. Offenbart sie doch sehr deutlich, wie schnell und nachlässig eine Kindheit zerstört werden kann, ohne den Eltern eine böswillige Absicht zu unterstellen. Hervorzuheben sind an dieser Stelle noch die sehr schön gestaltete Zeichnung des Bootsinnern, die die im Verhältnis gesehen geringe Fläche des Segelbootes veranschaulicht und die zahlreichen Fotos in der Buchmitte, die die Gefühlsschwankungen der Kinder zwischen der Einsamkeit und der Schönheit des Ozeans beleuchten. Absolut lesenswert.

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