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Cleopatra0103

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.02.2026

Wer hat hier eigentlich nichts zu verbergen?

Eisnebel
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Wow, ich bin sehr positiv überrascht. Ich hatte einen kurzweiligen Thriller über ein Mädchen aus bescheidenen Verhältnissen in einer Riege steinreicher Yuppies erwartet. Doch dieser äußerst wendungsreiche ...

Wow, ich bin sehr positiv überrascht. Ich hatte einen kurzweiligen Thriller über ein Mädchen aus bescheidenen Verhältnissen in einer Riege steinreicher Yuppies erwartet. Doch dieser äußerst wendungsreiche Thriller hat noch viel mehr zu bieten. Ein junges Paar, ein luxuriöses Anwesen in atemberaubender, aber einsamer Kulisse, eine Familie voller Lügen und Intrigen. Als Theo mit ihrem Verlobten Connor bei seiner reichen Familie die Weihnachtstage verbringen will, ahnt sie nicht, dass sie sich selbst in höchste Gefahr begibt. Doch bereits kurz nach der Ankunft beginnt sie sich an Geheimnisse aus ihrer verdrängten Kindheit zu erinnern. War sie schon einmal in der Lodge und wenn ja mit wem? Wer ist die Frau mit dem roten Tuch? Wer der Mann mit dem Geweih, der sich in ihre Träume schleicht? Nach und nach lüftet Theo den Schleier, der über ihrer Kindheit liegt, dabei kommen nicht nur die Geheimnisse der Familie ans Licht sondern auch das, was Theo selbst verbergen will. Der Schreibstil ist durch die wiederkehrenden Perspektivwechsel zwischen der erwachsenen und der kindlichen Theo sehr kurzweilig und packend. Die Figuren bis auf die Hauptpersonen wenig sympathisch. Jeder hat etwas zu verbergen. Besser man rührt nicht an der Vergangenheit. Eine düstere Atmosphäre, eiskalte Stimmung und Lügen hinter der feinen Fassade machen dieses Thriller zu einem sehr gelungenen Lesevergnügen. Das Cover ist nicht besonders auffällig, passt aber zu Handlung. Der Farbschnitt ist nicht mein Geschmack, aber recht dezent, so dass ich darüber hinwegsehen kann. Mich hat die Autorin überzeugt, ich hoffe es kommt ein weiterer Thriller aus ihrer Feder.

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Von Glück und Unglück, Liebe und Freundschaft

Villa Rivolta
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Daniel Speck entführt den Leser in seinem neuen Roman ins Italien der 50er, 60er und 70er Jahre. Eine Zeit des Aufbruchs, des Aufschwungs nach dem Krieg, technischer Innovationen und modernen Designs. ...

Daniel Speck entführt den Leser in seinem neuen Roman ins Italien der 50er, 60er und 70er Jahre. Eine Zeit des Aufbruchs, des Aufschwungs nach dem Krieg, technischer Innovationen und modernen Designs. Im Mittelpunkt steht die Familie Rivolta, die sich vom Kühlschrankbauer zur Luxus-Automobil-Fabrik wandelt. Das mondäne Leben zwischen ehrwürdiger Villa, schnellen Autos und luxuriösem Lifestyle ist aber ohne wirtschaftlichen Instinkt und unternehmerischer Verantwortung nicht machbar. Und es braucht die nötige Prise Glück - fortunata. Durch die Augen der jungen Valeria, Tochter der Haushälterin der Rivoltas, erlebt der Leser diese bewegten Jahre Italiens. Valeria freundet sich mit dem Sohn des Hauses, Piero, an. Beide wird eine lebenslange Freundschaft verbinden. Doch für Valeria ist Piero der Mann ihres Lebens, das Zentrum ihres Glücks. Das verstellt ihr oft den Blick und den Mut ihr Leben frei zu gestalten. Diese besondere Beziehung der beiden Protagonisten, deren unterschiedliche Herkunft ihrer Freundschaft nichts anhaben kann, hat mich zunächst etwas verwirrt. Ich hätte mir eine richtige Liebesgeschichte zwischen beiden gewünscht, doch letztlich steht ihre Freundschaft, vielleicht gerade deshalb, im Mittelpunkt. Insbesondere Valeria in ihrer Zerrissenheit, ihrem Streben nach Selbstständigkeit und Individualität berührt mich sehr. Sie ist Freundin, Liebende, Mutter und Tochter und muss allen Rollen gerecht werden. Eine starke Frau, sicher nicht einfach in dieser doch noch sehr konservativen Zeit. Auch die vermeintlichen Randfiguren sind sehr schön gezeichnet und haben Profil. Valeria einsame Mutter, der liebevolle Antonio, der selbst eine ganze Familie wettmacht, die schöne und intelligente Lele - Pieros große Liebe. Und auch die beiden Männer in Valerias Leben könnten unterschiedlicher nicht sein. Denn wo Licht ist, ist auch Schatten. Fortunata und Sfortunata sind zwei Seiten einer Medaille. Während die einen vom Glück gesegnet sind, kommen die anderen nicht aus ihren Zwängen und der Enge des Lebens, in das sie hineingeboren sind. Doch ist es wirklich so einfach? Dieses Wechselspiel zwischen Glück und Unglück ist mir schon in anderen Romanen des Autors aufgefallen und wirkt lange in mir nach. Können wir unser Schicksal ändern und unser Glück selbst in die Hand nehmen? Ein tolles Buch insbesondere, aber nicht nur für Italienfans. Besonders schön finde ich auch, dass einige leibgewordene Figuren aus Bella Germania wieder auftauchen. Die Handlung ließe noch Möglichkeiten, sie weiterzuerzählen. Vielleicht gibt es noch einen Nachfolger?

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Interessant geschrieben, doch die Figuren bleiben mir fremd

Lichtspiel
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Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut, mein erstes von Daniel Kehlmann. Das Thema hat mich sofort gepackt. Ein berühmter Regisseur im dritten Reich, der denkt, er ist davor gefeit, in die Fänge von ...

Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut, mein erstes von Daniel Kehlmann. Das Thema hat mich sofort gepackt. Ein berühmter Regisseur im dritten Reich, der denkt, er ist davor gefeit, in die Fänge von Propaganda zu geraten und doch scheitert. Von G.W.Pabst hatte ich schon gehört, aber kenne seine Biografie nicht. Der Leser begegnet ihm hier kurz nach seinem Erfolgshöhepunkt. Er ist in die USA geflohen, spricht kaum Englisch und scheitert mit seinem ersten Film gnadenlos. Im Haifischbecken der Filmbranche gibt es keine zweite Chance. Pabst bekommt keinen Fuß mehr auf den Boden und verlässt Hollywood zähneknirschend wieder. Seine kranke Mutter ruft ihn zurück nach Österreich, ein Weg ins Verderben. Kurz nachdem er zuhause angekommen ist, bricht der Krieg aus und es gibt kein zurück. So hängen Pabst und seine Familie im Keller ihres Schlosses fest, vertrieben vom Hausmeister, der die neuen Machtverhältnisse nutzt und die Rollen verkehrt. Dieser Teil ist sehr spannend, wenn auch die Figuren der Hausmeister-Familie durchweg etwas seltsam anmuten. Nach und nach gerät der Regisseur in die Fänge der Filmpropaganda, erst unter Druck und dann fügt er sich, schaut weg, arrangiert sich, hinterfragt nicht und dreht ein Meisterwerk nach dem anderen. Eine tragische Figur ist seine Frau, die nach und nach verblasst. Immer wieder wird die Perspektive gewechselt. Mal der Sohn, mal ein britischer Schriftsteller in Gefangenschaft, mal ein Kameramann und und und. Das sorgt für Abwechslung, überfordert mich aber von Zeit zu Zeit. Es gibt viele Randfiguren, Schauspieler, Drehbuchautoren, schöne Frauen und finstere Gestalten. Der komplexe Schreibstil fordert den Leser zeitweise, ist aber auch wieder sehr eindringlich. Leider bleiben mir die Figuren seltsam fremd. Ich dringe nicht zu ihnen vor, bleibe auf Distanz. Lediglich der Kameramann Franz, dessen Perspektive den Rahmen der Geschichte bildet, ist für mich greifbar und berührt mich sehr. Sein Blick auf den nicht fertiggestellten Film Pabsts, bewegt mich und regt zum Nachdenken an. Er wurde nie gedreht! Kann man etwas ungeschehen machen, wenn man nur selbst stark genug daran glaubt? Die Filmrollen verschollen oder zumindest fast. Diese Drehzeit in Prag, die Manie des Regisseurs, die Situation der Statisten und beklemmende Situation ist so gut beschrieben, dass man sich beinahe vor Ort glaubt und dem Meister beim Schneiden über die Schulter schaut. Dieser Teil ist für mich der stärkste im ganzen Buch. Dennoch kann ich die Begeisterungsstürme nicht ganz teilen. Ein eindringliches Buch über ein wichtiges Thema, bei dem ich aber leider zu sehr auf Distanz bleibe.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Rasante und spannende Reise auf die Philippinen

Heaven's Gate
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Ein wirklich spannender Krimi auf einer vermeintlichen Trauminsel. Der ehemalige deutsche Profisurfer Caruso gammelt zwischen Wellen, Hängematte und Rumflaschen vor sich hin. Die Insel Surogao ist längst ...

Ein wirklich spannender Krimi auf einer vermeintlichen Trauminsel. Der ehemalige deutsche Profisurfer Caruso gammelt zwischen Wellen, Hängematte und Rumflaschen vor sich hin. Die Insel Surogao ist längst nicht so paradiesisch wie man vermuten könnte. Doch Caruso scheint es egal zu sein, er scheint seinen Antrieb im Leben irgendwo auf Hawaii verloren zu haben. Eine schöne Spanierin weckt ihn mit einem Auftrag aus seiner Lethargie. Er soll ihren verschwundenen Sohn finden und stößt auf ein Netz aus Drogen, Verrat und Tod. Caruso ist ein sehr interessanter Charakter, ich folge ihm gern. Auch die Polizisten, Freunde und insbesondere der Schrauber und Technik-Freak Yahoo sind gut gezeichnet. Die Szenerie zwischen Touristenmeile, Surfermekka und trostloser, schäbiger Armut ist gut eingefangen. Der nahenden Regenzeiten sehen die Bewohner mit lethargischer Angst und einer Ausweglosigkeit entgegen. Man scheint sein Schicksal akzeptiert zu haben und versucht das Beste für sich herauszuholen. Dabei ist oft nicht Boshaftigkeit sondern der schiere Wille zu Überleben ausschlaggebend. So fühlt sich der Leser schnell selbst als Teil dieser schäbig-charmanten Insel. Der deutsche Drogenboss Diego, der gerade erst aus der Haft entlassen ist und sich bald in der Bedeutungslosigkeit einer Kleinstadt wiederfindet, passt für mich zunächst schwer ins Bild. Letztlich fügt sich aber alles zusammen. Der Schreibstil ist spannend und kurzweilig. Caruso verlässt am Ende zwar die Insel, ich würde mich aber freuen, wenn es ein Wiedersehen gibt.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Faszinierende Familiengeschichte

Porträt auf grüner Wandfarbe
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Ein Roman über eine verzweigte Familie, starke Frauen und einer Suche nach der Wahrheit. Gwen begibt sich mit ihrer Tante Lily auf eine Reise nach Polen, um das einstige Gut der Familie zu erkunden. Diese ...

Ein Roman über eine verzweigte Familie, starke Frauen und einer Suche nach der Wahrheit. Gwen begibt sich mit ihrer Tante Lily auf eine Reise nach Polen, um das einstige Gut der Familie zu erkunden. Diese Reise ist die Initialzündung für eine Spurensuche, die von England, über Bayern und die polnische Ostsee führt. In verschiedenen Zeitebenen erfährt der Leser die Familiengeschichte aus Gwens und Ellas Perspektive. So setzt sich nach und nach ein Puzzle zusammen. Es ist viel passiert in den bewegten Jahren ab Beginn des 20. Jahrhunderts. Kriege, Flucht, Verfolgung, aber auch glückliche Jahre. Insbesondere die Frauen spielen im Buch eine große Rolle. Die lebensfrohe Ella, die aus einfachen Verhältnissen mit Mut, Esprit und Lebenslust ihren Weg findet. Die kapriziöse Ilsabel, adlig und charmant, aber auch bissig und sprunghaft. Lily, die für mich bis zum Schluss etwas undurchschaubar bleibt und schließlich Gwen, die nicht so richtig in das schillernde Geflecht starker Frauen passt. Jeder in der Familie scheint ein Geheimnis mit sich zu tragen. Die Spurensuche ist sehr schön beschrieben, die Figuren klasse und ich bekomme ein sehr gut gezeichnetes Bild der jeweiligen Zeit. An einen Stellen ist die Handlung für meinen Geschmack etwas zu detailliert. Insbesondere wenn Gwen berichtet, was sie schon alles über ihre Familie herausgefunden hat. Das doppelt sich ab und an und hätte ich nicht gebraucht. Wobei schon sehr viel passiert. Besonders schön finde ich das Cover. Elegantes Blau und weiß, zwei Frauen, die ein Geheimnis teilen. Macht mich gleich neugierig. Die Autorin legt an einigen Stellen auch den Grundstein für ihr nächstes Buch, das ich vor diesem gelesen habe. Einige Personen kamen mir daher schon etwas bekannt vor. Die Reihenfolge ist meiner Meinung nach aber nicht kritisch, man kann beide Bücher unabhängig voneinander lesen.

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