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Cleopatra0103

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.02.2026

Ewiger Mythos Kleopatra

Kleopatra
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Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut. Kleopatra hat mich viele Jahre lang sehr fasziniert. Ich habe bereits einige Bücher und Romane über ihr Leben, ihre Liebe und die Legenden, die sich um sie ...

Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut. Kleopatra hat mich viele Jahre lang sehr fasziniert. Ich habe bereits einige Bücher und Romane über ihr Leben, ihre Liebe und die Legenden, die sich um sie ranken, gelesen. Umso gespannter war ich nun. Bei diesem Roman steht insbesondere Kleopatra als Frau, Königin, Herrscherin, Mutter und Geliebte im Mittelpunkt. Wie das Cover bereits wunderbar unterstreicht, war sie eine schöne, mächtige und starke Frau. Der Leser folgt Kleopatra von ihrer Jugend als Pharaonen-Tochter bis zu ihrem Tod. Dabei schafft es die Autorin auf sehr sinnliche und bildhafte Weise, das Ägypten, der damaligen Zeit vor dem inneren Auge entstehen zu lassen. Kleopatra Kampf mit der eigenen intriganten Familie, der Krieg gegen Bruder und Schwester und das ewige Hadern mit ihrer göttlichen Gabe sind sehr gut eingefangen. Kleopatra wirkt bei aller Macht, allem Glanz und allem Göttlichen, dennoch menschlich und fehlbar. Wir verfolgen ihren Weg, den sie mit zunehmender Brutalität und Härte geht, aber auch ihre tiefen Gefühle zu den Männern ihres Lebens. Dabei ist sowohl die Beziehung zu Caesar als auch zu Marcus Antonius sehr berührend beschrieben. Trotz des relativ überschaubaren Umfangs des Buches wird auf alle wesentlichen Stationen ihres Lebens eingegangen. Neu war mir die Bedeutung Kleopatras als Heilerin, ihr Streben nach Wissen auf diesem Gebiet und ihr Wirken in der Krankenpflege. Auch die vermeintlichen Randfiguren, wie die treue Freundin und Dienerin Charmion, berühren mich sehr. Es sind vor allem, aber nicht nur die Frauen, die diesem Roman das gewisse Etwas geben. Auch Kleopatras rachsüchtige Schwester Arsinoe bekommt einen würdevollen, starken Platz in diesem Roman. Das Ende ist sehr originell und wirkt noch etwas in mir nach. Der feministische Gedanken, dass die starke, mächtige Kleopatra in jeder Frau, der Unrecht widerfahren ist, weiterlebt, war mir doch etwas zu aufgesetzt, dennoch beschäftigt mich der Gedanke, dass eine der mächtigsten Frauen der Geschichte so viel mehr ist als die Legenden, die sich um sie ranken. Ein ewiger Mythos und sterblich in den Geschichten und der Geschichte. Wer weiß schon, was wahr, erfunden, erdichtet oder gelogen ist? Neid und Missgunst prägten wohl auch oft den Blick auf eine der mächtigsten und stärksten Frauenfiguren der Geschichte. Dieses Buch ist eine betörende Reise nach Ägypten, in die Welt der Götter, der Liebe und der Fantasie.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Ein Buch mit Ecken und Kanten

Alma
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Dieser Roman ist kein leichtes oder gefälliges Buch. Er ist rau, stellenweise auch etwas schroff genauso wie die Figuren. Die Hauptfigur Alma, geboren in Triest, an der Grenze zu Slowenien, einer Stadt ...

Dieser Roman ist kein leichtes oder gefälliges Buch. Er ist rau, stellenweise auch etwas schroff genauso wie die Figuren. Die Hauptfigur Alma, geboren in Triest, an der Grenze zu Slowenien, einer Stadt zwischen Ost und West. Ich bin mir gar nicht sicher, ob der Stadtname Triest an irgendeiner Stelle erwähnt wird. Viel mehr ist die geographische Lage zwischen Ost und West ausschlaggebend für die Entwicklung, den Takt und auch, oder ganz besonders, für den Charakter ihrer Figuren. Ein sehr wichtig er Baustein der Geschichte ist die Beziehung Almas zu ihrem Vater, einem Grenzgänger im wahrsten Sinne des Wortes. Er scheint weder bei seiner Familie noch in der Ferne so richtig zu Hause zu sein. Als die politischen Verhältnisse sich ändern, findet sich Almas Vater nicht mehr zurecht. Noch schlimmer wird es nach Ausbruch des Krieges im ehemaligen Jugoslawien. Zweitwichtigste Beziehung ist die zwischen Alma und dem jungen Vili, der als Kind in ihre Familie kommt und zu dem sie zeitlebens ein sehr enges, wenn auch zwiespältiges Verhältnis hat. Ihre Jugendliebe, ihr bester Freund, vielleicht auch Seelenverwandter, auf der anderen Seite, aber auch Rivale und Gegner. Beide können nicht ohne einander aber auch nicht miteinander. Diese schwierige Beziehung zu den Männern ihres Lebens prägt auch Almas Gegenwart als Journalistin in der Hauptstadt. Aufgrund eines Erbes kommt sie nach Triest zurück und der Leser erlebt ihr Leben in Rückblenden. Dabei fällt es mir, ehrlich gesagt, etwas schwer, die zeitlichen Ebenen auseinander zu halten. Vielleicht fehlt mir hier der zeitliche, historische Kontext sowie der politische Hintergrund in ausreichender Tiefe. Das Buch setzt in diesem Punkt einiges voraus - Personen, Orte, Beziehungen werden teils nur angerissen oder in einer Randbemerkung genannt. Manche historischen Zusammenhänge lassen sich für mich so nur schwer in eine Zeitreihe bringen. Der Schreibstil ist direkt, rau und verstärkt so auch den rauen Charakter dieser besonderen Stadt zwischen Italien und Osteuropa, an der Grenze und zwischen verschiedenen Kulturen. Die sehr langen, meist recht verschachtelten Sätze, machen es zeitweise nicht leicht, dieses Buch zu lesen. Es ist aber auch kein leichtes Buch, sondern eines auf das man sich einlassen muss, das Ecken und Kanten hat und damit eine ganz besondere Atmosphäre ausstrahlt. Ich hätte mir etwas mehr Nähe zu den Figuren gewünscht, die seltsamerweise alle etwas auf Distanz bleiben. So schaut man eher als neutraler Beobachter auf das Leben von Alma, das stellvertretend für das Leben einer ganzen Generation, die in dieser Grenzregion aufgewachsen ist, steht. Als Leser lernt man sehr viel über die Geschichte Italiens, aber auch Sloweniens, Serbiens und Kroatiens. Ein eindringliches Buch.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Wer hat hier eigentlich nichts zu verbergen?

Eisnebel
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Wow, ich bin sehr positiv überrascht. Ich hatte einen kurzweiligen Thriller über ein Mädchen aus bescheidenen Verhältnissen in einer Riege steinreicher Yuppies erwartet. Doch dieser äußerst wendungsreiche ...

Wow, ich bin sehr positiv überrascht. Ich hatte einen kurzweiligen Thriller über ein Mädchen aus bescheidenen Verhältnissen in einer Riege steinreicher Yuppies erwartet. Doch dieser äußerst wendungsreiche Thriller hat noch viel mehr zu bieten. Ein junges Paar, ein luxuriöses Anwesen in atemberaubender, aber einsamer Kulisse, eine Familie voller Lügen und Intrigen. Als Theo mit ihrem Verlobten Connor bei seiner reichen Familie die Weihnachtstage verbringen will, ahnt sie nicht, dass sie sich selbst in höchste Gefahr begibt. Doch bereits kurz nach der Ankunft beginnt sie sich an Geheimnisse aus ihrer verdrängten Kindheit zu erinnern. War sie schon einmal in der Lodge und wenn ja mit wem? Wer ist die Frau mit dem roten Tuch? Wer der Mann mit dem Geweih, der sich in ihre Träume schleicht? Nach und nach lüftet Theo den Schleier, der über ihrer Kindheit liegt, dabei kommen nicht nur die Geheimnisse der Familie ans Licht sondern auch das, was Theo selbst verbergen will. Der Schreibstil ist durch die wiederkehrenden Perspektivwechsel zwischen der erwachsenen und der kindlichen Theo sehr kurzweilig und packend. Die Figuren bis auf die Hauptpersonen wenig sympathisch. Jeder hat etwas zu verbergen. Besser man rührt nicht an der Vergangenheit. Eine düstere Atmosphäre, eiskalte Stimmung und Lügen hinter der feinen Fassade machen dieses Thriller zu einem sehr gelungenen Lesevergnügen. Das Cover ist nicht besonders auffällig, passt aber zu Handlung. Der Farbschnitt ist nicht mein Geschmack, aber recht dezent, so dass ich darüber hinwegsehen kann. Mich hat die Autorin überzeugt, ich hoffe es kommt ein weiterer Thriller aus ihrer Feder.

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Von Glück und Unglück, Liebe und Freundschaft

Villa Rivolta
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Daniel Speck entführt den Leser in seinem neuen Roman ins Italien der 50er, 60er und 70er Jahre. Eine Zeit des Aufbruchs, des Aufschwungs nach dem Krieg, technischer Innovationen und modernen Designs. ...

Daniel Speck entführt den Leser in seinem neuen Roman ins Italien der 50er, 60er und 70er Jahre. Eine Zeit des Aufbruchs, des Aufschwungs nach dem Krieg, technischer Innovationen und modernen Designs. Im Mittelpunkt steht die Familie Rivolta, die sich vom Kühlschrankbauer zur Luxus-Automobil-Fabrik wandelt. Das mondäne Leben zwischen ehrwürdiger Villa, schnellen Autos und luxuriösem Lifestyle ist aber ohne wirtschaftlichen Instinkt und unternehmerischer Verantwortung nicht machbar. Und es braucht die nötige Prise Glück - fortunata. Durch die Augen der jungen Valeria, Tochter der Haushälterin der Rivoltas, erlebt der Leser diese bewegten Jahre Italiens. Valeria freundet sich mit dem Sohn des Hauses, Piero, an. Beide wird eine lebenslange Freundschaft verbinden. Doch für Valeria ist Piero der Mann ihres Lebens, das Zentrum ihres Glücks. Das verstellt ihr oft den Blick und den Mut ihr Leben frei zu gestalten. Diese besondere Beziehung der beiden Protagonisten, deren unterschiedliche Herkunft ihrer Freundschaft nichts anhaben kann, hat mich zunächst etwas verwirrt. Ich hätte mir eine richtige Liebesgeschichte zwischen beiden gewünscht, doch letztlich steht ihre Freundschaft, vielleicht gerade deshalb, im Mittelpunkt. Insbesondere Valeria in ihrer Zerrissenheit, ihrem Streben nach Selbstständigkeit und Individualität berührt mich sehr. Sie ist Freundin, Liebende, Mutter und Tochter und muss allen Rollen gerecht werden. Eine starke Frau, sicher nicht einfach in dieser doch noch sehr konservativen Zeit. Auch die vermeintlichen Randfiguren sind sehr schön gezeichnet und haben Profil. Valeria einsame Mutter, der liebevolle Antonio, der selbst eine ganze Familie wettmacht, die schöne und intelligente Lele - Pieros große Liebe. Und auch die beiden Männer in Valerias Leben könnten unterschiedlicher nicht sein. Denn wo Licht ist, ist auch Schatten. Fortunata und Sfortunata sind zwei Seiten einer Medaille. Während die einen vom Glück gesegnet sind, kommen die anderen nicht aus ihren Zwängen und der Enge des Lebens, in das sie hineingeboren sind. Doch ist es wirklich so einfach? Dieses Wechselspiel zwischen Glück und Unglück ist mir schon in anderen Romanen des Autors aufgefallen und wirkt lange in mir nach. Können wir unser Schicksal ändern und unser Glück selbst in die Hand nehmen? Ein tolles Buch insbesondere, aber nicht nur für Italienfans. Besonders schön finde ich auch, dass einige leibgewordene Figuren aus Bella Germania wieder auftauchen. Die Handlung ließe noch Möglichkeiten, sie weiterzuerzählen. Vielleicht gibt es noch einen Nachfolger?

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Interessant geschrieben, doch die Figuren bleiben mir fremd

Lichtspiel
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Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut, mein erstes von Daniel Kehlmann. Das Thema hat mich sofort gepackt. Ein berühmter Regisseur im dritten Reich, der denkt, er ist davor gefeit, in die Fänge von ...

Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut, mein erstes von Daniel Kehlmann. Das Thema hat mich sofort gepackt. Ein berühmter Regisseur im dritten Reich, der denkt, er ist davor gefeit, in die Fänge von Propaganda zu geraten und doch scheitert. Von G.W.Pabst hatte ich schon gehört, aber kenne seine Biografie nicht. Der Leser begegnet ihm hier kurz nach seinem Erfolgshöhepunkt. Er ist in die USA geflohen, spricht kaum Englisch und scheitert mit seinem ersten Film gnadenlos. Im Haifischbecken der Filmbranche gibt es keine zweite Chance. Pabst bekommt keinen Fuß mehr auf den Boden und verlässt Hollywood zähneknirschend wieder. Seine kranke Mutter ruft ihn zurück nach Österreich, ein Weg ins Verderben. Kurz nachdem er zuhause angekommen ist, bricht der Krieg aus und es gibt kein zurück. So hängen Pabst und seine Familie im Keller ihres Schlosses fest, vertrieben vom Hausmeister, der die neuen Machtverhältnisse nutzt und die Rollen verkehrt. Dieser Teil ist sehr spannend, wenn auch die Figuren der Hausmeister-Familie durchweg etwas seltsam anmuten. Nach und nach gerät der Regisseur in die Fänge der Filmpropaganda, erst unter Druck und dann fügt er sich, schaut weg, arrangiert sich, hinterfragt nicht und dreht ein Meisterwerk nach dem anderen. Eine tragische Figur ist seine Frau, die nach und nach verblasst. Immer wieder wird die Perspektive gewechselt. Mal der Sohn, mal ein britischer Schriftsteller in Gefangenschaft, mal ein Kameramann und und und. Das sorgt für Abwechslung, überfordert mich aber von Zeit zu Zeit. Es gibt viele Randfiguren, Schauspieler, Drehbuchautoren, schöne Frauen und finstere Gestalten. Der komplexe Schreibstil fordert den Leser zeitweise, ist aber auch wieder sehr eindringlich. Leider bleiben mir die Figuren seltsam fremd. Ich dringe nicht zu ihnen vor, bleibe auf Distanz. Lediglich der Kameramann Franz, dessen Perspektive den Rahmen der Geschichte bildet, ist für mich greifbar und berührt mich sehr. Sein Blick auf den nicht fertiggestellten Film Pabsts, bewegt mich und regt zum Nachdenken an. Er wurde nie gedreht! Kann man etwas ungeschehen machen, wenn man nur selbst stark genug daran glaubt? Die Filmrollen verschollen oder zumindest fast. Diese Drehzeit in Prag, die Manie des Regisseurs, die Situation der Statisten und beklemmende Situation ist so gut beschrieben, dass man sich beinahe vor Ort glaubt und dem Meister beim Schneiden über die Schulter schaut. Dieser Teil ist für mich der stärkste im ganzen Buch. Dennoch kann ich die Begeisterungsstürme nicht ganz teilen. Ein eindringliches Buch über ein wichtiges Thema, bei dem ich aber leider zu sehr auf Distanz bleibe.

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