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Cleopatra0103

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.10.2025

Berührende Spurensuche

Die Postkarte
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Dieses Buch von Anne Berest ist ein wahrer Schatz. Es stand etwas länger in meinem Regal, bevor ich es jetzt in die Hand genommen habe. Ich kannte die Autorin von dem Paris-Buch „How to be parisian whereever ...

Dieses Buch von Anne Berest ist ein wahrer Schatz. Es stand etwas länger in meinem Regal, bevor ich es jetzt in die Hand genommen habe. Ich kannte die Autorin von dem Paris-Buch „How to be parisian whereever you are“. Einen so bewegenden Roman hätte ich nicht erwartet. Die Geschichte von Myriam, Noemie, Jacques, Emma und Ephraim berührt mich sehr. Ich habe schon viele Bücher über das Dritte Reich und die Judenverfolgung gelesen. Dieses aber wird mich sicherlich noch länger beschäftigen. Vor allem weil der alltägliche Antisemitismus im heutigen Frankreich auch immer wieder angesprochen wird. Es sind die kleinen Dinge, die gestern wie heute Menschen ausgrenzen und zu Fremden machen. Der Schreibstil ist sehr elegant, fast sachlich dennoch bildhaft und emotional. Anne Berest gelingt es, die Figuren so zu zeichnen, dass sie facettenreich sind, sympathisch, manchmal auch ambivalent. Dabei folgt der Leser der Familie von Russland über Riga nach Palästina und letztlich nach Frankreich, in die Hauptstadt Paris. Nirgendwo kommen sie so richtig an. Sie sehen das drohende Unheil nicht oder können es schier nicht begreifen. Sie bleiben fremd, werden ausgegrenzt, schließlich verfolgt und ermordet. Myriam ist die einzige Überlebende und muss mit dieser Last erst einmal fertig werden und den Verlust ihrer Familie verkraften. Besonders berührt hat mich dabei die Schilderung der Rückkehr der Deportierten im Hotel Lutetia nach Kriegsende. Die Verzweiflung auf beiden Seiten. Die Zurückgekehrten, denen alle Worte fehlen und diejenigen, die auf ihre Familie, auf ihre Lieben warten. Der Drang, etwas zu erfahren und die Angst vor der Gewissheit, all diese Emotionen bringt die Autorin eindringlich in ihrer Geschichte zur Geltung. Und es ist tatsächlich ihre eigene Familiengeschichte, der der Leser hier folgt. Sie nimmt uns mit auf die Spurensuche nach dem Verfasser einer geheimnisvollen Postkarte, fast wie in einem Krimi. Manche Stellen sind schwer auszuhalten. Andere lesen sich leicht und sind voller Esprit. Eine absolute Leseempfehlung für ein Buch, das sich mit der Geschichte und der Vergangenheit beschäftigt, aber sehr aktuell und zeitgemäß ist.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Das Grauen durch die Augen eines Kindes

Der Junge im gestreiften Pyjama
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Dieses Buch gehört zu den eindringlichsten, bewegendsten und traurigsten, die ich je gelesen habe. Mir fehlen beinahe die Worte, um meine Gefühle nach dem Lesen zu beschreiben. Obwohl man als Leser ahnt, ...

Dieses Buch gehört zu den eindringlichsten, bewegendsten und traurigsten, die ich je gelesen habe. Mir fehlen beinahe die Worte, um meine Gefühle nach dem Lesen zu beschreiben. Obwohl man als Leser ahnt, auf was die Erkundung des kleinen Bruno letztlich hinaus läuft, ist man geschockt. Die ungleiche Freundschaft zwischen den gleichaltrigen Jungen auf beiden Seiten des Zaunes ist so berührend, so nahbar geschrieben, dass man sich als stiller Dritter am Zaun fühlt. Bruno schildert seine Eindrücke so ungefiltert und naiv, dass es fast zum Schmunzeln wäre, wäre da nicht dieser Ort, dieses Verbrechen, dieser Schmerz. Die Fragen eines Kindes, der noch nichts von Hass und Grausamkeiten weiß und für den der Umzug vom 5-Etagen-Haus in Berlin ins nur drei Stockwerke bietende Haus in Aus-Wisch das schlimmste ist, was ihm im Leben widerfahren konnte. Das Grauen ist in diesem schmalen Buch auf jeder Seite präsent, es umklammert den Leser und atemlos hofft man auf ein gutes Ende. Und weiß doch, dass es in dieser Geschichte kein gutes Ende geben wird und kann. Ein Buch, das sprachlos macht und das jeder gelesen haben sollte.

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Eiskalte Spannung

Lügennebel
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Lügennebel ist das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe. Und ich muss sagen, die 505 Seiten haben mich nicht enttäuscht. Eine Gruppe Freunde verbringt einige Tage in einem Wochenendhaus in ...

Lügennebel ist das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe. Und ich muss sagen, die 505 Seiten haben mich nicht enttäuscht. Eine Gruppe Freunde verbringt einige Tage in einem Wochenendhaus in den verschneiten Bergen. Schon kurz nach der Ankunft eskalieren die Ereignisse und eines der Mädchen ist tot. In zähen Befragungen legen Hanna und Daniel Schicht um Schicht offen, doch die Tat bleibt weiter wie im Nebel. Jeder der Freunde scheint etwas zu verbergen zu haben. Außerdem sind der Nachbar und der Hausmeister auffällig. Die Ermittler stochern im Nebel. Die Figuren sind sehr gut beschrieben. Einige bleiben aber etwas blass. Amir bleibt mir zum Beispiel bis zum Schluss fremd, wirkt wie ein Fremdkörper. Der Schreibstil und die kurzen, knackigen Kapitel gefallen mir. Die Ermittler sind auch sympathisch. Ein bisschen auffällig ist, dass jeder ein privates Problem mit sich herum trägt. Etwas schade finde ich, dass man schon so viel über das Privatleben aus den vorherigen Bänden erfährt. Das mindert etwas die Spannung, diese nun nachträglich zu lesen. Aber alles in allem ein sehr lesenswerter Krimi, der Lust auf kalte Winterabende macht.

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Veröffentlicht am 24.09.2025

Macht Lust auf Wein ohne Stress

Simply Wine
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Der Wein-Ratgeber Simply Wine macht Lust, sich mit dem Thema Wein, aber auch Weinbau, Kulinarik, Terroir und und und zu beschäftigen. In kurzweiligen Kapiteln beantwortet der Autor Fragen rund um die Traube ...

Der Wein-Ratgeber Simply Wine macht Lust, sich mit dem Thema Wein, aber auch Weinbau, Kulinarik, Terroir und und und zu beschäftigen. In kurzweiligen Kapiteln beantwortet der Autor Fragen rund um die Traube und den Wein. Dabei richtet er sich vor allem an Einsteiger, gibt Tipps zur Weinbegleitung von Speisen und zum Weinkauf. Auch das Thema Weinbestellen im Restaurant kommt nicht zu kurz. Mit Vorurteilen wird aufgeräumt, scheu und Stress abgebaut. Der lockere Schreibstil auf Augenhöhe sorgt für eine angenehme Nähe und wirkt nie belehrend. Dennoch hält das Buch viel Lehrreiches bereit. Wer sich für Weinregionen der Welt und die wichtigsten Rebsorten interessiert, wird ebenfalls nicht enttäuscht. Ein wirklich gelungener Ratgeber zum schönen und kurzweiligen Thema Wein. Sicher nichts für Fortgeschrittene, aber für die, die ohne Stress ins Thema einsteigen wollen.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Wenn die Wohnung zur Falle wird

Der Tower
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Es beginnt fast ein bisschen wie bei Aschenputtel: das arme Mädchen verliert ihren Job und ihre Wohnung und kurz bevor sie auf der Straße sitzt, gewinnt sie ein Jahr kostenloses Wohnen in einem Luxusappartement ...

Es beginnt fast ein bisschen wie bei Aschenputtel: das arme Mädchen verliert ihren Job und ihre Wohnung und kurz bevor sie auf der Straße sitzt, gewinnt sie ein Jahr kostenloses Wohnen in einem Luxusappartement der Extraklasse. Was wie ein Traum klingt, wird schnell zur Falle. Obwohl der Beginn des Klappentextes mich entfernt an einen Ballermann-Song erinnert, habe ich zum Buch gegriffen. Das erste Buch des Autors hat mich begeistert, vom zweiten war ich enttäuscht. Dann habe ich einmal ausgesetzt, um es jetzt erneut zu versuchen. Dieses Mal überzeugt die Spannung wieder. Der packende Schreibstil und die kurzen Kapitel sorgen für Spannung und ich fliege regelrecht durch die Seiten. Dennoch springt der Funke nicht ganz über. Ob es an den Nachbarn liegt, die ich alle überaus seltsam und sehr schablonenhaft finde? Oder an Nova selbst, die mir auch noch nach den ersten Bedenken lange Zeit recht naiv erscheint? Trotz KI mit Abhörfunktion legt sie ihre Ängste und Fluchtpläne wiederholt ausschweifend in ihre Wohnung dar? Am liebsten hätte ich sie geschüttelt. Oder liegt es an der etwas konstruierten Auflösung, die doch ein wenig plump daher kommt? Ich weiß es nicht. Alles in allem ein wendungsreicher Thriller, aber nichts was mir lange im Kopf bleibt.

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