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Veröffentlicht am 01.06.2021

Liebeskummer auf Norderney

Pension Herzschmerz
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Nachdem Louise den gemeinsamen Pärchenabend mit Partner Nils abbrechen muss, um ihre Freundin Anna zu unterstützen, da diese von ihrem Freund betrogen wurde und spontan aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen ...

Nachdem Louise den gemeinsamen Pärchenabend mit Partner Nils abbrechen muss, um ihre Freundin Anna zu unterstützen, da diese von ihrem Freund betrogen wurde und spontan aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen muss, hängt der Haussegen schief. Als Lou dann auch noch mit Anna ein paar Tage nach Norderney reisen möchte, um ihrer Freundin Kim auszuhelfen, die sich den Fuß gebrochen hat, stellt Nils sie vor die Wahl: Er oder ihre Freundinnen. Kurzerhand reist Lou daraufhin mit Anna nach Norderney. Vor Ort stellen sie überrascht fest, dass auch Kim an einem gebrochenen Herzen leidet. Gemeinsam versuchen sie, sich gegenseitig über ihren Liebeskummer hinwegzuhelfen. Dabei entsteht der spontane Plan, gemeinsam auf Norderney eine Pension „Herzschmerz“ zu eröffnen und Mitleidenden eine Perspektive zu geben. Die drei Freundinnen sind Feuer und Flamme und stürzen sich in die Bewerbung auf die in der Nähe befindliche Pension, die schon bald zur Vermietung frei werden soll…

„Pension Herzschmerz“ ist ein netter, seichter Sommerroman, der auf Norderney spielt. Die Protagonistinnen Lou, Anna und Kim sind beste Freundinnen und hauptsächlich spielt sich die Geschichte in Dialogen zwischen den Freundinnen ab. Die Dialoge bleiben dabei jedoch meist oberflächlich und somit fehlte es mir inhaltlich insgesamt leider an Tiefgang. Der Sprachstil bleibt dabei stets sehr leicht und locker, wodurch die Seiten nur so dahinfliegen. Die Handlung plätschert jedoch nur nach und nach vor sich hin.

Obwohl die Protagonistinnen sehr überstürzt beschließen, eine Pension gemeinsam auf Norderney eröffnen zu wollen, folgt daraufhin keine tüchtige Geschäftigkeit. Mir als Leserin erschloss sich leider nicht, weshalb die Protagonistinnen nur in der Fantasie eine Pension „planen“ und keine ernsthafteren, konkreteren Pläne erstellen. Auch Finanzielles schien überhaupt kein Thema zu sein. Dabei sind die 3 Freundinnen nicht wohlhabend und auf ihre derzeitigen Jobs sehr angewiesen. Die Protagonistinnen stürzen sich mit einer Blauäugigkeit und Naivität in Traumvorstellungen, dass ich sie für deutlich jünger als beschrieben gehalten habe. Dieser Widerspruch blieb bei mir leider bis zum Ende bestehen. Darüber hinaus tingeln die 3 meist entspannt als Feriengäste über die Insel, was diesen Widerspruch noch verstärkte und mich irritierte. Zumal Lou und Anna angereist waren, um Kim zu ihren Fußpflegeterminen zu bringen – dies geschieht aber nur selten. Wie Kim davon ihre Existenz sichern möchte, war mir stets unklar. Leider konnte sich aus Ermangelung umfassender Landschaftsbeschreibungen, sondern vermehrt inhaltsloser heiler Welt- Dialoge auch ein Urlaubsgefühl nicht so richtig bei mir einstellen.

Die beginnende Liaison zwischen Lou und dem Bürgermeister war vom Klappentext her bereits zu erwarten. Im Verlauf der Geschichte war ich jedoch überrascht, als Lou plötzlich verkündete, sie habe sich in ihn verliebt. Das ist an mir leider vorbeigegangen. In die Gedankenwelt der Protagonistinnen wurde ich als Leserin leider zu wenig einbezogen. Dies habe ich ferner in Bezug auf Lous Trauma der Vergangenheit empfunden. Ihre emotionale Aufarbeitung hat nebenher stattgefunden bzw. wurde am Rande erwähnt, ohne den Leser einzubinden.

Auch Spannung und primär das Lesefieber, unbedingt weiterlesen zu wollen, blieb bei mir leider aus. Ich musste das Buch in mehreren Anläufen lesen. Schade! Denn in der Grundidee steckt viel Potential.

Zusammenfassend handelt es sich um eine seichte, nette Lektüre für Zwischendurch. In den Bann gezogen oder in eine entspannte Urlaubsstimmung versetzt hat sie mich leider nicht.

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Veröffentlicht am 22.05.2021

Wenn einen die Vergangenheit einholt...

Lange Schatten über der Côte d'Azur
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Kommissar Duvals neuer Mordfall führt ihn auf den Friedhof „Le Grand Jas“ in Cannes. Ein junger Mann ist auf einer Gedenkstätte für jüdische Verfolgte des zweiten Weltkrieges erschlagen worden. Schon bald ...

Kommissar Duvals neuer Mordfall führt ihn auf den Friedhof „Le Grand Jas“ in Cannes. Ein junger Mann ist auf einer Gedenkstätte für jüdische Verfolgte des zweiten Weltkrieges erschlagen worden. Schon bald führen die Spuren in die düstere Vergangenheit der Franzosen während der deutschen Besatzung, die Duvals Vorgesetzten strikt verleugnen. Kommissar Duval muss damit nicht nur gegen einen Mörder mit möglicherweise antisemitischem Motiv, sondern auch entgegen dem Willen seiner Vorgesetzten ermitteln.

„Lange Schatten über der Cote d’Azur“ ist bereits der 8. Fall der Reihe um Kommissar Duval, der in Cannes und Umgebung ermittelt. Da ich ein Fan der Reihe bin, kenne ich alle Fälle und habe sie auch in der richtigen Reihenfolge gelesen. Ich persönlich mag es sehr, die Entwicklung des Privatlebens des Kommissars und seine Eigenarten über die verschiedenen Bücher hinweg zu erfahren. Dies ist aber keine Grundvoraussetzung, um den neuesten Fall zu lesen. Es kann jedoch sein, dass einem hierdurch in den zwischenmenschlichen Begegnungen von Kommissar Duval und seiner Partnerin Annie Hintergrundwissen fehlt. Für den Mordfall selbst benötigt man keine Vorkenntnisse.

Die Krimis von Christine Cazon sind meist mit Hintergrundwissen und gut recherchierten geschichtlichen Fakten zum jeweiligen Mordfall gespickt und werden in den jüngsten Geschichten überwiegend von Annie vermittelt. So auch in diesem. Hierbei handelt es sich in diesem um die Beteiligung der Franzosen an den Judendeportationen während des Zweiten Weltkrieges, ein finsteres Kapitel auch in Frankreich. Da ich bislang wenig über die Begebenheiten der französischen Verhältnisse entlang der Cote d’Azur im Zweiten Weltkrieg wusste, war der Kriminalroman für mich sehr informativ und spannend. Zugleich erschrecken einen die Informationen immer wieder aufs Neue und ich bin der Meinung, über diese Zeit kann man nie genug wissen. Dass eben auch Franzosen im Vichy-Regime vor der Besetzung durch die Deutschen an der Judendeportation beteiligt waren, ist in diesem Buch anhand der Geschichte rund um den Zeitzeugen Jakob Silberstern sehr eindrücklich beschrieben worden. Durch diese im Vordergrund stehende Hintergrundgeschichte, die ich als sehr fesselnd und emotional empfunden habe, kommt diesmal der kriminalistische Anteil in diesem neuen Mordfall jedoch ein bisschen kurz. Wer einen rasanten, dramatischen Kriminalroman sucht, ist hier falsch. Frau Cazon schafft es mit ihrem unaufgeregten, entspannten Schreibstil eine interessante und faszinierende, wenngleich auch erschreckende und emotionale Geschichte darzustellen, bei der in diesem Band Fakten zur Judendeportation an der Cote d’Azur aufgearbeitet werden und Kommissar Duvals private, familiäre Ereignisse im Vordergrund stehen. Ich persönlich habe den Kriminalroman sehr genossen, da er unter seinesgleichen mit seiner Art unverwechselbar ist. Auch bin ich positiv überrascht von den vielen Einblicken in Duvals Privatleben, die in seinen Vorgängern oft weniger Raum eingenommen hatten. Zudem gefällt es mir, dass Kommissar Duval und seine Mordfälle sich von Roman zu Roman verändern, voneinander deutlich unterscheiden und stets weiterentwickeln. Ich freue mich schon auf Band 9!

Fazit: Ein packender, berührender und sehr lesenswerter Kriminalroman, der mit seinem unaufgeregten Sprachduktus trotz kontinuierlichem Spannungsbogen für Entspannung sorgt. Im Vordergrund steht dabei mehr eine sehr aufwühlende und spannende Geschichte rund um einen jüdischen Zeitzeugen im Zweiten Weltkrieg als ein rasanter Kriminalfall.

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Veröffentlicht am 10.05.2021

Einfach gestrickte Unterhaltung für Zwischendurch

Something Pure
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Die 22-Jährige Alice ist sowohl privat als auch beruflich in ihrem Leben noch nicht angekommen und zweifelt aufgrund schlechter Erfahrungen an der wahren Liebe. Sie arbeitet in Kalifornien als Kellnerin ...

Die 22-Jährige Alice ist sowohl privat als auch beruflich in ihrem Leben noch nicht angekommen und zweifelt aufgrund schlechter Erfahrungen an der wahren Liebe. Sie arbeitet in Kalifornien als Kellnerin in einer Bar, da sie nach Abschluss ihres Studiums Englischer Literatur noch nicht weiß, wohin sie sich beruflich entwickeln möchte. Als der Hilfskellner Beck in der Bar auftaucht, entsteht zwischen den beiden sofort eine Verbindung. Während sich erste Gefühle entwickeln, erfährt Beck, dass sein Vater an einem Herzinfarkt verstorben ist. Spontan bittet er Alice, ihn in seine Heimat zu begleiten. Nach kurzem Zögern folgt Alice ihm kurzerhand nach Denver und stellt fest, dass Beck ein Milliardär ist und nun als Teilhaber das Familienunternehmen zu leiten hat. Zudem gehört seine Familie zur High Society von Denver, welche von Alice, einer „Normalsterblichen“, jedoch so überhaupt nicht begeistert ist. Alice und Beck müssen fortan zusehen, dass sie ihre zart aufkeimende Liebe vor Intrigen und Machtkämpfen nicht nur bewahren, sondern auch weiter ausbauen können, um die Chance auf eine gemeinsame Zukunft zu haben.

„Something pure“ ist der neue Liebesroman von Kylie Scott. Zu Beginn versprüht die Geschichte mit der aufkeimenden Liebesromanze von Alice und Beck nur so vor Charme, Humor und Spritzigkeit. Beide Protagonisten sind mir unglaublich sympathisch und liefern sich ein amüsantes Wortgefecht nach dem nächsten. Als Beck schon nach kurzer Zeit zu seiner Familie zurückkehrt, da sein Vater verstorben ist und er die Erbfolge antreten muss/möchte, verliert der Roman für mich jedoch zunehmend an Charme, Inhalt und Spannung.

Beck kehrt – obwohl er einen Disput mit seiner Familie und der Welt des Scheins den Rücken gekehrt hatte – ohne Widerstand in die Familiendynastie zurück und fügt sich nahtlos in seine Rolle ein. Auch den Reichtum nimmt er für selbstverständlich. Nachdem er ein halbes Jahr lang sein Leben hinterfragt und sich von seiner Familie gelöst hatte, habe ich da nicht nur deutlich mehr Widerstand, sondern auch weiteres Aufbegehren gegen den schönen Schein erwartet. Seine Persönlichkeit wirkte auf mich wie ausgewechselt. Der lebensfrohe und positive Beck wird zunehmend dominant, herrisch und erzwingt auch gerne seine Ziele. Die Figur Alice ist mir eigentlich immer sehr sympathisch gewesen, insbesondere mit ihren sarkastischen direkten Antworten. Sie hat gute Werte und ein gutes Herz, was sie in vielen Situationen zur Schau stellt. Zudem lässt sie sich grundsätzlich nicht kleinreden und gibt der Familie kontra. Sie scheint auch ihren Weg zu finden, mit der Welt der Reichen umzugehen und darin zu leben und zu arbeiten, dennoch fügt sich Alice zum Ende für meinen Geschmack letztendlich zu sehr in die Welt der Reichen und Schönen ein. Zudem vergöttert sie Beck geradezu, was ich an vielen Stellen nicht nachvollziehen konnte. Sie gibt ihm zwar immer wieder Widerworte und gemeinsam stellen sie sich auch gegen die intrigante Großmutter Catherine, aber das Ganze wirkte eher halbherzig und unausgereift. Die angekündigten Lügen und Intrigen waren in meinen Augen so harmlos, dass Alice daraus mehr Drama macht als eigentlich erforderlich oder auch realistisch gewesen wäre. Dem Paar werden zwar immer wieder kleinere Steine in den Weg gelegt, wirklich arg ist dabei aber nichts. Der „große“ Streit zum Ende hin fußt letztendlich auf einer Lüge, durch die sich Alice zwar verständlicherweise hintergangen fühlt, die in meinen Augen aber so harmlos und „1. Weltproblemen“ entspricht, dass ihr Disput mit Beck mehr wirkt wie viel Lärm um nichts. Das Drama konnte ich überhaupt nicht nachempfinden und es wirkte eher so als ob Pseudoprobleme aufgebauscht werden. Die Geschichte bleibt damit für mich viel zu flach, simpel und oberflächlich – große Gefühle kamen bei mir leider nicht auf. Auch einen Spannungsbogen konnte ich in diesem Sinne leider nicht erkennen.

Gut gefallen hat mir die Wiedervereinigung von Beck und seinen Geschwistern, was nicht zuletzt auch Alice‘ direkter und warmherziger Art zu verdanken ist. Gemeinsam klüngeln sie sich zusammen und bilden einen angenehmen Familienkern, der sich gegen die intrigante Großmutter behaupten möchte. Zu viel des Guten war zuletzt jedoch noch ein Heiratsantrag seitens Beck, sein materialistischer Lösungsweg, um Alice zurückzugewinnen, und der nahezu friedlichen Aussöhnung mit der Großmutter Catherine. Das war mir insgesamt einfach zu viel Ringelpiez mit Anfassen. Da habe ich mir nach der begeisternden Leseprobe wohl einfach zu viel erhofft.

Auch der zu Beginn so humorvolle und lockere Sprachstil wirkte auf Dauer auf mich zunehmend vulgär und derb. Dennoch ließ sich das Buch in einem Rutsch lesen. Durch den derben Sprachstil fehlten mir in den zwischenmenschlichen Begegnungen von Beck und Alice leider die sanften zarten Zwischentöne, auch in den Dialogen. Alles wirkte sehr animalisch und herrisch, was auch spannend sein kann, da hat mir aber deutlich die Abwechslung gefehlt.

Fazit: Erwartet habe ich große Gefühle rund um ein modernes Drama zwischen einem reichen Erben, der sich gegen die Welt des Scheins auflehnt, und einer sympathischen Normalsterblichen, die sich gegen Lügen und Intrigen behaupten muss. Erhofft hatte ich mir, mitzuleiden, mitzuweinen und mitzuschmachten - leider wurden meine Erwartungen nicht erfüllt, denn die Geschichte blieb insgesamt eher oberflächlich und wirkte in Bezug auf Lügen und Intrigen harmlos und eher unausgegoren auf mich. Nichtsdestotrotz lässt sich der Roman insgesamt leicht lesen und bietet einfach gestrickte, seichte Unterhaltung für Zwischendurch.

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Veröffentlicht am 28.04.2021

Von einem Land, das ins Koma fiel

Der ehemalige Sohn
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Eigentlich sollte der junge Franzisk Cello üben fürs Konservatorium, doch lieber genießt er das Leben in Minsk. Auf dem Weg zu einem Rockkonzert verunfallt er schwer und fällt ins Koma. Alle, seine Eltern, ...

Eigentlich sollte der junge Franzisk Cello üben fürs Konservatorium, doch lieber genießt er das Leben in Minsk. Auf dem Weg zu einem Rockkonzert verunfallt er schwer und fällt ins Koma. Alle, seine Eltern, seine Freundin, die Ärzte, geben ihn auf. Nur seine Großmutter ist überzeugt, dass er eines Tages wieder die Augen öffnen wird. Und nach einem Jahrzehnt geschieht das auch. Aber Zisk erwacht in einem Land, das in der Zeit eingefroren scheint.

„Der ehemalige Sohn“ ist ein Roman von Sebastian Filipenko über das Leben der Belarussen unter dem aktuell herrschenden politischen Regime. Die Geschichte rund um den jungen Franzisk steht dabei sinnbildlich für die Ohnmacht und Schockstarre eines diktatorisch geführten Landes.

Im Zentrum stehen dabei die verschiedenen Charaktere, die als Stellvertreter ihrer jeweiligen Gruppe (z.B. Opportunisten, Mitläufer, Opposition, Resignierte etc.) ein Abbild der Gesellschaft zeichnen. Hierdurch steht die jeweilige Rolle der Figur und nicht ihre individuelle Persönlichkeit im Vordergrund, was Distanz beim Leser hervorruft. Dennoch habe ich mit einzelnen Charakteren intensiv mitleiden oder mich auch in viele Handlungen hineinversetzen können. Hauptaugenmerk liegt jedoch stets beim politischen Hintergrund.

Der Roman ist gespickt von Schicksalsschlägen, erschreckenden Ereignissen, genauso wie lähmender Furcht, Schockstarre und seltenen Glücksgefühlen. Ich habe die Geschichte daher als anrührend, eindrucksvoll, erschreckend, interessant und spannend empfunden. An vielen Stellen lässt der Autor zudem Interpretationsspielraum, so auch bei seinem offenen Ende, was mir sehr gut gefallen hat.

Der Sprachstil ist teilweise eher brachial und wirkt etwas brüchig, woran ich mich zunächst gewöhnen musste. Ferner werden einzelne Situationen mit einer Wortgewalt bildhaft und eindrücklich geschildert. Darüber hinaus herrscht das Mitteilen der Figuren über Monologe vor. Anhand wiederholt überspitzter Darstellungen der Ereignisse und sarkastischer Einwürfe entsteht trotz schwerwiegender Thematik und grausamer Schicksalsschläge immer wieder eine spritzige Leichtigkeit. Das Buch las sich für mich wie von selbst und die Seiten flogen nur so dahin.

Die Kombination aus Roman und Aufarbeiten politischer Ereignisse im Kontext eines bis dato diktatorisch geführten Regimes und dessen Auswirkungen auf die Menschen empfand ich als unglaublich interessant und sehr gelungen. Reizvoll ist dies sicherlich insbesondere für diejenigen, die sich mit dieser Thematik bisher noch nicht intensiv auseinandergesetzt haben. Andernfalls könnte der Roman als redundant oder mit zu wenig Tiefgang empfunden werden. Grundlegend für das Verständnis sind für mich die Anmerkungen der Übersetzerin am Ende des Buches gewesen, die vorab gelesen werden sollten.

Fazit: Es handelt sich hierbei um einen bewegenden Roman, der die politische Lage in Belarus sehr gut verarbeitet und dennoch erstaunlich leicht zu lesen ist. Er gewährt einen Einblick in eine fremde Welt, bei dem die erschreckende Realität in eine anrührende Geschichte und Fakten in spitzfindigen, fast sarkastischen Humor verpackt werden.

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Veröffentlicht am 23.04.2021

Ein nettes Märchen für Zwischendurch

The Crown Between Us. Royales Geheimnis (Die »Crown«-Dilogie 1)
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Die 18-Jährige Schülerin Alpha wird von ihrem Stiefvater nach einem Einbruchversuch in die Obhut ihrer Großmutter genommen und auf das Eliteinternat Westby in Antira geschickt. Dort findet sie sich plötzlich ...

Die 18-Jährige Schülerin Alpha wird von ihrem Stiefvater nach einem Einbruchversuch in die Obhut ihrer Großmutter genommen und auf das Eliteinternat Westby in Antira geschickt. Dort findet sie sich plötzlich in einer Welt aus Lügen, Intrigen und Arroganz wieder, in der sie am liebsten als graue Maus untergehen würde. Stattdessen steht sie von Beginn an im Fokus der Aufmerksamkeit, denn nicht nur Nate, der Prinz von Antira, sondern auch sein Cousin Aaron scheinen ein Auge auf sie geworfen zu haben. Doch während Alpha zwischen den Stühlen sitzt, kommt ihr der Verdacht, dass es sich dabei möglicherweise nicht um das Interesse an ihrer Person selbst geht, sondern um ein größeres Geheimnis, dem sie nach und nach auf die Spur kommt. Schon bald befindet sie sich in Lebensgefahr und kann sich nicht mehr sicher sein, wer gut oder böse ist…

„The Crown between us“ ist Teil 1 einer Dilogie von Ada Bailey. Es handelt sich dabei um einen New Adult Roman - einer romantischen Geschichte mit royalem Bezug. Obwohl dies auch zutrifft, bin ich doch etwas enttäuscht. Ich glaube, ich habe mir einfach zu viel erhofft:

Die Zielgruppe ist noch einmal deutlich jünger als ich erwartet habe, was sich in der Geschichte, vor allem aber im Sprachstil widerspiegelt. Dieser ist zwar flüssig, aber auch sehr jugendlich. Die Protagonistin Alpha hat ein freches Mundwerk und spricht aus, was sie denkt. Das hat mir sehr gut gefallen und mich das ein oder andere Mal zum Schmunzeln gebracht. Die Beschreibungen der Umgebung und der Charaktere sowie die Dialoge sind aber insgesamt eher einfach gehalten. Die Geschichte lässt sich hierdurch schnell lesen, es mangelt dadurch jedoch an Tiefe und der Funke ist auf mich nicht so übergesprungen. Ferner wurden hin und wieder Binsenweisheiten eingestreut, die für meinen Geschmack deplatziert wirkten und besser hätten gesetzt werden können, um auf mich Wirkung zu erzielen. Das herzerwärmende „Aww-Gefühl“ hat sich bei mir leider nicht eingestellt.

Die Handlung wirkt zunächst etwas unsortiert und chaotisch, da einzelne Handlungsstränge eröffnet, aber nicht fortgesetzt werden (z.B. Alphas Begegnung mit dem Polizisten Rivers). Hierdurch hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte für meinen Geschmack zu viel Zeit benötigt, um in Gang zu kommen, wodurch ich eine Weile gebraucht habe, um mich einzufinden und anzukommen. Auch die Spannung lässt zunächst auf sich warten. Darüber hinaus konzentriert sich die Handlung mehr auf die zwischenmenschlichen Teenie-Probleme. Ihre innere Zerrissenheit zwischen Nate und Aaron hätte dennoch für mich noch intensiver und herzzerreißender sein können. Die Thronfolge, Politik&Co werden eher stiefmütterlich behandelt, weshalb mich die gesamte Geschichte mehr an „Plötzlich Prinzessin“ erinnert und mehr gemein hat mit den romantischen, kitschigen Filmen zur Weihnachtszeit als einem hochspannenden royalen Roman mit Intrigen, den ich mir erhofft hatte. Zu offensichtlich war mir ferner, dass Alpha die Thronerbin von Gelaria sein muss. Dennoch ist es der Autorin extrem gut gelungen, stets Verwirrung zu stiften und den Leser bis zuletzt im Unklaren zu lassen, wer in diesem Spiel gut und böse ist. Hierdurch entstand ab der Hälfte des Buches ein großes Rätselraten und auch die zuvor vermisste Spannung kam auf. Man versucht, keinem der Charaktere zu vertrauen. Dieses Misstrauen bewirkte bei mir jedoch auch viel Distanz zu den Charakteren und sorgte dafür, dass ich mich in der Geschichte nicht 100%ig einfühlen konnte.

Eigentlich hat die Geschichte viel Potential, sie wirkt insgesamt aber etwas unausgegoren auf mich, da sie insbesondere in Bezug auf Land, Regierung, Bürger, Politik&Co zu sehr an der Oberfläche kratzt. Auch verhalten sich einzelne Charaktere sehr widersprüchlich und wirken damit auf mich zu oberflächlich ausgearbeitet. So würde ich insbesondere der Hauptfigur Alpha das Regieren eines Landes nicht zutrauen. Die angekündigte starke und mutige Protagonistin konnte ich so leider nicht empfinden, ich hatte eher den Eindruck einer zwar direkten und offenen, aber auch noch sehr jungen und blauäugigen, teilweise fast naiven Person. Auch die Motive und ausbleibenden Handlungen der Großmutter, die einerseits als „überfürsorglich“ beschrieben wird, dann aber nicht nach der Enkeltochter sucht, die sich aus dem Haus stiehlt, obwohl sie kurz zuvor einem Mordanschlag ausweichen konnte, sind mir unerklärlich und inkonsequent. Aaron hätte für mich der „Star“ des Buches sein können. Zur Hälfte des Buches war ich wirklich begeistert von ihm, doch der nachfolgende Fall aus allen Wolken war leider hart. Da hatte ich mich wohl zu früh verguckt. ;) Er wirkt in der Zusammenschau durch seine diversen widersprüchlichen Handlungen (insbesondere die Liaison mit Li, die er aus Trotz eingeht und trotzdem behauptet, er sei unsterblich in Alpha verliebt; die späte Aussprache; die Wahrheit und eine klare Warnung auszusprechen, bevor Alpha sich auf der Pressekonferenz in Gefahr begibt; etc.) zuletzt leider unglaubhaft, unreif und hat sich in meinen Augen ins Abseits gestellt. Auch, wenn er vermeintlich versucht, das Richtige zu tun, hätte er bei mir alle Chancen verspielt. Da ist meine persönliche Einstellung und Geschmack sicherlich eher streng.



Fazit: Insgesamt habe ich deutlich mehr Tiefgang erwartet. Nichtsdestotrotz ist der Roman niedlich, unterhaltsam und kurzweilig. Da Band 1 mit einem Cliffhanger endet, möchte man eigentlich ganz gerne wissen wie es aus- bzw. weiter geht.

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