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Veröffentlicht am 06.09.2025

Magisches Chaos im Versandhandel

Felina Fingerhut und der verflixte Schmetterlingseffekt
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Endlich ist es soweit: Felina kann ihren Praktikumstag bei Patina Grünspans Versand für Scherzartikel, Glücksbringer und Hexenutensilien aller Art antreten. Sie ist schon überaus neugierig auf alle Abteilungen ...

Endlich ist es soweit: Felina kann ihren Praktikumstag bei Patina Grünspans Versand für Scherzartikel, Glücksbringer und Hexenutensilien aller Art antreten. Sie ist schon überaus neugierig auf alle Abteilungen und hofft, dass sie sich gut anstellt, damit sie im Anschluss den lang ersehnten spitzen Hexenhut verliehen bekommt. Damit wäre sie endlich eine echte Hexe und vollwertiges Mitglied des Hexenzirkels. Doch auf dem Weg dahin geht so einiges schief, denn Felina ist unkonzentriert und befreit unter anderem einen Spiegelgeist, der endlich mal Urlaub machen will – doof nur, dass er dadurch alle Abläufe des Versandhandels ins Chaos stürzt. Gemeinsam mit Junghexe Wolke und Kater Knopf muss Felina daher alles daransetzen, um ihre Fehler auszubügeln und den Versandhandel zu retten!

Ich habe den ersten Band von Felina Fingerhut noch als Hörbuch genossen und war begeistert, doch dieses Mal das Buch mit den wunderschönen Illustrationen in den Händen zu halten, hat alles noch einmal übertroffen. Die Illustrationen sind magisch-fantasievoll und so detailverliebt, dass ich sie beim Lesen mehrfach meinem Mann unter die Nase halten musste. Besonders die Darstellung der schlangenköpfigen Medusa mit ihren unterschiedlich behüteten Schlangenköpfen war für mich ein Highlight – die Darstellungen sind einfach zauberhaft und urkomisch und runden das Gelesene ab.

Auch inhaltlich war die Geschichte wieder wunderbar bunt und steckte voller Überraschungen. Ob magischer Fahrstuhl, ein reimbegabter Kater Knopf, eine mathemagische Bibliothek oder ein Spiegelgeist, der einfach mal Urlaub braucht – die Fülle an Ideen hat mich restlos begeistert. Ich bewundere Katja Hemkentokrax für ihre Fantasie und ihren Sprachwitz. Beim Lesen fühlte ich mich an meine liebsten Szenen aus Harry Potter erinnert – wie in der Winkelgasse oder bei den Weasleys zu Hause – nur dass bei Felina die ganze Geschichte durchgehend aus solch detailverliebten, verspielten Momenten besteht. Wahnsinn!

Die Figuren sind lebendig und liebenswert, allen voran natürlich Felina selbst, die mit ihrer ungestümen Art für ordentlich Chaos sorgt. Zugegeben: Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass sie nach ihrem ersten Abenteuer etwas vorsichtiger geworden wäre. Ihre Unachtsamkeit treibt den „verflixten Schmetterlingseffekt“ voran, wobei ich diesen Titel fast ein bisschen irreführend fand, denn vieles war ja eindeutig Felinas eigene Schuld. Aber genau das macht sie auch so sympathisch: Felina ist jung und darf Fehler machen und daraus lernen.

Besonders gefreut habe ich mich über das Wiedersehen mit Herrn Stecknadel, der zwar ungern aber doch tatkräftig mithilft, um das Chaos zu beseitigen. Auch die spielerische Darstellung, wie ein Betrieb mit Personalakten, Abteilungen und Abläufen funktioniert, fand ich genial. Manche Witze (Achtung Spoiler: wie eine Artefaktabteilung mit Schrödingers Kratzbaum oder Leibniz’ Keksdose) richten sich wohl eher an die älteren MitleserInnen, aber gerade das macht den besonderen Charme des Buches aus: Es ist für Groß und Klein gleichermaßen ein Genuss.

Fazit: „Felina Fingerhut und der verflixte Schmetterlingseffekt“ ist ein liebevolles, detailreiches und magisch-humorvolles Kinderbuch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite verzaubert hat. Ein echtes Highlight in der Kinderbuchabteilung und für mich persönlich ein kleines Must-Read für alle, die Magie, Witz und Fantasie lieben. Ich freue mich jetzt schon riesig auf Felinas nächstes hexisches Abenteuer und bin gespannt, ob sie aus ihren Fehlern gelernt haben wird! ✨

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Veröffentlicht am 05.09.2025

Spießrutenlauf

Love Sick
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Assistenzärztin Grace hat einen der renommierten Ausbildungsplätze in der Gynäkologie an ihrer Wunschklinik erhalten. Neben den Selbstzweifeln als Anfängerin entpuppt sich ihr Start jedoch als wahrster ...

Assistenzärztin Grace hat einen der renommierten Ausbildungsplätze in der Gynäkologie an ihrer Wunschklinik erhalten. Neben den Selbstzweifeln als Anfängerin entpuppt sich ihr Start jedoch als wahrster Spießrutenlauf: Ab Tag 1 kursiert das Gerücht, sie habe sich durch sexuelle Gefälligkeiten den begehrten Platz erschlichen. Und wäre das nicht chaotisch genug, gerät sie immer wieder mit dem unfreundlichen Mitstreiter Julian aneinander. Wie soll sie es nur durch diesen Albtraum der 4-Jährigen Ausbildung schaffen?

Deidra Duncans Roman "Love Sick" ist vor allem eins: wahnsinnig witzig und unterhaltsam. Schon auf den ersten Seiten wird man mitten ins Geschehen geschleudert – vielleicht etwas zu abrupt, um Grace gleich vollständig kennenzulernen, doch die Leichtigkeit und der humorvolle Ton sorgten dafür, dass ich sofort weiterlesen wollte. Schnell flogen die Seiten dahin und ich konnte das Buch einfach nicht aus den Händen legen.

Besonders gelungen ist dabei der Blick hinter die Kulissen des Krankenhausalltags. Zwischen Schichtplänen, Stationsfluren und chirurgischem Ehrgeiz werden Themen wie die Arbeitsbedingungen junger Assistenzärzt*innen, das komplexe soziale Gefüge im Klinikum und Sexismus am Arbeitsplatz mit klugen Beobachtungen und spitzer Ironie kommentiert. Diese Mischung aus Leichtigkeit und Gesellschaftskritik verleiht dem Roman Tiefe, ohne ihm den Schwung zu nehmen.

Die beiden Hauptfiguren, Grace und Julian, wuchsen mir sofort ans Herz. Grace ist nach außen hin schlagfertig und taff, innerlich jedoch introvertiert, und damit eine erfrischend vielschichtige Figur, die es im rauen Klinikalltag nicht leicht hat. Julian wirkt wie die gute Seele, freundlich und empathisch, trägt aber ebenfalls an Selbstzweifeln. Ihre Annäherung ist glaubwürdig erzählt: Statt direkt vom Streit in die „Spice“-Momente zu kippen, entwickelte sich die Beziehung Schritt für Schritt, und das Knistern zwischen ihnen fand ich deutlich spürbar.

Auch stilistisch überzeugte mich Love Sick. Duncans Sprache ist plastisch und sprüht vor originellen Vergleichen und witzigen Einfällen. Von der „Hexe im limbischen System“ bis zu augenzwinkernden Anspielungen auf Harry Potter und Twilight. Diese humorvolle Kreativität machte mir das Lesen zu einem echten Vergnügen.

Die Vielzahl an Nebenfiguren ist lebendig gezeichnet, auch wenn ich mich bei den vielen Namen manchmal kurz orientieren musste. Und ja, das unvermeidliche Drama samt vorübergehendem Bruch zwischen Grace und Julian hätte nicht unbedingt sein müssen. Doch insgesamt überwogen Humor, Herzlichkeit und die gelungene Kombination aus romantischer Spannung und intelligenter Gesellschaftssatire.
Für Fans von Ali Hazelwood ist dieser Roman ein absolutes Muss und für alle anderen eine wärmste Empfehlung! Für mich war Love Sick ein echtes Highlight.

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Veröffentlicht am 05.09.2025

Heilung durch Gebäck

Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei
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Lee Onhwas Roman „Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei“ entführt in eine magische Konditorei, die nachts ihre Türen für Menschen und Geister öffnet. Im Zentrum steht Yeonhwa, die nach dem Tod ihrer ...

Lee Onhwas Roman „Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei“ entführt in eine magische Konditorei, die nachts ihre Türen für Menschen und Geister öffnet. Im Zentrum steht Yeonhwa, die nach dem Tod ihrer Großmutter deren Konditorei erbt und sich plötzlich mit einer ungewohnten Verantwortung und einer geheimnisvollen Vergangenheit konfrontiert sieht.


Der Roman las sich flüssig und ich flog schnell durch die Seiten. Zu Beginn wirkte der Stil auf mich etwas gestelzt und betulich, was sich aber nach Yeonhwas Arbeitsbeginn in der Konditorei legte. Dennoch empfand ich eine gewisse Distanziertheit in der Erzählweise – ich konnte mit der Hauptfigur nicht wirklich warm werden und hätte mir mehr Einblicke in ihre Gefühlswelt gewünscht. Emotionale Wendungen, wie ihre Reaktion auf eine große Enthüllung, wurden zu schnell abgehandelt, sodass mich die Dramatik nicht voll erreichte.


Besonders berührt haben mich hingegen die Geschichten der Kunden wie etwa das Schicksal einer Mutter oder die stille Liebe eines Basketballspielers. Diese Episoden spiegelten eine wiederkehrende Thematik: das Schweigen. Immer wieder scheitern Beziehungen an unausgesprochenen Gefühlen oder Rücksichtnahmen, die das Leben tragisch beeinflussen. Das stimmte mich nachdenklich und wirkte wie ein sanfter Appell, offener miteinander zu kommunizieren. Gleichzeitig hat es mich aber in manchen Geschichten auch frustriert, weil das Gefühl blieb, ein Tod wäre durch offene Kommunikation verhinderbar gewesen.

Spannend waren auch die Einblicke in die koreanische Kultur, sei es durch Essgewohnheiten, Moralvorstellungen oder den Umgang mit Schicksal und Verlust. Gleichzeitig machte es mir der ungewohnte Wortschatz (viele Gebäcke, kulturelle Begriffe) nicht immer leicht. Ein Glossar hätte das Lesen erleichtert.

Während die Episoden der Gäste berührend waren, blieb die Rahmenhandlung um Yeonhwa für mich blass. Die magischen Elemente hätten für meinen Geschmack mehr Raum und Tiefe vertragen. Stattdessen wurden große Enthüllungen oft in wenigen Sätzen abgehandelt. Das „cosy“ Gefühl, das ich erwartet hatte, stellte sich nicht richtig ein.

Fazit: Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei ist ein leiser, poetischer Roman voller sanfter Lebensweisheiten. Er macht nachdenklich darüber, wie wichtig Kommunikation ist und wie flüchtig das Leben sein kann. Wer ruhige Geschichten mit einem Hauch Magie und Einblick in die koreanische Kultur schätzt, findet hier eine bereichernde Lektüre für Zwischendurch. Wer jedoch auf eine dichte Rahmenhandlung, tiefere Charakterzeichnung und konsequent ausgearbeitete Magie hofft, könnte enttäuscht werden.

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Zweite Chancen

Versprich mir, dass du tanzt
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Dani Atkins erzählt in „Versprich mir, dass du tanzt“ die berührende Geschichte von Lilly, die nach dem Tod ihres Mannes Adam lernen muss, mit ihrer Trauer umzugehen. Auf dessen letzten Wunsch hin nimmt ...

Dani Atkins erzählt in „Versprich mir, dass du tanzt“ die berührende Geschichte von Lilly, die nach dem Tod ihres Mannes Adam lernen muss, mit ihrer Trauer umzugehen. Auf dessen letzten Wunsch hin nimmt sie den Kontakt zu ihrem Jugendfreund Josh wieder auf – ein Mann, zu dem sie seit Jahren ein kompliziertes Verhältnis hat. In Rückblenden entfaltet sich, wie Lillys Beziehungen zu Adam und Josh entstanden sind, wie die drei sich kennengelernt haben und welche schicksalhaften Wendungen sie auseinandergeführt haben.

Besonders der Anfang und das Ende des Romans haben mich emotional stark berührt – die Szenen sind voller Intensität und haben mich tief bewegt, teils sogar zu Tränen gerührt. Dazwischen allerdings hätte ich mir mehr Tiefgang und emotionale Nuancen gewünscht. Zwar war der Roman spannend genug, dass ich ihn kaum aus der Hand legen konnte, weil ich unbedingt wissen wollte, was in der Vergangenheit geschehen war, dennoch blieb manches für mich an der Oberfläche.

Vor allem Josh’ schwierige Kindheit, die lange Zeit als Grund für sein Verhalten gegenüber Lilly dient, hätte ich gerne noch besser ausgearbeitet gesehen. Ebenso hätte ich mir mehr leichte, unbeschwerte Momente zwischen Lilly und Josh gewünscht. Zwar wirkten alle Figuren grundsätzlich sympathisch, aber ihr Verhalten war nicht immer nachvollziehbar und besonders Josh machte sich das Leben (und damit auch den anderen) unnötig schwer.

Trotz einiger Vorhersehbarkeiten und Passagen, in denen ich Entwicklungen schon früh erahnte, konnte mich der Roman insgesamt fesseln. Atkins gelingt es, eine gefühlvolle Geschichte über Liebe, Verlust und zweite Chancen zu erzählen, die in ihrer Anlage ein wenig an "PS: Ich liebe dich" oder "Für immer vielleicht erinnert" – auch wenn "Versprich mir, dass du tanzt" für mich nicht ganz an deren emotionales Niveau heranreicht.

Fazit:
Ein bewegender Roman über zwei große Lieben, Trauer und Neubeginn. Wer berührende Liebesgeschichten mag, die zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechseln, wird hier auf seine Kosten kommen – auch wenn man stellenweise etwas mehr Tiefe hätte erwarten dürfen.

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Sind wir nicht alle mal ein bisschen Grizzly?

GRRRIZZLY
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Das tolle Wetter lockt, im Wald aktiv zu sein, doch der Grizzlybär will eigentlich nur seine Ruhe. Sein bester Freund der Waschbär motiviert ihn trotzdem, am Spaziergang, am Schwimmen und am Essen teilzunehmen. ...

Das tolle Wetter lockt, im Wald aktiv zu sein, doch der Grizzlybär will eigentlich nur seine Ruhe. Sein bester Freund der Waschbär motiviert ihn trotzdem, am Spaziergang, am Schwimmen und am Essen teilzunehmen. Obwohl der Grizzlybär erstmal nörgelt, macht er alles brav mit - und findet es dann doch gar nicht so schlimm, oder?

Das Bilderbuch „Grrrizly“ von Hervé Le Goff besticht vor allem durch seine hinreißenden Illustrationen. Die Bilder sind so atmosphärisch, dass man sich manche davon am liebsten als Kunstdruck an die Wand hängen würde. Dank des großzügigen Formats lassen sich viele Details entdecken, was den Zauber der Illustrationen noch verstärkt. Besonders gelungen ist die Farbgebung: nicht grell, sondern harmonisch und ruhig – sie strahlt eine Gelassenheit aus, die beim Anschauen unmittelbar entspannend wirkt.

Die Darstellung des Bären ist wunderschön geworden: Seine wechselnde Mimik macht den Unterschied zwischen dem mürrischen „Grrrizly“ und dem fröhlich-grinsenden Gefährten sofort sichtbar. Da der Text bewusst sparsam eingesetzt ist, trägt die Bildsprache die Geschichte. Kinder sind eingeladen, durch genaues Hinsehen die Gefühle der Figuren zu entschlüsseln und zu interpretieren – eine wunderbare Übung für Empathie und Wahrnehmung.

Auch Humor kommt nicht zu kurz: Ein Höhepunkt ist etwa die Szene, in der der Bär beim Mittagsschlaf so laut schnarcht, dass sich die Äste einer Weide im Rhythmus seiner Atemzüge bewegen. Solche Details machen die Geschichte lebendig und sorgen fürs Schmunzeln.

Besonders schön ist die Botschaft: Obwohl der Bär anfangs brummig wirkt, findet er Freude an den gemeinsamen Aktivitäten. Seine Körperhaltung und Mimik verraten, dass er das Zusammensein mit seinem Freund mehr schätzt als alles andere. Am Ende bleibt das Gefühl, dass es völlig in Ordnung ist, manchmal ein „kleiner Grrrizly“ zu sein – solange man es nicht übertreibt und gute Freunde an seiner Seite hat.

Ein kleiner Wermutstropfen: Der Text hätte für meinen Geschmack etwas umfangreicher sein dürfen. Hintergrundinformationen wie „Wo leben die beiden?“ oder kleine zusätzliche Erzählpassagen hätten das Leseerlebnis abgerundet. So bleibt einiges der Fantasie und Interpretation überlassen (und einem/r engagierten Vorleser/in), was je nach Lesesituation Vor- oder Nachteil sein kann.

Fazit:
„Grrrizly“ ist ein poetisch illustriertes, kurzweiliges Bilderbuch voller Wärme, Humor und leiser Lebensweisheit. Es lädt zum Schauen, Schmunzeln und Mitfühlen ein – und erinnert daran, dass Freundschaft selbst die grummeligsten Gemüter besänftigt ;)

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