Profilbild von Corinne

Corinne

Lesejury Star
offline

Corinne ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Corinne über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.09.2025

Kinderwunsch?

Im Leben nebenan
0

Anne Sauer erzählt in Im Leben nebenan eine Geschichte, die auf den ersten Blick spannend und leicht fantastisch wirkt, im Kern aber sehr stark um die Themen Kinderwunsch, Mutterschaft und gesellschaftliche ...

Anne Sauer erzählt in Im Leben nebenan eine Geschichte, die auf den ersten Blick spannend und leicht fantastisch wirkt, im Kern aber sehr stark um die Themen Kinderwunsch, Mutterschaft und gesellschaftliche Erwartungen an Frauen kreist.

Im Zentrum stehen zwei Versionen von Antonia (Toni), die beide auf ihre Weise verzweifelt sind: die eine, weil sie seit Jahren versucht, mit ihrem gegenwärtigen Lebenspartner ein Kind zu bekommen, die andere, weil sie eines Tages aufwacht und plötzlich ein Neugeborenes vor sich hat, dessen Vater ihr "Ex"partner ist und mit dem sie als Familie wieder in ihrem Heimatdorf lebt.

Diese Gegenüberstellung war faszinierend, weil sie die Ambivalenz rund um das Thema Kinderwunsch und Mutterschaft schonungslos offenlegte. Anne Sauer nimmt die Leser*innen sehr nah mit in die Gefühlswelt beider Tonis und insbesondere durch Nebenfiguren wurde deutlich, wie einsam Toni eigentlich ist.

Stark fand ich auch den erzählerischen Kniff, dass Antonia in die Rolle der Mutter „hineingeworfen“ wurde, ohne sich bewusst dafür entschieden zu haben. Dadurch wird die Überforderung viel plastischer spürbar. Auch in anderen Szenen zeigte das Buch klar auf, wie Frauen zwischen Familie, Beruf und Erwartungen zerrieben werden: etwa wenn klar wird, dass Kolleginnen entlassen werden, während der männliche Kollege bleiben darf. Hier steckte viel Kritik am gesellschaftlichen Umgang mit Frauen und Müttern drin.

Ein Satz, der mir besonders nachhallt, ist: „Frausein ist immer zu viel von allem.“ Das fasst für mich das zentrale Spannungsfeld des Romans perfekt zusammen.

Was mir weniger gefallen hat, war das Ende. Zudem hätte ich mir gewünscht, dass die Fokussierung auf das Thema Kinderwunsch im Klappentext deutlich gemacht wird. So empfand ich die Lektüre als thematisch etwas eindimensional. Nichtsdestotrotz war es gut gemacht und spannend. Ob kinderlos oder nicht - hier kann sich jede Frau wieder finden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.09.2025

Ein echter Pageturner

Marigold Manor 1: Hidden Lies
0

Lola ist Dressurreiterin und möchte unbedingt Einblick in das elitäre Gestüt von Marigold Manor erhalten. Denn dort lebt und arbeitet der Mensch, der für den Tod ihrer Schwester verantwortlich ist: Aiven ...

Lola ist Dressurreiterin und möchte unbedingt Einblick in das elitäre Gestüt von Marigold Manor erhalten. Denn dort lebt und arbeitet der Mensch, der für den Tod ihrer Schwester verantwortlich ist: Aiven Audley. Als sie das Angebot bekommt, mit ihm gemeinsam einen Podcast aufzunehmen, sagt sie deshalb sofort zu. Vor Ort gerät sie jedoch nach und nach immer tiefer in die Machenschaften von Marigold Manor und kann bald nicht mehr differieren, wer Freund und wer Feind ist.

Schon die ersten Seiten haben mich total mitgerissen: Der Schreibstil ist flüssig, leicht zu lesen und gleichzeitig so emotional, dass ich sofort in Lolas und Aivens Welt abgetaucht bin. Besonders durch die wechselnden Perspektiven konnte ich die Handlungen der beiden Figuren von Anfang an gut nachvollziehen – und so sind die Seiten wirklich nur dahin geflogen.

Lola fand ich von Beginn an spannend. Ich konnte gut mit ihr mitfühlen, auch wenn sie manchmal recht verbissen wirkte. Gleichzeitig mochte ich es sehr, dass sie eine starke, schlagfertige Protagonistin ist, die sich nicht blenden lässt - das ist in Romance-Romanen keine Selbstverständlichkeit. Aiven habe ich sofort ins Herz geschlossen. Er ist zerrissen, gleichzeitig sympathisch und geheimnisvoll. Besonders schön fand ich, dass die Anziehung zwischen den beiden realistisch wirkte und als Slow Burn erzählt wird. Keine kitschige Insta-Love-Story, sondern eine Entwicklung, die mich überzeugt hat. Mein heimlicher Favorit war allerdings Henry, der Bruder von Aiven: seine lockere Art, sein Humor, aber auch die dunkleren Seiten machten ihn für mich extrem interessant. Ich freue mich schon jetzt, dass er in Band 2 mehr Raum bekommen wird.

Was ich nicht erwartet hätte: Dieses Buch ist viel mehr als eine Romance. Es geht um Macht, Sexismus, alteingesessene Strukturen – und darum, wie Menschen in gefährliche Abhängigkeiten geraten. Einige Szenen haben mich richtig geschockt, andere wütend gemacht. Gerade die sexistischen und chauvinistischen Momente fand ich furchtbar beklemmend und gleichzeitig unglaublich wichtig, dass sie thematisiert werden. Das Nachwort hat mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie realistisch diese Strukturen sind und wie schwer es für Betroffene ist, da rauszukommen. Damit habe ich beim Einstieg in die Geschichte überhaupt nicht gerechnet und genau das hat mich so gepackt.

Richtig toll fand ich den Humor, der sich durchzog, besonders in den Dialogen durch Lolas Schlagfertigkeit. Ich habe mehrmals laut gelacht und die Pop-Culture-Referenzen haben das Ganze noch authentischer gemacht.

Ein kleiner Wermutstropfen war für mich, dass die Pferde und auch der Pferdesport ein bisschen zu kurz gekommen sind. Gerade weil Dressurreiten das Setting ist, hätte ich mir innigere Szenen zwischen Mensch und Tier gewünscht. Auch das Ende kam mir etwas zu schnell – vor allem zwischen Lola und Aiven hätte ich gerne noch ein oder zwei klärende Szenen gehabt, um ihre Entscheidungen besser nachfühlen zu können.

Fazit: „Marigold Manor: Hidden Lies“ hat mich total überrascht: Statt einer leichten Romance habe ich eine spannende, tiefgründige und stellenweise richtig beklemmende Geschichte bekommen, die mich emotional komplett abgeholt hat. Ich habe gelacht, geflucht, gehofft und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Trotz kleiner Schwächen im Bereich Pferdesport und einem etwas schnellen Ende ist es für mich ein absoluter Pageturner mit Suchtpotenzial. Band 2 ist für mich Pflicht, allein schon wegen Henry, aber auch, weil ich unbedingt wissen will, wie es in Marigold Manor weitergeht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.09.2025

Liebesgeschichte ohne Herbstzauber

Honeybridge. All Mine
0

Isabella will nach ihrer Scheidung ein neues Kapitel beginnen. Ihr größter Traum: endlich ihr eigenes Restaurant zu eröffnen. Um Ablenkungen zu vermeiden, auferlegt sie sich eine besondere Regel: ein Jahr ...

Isabella will nach ihrer Scheidung ein neues Kapitel beginnen. Ihr größter Traum: endlich ihr eigenes Restaurant zu eröffnen. Um Ablenkungen zu vermeiden, auferlegt sie sich eine besondere Regel: ein Jahr lang kein Sex und keine Männergeschichten. Dumm nur, dass direkt gegenüber der attraktive Restaurantbesitzer Étienne auftaucht, der mit seiner charmanten Art genau diese Regel auf die Probe stellt.

Der Roman "Honeybridge All Mine" ist als Smalltown-Romance angelegt und punktet mit einem niedlichen Setting: Honeybridge ist ein Ort, an dem alle zusammenhalten und man sich gerne aufhält. Es gibt viele charmante, teilweise auch witzige Momente und Figuren, die auf mich sympathisch wirkten. Für entspanntes Weglesen oder als Einschlaflektüre ist das Buch durchaus geeignet – locker, leicht und schnell konsumiert.
Trotzdem hatte ich das Gefühl, durch den Schreibstil in der dritten Person auf Distanz zu den Figuren zu bleiben. Die wechselnden Kapitel aus der Sicht von Isabella und Étienne halfen dabei nur bedingt, da die Figuren insgesamt eher vage beschrieben werden und mir Tiefe fehlte, um wirklich mitzufühlen. Besonders bei Étienne bleibt das Stereotyp des Frauenhelden, der plötzlich von der Einen bekehrt wird, sehr klischeehaft.

Auch inhaltlich gab es Punkte, die mich irritiert haben: Isabellas „Kein-Sex-für-ein-Jahr“-Regel erschien mir nicht konsequent umgesetzt. Wenn es eigentlich um persönliche Entwicklung und berufliche Konzentration gehen sollte, passte es für mich nicht, dass Intimität mit Étienne trotzdem so früh und so stark im Fokus stand. Generell lag mir zu viel Gewicht auf dem Körperlichen, während die emotionale Entwicklung ihrer Beziehung oberflächlich blieb. Besonders das Ende wirkte in dieser Hinsicht überhastet und unglaubwürdig auf mich.

Ein weiteres Manko war der fehlende Herbstvibe – obwohl die Handlung eigentlich in dieser Jahreszeit spielt, kam davon beim Lesen keine Stimmung bei mir an. Ich hätte mir ein Gilmore-Girls-Setting und -Feeling gewünscht.

Fazit: "Honeybridge: All Mine" ist eine nette, leichte Lektüre mit Smalltown-Setting. Allerdings fehlte mir die Tiefe bei den Figuren, die Glaubwürdigkeit der Liebesgeschichte und der emotionale Funke. Für Zwischendurch ist es okay, aber nicht cozy genug und bleibt leider ohne lange Nachwirkung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.09.2025

Gefühlvoll, doch nicht so stark wie Band 1

The Summer I Saved You
1

Um sich von ihrem Mann scheiden zu lassen, zieht Lucie mit ihren Kindern in das Ferienhaus ihrer Familie. Unerwarteterweise wohnt nebenan nicht nur ihr Teenie-Crush Caleb - er ist auch noch ihr neuer Boss! ...

Um sich von ihrem Mann scheiden zu lassen, zieht Lucie mit ihren Kindern in das Ferienhaus ihrer Familie. Unerwarteterweise wohnt nebenan nicht nur ihr Teenie-Crush Caleb - er ist auch noch ihr neuer Boss! Hin- und hergerissen zwischen Scheidungsdrama eines toxisch-kontrollierenden Ex, Erziehung ihrer zwei Zwillinge und dem neuen Job arbeiten sich nach und nach die alten Gefühle zu Caleb an die Oberfläche - doof nur, dass er keine Verpflichtungen haben will...

Elizabeth O’Roark hat auch mit "The Summer I Saved You" wieder bewiesen, wie sehr sie es versteht, Emotionen greifbar zu machen. Ihr Schreibstil ist packend, gefühlvoll und schafft es, mich von Anfang bis Ende mit den Figuren mitfühlen zu lassen. Lucie und Caleb wirkten lebendig und vielschichtig, auch wenn ich nicht jede ihrer Entscheidungen ganz nachvollziehen konnte – genau das machte sie mir aber realistisch und interessant.

Im Vergleich zu Teil eins der Summer-Reihe konnte mich dieser Band allerdings nicht ganz so stark begeistern. Vor allem das Ende wirkte für mich etwas überhastet. Mir fehlte eine klarere Auflösung rund um Lucies Ex, und auch die Auseinandersetzung zwischen Caleb und seiner Ex-Frau hätte mehr Raum vertragen können.

Trotzdem ist die Geschichte insgesamt hoch emotional und fesselnd. Die Mischung aus Drama, Romantik und einigen sehr gelungenen Spice-Szenen hat mich durchgehend gut unterhalten. Auch wenn es für mich kleine Abzüge beim Finale gibt, bleibt "The Summer I Saved You" eine mitreißende Fortsetzung, die Fans der Reihe auf jeden Fall lesen sollten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.09.2025

Ein würdiges Finale

Die Elite von Ashriver - Bittersweet Revenge
0

Mit "Die Elite von Ashriver – Bittersweet Revenge" legt Valentina Fast den dritten und letzten Teil ihrer Trilogie vor – und liefert damit einen gelungenen Abschluss.

Während mich der zweite Band nicht ...

Mit "Die Elite von Ashriver – Bittersweet Revenge" legt Valentina Fast den dritten und letzten Teil ihrer Trilogie vor – und liefert damit einen gelungenen Abschluss.

Während mich der zweite Band nicht ganz überzeugen konnte, hat mich dieser finale Teil wieder richtig gepackt. Besonders das dramatische Ende passt stimmig zur gesamten Geschichte und ließ die Reihe rund ausklingen. Alle offenen Fragen werden beantwortet, sodass ich nun endlich weiß, wer hinter den Geschehnissen steckt. Zwar war meine Vermutung am Ende richtig, ein großer Twist blieb daher aus, doch kleinere überraschende Wendungen sorgten trotzdem für Spannung.

Die wechselnden Perspektiven zwischen Vincent und Leah haben mir gut gefallen, weil sie beide Figuren greifbarer machten. Zum Ende hin kamen sogar noch einzelne Kapitel aus der Sicht von Figuren aus Band 1 und 2 hinzu – ein Kniff, der mir extrem gut gefallen hat. Auch das vorherige Wiedersehen mit den Pärchen der ersten beiden Teile war ein Highlight, da sie eine wichtige Rolle in der Handlung spielten.

Die Liebesgeschichte zwischen Vincent und Leah hätte es für meinen Geschmack nicht gebraucht, doch sie fügte sich nahtlos in die klassische Romantasy-Struktur ein. Der angenehme Sprachstil sorgte zudem dafür, dass sich die Geschichte flüssig lesen ließ.

Insgesamt bietet Bittersweet Revenge einen spannenden und emotionalen Abschluss, der die Reihe auf gelungene Weise abrundet. Fans der vorherigen Teile – und generell von Romantasy – werden hier definitiv auf ihre Kosten kommen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere