Ein Spukhaus der extraklasse
Die Verlorenen von GreyswickEngland im Jahr 1917: Noch gezeichnet vom Verlust ihres Verlobten folgt Stella der Einladung ihrer schwangeren Schwester Madeleine und zieht in das abgelegene Landhaus Greyswick. Was als Rückzugsort gedacht ...
England im Jahr 1917: Noch gezeichnet vom Verlust ihres Verlobten folgt Stella der Einladung ihrer schwangeren Schwester Madeleine und zieht in das abgelegene Landhaus Greyswick. Was als Rückzugsort gedacht ist, entpuppt sich schnell als Ort voller Unruhe, Angst und unausgesprochener Schuld. Schon bald liegt über dem Haus eine beklemmende Atmosphäre – eine, die sich nicht erklären lässt, aber mit jeder Seite intensiver wird.
Anita Frank erschafft mit Greyswick ein klassisches Gothic-Setting, das unter die Haut geht. Knarrende Treppen, nächtliches Weinen von Kindern, Schritte im Dunkeln – obwohl dort keine Kinder leben. Das Grauen kommt leise, schleichend und wirkt gerade deshalb so eindringlich. Besonders gelungen ist die Verbindung von Trauer, Schuld und Übersinnlichem, die der Geschichte eine tiefe emotionale Ebene verleiht. Stella ist eine starke, zugleich verletzliche Protagonistin, deren innere Zerrissenheit perfekt mit den dunklen Geheimnissen des Hauses harmoniert. Unterstützt von ihrer übersinnlich begabten Zofe beginnt sie, die Vergangenheit Greyswicks zu entschlüsseln – und stößt dabei auf Wahrheiten, die besser hätten verborgen bleiben sollen. Das Flüstern der Toten ist dabei weniger bloßer Spuk als eine eindringliche Warnung.
Der Roman lebt von seiner dichten, fast greifbaren Atmosphäre und dem langsamen, stetigen Spannungsaufbau. Statt plakativer Schockmomente setzt Anita Frank auf psychologischen Horror, emotionale Tiefe und ein grausames Familiengeheimnis, das lange nachhallt.
"Die Verlorenen von Greyswick" ist eine eindrucksvolle Gothic-Geistergeschichte, die melancholisch, unheimlich und fesselnd zugleich ist.