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Veröffentlicht am 12.03.2022

DNA, Datenschutz und Anonymität

Tödliches Muster
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Dieser Thriller von Michael Connelly ist ein weiterer Fall für den Journalisten Jack McEvoy in Los Angeles. Er arbeitet nun als Enthüllungsreporter für das Verbraucherportal fairwarning.org. In dem Portal ...

Dieser Thriller von Michael Connelly ist ein weiterer Fall für den Journalisten Jack McEvoy in Los Angeles. Er arbeitet nun als Enthüllungsreporter für das Verbraucherportal fairwarning.org. In dem Portal werden Skandale und Verbrechen aufgedeckt, welche für Verbraucher von höchstem Interesse sind. Doch es sind nicht unbedingt klassische Kriminalfälle. Die Artikel werden häufig noch vor der Veröffentlichung an namhafte Zeitungen, wie der Los Angeles Times, verkauft, womit sich das Portal Fair Warning finanziert.

Nach getaner Arbeit macht sich Jack McEvoy auf den Weg zu seiner Wohnung. Anschließend noch in der Parkgarage wird er von zwei Detectives angesprochen. Sie drängen ihn, mit ihm in seine Wohnung zu gehen. Sie könnten ihm einige Fragen stellen. Als Journalist hat McEvoy öfters mit Polizisten zu tun. Deshalb stellt dies für ihn kein Problem dar. Er nimmt also die beiden mit nach oben. Sie erzählen ihm von einem toten Mädchen Christina, welcher das Genick gebrochen wurde. Sein Name wäre in Zusammenhang mit diesem Todesfall aufgetaucht.

Im ersten Moment ist dieses Mädchen dem Journalisten unbekannt. Aber die Detectives behaupten, sie wäre ihm nicht unbekannt. Er hätte sie mindestens einmal vor einem Jahr getroffen. Nun fällt es auch ihm ein. Er hatte bereits vor einem Jahr eine Nacht mit ihr verbracht. McEvoy beginnt in seinem eigenen Leben zu recherchieren.

Bei seinen Recherchen stößt er auf weitere Fälle, wobei den ebenfalls jungen Frauen das Genick gebrochen wurde wie bei dem aktuellen Fall. Die Detectives wussten nichts von den anderen Fällen. Für sie war McEvoy in Sachen Tina ein Tatverdächtiger.

Connelly hat mit dem aktuellen Roman erneut einen spannenden Thriller abgeliefert. In diesem dreht alles um das Thema DNA und Anonymität. Die Behandlung von Datenschutz ist ein brisantes Thema für die Verbraucher. Es lässt sich anhand des Journalisten bestens in eine einem fiktiven Roman aufgreifen. Als Thriller wird auf der gesamten Klaviatur gespielt. Michael Connelly schreibt in einem einfachen und packenden Erzählstil. Wichtige Begriffe, die dem Thema entspringen, werden den Lesern bestens und elegant erklärt.

Zum guten Ton von Connelly gehört es, sein Universum am Laufen zu halten. Deshalb tauchen in jedem seiner Romane Figuren auf, welche dem Connelly-Leser nicht unbekannt sind. In diesem Roman ist es zum Beispiel die ehemalige FBI-Agentin Rachel Walling, welche McEvoy bei seinen Recherchen hilft. Sie ist bereits in etwa zwanzig Romanen von Michael Connelly eine Nebenfigur.

In anderen Worten: Wer schnelle Ermittlungen mit stets neuen Fakten liebt, wird mit »Tödliches Muster« nichts falsch machen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2022

Veröffentlicht am 10.03.2022

Leicht und Locker ins Paris der 1920er Jahre

Das Herz von Paris
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Mit diesem Roman begeben sich die Leser in das Paris der 1920er Jahre, mitten ins Quartier Latin in die Buchhandlung Shakespeare & Company. Dieser Roman ist also etwas für Paris-Liebhaber, die gerne auch ...

Mit diesem Roman begeben sich die Leser in das Paris der 1920er Jahre, mitten ins Quartier Latin in die Buchhandlung Shakespeare & Company. Dieser Roman ist also etwas für Paris-Liebhaber, die gerne auch gedanklich durch die Straßen und Gassen und über die Boulevards der französischen Hauptstadt spazieren. Ich habe diese Spaziergänge mit Veronika Peters genossen.
Ann-Sophie aus Berlin ist frisch verheiratet mit dem Sohn eines Berliner Bankiers, dessen Bank nun schon 150 Jahre existiert. Doch ihr Mann hat Rechtswissenschaft studiert und soll in Paris die Kanzlei seines Onkels übernehmen. Ann-Sophie folgt ihm also nach Paris. Zu Beginn ist sie tot unglücklich in dieser riesigen Metropole, wo sie keinen Menschen kennt. Doch der Zufall führt sie in die englische Buchhandlung. Hier lernt sie viele neue Freundinnen kennen, wird selbstbewusst und gehört schon bald selbst zu dieser Bohème.
Veronika Peters beschreibt mit Charme und Liebe zum Detail. Das Lokalkolorit in Paris ist auch heute noch anzutreffen, wie sie es für die damalige Zeit bebildert hat. Es fehlt vielen vielleicht der Gestank der heutigen vielen Autos. Aber ein Abend im Deux Magot kann heute noch genauso wie damals ablaufen. Das Pariser Flair des Romans war für mich hinreißend.
Wesentliches Augenmerk bei Veronika Peters liegt auf der Entwicklung der Protagonistin, ihr Wachsen in der von Frauen dominierten Clique, die alle in der Literatur- und Künstlerszene agieren. Schriftstellerinnen, Maler und ähnliche Künstler geben sich in der Buchhandlung als auch bei abendlichen Gesellschaften die Klinke in die Hand.
Von Anbeginn fragt man sich, ob und wie die Ehe von Ann, wie sie von ihren Freunden genannt wird, und ihrem Mann Johann enden wird. Doch das Selbstbewusstsein von Ann-Sophie wächst selbst bei herben Enttäuschungen in ihrem Leben.
Die Unterhaltungen, das lockere Geplauder dieser Damen, machen Spaß, erscheinen zeitgemäß und läuten die wachsende Emanzipation des weiblichen Geschlechts ein.
Letztendlich wird den Lesern nicht nur das Schicksal von Ann-Sophie am Herzen liegen, sondern auch das des kleinen FanFan. Habe sie sehr gerne auf den Straßen von Paris begleitet und empfehle den Roman unbedingt.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2022

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  • Cover
Veröffentlicht am 21.02.2022

Dave Robicheaux und sein Freund Clete Purcel

Eine Zelle für Clete
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Dieser Roman von James Lee Burke ist im Jnauar in einer deutschen Übersetzung bei Pendragon erschienen. Ich will ja nicht viel vorwegnehmen, aber es ist erneut ein ganz anderer Dave-Robicheaux-Krimi.

Dave ...

Dieser Roman von James Lee Burke ist im Jnauar in einer deutschen Übersetzung bei Pendragon erschienen. Ich will ja nicht viel vorwegnehmen, aber es ist erneut ein ganz anderer Dave-Robicheaux-Krimi.

Dave Robicheaux und sein Freund Clete Purcel sind immer dafür gut, alles Negative und Schlechte heranzuziehen. Das ist in diesem Roman nicht anders. Besonders Clete zieht die Probleme an. Eigentlich will er den Tod von mehreren Mädchen aufklären, aber muss er denn gleich einen Zuhälter krankenhausreif prügeln, der kurze Zeit später auch noch tot aufgefunden wird?

Clete steht wieder mal mit einem Bein im Knast. Dabei hat er es nur gut gemeint.

Doch warum bin ich der Meinung, an dass dies ein ganz anderer Dave-Robicheaux-Krimi ist? Der Protagonist dieser Reihe ist milder. Dave ist trockener Alkoholiker und hält sich an die Spielregeln. Er kämpft zwar mit seinen Dämonen, aber er hat keinen Absturz oder Rückfall, womit er sich selbst in Gefahr begibt, irgendein Verbrechen zu begehen. Deshalb ist er in diesem Roman eher ein Ruhepol, der versucht, seinen Freund Clete aus dem Dreck zu holen. Er ist nicht mehr der wilde Haudrauf, wie in anderen Romanen zuvor.

Aber auch andere Figuren haben deutlich an Profil gewonnen. So auch die Ähnlichkeit von Robicheauxs Tochter Alafair mit der gleichnamigen Tochter Alafair des Schriftstellers. Die Lebensläufe beider Frauen weisen doch eine gewisse Ähnlichkeit auf. Doch auch über die Chefin im Sheriffbüro erfahren wir mehr. Es ist immer wieder schön, das Universum der Reihe mitzuerleben.

Zusätzlich beschreibt James Lee Burke viele geschichtlichen Ereignisse aus dem Süden der USA, die Entwicklung der Sklaverei und den heutigen Umgang mit den farbigen Bürgern. Aber auch Episoden aus Vietnam und das, was Robicheaux daraus gelernt hat, werden anschaulich und vor allem plausibel dargestellt.

Die Romane von James Lee Burke sind immer wieder eine Empfehlung wert. Auch der hier besprochene macht da keine Ausnahme.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2022

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 12.02.2022

Im Land der Pharaonen

Im Auge der Sonne
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Dieser Roman von Barbara Wood ist ein historischer Roman, der 2000 Jahre vor Christus in Syrien spielt. Ich bin damit auf unterhaltsame Weise in eine besondere Epoche eingetaucht, die zu Zeiten der ägyptischen ...

Dieser Roman von Barbara Wood ist ein historischer Roman, der 2000 Jahre vor Christus in Syrien spielt. Ich bin damit auf unterhaltsame Weise in eine besondere Epoche eingetaucht, die zu Zeiten der ägyptischen Königin Hatschepsut und des Pharaos Thutmosis spielt.

Wir lernen Leah im Kreise ihrer Familie kennen. Sie ist Heilerin und noch nicht verheiratet. Da ihr Vater ein angesehener Geschäftsmann ist, bleibt es an ihm, einen zu ihm und seinem Ansehen passenden Mann für Leah zu finden. Es soll einer sein, der zu seinen Geschäften passt. Doch Leah verliebt sich in David, einem Schriftgelehrten, der gerade in die Stadt gekommen ist.

Doch diese Liebe darf nicht sein, sie zerstört die Geschäftsbeziehung ihres Vaters. Intrigen und Betrug sorgen für schlimme Zeiten und schließlich wird Leah von den Ägyptern entführt. Die Ägypter wollen das Land erobern. David begibt sich auf die Suche, um Leah zu befreien.

Barbara Wood hat zahlreiche historische Romane geschrieben. Der vorliegende Roman, wie auch andere in Mesopotamien spielende, haben einen besonderen Reiz. Das Land der Pharaonen zur Zeit der Pharaonen. Das hat mir Spaß gemacht.

Barbara Wood hat geschickt unterschiedliche Genre in der Handlung miteinander verknüpft. Während es einerseits um die Liebesgeschichte zwischen Leah und David geht, sorgen die Intrigen für kriminelle Hinterlist. Abenteuerlich gestalten sich die Ermittlungen. Befriedigung der Leser erfolgt, wenn die Verbrecher dingfest und bestraft werden.

Zusätzlich gibt es informationen zum Entstehen des Äskulapstabes und des Alphabets. Ob das tatsächlich exakt so war, ist heute nicht mehr nachprüfbar, aber im Rahmen einer fiktiven Unterhaltungsgeschichte sind diese Information willkommen.

Am Ende des Roman war mir manche Auflösung zu leicht gestrickt, denn manche Figuren geben meiner Meinung nach zu schnell ihre Ziele auf, um die Geschichte mit einem versöhnlichen Ende abzuschließen.

Trotzdem halte ich den Roman für eine empfehlenswerte Sache und für neugierige Leser immer für eine hervorragende Abwechslung.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2022

Veröffentlicht am 06.02.2022

Miss Mabel Clearence hat in diesem Roman bereits den dritten Fall zu klären.

Schatten über Allerby
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Miss Mabel Clearence hat in diesem Roman bereits den dritten Fall zu klären. Das macht sie in gewohnter Weise mit ihrem bekannten, dem Arzt, dem sie ansonsten den Haushalt führt. Mabel wird gerne sowohl ...

Miss Mabel Clearence hat in diesem Roman bereits den dritten Fall zu klären. Das macht sie in gewohnter Weise mit ihrem bekannten, dem Arzt, dem sie ansonsten den Haushalt führt. Mabel wird gerne sowohl von den Lesern als auch von ihren Nachbarn in Cornwall als eine Miss Marple gesehen. Sie wehrt sich zwar dagegen, aber ein Stückchen Wahrheit ist da schon dran. Mabel gehört zwar das Landhaus Higher Barton, aber sie ist immer bodenständig geblieben und wohnt selbst in einem Häuschen in Lower Barton. Das Landhaus lässt sie von einem Ehepaar bewirtschaften. So kommt es nicht selten vor, dass auf Higher Barton Feiern veranstaltet werden. In diesem Zusammenhang wird sie von Lady Carter-Jones angesprochen, eine Feierlichkeit auszurichten. Die Carter-Jones wohnen in Allerby House. Sie gehören dem kornischen Landadel an. Mabel ist nicht wenig überrascht, als sie bei einem Treffen zur Absprache der Feierlichkeit, die sie von Allergie trifft, feststellen muss, dass es sich um eine junge Dame handelt. Sie hatte die Besitzer für ein älteres Paar gehalten. Denn ihr wurde zuvor mitgeteilt, dass es sich um eine Geburtstagsfeier anlässlich des 60. Geburtstag von Lord Carter-Jones handelt. Tatsächlich muss sie nun feststellen, das sie und Lord Carter-Jones über 30 Jahre Altersunterschied aufweisen. Da der Lord, der nach einem Unfall in einem Rollstuhl sitzt, nicht viel von Partys hält, möchte seine junge Gattin, dass er nichts von der Vorbereitung dieses Überraschungsfeier erklärt. Das ist für Mabel kein Problem. Zusammen mit den kein loses, den Gesellschaftern auf Higher Barton, geht Mabel die Organisation dieser recht großen Geburtstagsfeier an. Dies wird die größte Feier die sie bislang auf Higher Barton ausgerichtet hat. Doch dann erfährt sie von dem plötzlichen Tod der Lady. Noch dazu soll es sich um einen Selbstmord handeln. Das mag Mabel Clearence nicht glauben. Diese junge, fröhliche Frau kann nie solch eine depressive Stimmung gehabt haben, dass sie an Selbstmord gedacht hat. Mabel nimmt die Spur auf. Obwohl sie beim Tierarzt und Freund als Haushälterin arbeitet, nutzt sie die Gelegenheit, sich auf Allerby House als Krankenpflegerin für den Lord anstellen zu lassen. Schließlich hat dieser seine Gattin verloren, die sich sehr um ihn bemüht hatte. Eine Pflegerin für ihn ist dringend notwendig. Beste Gelegenheit für Mabel Clearence, hautnah in Allerby ermitteln zu können.

Rebecca Michéle ist eine langjährige Kennerin von Cornwall, reicht mehrmals im Jahr in diese englischen Gefilde und versteht es hervorragende, den Reiz und die Legenden dieses bezaubernden Landstriches in ihren Romanen einzubringen. Die Geschichten um Mabel Clearence sind typische Südengland-Geschichten mit einem eigenständigen Flair, wie ihn nur Rebecca Michéle einbringen kann. Viele lokale Anekdoten, Begebenheiten, Sagen und Sehenswürdigkeiten finden Zugang in ihre Geschichten, die das Buch so reizvoll anreichern mit englischem Dunst. Denjenigen, die sich englische Atmosphäre nicht vorstellen können, möglicherweise weil sie noch nie die Gelegenheit hatten, dort selbst hinzureisen, sei gesagt, dass es sich bei den Romanen um Mabel Clearence um eine Mischung von Miss-Marple-, Inspektor-Barnaby- und Rosamunde-Pilcher-Romanen handelt. Dies ist jetzt eine ganz abgekürzte Beschreibung meinerseits, trifft zwar das äußere, sagt aber sehr wenig über den eigenen Stil der Schriftstellerin aus. Die Beschreibungen der Menschen und Orte und Landschaften Südenglands ist die ganz besondere Art, weshalb gerade Liebhaber dieses Landstriches ein besonderes Augenmerk auf diese Bücher richten sollten. Die Kriminalfälle sind dabei schmückendes und spannendes Beiwerk, die natürlich den Jagdinstinkt der Leser herausfordern. Schließlich sind diese Romane immer für eine Wendung gut.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2015