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Veröffentlicht am 26.05.2021

ein quirliges Durcheinander

Agatha Raisin und der tote Auftragskiller
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Als ich »Agatha Raisin und der tote Auftragskiller« von M.C. Beaton las, kam mir als Erstes in den Sinn, wie treffend die Fernsehmacher der britischen TV-Serie um die Protagonistin Agata Raisin den Romanen ...

Als ich »Agatha Raisin und der tote Auftragskiller« von M.C. Beaton las, kam mir als Erstes in den Sinn, wie treffend die Fernsehmacher der britischen TV-Serie um die Protagonistin Agata Raisin den Romanen nachempfunden haben.

Es ist alles ein quirliges Durcheinander in der beschaulichen, ländlichen Idylle der Cotswolds. Aufgedreht, überspitzt, humorvoll und dazu ausnahmslos exotische und extravagante Figuren. „Normalos“ sucht man vergeblich.
Doch worum geht es in diesem Krimi von M.C. Beaton?

Agatha hat in Frankreich den Entschluss gefasst, aus ihren bisherigen Amateurermittlungen eine richtige gewerbsmäßige Privatdetektei zu machen. Sofort bewirbt sich eine selbstbewusste Nachbarin, um eine Stelle in der Detektei. Agatha muss ihr den Job geben, denn ihren ersten Fall löste diese mit Bravour. Dabei ging es um eine vermisste Katze. Ein Anfang war gemacht. Es kamen weitere Aufträge hinzu, auch Personenschutz. Bei allem berkommt Agatha viel Hilfe von Freunden und Nachbarn, obwohl sie zunächst von vielen Dorfbewohnern nicht erwünscht ist, weil sie mit ihrem Büro das Verbrechen ist Dorf holt.

Die Spannung dieses Romans baut sich anhand der Verbrechen auf. Was mit einer Katze anfängt, über die Bedrohung eines Menschen bis hin zum Mord geht.

Humorvoll und chaotisch sind die Beziehungen aller Leute untereinander. Es gibt ständig Zoff. Immer ist jemand beleidigt. Aber es wird sich auch wieder vertragen. Ein ständiges hin und her, bei dem der Leser den Durchblick behalten muss, was natürlich zusätzlich für Spannung sorgt.

M.C. Beaton präsentiert einen lesenswerten, amüsanten und spannenden Krimi für Leser mit britischen Schwächen. Wer Cornwall, England oder Schottland in der Literatur und Unterhaltung mag, der sollte auf M.C. Beaton nicht verzichten!


© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.05.2021

Kimberly McCreight: Hochspannung vorprogrammiert!

Eine perfekte Ehe
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Der Roman von Kimberly McCreight ist voller Nervenkitzel. Jedes Umblättern sorgt für neue Fakten und erfordert ein Umdenken beim Leser.

Protagonistin in diesem Roman ist die New Yorker Anwältin Lizzie ...

Der Roman von Kimberly McCreight ist voller Nervenkitzel. Jedes Umblättern sorgt für neue Fakten und erfordert ein Umdenken beim Leser.

Protagonistin in diesem Roman ist die New Yorker Anwältin Lizzie Kitsakis, die einen Anruf von einem alten Studienkollegen bekommt. Der ist eigentlich unendlich reich – Kategorie Jeff Bezoz -, aber er ruft per R-Gespräch aus der berücjtigsten und gefährlichsten Justizvollzugsanstalt, dem Rikers Island in New York, an.

Eigentlich wollte Lizzie ihre Ehe und mit ihren Ehemann Sam, der ein Alkoholiker ist, kitten. Sie hat gar keine Zeit für andere Fälle. Jedoch kommt sie nicht umhin, das Mandat von Zach zu übernehmen, um ihn aus dem Gefängnis zu holen.

Stück für Stück wird man mit den Umständen konfrontiert, warum Zach im Gefängnis ist, warum eine Kaution abgelehnt wurde und und und.

Die Beziehungen zu Freunden, Kollegen, Verwandten und Bekannten werden mit jeder weitteen Seite konkretisiert. Alles, was einmal so harmlos klang, ist plötzlich nicht mehr harmlos, sondern brandgefährlich für die Protagonistin. Plötzlich steht alles auf dem Spiel, aber nicht nur für Lizzie. Kimberly McCreight meistert die verzwickten Konflikte mit einer Eleganz, sodass es pure Freude ist, diesen Verwicklungen zu folgen.

Ich möchte aber gerne hinweisen, dass der Thriller mit all seinen Winkelzügen nicht verworren ist. Im Gegenteil: Man ist sich als Leser zu jedem Zeitpunkt sehr sicher, alles richtig verstanden zu haben. Es ist alles plausibel und man möchte meinen, in der jeweiligen Situation würde man auch so handeln. Doch erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt.

Raffiniert sind die verschiedenen Perspektiven, aus denen Kimberly McCreight die Geschichte erzählt. Da ist zunächst die Sichtweise von Lizzie, die aus der Ich_Perspektiver erzählt wird und das ganze Geschehen der Gegenwart, der aktuellen Handlung beleuchtet. Dann gibt es die Rückblenden aus der Sicht des Opfers, immer von einer dritten Person geschildert. Die Rückblenden beschreiben unterschiedliche Zeiten vor der Tat bzw. vor der von Lizzie geschilderten aktuellen Handlung. Und schließlich gibt es Protokolle einerseits von einer Sicherheitsfirma und andererseits von der Staatsanwältin. Besonders die Protokolle der Zeugenaussagen widersprechen meist allen anderen Sichtweisen und sorgen für noch mehr Spannung beim Lesen.

Hier noch eine Information nebenbei: Als ich das Cover der deutschen Ausgabe dieses Romans betrachtete, dachte ich für einen kurzen Moment, dass es sich bei dem Foto um eines von Nicole Kidman handeln könnte. Aber dann wiederum stellte sich die Frage: Warum sollte der Droemer Verlag solch einen Hollywood-Star auf ein Cover nehmen? Doch dies klärte sich schließlich bei den Recherchen zu meinem Artikel „Top Ladies of Thrill – Nervenkitzel aus den USA„. Dieser Roman wird für Amazon Prime von Nicole Kidman und ihrer Produktionsfirma verfilmt. Wow! Klar!

Ich bin gespannt auf die Verfilmung. Das Buch kenne ich nun ja schon und kann es heiß empfehlen!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 18.05.2021

Remy Eyssen und der siebte Fall für Leon Ritter

Verhängnisvolles Lavandou (Ein-Leon-Ritter-Krimi 7)
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Dieser Roman ist ein weiterer Südfrankreich-Krimi von Remy Eyssen. Erneut ist in diesem Kriminalroman der deutsche Leon Ritter, seines Zeichens Gerichtsmediziner in Le Lavandou, die Hauptfigur und der ...

Dieser Roman ist ein weiterer Südfrankreich-Krimi von Remy Eyssen. Erneut ist in diesem Kriminalroman der deutsche Leon Ritter, seines Zeichens Gerichtsmediziner in Le Lavandou, die Hauptfigur und der Ermittler. Es ist mittlerweile der siebte Fall bzw. Band mit ihm.

Im unwegsamen Gelände wird nah am Wasser und im Schlamm die Leiche eines kleinen Jungen gefunden. Offensichtlich ist er nordafrikanischer Abstammung. Er war in einem Plastiksack eingeschnürt und trug Mädchenkleidung. Dr. Leon Ritter wurde an den Ort gerufen.

Das zweite Opfer ist ein Apotheker, der beim sportlichen Radfahren eine Felsabhang hinunter stürzt und dann erschlagen wird. Und schließlich gibt es noch den angehenden Bischof, der keine Skrupel hat, seine Kirche zu betrügen und sehr viel Geld zu veruntreuen.

Diese Verbrechen werden schnell kurz aufeinander präsentiert. Als Leser beginnen die Spekulationen in alle Richtung zu laufen, aber keine Sorge, denn für Spannung hat Remy Eyssen gesorgt.

Remy Eyssen sorgt auch an anderer Stelle für ein besonderes Wohlfühlklima, denn die Figuren werden passend beschrieben, die dafür benutzten Bilder und Vergleiche sind einprägsam und bleiben dem Leser im Kopf. Das erweckt beim Leser den Eindruck, als würde er die Figuren alle persönlich kennen und sei mit ihnen auf du und du.

Wie so viele andere deutsche Autorinnen und Autoren hat auch Remy Eyssen seine Handlung in eine französische Region verlegt. Allerdings schafft es kaum einer von ihnen – obwohl ihre Bücher durchaus in den Bestseller-Listen ranken – , eine solch süffisante, angenehm lesbare Athmosphäre zu schaffen, wie dieser Autor. Das lässt seine Bücher herausragen.

Dieser Roman immer eine starke Empfehlung wert!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 11.05.2021

eine Spur von der Vergangenheit in die Gegenwart

Kronsnest
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Dies ist ein Entwicklungsroman, der erneut zeigt, wie aktuell doch die Vergangenheit sein kann.

Die Handlung beginnt in den späten 1920er Jahren auf dem Lande in der Elbmarsch Norddeutschlands. Den Bauern ...

Dies ist ein Entwicklungsroman, der erneut zeigt, wie aktuell doch die Vergangenheit sein kann.

Die Handlung beginnt in den späten 1920er Jahren auf dem Lande in der Elbmarsch Norddeutschlands. Den Bauern geht es schlecht, weil die Politik kaum Anstalten machte, ihre Lage zu verbessern. Da agieren unterschiedliche Gruppen, um gegen die praktizierten Regeln vorzugehen. Unter anderem auch die aufkommenden braunen SA-Truppen. Als schützende Hand geben sie vor, sich für die Bauern einzusetzen.

Doch Hannes, der Protagonist in »Kronsnest«, mag in dieser Situation nicht einfach nur zwischen Schwarz und Weiß unterscheiden. Er ist der Meinung, dass man sich nicht bedingungslos jeder neuen Strömung anschließen sollte.

»Kronsnest« ist ein Entwicklungsroman, weil wir Hannes dabei zusehen, wie er groß, stark und erwachsen wird. Er braucht viel Kraft, um sich gegen seinen Vater durchzusetzen, der den Freund von Hannes bevorzugt. Die Mutter möchte ihren Sohn zwar unterstützen, jedoch ist sie zu schwach gegenüber ihrem Mann. Der Mann bricht nicht nur dem Hund die Knochen, auch Hannes muss sehr unter ihm leiden .

Florian Knöppler hat einen beeindruckenden Roman geschrieben, der aufgrund der wirtschaftlichen Lage zur damaligen Zeit zwar düster ist, aber immer wieder helle Momente hat. Und weil zum Erwachsenwerden auch die aufkeimende Liebe zum anderen Geschlecht gehört, gibt es auch einige romantische Szenen in diesem Roman.

Die Dorfgemeinschaft in der Elbmarsch wird mikroskopisch auseinandergenommen. Die Figuren mit ihren Eigenschaften bilden den Mittelpunkt. Dabei bleibt es nicht nur bei Hannes und seiner Familie. Die Leser lernen sehr viele andere Leute kennen. Detailreich werden deren Einstellungen und Handlungsweisen begründet, so dass man die scheußlichsten Handlungen zwar nicht gutheißen, aber doch verstehen kann.

Der empfehlenswerte Roman »Kronsnest« von Florian Knöppler zeigt einen Spiegel der heutigen Gesellschaft anhand einer Handlung, die vor fast einhundert Jahren spielt. Ein Roman, der zum Innehalten und Nachdenken anregt.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 11.05.2021

Chiara Marchelli auf den Spuren von Pascal Mercier

Die blauen Nächte
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Wenn man feinfühlige Romane mag, kann mit diesem nichts schief gehen. Der Roman der Italienerin spielt in New York und ist eine italienisch-amerikanische Tragödie.

Das aus Italien stammende Ehepaar Larissa ...

Wenn man feinfühlige Romane mag, kann mit diesem nichts schief gehen. Der Roman der Italienerin spielt in New York und ist eine italienisch-amerikanische Tragödie.

Das aus Italien stammende Ehepaar Larissa und Michele sind die Hauptfiguren, neben ihrem vor fünf Jahren aus dem Leben geschiedenen Sohn. Vor allem Michele kann sich nach all diesen Jahren nur sehr schwer daran gewöhnen, dass ihr geliebter Sohn nicht mehr lebt. Es treibt ihn immer noch die Frage nach dem Warum. Denn der Sohn ist freiwillig ohne jede Ankündigung selbst aus der Welt gegangen, hat seine Eltern und seine Ehefrau plötzlich und ohne jede Zeichen einer Ankündigung alleine gelassen. Oder nicht? Gab es Anzeichen dafür? Hatte er, Michele, sie übersehen?

Micheles Selbstzweifel werden zudem damit angestachelt, als die verwitwete Schwiegertochter ihm mitgeteilt, dass ihr Sohn ein Kind mit einer anderen Frau hatte. Zum Zeitpunkt seines Selbstmords war das Kind bereits drei Jahre alt.

Chiara Marchelli hat einen hinreißenden, philosophischen Schreibstil, denn der Leser erfährt sehr viel aus den Gedanken der Figuren. Dies erinnert an die großartigen Romane von Pascal Mercier. Meistens ist es Michele, der sich den Kopf zerbricht, dessen Gedanken keine Ruhe finden. Selbst in Gesprächen springen seine Gedanken in einen Tagtraum hinein. Wird ein besonderes Gesprächsthema angesprochen, so gehen Micheles Gedanken sofort in die Vergangenheit und berichten wie es damals war oder was er heute dafür hält. An dieser Stelle wird vom Leser ein schnelles Umschalten verlangt. Chiara Marchelli gestaltet dies sehr komplex und meisterhaft.

Ganz anders als Michele reagiert seine Frau Larissa. Sie geht eher pragmatisch mit der Situation um und kann nicht alle Entscheidung ihres Mannes gutheißen.

Chiara Marchelli versteht es meisterlich, die Spannung aufzubauen und zu halten. Als Leser muss man damit rechnen, dass neue Fakten auf den Tisch kommen und alles bis dahin Geglaubte über den Haufen geworfen werden muss.

Lediglich bei all den Abschweifungen in die Mathematik und Spieletheorie (Michele ist Professor auf diesem Gebiet) hätte sich Chiara Marchelli etwas zurückhalten sollen. Die Vergleiche, die Michele hierraus zum Verhältnis und Leben seines Sohnes zieht, sind zu konfus und für einen Nicht-Mathematiker schwer nachvollziehbar, zu theoretisch.

Alles in allem bleibt »Die blauen Nächte« von Chiara Marchelli ein empfehlenswerter Roman, der sich auf ganz besondere Weise der Trauerbewältigung annimmt, ohne depressiv zu machen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021