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Veröffentlicht am 04.03.2025

Ámbar und die Wunden ihres Vaters und ihres Lebens

Ámbar
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Der Roman ist ein preisgekrönter Roman und wurde in seiner Heimat mit dem Hammett-Preis ausgezeichnet. Es ist die Geschichte eines fünfzehnjärigen Mädchens, die mit ihrem Vater durch die Städte und Dörfer ...

Der Roman ist ein preisgekrönter Roman und wurde in seiner Heimat mit dem Hammett-Preis ausgezeichnet. Es ist die Geschichte eines fünfzehnjärigen Mädchens, die mit ihrem Vater durch die Städte und Dörfer tourt.

Ámbar und die Wunden ihres Vaters und ihres Lebens
Zu Beginn erlebt man Ámbar beim Versorgen einer blutenden Wunde. Schnell weiß man, dass es ihr Vater ist, den sie verbindet. Das ist eine ganz normale Tätigkeit für das Mädchen, obwohl sie viel lieber genau wie andere Mädchen in ihrem Alter Rockkonzerte besuchen würde.

Doch dafür ist keine Zeit. Sie ist mit ihrem Vater auf der Flucht. Ihr Vater ist ein bekannter Drogendealer und skrupelloser Killer. Er darf sich nicht erwischen lassen, weshalb beide immer wieder in unterschiedlichen Outfits und Haaren, mit verschiedenen Papieren und Namen unterwegs sind. Ihre Identität muss unerkannt bleiben. Sollte das einmal nicht der Fall sein, tötet der Vater einfach die Zeugen.

Schnell wird aus der Flucht auch eine Jagd, denn der Vater will einerseits seinen Freund, sofern er überhaupt einen hat, rächen und andererseits bekommt er den Auftrag, geklaute Drogen aus dem Besitz der Diebe wieder zu beschaffen. Ámbars Flucht mit ihrem Vater bezieht sich weniger auf die Flucht vor der Polizei als auf die vor anderen Drogengangstern.

Ich würde »Ámbar« nicht unbedingt als einen Thriller betiteln. Es ist mehr ein apannender Gegenwartsroman. Schließlich möchte man von der ersten Seite an wissen, wie es der Kleinen, die aufgrund der Umstaände viel zu früh erwachsen geworden ist, ergehen wird. Ihr Weg ist der spannende und sehr interessante Faden. Wird es ihr demnächst besser gehen? Wird sie nicht immer als die Liebste ihres Vaters angesehen?

Gewalt und Zärtlichkeit
Zart wird die sich aufbauende Liebe zu Marcos entwickelt, der sie unter dem Namen Alejandra kennt. Mit ihm erlebt sie dann tatsächlich ein Konzert und es schmerzt sie, Marcois anzulügen. Wird sie ihm ihre wahre Identität offenbaren?

Zwar gibt es keine Ermittlungen, aber natürlich werden Leser in diesem Roman eine Jagd erleben. Und während sieder Jagd geht es sehr brutal zu. Obwohl im ersten Kapitel nur eine Wunde versorgt wird , wirkt diese bereits sehr gewalttätig. Bildhaft treten zerfetztes Fleisch und Blut in mehreren Szenen dem Leser in den Kopf.

Mich hat der Roman sehr an Fernsehserien wie Dom oder Queen of the South erinnert, in der ebenfalls die Schicksale von Menschen beschrieben werden, die unverschuldet als KInder in die Verbrechensszene hineingezogen wurden und vergeblich versuchen, die Verbrechen hinter sich zu lassen. Ob es Ámbar schafft, wird nur den Lesern dieses Romans vorbehalten bleiben.

Am Ende bleibt uns die Geschichte von Ámbar im Gedächtnis, einem Mädchen, das viel zu schnell erwachsen werden musste. Ihr spannendes und gefährliches Leben inmitten von Gewalt und dem brutalen Alltag im Drogenmilieu zieht uns in seinen Bann. Doch zwischen all dem Chaos blitzen zärtliche Momente der Liebe auf, die uns zeigen, dass es immer einen Funken Hoffnung gibt. Ámbar denkt ständig darüber nach, wie sie diesem Leben entfliehen kann, und lässt uns mit der Frage zurück, ob es einen Ausweg aus dieser dunklen Realität gibt. Ihre Reise ist nicht nur ein spannendes Abenteuer, sondern auch eine Aufforderung zur Reflexion über unsere eigenen Lebensentscheidungen. Ein lesenswerter Roman, der zum Nachdenken anregt und uns mit einem Gefühl der Dringlichkeit zurücklässt.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Iowa: Ein Ausflug nach Amerika

Iowa
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Im vergangenen Jahr wurde das Hardcover des Romans »Iowa« von Stefanie SargnagelStefanie Sargnagel für den Deutschen Buchpreis nominiert, und ab Juni dieses Jahres wird er auch als Taschenbuch erhältlich.

Stefanie ...

Im vergangenen Jahr wurde das Hardcover des Romans »Iowa« von Stefanie SargnagelStefanie Sargnagel für den Deutschen Buchpreis nominiert, und ab Juni dieses Jahres wird er auch als Taschenbuch erhältlich.

Stefanie Sargnagel tauscht 2022 widerwillig das heimische Wiener Sofa gegen ein Ticket gen USA. In Iowa wird sie künftig in der Einöde an einem College kreatives Schreiben unterrichten müssen. Hello cornfields!

Die beschauliche Kleinstadt Grinnell in Iowa – mit ihren 8000 Bewohnern bietet sie außer endlosen Maisfeldern nur Langeweile pur. Die Musikikone Christiane Rösinger aus Berlin ist mit von der Partie und begibt sich mit einem ortskundigen Einwohner auf die absurde Entdeckungsreise durch das Nirgendwo. In dieser Getreidekammer der USA stoßen sie auf übergewichtige, aber herzliche Lokalmatadore, traditionelle Klischees, gigantische Supermärkte, in denen Obdachlose die Möglichkeit zum Duschen bekommen, skurrile Würstchenkreationen und ein Glas voller eingelegter Truthahnmägen.

Witzig gedacht sind die korrigierenden Fußnoten von Christiane Rösinger. Diese Fußnoten, die im Text auftauchen und deren Inhalt man dann am Ende des Buches erfahren kann, sollen auf humorvolle Weise sowas wie einen Faktencheck darstellen. Technisch finde ich es allerdings in jedem Roman, denn dieses Buch wird so betitelt, den Einsatz von Fußnoten sehr unbrauchbar. Sie reißen den Leser aus dem aktuellen Satz weg, er muss bis zum Ende blättern, die Fußnote lesen, den Zusammenhang zum Ursprung herstellen und dann wieder zurückblättern zum eigentlichen Text. Eleganter wäre solch eine humorvolle „Korrektur“ im eigentlichen Haupttext beispielsweise in einer anderen Hervorhebung (z.B. Schriftart, farblich, etc.) einfließen zu lassen. Der Lesefluss der Leser würde nicht unterbrochen werden. Schade auf die verpatzte Chance.

Ebenso ungewöhnlich und schlecht verdaulich fand ich den Umstand, dass es quaso nur ein einzelnes Kapitel mit etwa 270 Seiten gibt. Kein einziger Absatz, an dem sich Leser mal eine Pause gönnen oder ein Lesezeichen hineinlegen oder die Augen pausieren können.

Das Buch ist eine Reisebeschreibung und als solches durchaus lesbar, wobei mir teils aber zu wenig Iowa vorkommt. Vielmehr dreht sich alles um die Autoren bzw. ihre Protagonistin gleichen Namens und deren Bauchnabel. Manche Leser mögen das und für die mag das auch witzig klingen. Mir persönlich hat einfach die Dramarturgie und der rote Faden gefehlt. Es gibt nur wenig Hochs und Tiefs, abgesehen von den Streitereien mit der Reisebegleiterin undn der Tatsache, dass sie beide feststellen,m sich nicht genug zu kennen, um überhaupt ein Gespräch führen zu können.

Wenn Sie also bereit sind, die USA nicht nur in ihrer majestätischen Weite, sondern auch mit einem Augenzwinkern zu erleben, dann ist dieses Buch für Sie genau das Richtige. Es verspricht nicht nur humorvolle Gedanken und skurrile Dialoge über die vermeintlich langweiligsten Erlebnisse, sondern auch einen Blick auf das Ungewöhnliche in der Normalität. Tauchen Sie ein in die Kornkammer der USA und lassen Sie sich von den charmanten Absurditäten mitreißen! Teilen Sie diesen Blogbeitrag in den sozialen Medien, damit noch mehr Menschen die Freiheit haben, über das Alltägliche zu lachen!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 24.02.2025

sieben Frauenköpfe - Wer sind diese Frauen?

Die 11. Stunde
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James Pattersons und Maxine Paetros »Die 11. Stunde« aus der Women’s Murder Club-Serie habe ich erneut im englischen Original (11th hour) gelesen. Trotz der gut lesbaren deutschen Übersetzung schätze ich ...

James Pattersons und Maxine Paetros »Die 11. Stunde« aus der Women’s Murder Club-Serie habe ich erneut im englischen Original (11th hour) gelesen. Trotz der gut lesbaren deutschen Übersetzung schätze ich die Originalsprache dieser Bücher. Auf meinem Blog gibt es bereits einen eigenen Beitrag "Spannende Thriller-Reihe: Women’s Murder Club von Patterson" über die spannende Thriller-Reihe von Patterson mit den Protagonistinnen und den besprochenen Bänden.

In gewohnter Weise werden den Lesern zwei Kriminalfälle präsentiert. Dieses Mal werden sie aber nicht von verschiedenen Figuren im Personal gelöst, sondern Lindsay Boxer bittet den Chef darum, beide Fälle bearbeiten zu dürfen, denn sie üben jeder einen besonderen Reiz auf sie aus.

In einem Fall wurde ein Cop getötet, der undercover in einer Drogengang ermittelt. Als gleich darauf weitere Drogendealer mit derselben Waffe erschossen werden, bekommt der Täter den Beinamen „Der Rächer“ und Lindsay und ihr Team kommen zu dem Schluss, dass es sich beim Täter um einen Kollegen handeln könnte, denn er scheint wesentliches INsiderwissen zu haben und die Tatwache stammt aus der Asservatenkammer.

Im anderen Fall werden in dem Anwesen eines großen und bekannten Hollywood-Stars die Totenschädel von sieben Frauen gefunden. Mit der Entdeckung des ersten Schädels startet der Roman übrigens. Die Körper bleiben allerdings verschwunden. Eine Hausdruchsuchung und auch das Umgraben im Garten bringen keinen Erfolg und das Team steht immer noch vor einem Rätsel. Aucvh ergibt sich keinerlei Hinweis auf ein Motiv. Zwar ist vor vielen Jahr die Ehefrau des Schaupielers verschwunden und er wurde kurzzeitig verdächtigt, aber dieses Verdächtigungen hatten sich später als haltlos erwiesen. Der Schauspieler hofft, dass seine Frau sich unter den jetzt aufgefunden Opfern befindet, nur damit er Gewissheit hat. Schließlich vermisst er sie immer noch.

Schließlich und endlich gibt es erneut Konflickte im privaten Umfeld des Personals, die für die Spannung im Hintergrund der Reihe sorgen. Lindsay Boxer bangt um ihren Ehemann.

Die Leser werden von den vielfältigen Erzählsträngen mitgerissen, und es können Vermutungen über potenzielle Verbindungen zwischen ihnen entstehen. Diese Dramaturgie kennen die Reihenleser bereits, während die rasch aufeinanderfolgenden kurzen Kapitel mit nur ein bis drei Seiten den Roman zu einem wahren Pageturner machen. Wirklich eine spannende Lektüre, die die Leser bis zur letzten Minute in »11th Hour« in Atem hält.

In diesem Thriller werden zwei unterschiedliche Sichtweisen genutzt, was ihn besonders faszinierend macht. Lindsay Boxer berichtet persönlich als Ich-Erzählerin über alle Geschehnisse um sie herum. Für die Szenen ohne Boxer, tritt ein allwissender Erzähler in der dritten Person auf. Beim Lesen ist es jedoch kaum bemerkbar, dass es zwei Perspektiven gibt. Nur wenn Boxer selbst erzählt, wird es etwas persönlicher. Diese Erzählweise ist normalerweise eher den Privatdetektiven in Krimis und Thrillern vorbehalten, während sie bei Polizisten von Autoren eher selten verwendet wird. Dieser spannende Thriller bietet somit eine einzigartige Sichtweise und hält den Leser bis zur letzten Minute gefesselt.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 20.02.2025

die Suche nach den vermissten Mädchen

Ein Schrei, den niemand hört
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Dieser klasse Thriller ist der Auftakt der Reihe um Detective Chief Inspector Robert Kett, seines Zeichens Experte für Vermisstenfälle. Außerdem ist er charmant, wortgewandt, risikobereit und mit seinen ...

Dieser klasse Thriller ist der Auftakt der Reihe um Detective Chief Inspector Robert Kett, seines Zeichens Experte für Vermisstenfälle. Außerdem ist er charmant, wortgewandt, risikobereit und mit seinen drei Töchtern irgendwie auch überfordert.

In den meisten britischen Krimis steht die Suche nach vermissten Personen im Vordergrund. Dies könnte entweder der Realität entsprechen oder einfach ein beliebter Trend bei britischen Autoren und Verlagen sein. Solange die Spannung erhalten bleibt, kann dies jedoch nicht schaden. Bei Alex Smith ist dies definitiv gegeben, da er auch eine ordentliche Prise Humor einbringt. Nun aber zu den Einzelheiten.

DCI Kett erreicht Norwich mit seinen drei Töchtern – Alice (8), Evie (3) und Moira (18 Monate). Er ist vorübergehend von seinem Dienst bei der Metropolitan Police London freigestellt worden. Seine Frau Billie ist seit einigen Monaten verschwunden. Trotz intensiver Bemühungen der Polizei und von Robert selbst, bleibt ihre Suche erfolglos und steckt fest. Während er nach seiner Frau sucht, hat Robert scheinbar seine Töchter vernachlässigt, die ihn jetzt mehr denn je brauchen. Daher wurde er zu einer familiären Auszeit verpflichtet, die er mit den Mädchen in seiner Heimatstadt verbringen möchte.

Als DCI Kett in Norwich eintrifft, sind zufällig zwei elfjährige Mädchen verschwunden. Die beiden hatten Zeitungen für einen Zeitungshändler ausgetragen und sind während ihrer Tour wie vom Erdboden verschluckt. Obwohl er Zwangsurlaub hat und eigentlich in einem anderen Polizeibezirk arbeitet, wird Kett dank seiner Vermissten-Superkräfte zur Rettungsaktion eingezogen. Aber niemand hört DCI Kett sagen: Ich bin dafür nicht zuständig. Denn es geht um kleine Mädchen.

Unvergleichlich finde ich die Konstellation des alleinerziehenden Vaters, den sich ALex Smith für den Krimi hat einfallen lassen. Trotzt aller Sorge um die vermisste Mutter seiner Töchter versteht der DCI die verordnete Auszeit und bemüht sich sehr auch im Rahmen der regionalen Vermisstenfälle um seine Töchter. Doch es ist schwierig, alles unter einen Hut zu bringen. Die eine Tochter muss in die Schule, die zweite in einen Kindergarten und für die dritte, am wenigsten einsichtige, muss er eine Kinderfrau oder eine Tagesmutter finden. Besonders Moira sorgt für sehr viele wunderbare Situationen, die einem vor Lachen die Tränen in die Augen treiben.

Für den Humor und die ungewöhlichsten Situation sorgen aber auch die anderen Figuren im Roman. Ob das nun Ketts alter Kumpel und Polizeikollege Porter ist, der offenbar keinen Tee machen kann, sich aber stets bemüht, oder der Leiter der Polizei, Superintendent Colin Clare, der laut und schnaufend wie ein Choleriker sein Amt ausfüllt und bei jedem Misserfolg durch die Decke geht. Letzterer wird schnell von der kleinen Moira „Ninosau“ genannt, weil sie wohl bei irgendjemanden aufgeschnappt hatte, dass der Superintendet als Dinausaurier bezeichnet wurde, während ihn Evie gelegentlich „Pupskopf“ nennt.

Die Hintergrundgeschichte um die verschmundene Ehefrau von Kett funktioniert bestens, um die Spannung bis zum Schluss zu halten. Dafür bedarf es nicht nur die verschwundenen Mädels in Norwich, deren Suche von einer Reihe Wendungen und Verwirrungen begleitet wird. Falsche Spuren, falsches Bauchgefühlt. Immer wieder laufen Kett und die örtliche Polizei in eine Sachgasse, auch wenn sie so manches Mal nah an dem Enmtführer dran zu sein scheinen.

Alex Smith belässt es spannungstechnisch nicht bei einm Krimi mit Ermittlungen, sondern hat einen feinen Thriller präsentiert. Schließlich lässt er Euinbblicke aus einer anderen Perspektive zu. Diese Kapitel sind wunderbar mit einer anderen Schrift hinterlegt und als Leser gewinnt man einen Blick auf die entführten Mädchen. Manchmal hat man auch das Gefühl, aus der Sicht eines Täters zu schauen. Es ist jedenfalls grauenvoll und man wünscht sich, dass Kett und die Polizei dem Treibven schnell ein Ende bereiten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieser humorvolle Thriller um die vermissten Mädchen und ihre schicksalhaften Begegnungen beim Zeitungsaustragen nicht nur Spannung und unerwartete Wendungen bietet, sondern auch durch die spritzigen Dialoge der drei Töchter des Protagonisten und die ständigen Überreaktionen seines cholerischen Chefs für herzhaftes Lachen sorgt. Ein echtes Vergnügen für alle, die eine Mischung aus Nervenkitzel und Humor lieben! Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, teile ihn doch auf deinen sozialen Medien und lass auch deine Freunde an diesem unterhaltsamen Abenteuer teilhaben!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

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Veröffentlicht am 14.02.2025

Die Suche nach Schuld bei den anderen

Zorniger
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Dieser Roman von Eva Förster ist eine etwas 130 Seiten lange Erzählung über Schicksale im Leben und den Lauf der Dinge.

Die ersten Schicksalsschläge im Leben des Wolfgang Mühlberger werden den Lesern ...

Dieser Roman von Eva Förster ist eine etwas 130 Seiten lange Erzählung über Schicksale im Leben und den Lauf der Dinge.

Die ersten Schicksalsschläge im Leben des Wolfgang Mühlberger werden den Lesern gleich zu Beginn präsentiert, so dass nur noch die Frage übrig bleibt: Wie wird dieser Mann damit umgehen können?

Zunächst starb vor wenigen Jahren Mühlbergs Frau Franziska. Sie hatte Krebs. Alleine seine Frau zu verlieren war für ihn ein schwerer Schlag. Ein Schlag, bei dem er offenbar seine Tochter Nathalie, die Anfang Zwanzig ist, alleingelassen hatte.

Nathalie hatte sich letztendlich vor Kurzem selbst in die Psychiatrische Klinik einweisen lassen. Sie litt zu sehr an Depression. Dann kommt der Anruf aus der Psychiatrie und er wird informiert, dass seine Tochter in der letzten Nacht verstorben ist. Der Arzt bittet um Mühlbergers Erlaubnis, die Leiche von Nathalie obduzieren zu dürfen. Er wolle der Ursache für den plötzlichen Herzstillstand auf den Grund gehen und redet etwas von Broken-Heart-Syndrom.

Mühlberger denkt sich, dass doch dann jemand Schuld an dem Tod seiner Tochter haben muss. Er fragt: Wer trägt die Schuld an Nathalies Tod? Er versucht den Tod seiner Tochter zu rekonstruieren und Erklärungen zu finden. Er fährt in ihre Wohnung, durchforstet ihr Handy, liest Tagebucheinträge, trifft sich mit ihrer besten Freundin. An seiner Seite wird von einem Freund begleitet.

Erst jetzt lernt er seine Tochter ganz neu kennen. Er muss sich eingestehen, dass er nichts, aber auch gar nichts über seine Tochter wusste, dass er so gut wie nicht an ihrem Leben teilgenommen hatte.

Ebenso trifft er bei seiner Recherche im Leben seiner Tochter auf einen alten Studienkollegen von der Humboldt-Uni. Noch zu Zeiten der DDR hatten beide einen Auseinandersetzung, die dazu führte, dass seinem Kommilitonen die Karriere verbaut wurde.

Die Vergangenheit hat Mühlberger eingeholt und verdrängte Gefühle gelangen wieder an die Oberfläche. Doch was hat die alte Geschichte mit dem Tod seiner Tochter zu tun?

Eva Förster hat in dieser Erzählung die Schicksalsschläge im Leben eines Mannes zusammengebracht, der das Alte längst vergessen hatte. Zielstrebig für sie den Leser immer weiter zu der Frage, was da tatsächlich vorgefallen sein könnte. Neue Erkenntnisse führen zunächste zu Überraschungen und enden schließlich mit einer Wendung und einer Auflösung, die nicht gerade ein Happy End darstellt, aber doch plausibel als Abschluss hingenommen werden kann.

Bis auf Wolfgang Mühlberger sind die Figuren nicht mit allzuviel Tiefe ausgestattet. Sie sind funktional und nachvollziehbar in ihren Handlungen und Reaktionen.

Die Dialoge werden sparsam eingesetzt, schließlich spielt sich aber auch viel im Kopf des Protagonisten ab . Unendlich lange Gespräche werden die Leser suchen müssen. Mich hat es aber auch nicht gestört.

Mir hat die einfühlsame Geschichte gefallen und die sich entwickelnden Fragestellungern waren für mich spannend genug, um weiterzulesen, damit sie mir beantwortet wurden. Es ist mitnichten ein Kriminalroman, was auch niemand behauptet hat, und dennoch wird der Schuldige an einem Tod gesucht. Das geschieht mit einem Blick in den Kopf der Hauptfigur. Aufgrund der Kürze der Erzählung für jeden an Geschichten Interessierten schnell zu konsumieren.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025