Wer ist hier der Jäger?
Eifelgrau - Die Jagd der WölfeDer zehnte Fall für Kommissar Fett und seine Kollegin Conti zieht wesentlich größere Kreise als zunächst gedacht.
Der Wolf ist das zentrale Motiv des Romans: die Angst vor dem Wolf, die den Menschen ...
Der zehnte Fall für Kommissar Fett und seine Kollegin Conti zieht wesentlich größere Kreise als zunächst gedacht.
Der Wolf ist das zentrale Motiv des Romans: die Angst vor dem Wolf, die den Menschen schon in Märchen wie „Rotkäppchen“ eingeimpft wird. Aber auch der wissenschaftliche und naturkundliche Aspekt rund um den Wolf kommt hier nicht zu kurz. Man lernt sehr viel über den Wolf, sein Verhalten und das politische Spannungsfeld drumherum. Ebenso werden die Folgen für Tourismus und Landwirtschaft thematisiert. Auch die große Weltpolitik findet wieder ihren Platz im Roman – ob der Krieg in der Ukraine oder Korruptionsaffären in der EU. Gleichzeitig verschmelzen auch lokalpolitische Themen wie der Skandal um den Landrat des Kreises Düren mit der Handlung zu einer stimmigen Symbiose innerhalb des Kriminalromans.
Fett und Conti haben diesmal einen etwas geringeren Anteil an der Geschichte als in den letzten Bänden. Die Ermittlungsarbeit teilen sie sich mit Catherine Kaufmann, die für den französischen Geheimdienst arbeitet.
Auch Chantal Kalumba aus Belgien kommt wieder zum Einsatz und unterstützt die Kollegen im Dreiländereck, denn der Wolf hält sich natürlich nicht an Staatsgrenzen.
Olaf Müllers Schreibstil trägt durch den gesamten Roman. Sein Humor und die pointierten Dialoge lassen einen nur so durch die Seiten fliegen. Beste Unterhaltung mit dem einen oder anderen Schmunzler ist garantiert. Seine Ortskenntnis ist unschlagbar: Wie von Zauberhand baut er etliche regionale Schauplätze ein, nennt Restaurants oder Persönlichkeiten, die den Leserinnen und Lesern ein Gefühl von Heimat vermitteln. Zudem kennt er die Menschen in Aachen, Düren und der Eifel genau und zeichnet dadurch herausragende Charaktere, die diesen Menschenschlag überzeugend widerspiegeln. Der Dialekt beziehungsweise die Eifeler Mundart tun dabei ihr Übriges.
Der Roman umfasst diesmal eine größere Zeitspanne. Insgesamt erstrecken sich die Ermittlungen über ein Jahr, wodurch es einige Zeitsprünge gibt und die Erzählweise nicht ganz so dicht wirkt wie in manchen seiner anderen Bücher. Conti und Petridis widmen sich zwischendurch unter anderem auch Altfällen, die jedoch nicht weiter ausgeführt werden. Die verschiedenen POVs sorgen für Abwechslung und ermöglichen es den Leserinnen und Lesern, den zahlreichen Protagonisten näherzukommen.
Wieder ein gelungener Kriminalfall, der uns die Region Aachen–Düren–Eifel näherbringt und bestens unterhält. Für mich war das Ende leider etwas plötzlich und wirkte nicht vollständig rund, aber das ist nur mein subjektiver Eindruck und schmälert den Lesespaß kaum.