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Veröffentlicht am 15.11.2025

Touristenproblematik von Lissabon

Portugiesisches Schweigen
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Ein Kriminalroman, der sich mit einem aktuellen Thema auseinandersetzt. Eine Mordserie hält Lissabon in Atem. Helena Gomes steht dabei zusammen mit ihrem Lebenspartner, dem Ex-Kriminaler und Inhaber eines ...

Ein Kriminalroman, der sich mit einem aktuellen Thema auseinandersetzt. Eine Mordserie hält Lissabon in Atem. Helena Gomes steht dabei zusammen mit ihrem Lebenspartner, dem Ex-Kriminaler und Inhaber eines Antiquariats, Henrik Falkner, wieder im Mittelpunkt des Geschehens. Die beiden Charaktere sind sehr unterschiedlich, was die These „Gegensätze ziehen sich an“ deutlich unterstreicht.

Helena Gomes ist temperamentvoll und wird manchmal von ihren Gefühlen überwältigt. In ihr schlummert eine unterschwellige Aggressivität, was für eine Frau eher ungewöhnlich ist. Im Gegensatz dazu ist Henrik Falkner ein ruhiger Geselle. Er leidet unter Angststörungen und ist oft in sich gekehrt. Doch mit seiner besonderen Art sorgt er dafür, dass Helena, die sich manchmal etwas verloren fühlt, ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit bekommt. Beide Charaktere ergänzen sich sehr gut, auch wenn sie immer wieder an die Grenzen ihrer Belastung stoßen.

Die Handlung ist mit einem guten Erzähltempo versehen, und man kann ihr gut folgen. Das Thema ist sehr aktuell und zeigt Probleme auf, die Lissabon sicher mit anderen beliebten Weltmetropolen teilt.

Der Schreibstil des Autors ist angenehm zu lesen, gut erzählend und sprachlich ansprechend. Die Spannung bleibt konstant hoch, und man ist versucht, selbst mitzurätseln, wer die oder der Verdächtige sein könnte. Besonders gut gefallen haben mir die vielen Beschreibungen der Orte in Lissabon.

Ich hoffe, dass ich bald einmal diese besondere Stadt bereisen darf, um mir selbst ein Bild von ihr zu machen. Ein guter Krimi aus Lissabon, der Lust aufs Reisen macht, auch wenn das Reisen hier für einige im Roman nicht so schön war, wie man es sich wünschen würde.

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Veröffentlicht am 15.11.2025

Medizin mit Kolonialgeschichte

Rurfieber
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Ein Krimi, der ein sehr ernstes Thema aufgreift und es dennoch mit feinem Humor verbindet.

Die Kommissare Michael Fett und Daniela Conti sind inzwischen ein eingespieltes Duo. Doch dieser Fall verlangt ...

Ein Krimi, der ein sehr ernstes Thema aufgreift und es dennoch mit feinem Humor verbindet.

Die Kommissare Michael Fett und Daniela Conti sind inzwischen ein eingespieltes Duo. Doch dieser Fall verlangt ihnen alles ab. Michael Fett ist ein Kommissar alter Schule, der mit vielen aktuellen Themen unserer Gesellschaft fremdelt. Daniela Conti bildet dazu den erfrischenden Gegenpart, der jedoch auch mit Fetts manchmal altmodischer und eigensinniger Art erstaunlich gut zurechtkommt. Auch Kollegin Kalumba weiß, wie sie Fett nehmen muss, während der junge Kollege Petridis die Generation Z überzeugend verkörpert.

Der Krimi beschäftigt sich mit dem Thema Medizin und eröffnet den Lesenden spannende Einblicke in die Kolonialgeschichte und ihre Schattenseiten. Pointiert und anschaulich bringt der Autor diese Thematik nahe, ohne die Spannung aus dem Blick zu verlieren. Humorvolle Passagen lockern die ernsten Aspekte auf. Olaf Müller gelingt es, ein facettenreiches Porträt der Region zu zeichnen, ohne sich in ermüdenden Details zu verlieren. Mit treffenden Metaphern und einem reichen Wortschatz beweist er sein Können und hält das Erzähltempo durchgehend hoch.

Besonders gelungen ist der Aufbau der Kapitel, die häufig mit kleinen Cliffhangern enden und dadurch einen hohen Lesesog entwickeln. So wirkt die Handlung lebendig und abwechslungsreich. Zahlreiche Anspielungen auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen sowie versteckte Hinweise für Buch- und Filmfans bereichern den Text zusätzlich.

Die Verbindung von Medizin, Wissenschaft und den Eigenheiten eines Lokalkrimis hat mir ausgesprochen gut gefallen. Lediglich das Finale kam mir etwas zu abrupt und schnell. Abgesehen davon ist dies jedoch ein spannender, tiefgründiger und zugleich humorvoller Fall, der die Reihe um die Aachener Kommissare bereichert.

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Veröffentlicht am 15.11.2025

Cozy Welt mit neuem Terrain

Novel Haven - Levels of Love
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Anabelle Stehl erschafft wieder eine cozy Welt, die zum Träumen einlädt. Ich mag bekanntlich die Bücher der Autorin und lasse mich gerne von ihr auf neues Terrain entführen. So auch bei diesem Buch. Eigentlich ...

Anabelle Stehl erschafft wieder eine cozy Welt, die zum Träumen einlädt. Ich mag bekanntlich die Bücher der Autorin und lasse mich gerne von ihr auf neues Terrain entführen. So auch bei diesem Buch. Eigentlich habe ich nichts mit Computerspielen zu tun.

Lara und Luca sind zwei Protagonisten, die ich sofort ernst nehmen konnte und zu denen ich eine Beziehung aufbauen konnte. Sie haben Ecken und Kanten, bereits eine „Geschichte“ hinter sich und punkten mit ihren Erfahrungen. Der duale POV macht die beiden für die Leser*innen sehr nahbar. Die Location ist mehr als exquisit und lädt ebenfalls zum Träumen ein: ein altes Herrenhaus mit einem wunderbaren Anwesen in England.

Natürlich gibt es viel Games-Content, aber er ist verständlich erklärt und man muss definitiv kein Experte oder keine Expertin in Sachen Computerspiele sein, um der Geschichte folgen zu können. Zudem geht es um ein wichtiges Thema, nämlich mentale Gesundheit. In unserer Zeit von enormer Bedeutung. Weitere Themen sind Traumata, Frauen in männlich dominierten Berufen und Sexismus am Arbeitsplatz.

Der Schreibstil der Autorin ist wie gewohnt angenehm zu lesen. Die Chatnachrichten lockern den Roman auf und sorgen für Authentizität.

Mir hat der Roman gut gefallen. Mein einziger Kritikpunkt ist das sehr glatte Ende. Hier hätte ich mir etwas mehr Differenzierung gewünscht. Am Ende bleibt eigentlich nur eine Frage: „Wo bekomme ich jetzt das Spiel Novel Heaven?“, denn ich möchte es nun unbedingt spielen. Den zweiten Teil werde ich auf jeden Fall auch lesen.

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Veröffentlicht am 15.11.2025

Krimi mit einem interessantem Ende

Endstation Fichtelgebirge
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Ein Krimi mit einem eher ungewöhnlichen Ende, das mich teilweise sprachlos zurückließ. Die beiden Hauptfiguren Kristina Herbich und Konrad Breuer versuchen, ihr Berufsleben über die privaten Bedürfnisse ...

Ein Krimi mit einem eher ungewöhnlichen Ende, das mich teilweise sprachlos zurückließ. Die beiden Hauptfiguren Kristina Herbich und Konrad Breuer versuchen, ihr Berufsleben über die privaten Bedürfnisse zu stellen. Beide verbindet die Problematik vieler Ermittlerinnen und Ermittler: Wirklich Zeit für eine Beziehung bleibt bei all dem Stress oft nicht. Kristina wirkt etwas aufgeschlossener als Breuer, der eher in sich gekehrt ist. Doch im Laufe der Ermittlungen taut auch er ein Stück weit auf.

Das Setting ist mit leichten, eher dunklen Elementen versehen, da es sich um eine tragische Geschichte handelt. Die vielen verschiedenen Nebenfiguren sind gut gewählt und ausgearbeitet, und ich fieberte bei zweien besonders mit. Besonders gut gefallen hat mir eine Sequenz im ersten Teil der Erzählung, die ich sehr atmosphärisch fand, die ich hier aber nicht spoilern möchte.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut lesbar. Die Spannung des Romans baut sich in verschiedenen Passagen stetig auf und entwickelt sich bis zum Ende weiter. Dieses Ende ist überraschend, und ich wäre darauf niemals gekommen. Die Tragik der gesamten Geschichte passt jedoch sehr gut zur Erzählung im Ganzen.

Ein gut konstruierter Krimi mit einem schwierigen Thema und einer Tragik, die mich überzeugt hat.

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Veröffentlicht am 15.11.2025

Eindringliche und erschütternde Geschichte

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Ein eindringlicher und erschütternder Roman, der bewegt und seinen Leser*innen viel abverlangt.

Seit Stay away from Gretchen bin ich ein großer Fan von Susanne Abel, deshalb stand auch ihr neuestes Buch ...

Ein eindringlicher und erschütternder Roman, der bewegt und seinen Leser*innen viel abverlangt.

Seit Stay away from Gretchen bin ich ein großer Fan von Susanne Abel, deshalb stand auch ihr neuestes Buch sofort auf meiner Wunschliste. Dieses Mal hat es mir allerdings besonders viel abverlangt. Mehr als einmal musste ich die Lektüre unterbrechen, weil mich das Gelesene tief erschütterte. Es geht um die Misshandlungen in Kinderheimen der 50er- und 60er-Jahre in Deutschland: verübt von Priestern, Ordensleuten, Ärzten und unzureichend ausgebildetem Personal. Kinder erlebten körperliche, psychische und sexuelle Gewalt, dazu Medikamententests und -missbrauch. Ein grausames Schicksal, das nicht vergessen werden darf und bis in nachfolgende Generationen nachwirkt.

Im Zentrum stehen Hartmut und Margret, die sich im Heim kennenlernen und füreinander da sind, weil sie sonst niemanden mehr haben. Eine bewegende und beklemmende Geschichte, die zeigt, dass die Traumata der Kindheit sie ein Leben lang begleiten und ihre Spuren auch bei den nächsten Generationen hinterlassen.

Der Roman wird abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven erzählt, vor allem aus der Sicht von Margret und Hartmut, aber auch Sabine, Julia und Emily kommen zu Wort. Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen: in der Gegenwart ab 2006 sowie in der Vergangenheit ab 1945. Die Kapitel sind vergleichsweise lang; wer kurze Kapitel bevorzugt, wird hier etwas Geduld brauchen. Für mich war dies weniger ein Problem, eher störte mich ein Bruch in der Erzählung, der ungefähr zur Hälfte des Romans auftritt.

Möglicherweise liegt das daran, dass die Autorin zusätzlich viele weitere Themen einbindet. Dadurch wirkte manches auf mich überladen. Auch das Ende hat mich nicht ganz überzeugt, da es stellenweise zu gewollt erscheint.

Trotzdem überzeugt der Roman durch Susanne Abels einfühlsamen Schreibstil, der berührt, mitnimmt und nachhaltig nachwirkt. Ein starkes, wichtiges Buch mit kleineren Schwächen, das ich eingeschränkt, aber mit Nachdruck empfehlen kann. Die Triggerwarnung zu Beginn des Buches sollte unbedingt ernst genommen werden.

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