Platzhalter für Profilbild

Emacado

Lesejury-Mitglied
offline

Emacado ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Emacado über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.06.2026

Der Club der starken Frauen

Der Club der Unbeugsamen
0

Kathryn Stockett gelingt mit Der Club der Unbeugsamen ein eindrucksvoller Roman über außergewöhnliche Frauen, die sich den gesellschaftlichen Erwartungen ihrer Zeit widersetzen. Besonders überzeugt hat ...

Kathryn Stockett gelingt mit Der Club der Unbeugsamen ein eindrucksvoller Roman über außergewöhnliche Frauen, die sich den gesellschaftlichen Erwartungen ihrer Zeit widersetzen. Besonders überzeugt hat mich die Vielfalt der Figuren: Jede Frau besitzt ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Motive und einen unverwechselbaren Charakter. Dadurch wirken die Figuren lebendig und authentisch, und man kann zu vielen von ihnen eine persönliche Verbindung aufbauen.

Ein besonderer Reiz des Romans liegt im Perspektivwechsel zwischen der elfjährigen Meg und der 24-jährigen Birdie. Die unterschiedlichen Blickwinkel eröffnen verschiedene Zugänge zu den Ereignissen und sorgen dafür, dass die Handlung abwechslungsreich und spannend bleibt. Während Meg die Welt mit der Neugier und Direktheit eines Kindes betrachtet, bringt Birdie die Erfahrungen und Konflikte einer jungen erwachsenen Frau ein.

Durch die gesamte Geschichte zieht sich eine deutliche Kritik am Patriarchat sowie an den frauenfeindlichen Strukturen und Praktiken der damaligen Zeit – sowohl in der Gesellschaft als auch im medizinischen Bereich. Diese Themen wirken nie aufgesetzt, sondern sind eng mit den Lebensgeschichten der Figuren verknüpft. Dabei hatte ich stets das Gefühl, dass der Roman sehr gut recherchiert ist. Die Schicksale der Frauen spiegeln glaubwürdig wider, welche Ungerechtigkeiten und Einschränkungen Frauen damals tatsächlich erfahren konnten.

Besonders positiv hervorzuheben ist, dass die weiblichen Figuren keineswegs stereotypisch dargestellt werden. Stattdessen präsentiert Stockett eine Vielzahl unterschiedlicher Persönlichkeiten mit individuellen Stärken, Schwächen und Lebenswegen. Gerade diese Vielschichtigkeit macht den Roman so lesenswert und emotional zugänglich.

Nicht jede Passage konnte mich gleichermaßen fesseln. Einige Abschnitte wirkten stellenweise etwas langgezogen. Rückblickend haben diese ruhigeren Momente jedoch dazu beigetragen, die Figuren und ihre Beziehungen besser zu verstehen, und machen das Buch letztlich zu dem, was es ist: eine vielschichtige und sorgfältig erzählte Geschichte.

Außerdem hat der Roman bei mir die Neugier auf das englische Original geweckt. Bereits bei Kathryn Stocketts Roman The Help haben mich die sprachlichen Eigenheiten und Dialekte im Original besonders beeindruckt. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass auch Der Club der Unbeugsamen auf Englisch noch einmal eine zusätzliche sprachliche Tiefe entfaltet, die in der deutschen Übersetzung nur teilweise eingefangen werden kann.

Insgesamt ist Der Club der Unbeugsamen ein bewegender Roman mit starken Frauenfiguren, gesellschaftlicher Relevanz und einer wichtigen Botschaft. Trotz kleinerer Längen bleibt er vor allem durch seine vielschichtigen Charaktere und seine eindringliche Kritik an den damaligen Machtstrukturen lange im Gedächtnis.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.05.2026

Zwischen Inszenierung und Wahrheit: ein Blick hinter die perfekte Fassade

Yesteryear
0

Caro Claire Burke greift in Yesteryear ein hochaktuelles und zugleich faszinierendes Thema auf: die Inszenierung eines Lebensentwurfs im Spannungsfeld von Social Media und dem Tradwife-Trend. Besonders ...

Caro Claire Burke greift in Yesteryear ein hochaktuelles und zugleich faszinierendes Thema auf: die Inszenierung eines Lebensentwurfs im Spannungsfeld von Social Media und dem Tradwife-Trend. Besonders spannend ist dabei der Hype um die Protagonistin, der nicht nur ihre Außenwirkung prägt, sondern auch Fragen nach Authentizität und Selbstbestimmung aufwirft.

Zu Beginn folgt der Roman zunächst relativ klassisch der Entwicklung der Hauptfigur und zeigt, wie sie zu der Frau geworden ist, als die sie sich der Öffentlichkeit präsentiert. Doch schon bald bricht die lineare Erzählweise auf: Die Handlung springt zwischen zwei Zeitpunkten hin und her, wodurch sich nach und nach ein komplexeres Bild ergibt. Lange bleibt unklar, wie Natalie eigentlich in ihre Situation geraten ist – ein erzählerischer Kniff, der Neugier erzeugt und zum Weiterlesen motiviert.

Allerdings hat der Roman im Mittelteil einige Längen. Gerade die wiederholten Perspektivwechsel und das bewusste Zurückhalten zentraler Informationen ließen die Handlung für mich zeitweise etwas zäh wirken. Hier hätte eine straffere Erzählweise dem Lesefluss gutgetan.

Zum Ende hin nimmt die Geschichte jedoch noch einmal deutlich an Fahrt auf und mündet in eine überraschende Auflösung, mit der so kaum zu rechnen ist. Diese Wendung ist zwar originell, wirkte aber für mich zugleich etwas konstruiert und auch nicht vollständig überzeugend.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.05.2026

Einsamkeit auf der Insel

John of John
0

Mit Shuggie Bain und Young Mungo hat Douglas Stuart die Messlatte für mich extrem hoch gelegt – beide Bücher haben mich auf Englisch vollkommen mitgerissen. Entsprechend groß waren meine Erwartungen an ...

Mit Shuggie Bain und Young Mungo hat Douglas Stuart die Messlatte für mich extrem hoch gelegt – beide Bücher haben mich auf Englisch vollkommen mitgerissen. Entsprechend groß waren meine Erwartungen an John of John, die am Ende leider eher enttäuscht wurden.

Vor allem der Einstieg zieht sich sehr. Cal kehrt nach einem Anruf seines Vaters auf die Insel zurück, von der er stammt, und lebt dort gemeinsam mit seinem Vater John und seiner Großmutter, der Mutter seiner verstorbenen Mutter. Die Atmosphäre der Insel ist dabei zwar dicht und bedrückend beschrieben, gleichzeitig hatte ich aber lange das Gefühl, dass die Handlung kaum vorankommt.

Interessant fand ich vor allem die Dynamik zwischen den Figuren. Die Beziehungen auf der Insel sind stark verwoben, jeder scheint eigene Geheimnisse zu haben und vor allem die eigenen Interessen zu verfolgen. Dadurch entsteht eine unterschwellige Spannung, die sich durch das ganze Buch zieht. Besonders tragisch ist die Beziehung zwischen Cal und seinem Vater: Beide können über vieles nicht sprechen, wodurch auch Homosexualität ein unausgesprochenes Tabuthema bleibt. Diese Sprachlosigkeit gehört definitiv zu den stärkeren Aspekten des Romans.

Trotzdem wirkten einige Handlungsstränge auf mich seltsam oder nicht ausreichend ausgearbeitet. Der Briefkontakt, den Cal aufbaut, erschien mir teilweise eher merkwürdig, ohne dass daraus wirklich etwas Tiefgründiges entstanden wäre. Auch die Beziehung zu seinem Jugendfreund hätte deutlich mehr Raum verdient, weil dort eigentlich viel emotionales Potenzial gelegen hätte.

Was mich letztendlich doch noch überzeugt hat, war das Ende. Dort schafft Douglas Stuart es endlich, die emotionale Intensität zu entfalten, die ich mir über weite Strecken des Buches gewünscht hätte. Insgesamt ist John of John für mich trotzdem ein gutes Buch – atmosphärisch stark und mit interessanten Figuren –, aber im Vergleich zu Shuggie Bain und Young Mungo bleibt es deutlich weniger eindrucksvoll. Rückwirkend hätte ich aber auch lieber die englische Originalversion gelesen.

Gesamt: 3,5/5 Sternen

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.05.2026

Sommerlich leichte Lektüre

Mirabellentage
0

„Mirabellentage“ ist ein unterhaltsames und kurzweiliges Buch, das sich angenehm lesen lässt, auch wenn es nicht ganz ohne Schwächen auskommt. Besonders positiv fällt auf, dass die Geschichte immer wieder ...

„Mirabellentage“ ist ein unterhaltsames und kurzweiliges Buch, das sich angenehm lesen lässt, auch wenn es nicht ganz ohne Schwächen auskommt. Besonders positiv fällt auf, dass die Geschichte immer wieder mit Humor und Leichtigkeit erzählt wird, sodass man gut durch die Seiten getragen wird. Allerdings wirkt die Handlung an einigen Stellen etwas zu weit hergeholt und stellenweise konstruiert. Manche Szenen sind deutlich überspitzt – etwa die Idee, ein italienisches Rezept wie eine Sonntagspredigt zu inszenieren. Das sorgt zwar für amüsante Momente, kann aber auch etwas überzogen wirken und nimmt der Geschichte gelegentlich ihre Glaubwürdigkeit. Inhaltlich behandelt das Buch eigentlich ein eher trauriges Thema, nämlich einen Abschied. Dennoch bleibt der Ton insgesamt überraschend leicht. Das macht die Lektüre zwar angenehm, führt aber auch dazu, dass es stellenweise an Tiefe fehlt. Gerade bei einem so emotionalen Kern hätte man sich an manchen Punkten mehr Ernsthaftigkeit und Nachdenklichkeit gewünscht. Die Figuren hingegen sind durchweg sympathisch und tragen viel zum positiven Gesamteindruck bei. Man verbringt gern Zeit mit ihnen, auch wenn die Handlung nicht immer vollständig überzeugt. Insgesamt ist „Mirabellentage“ eine leichte, unterhaltsame Lektüre für zwischendurch – mit charmanten Charakteren, aber auch mit inhaltlichen Schwächen und verpasstem Potenzial für mehr Tiefe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.05.2026

Die zweite Hälfte hat mich leider nicht überzeugt

Mit anderen Augen
0

„Mit anderen Augen“ ist sprachlich wirklich stark geschrieben und hat mich vor allem mit seiner Thematik sofort abgeholt. Die Unsichtbarkeit von Frauen wird spannend und eindringlich dargestellt, ohne ...

„Mit anderen Augen“ ist sprachlich wirklich stark geschrieben und hat mich vor allem mit seiner Thematik sofort abgeholt. Die Unsichtbarkeit von Frauen wird spannend und eindringlich dargestellt, ohne platt zu wirken – gerade die erste Hälfte des Buches fand ich deshalb richtig überzeugend.

Leider hat das Buch für mich danach stark nachgelassen. Besonders der Aufenthalt im Meditationszentrum und die daraus entstehenden angeblich lebensverändernden Erkenntnisse über das eigene Leben wirkten auf mich zu konstruiert. Das Ende war mir insgesamt zu glatt, zu viel Friede-Freude-Eierkuchen, und teilweise schon fast esoterisch angehaucht.

Schade, denn die Grundidee und der Schreibstil hätten für mich das Potenzial für ein echtes Highlight gehabt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere