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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.01.2026

Exzentrisch

Die Perserinnen
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Die persische Familie Valiat ist seit der Revolution von 1979 getrennt. Während ein Großteil in den USA im Exil lebt, sind Großmutter und eine Enkelin im Iran geblieben. Auf ungemein exzentrische und eigentümliche ...

Die persische Familie Valiat ist seit der Revolution von 1979 getrennt. Während ein Großteil in den USA im Exil lebt, sind Großmutter und eine Enkelin im Iran geblieben. Auf ungemein exzentrische und eigentümliche Weise gehen die Frauen der Familie durchs Leben. Zu Beginn des Romans werden wir geradezu in die Handlung geworfen und müssen zunächst die vielen Protagonistinnen sortieren. (Ein Stammbaum wäre wahnsinnig hilfreich gewesen.) Mitten im Trubel des noblen Skiortes Aspen setzen die Valiats durch ihr Verhalten noch einen drauf, da werden nicht nur wie selbstverständlich Drogen konsumiert, da wird mit Luxusarmbanduhren im Schnee rumgeworfen und Tante Shirin, die gerade auf Kaution aus der Arrestzelle geholt wurde, droht wegen versuchter Prostitution ein Prozeß.


Durch die Ich-Perspektive von Frauen aus drei Generationen blättert sich die Familiengeschichte einer einstmals einflussreichen Sippe auf, der nichts geblieben ist, als ihr Geld. Während ein Teil der Vergangenheit und dem Verlorenen nachtrauert, versuchen andere, den Blick endlich nach vorne zu richten.


Ich bin schwer in die Handlung mit ihren übersprudelnden Figuren hineingekommen, auch weil die Perspektive so häufig wechselt, es war teilweise wie im Schleudergang. Dann erfährt man aber doch einiges über das Land Iran, die Revolution und die Auswirkungen; allerdings wird auch vieles nur angerissen, was man gerne hätte vertiefen können. Der Fokus liegt jedoch auf der Familie und der Aussicht auf eine Versöhnung aller.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Abendessen mit Freunden

So ist das nie passiert
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Robyn und ihre Frau Cat laden zum Abendessen ein. Freunde und Verwandte sitzen an der Tafel und es kommt zu interessanten Gesprächen: Liv, die Psychologin und Freundin von Robyns Bruder Michael, schreibt ...

Robyn und ihre Frau Cat laden zum Abendessen ein. Freunde und Verwandte sitzen an der Tafel und es kommt zu interessanten Gesprächen: Liv, die Psychologin und Freundin von Robyns Bruder Michael, schreibt an einer Arbeit zu veränderten Erinnerungen. Wie wird unser Gehirn getäuscht? Warum erinnert es sich an Dinge, die so gar nicht passiert sind? Am Ende der Tafel sitzt Claudette, die französische Freundin von Nate, Cats Bruder, die sich zunächst auffällig still verhält.

Zunächst verwirrt der Roman, wegen der vielen Personen, die rasch die Handlung bevölkern. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist das Verschwinden von Willas kleiner Schwester Laika, das mittlerweile 20 Jahre zurückliegt. In ihrer Jugend waren Robyn und Willa eng befreundet. Auch Willa nimmt mit ihrem Partner am Abendessen teil. In Rückblenden wird abwechselnd aus der Sicht von Robyn und Willa erzählt, was damals geschah und wie sich das Verschwinden von Laika auf das Leben aller - bis heute - ausgewirkt hat. Zwischendurch geht es immer wieder zurück zum Abendessen.

Der Roman läßt sich sehr gut lesen, ist aber kein Thriller oder Krimi, wie die Handlung zunächst nahelegt. Er ist eher eine Studie über die Auswirkungen. In jedem Fall eine Leseempfehlung, da der Roman wirklicht gut unterhält und mit einigen Überraschungen aufwartet. Über das Thema "verfälschte Erinnerungen" hätte ich sehr gerne tiefergehend gelesen, das kam mir tatsächlich etwas zu kurz.

Ich würde zu Beginn eine kleine Übersicht mit den Namen und Verwandtschaftsbeziehungen anlegen, das hilft, um in die Geschichte hineinzukommen.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Schlaflos in Vermont

Mann im Dunkel
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August Brill liegt im Dunkeln in seinem Bett, im Haus seiner Tochter und kann nicht schlafen. Der ehemalige Literaturkritiker erzählt sich dann selbst Geschichten. Gerade ist es die Geschichte von Owen ...

August Brill liegt im Dunkeln in seinem Bett, im Haus seiner Tochter und kann nicht schlafen. Der ehemalige Literaturkritiker erzählt sich dann selbst Geschichten. Gerade ist es die Geschichte von Owen Brick, der in einer ihm unbekannten Uniform steckt und in einer Grube aufwacht, die er aus eigener Kraft nicht verlassen kann. Im Laufe der Nacht wird die Geschichte Stückchen für Stückchen weitererzählt. Brill denkt aber auch über sein Leben nach und läßt uns durch Fragmente an seiner Vergangenheit teilhaben, in der seine verstorbene Frau Sonia eine wichtige Rolle gespielt hat.

Die Geschichte in der Geschichte, die des ahnungslosen Owen Brick, trägt zunächst kafkaeske Züge, entwickelt sich dann aber zu einer "Auster-Geschichte", in der sich Fiktion und Romanhandlung vermischen. Das hat mich an den postmodernen Roman wie z.B. in der New York-Trilogie erinnert. Typisch für Auster ist der Protagonist, der etwas mit Literatur zu tun hat oder die Autorenfigur, die aus der Handlung heraustritt.

Die Rahmenhandlung um Brill ist übersichtlich: Ein 72jähriger kranker Mann wohnt im Haus der getrennt lebenden Tochter, die außerdem die eigene Tochter aufgenommen hat, die sich die Schuld am Tod ihres Freundes gibt. Das Spannende ist die Kombination mit der Fantasiegeschichte und den Erinnerungen. Das allumspannende Thema ist Krieg. In der Fantasiegeschichte ist es ein amerikanischer Bürgerkrieg, der jedoch beendet werden kann, wenn Brick einen Mord begeht.

Mich hat der Roman fasziniert und ich habe ihn gerne gelesen. Ein schmales Buch von 220 Seiten - großzügig gedruckt - , das ich jedem Auster-Fan empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 26.11.2025

Am Stettiner Haff

Unter dem Moor
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Ein Moor am Stettiner Haff ist die Kulisse für drei Frauenschicksale, die sich von 1936 bis heute erstrecken. Die Protagonistinnen werden sich nie begegnen, ihre Leben sind aber auf tragische Weise mit ...

Ein Moor am Stettiner Haff ist die Kulisse für drei Frauenschicksale, die sich von 1936 bis heute erstrecken. Die Protagonistinnen werden sich nie begegnen, ihre Leben sind aber auf tragische Weise mit einander verflochten. Wir begleiten Regine zum erzwungenen Landjahr 1936; teilen die streng getakteten Tage mit Sigrun, die 1979 mit ihrer kleinen Familie in der DDR lebt; mit der erschöpften Nina gehen wir in der Gegenwart auf lange Spaziergänge durch das Moor. Alle drei haben mit ihrem Alltag, der sie zermürbt, zu kämpfen.

Der Roman hat mich sehr gut unterhalten, wobei Ninas Charakter derjenige war, der mich am wenigsten "gepackt" hat. Die Leben der beiden anderen Frauen waren einfach wesentlich interessanter. Nina bringt aber durch ihren Urlaub am Haff die Dinge erst in Gang. Das Buch läßt sich sehr gut lesen und ist durch die Sprünge zwischen den drei Schicksalen sehr spannend aufgebaut. In meinem Lesekreis, in dem wir den Roman gelesen haben, konnten einige nicht abwarten, was weiter geschieht und haben dann irgendwann eine der Ebenen zu Ende gelesen und sind anschließend im Text wieder zurückgegangen. Interessant ist, dass Regine und Nina von Berlin aus zweitweise ans Haff gehen, während Sigrun den umgekehrten Weg nimmt.

Die drei großen Abschnitte des Romans "Wolf", "Hirsch" und "Kranich" sind in Bezug auf den Inhalt passend betitelt. Na, neugierig geworden? Wer auf der Suche nach einem spannenden, gut recherchierten und auf mehreren Zeitebenen spielenden Buch ist, dem kann ich den Roman ans Herz legen. Am Ende wird einiges etwas rasch abgehandelt, aber das kann man verschmerzen. Einfach gute Unterhaltungslektüre für einen kuscheligen Tag auf dem Sofa mit Tee und Keksen.

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Veröffentlicht am 26.11.2025

Zwei Brüder

Die Brüder Grimm
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Diese umfassende Biographie über die berühmten Brüder Jacob und Wilhelm Grimm lag schon lange auf meinem Stapel. Das Buch läßt im Hinblick auf die Informationsfülle keine Wünsche offen. In sieben Kapitel ...

Diese umfassende Biographie über die berühmten Brüder Jacob und Wilhelm Grimm lag schon lange auf meinem Stapel. Das Buch läßt im Hinblick auf die Informationsfülle keine Wünsche offen. In sieben Kapitel teilt Martus das Leben der Bibliothekare, Hochschullehrer und auch Politiker Grimm ein, das sich aus deren wechselnden Wohnorten und Betätigungsfeldern sowie den politischen Gegebenheiten ergibt. Den 508 Seiten Text folgen ein Anmerkungsapparat, das Literaturverzeichnis und ein Personenregister sowie eine Zeittafel, die zusammen nochmals knapp 100 Seiten füllen. In der Mitte gibt es mehrere Seiten mit Abbildungen. Ein opulentes Werk.

Ich habe die Biografie aus reinem "privatem" Interesse gelesen und das von vorne bis hinten. Neben Post-Its, Unterstreichungen und Randbemerkungen im Buch habe ich auch ein Notizheft mit 56 Seiten gefüllt. Es gibt so viel zu entdecken, das ich festhalten wollte.

Wo es um die politischen Zusammenhänge der Epoche geht, die allemal immens wichtig sind, war es mir doch manchmal etwas zäh - da muss man aber durch, denn besonders Jacob war wesentlich stärker in die Politik involviert, als ich gedacht hatte. Faszinierend ist das Eintauchen in die enge Brudergemeinschaft, der oft steinige berufliche Weg und das unglaublich weit verzweigte Freundes- und Bekanntennetzwerk von Jacob und Wilhelm. Der Abschnitt über die Sammlung der Kinder- und Hausmärchen, mit denen die meisten die Grimms heute verbinden, macht nur einen kleinen Teil ihres unfassbar großen Schaffens aus und damit auch nur einen relativ schmalen Abschnitt in dieser Biografie.

Wer sich gründlich mit dem Leben der beiden Grimms beschäftigen möchte (oder muss), dem kann ich diese Biographie wärmstens empfehlen. Oft schlägt Martus einen "flotten" Ton, das hat mir gut gefallen und steht im Kontrast zu anderen oftmals staubtrockenen Werken.

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