Zwänge überwinden
Wo Licht istAlly Moberley wächst im viktorianischen Manchester auf. Ihre strenge, puritanische Mutter macht ihr das Leben schwer, der Vater - ein erfolgreicher Künstler - hält sich aus der Erziehung heraus. Ally hat ...
Ally Moberley wächst im viktorianischen Manchester auf. Ihre strenge, puritanische Mutter macht ihr das Leben schwer, der Vater - ein erfolgreicher Künstler - hält sich aus der Erziehung heraus. Ally hat Potential und ihre Mutter möchte, dass sie als eine der ersten Frauen in England Medizin studiert. Ally will die Erwartungen unbedingt erfüllen und schlägt einen beschwerlichen Weg voller Hindernisse ein, denn Frauen haben kaum etwas zu sagen in dieser Zeit, von Gleichberechtigung kann noch keine Rede sein.
Der Klappentext klang so vielversprechend, allerdings spielt ein Großteil der Handlung vor dem Studienbeginn, ca. die letzten 100 Seiten beschäftigen sich dann mit dem Medizinstudium. Zuvor erleben wir die Kindheit und Jugend von Ally und ihrer Schwester May, die von der - man kann es nicht anders sagen - herzlosen und gefühlskalten Mutter bestimmt wird, deren Lebensinhalt die "Arbeit" im Frauenhaus ist. Lichtblicke sind die wenigen Momente, wenn der Vater oder einer seiner Künstlerfreunde den Mädchen Aufmerksamkeit schenkt. Die Figur des Alfred Moberley ist an das künstlerische Multitalent William Morris angelehnt. Daher werden auch die Kapitel des Romans jeweils mit einer ausführlichen Beschreibung eines von Moberleys Bildern eingeleitet, deren Entstehungsgeschichte im nachfolgenden Text einfließt. Das ist so glaubwürdig gemacht, dass ich die Bilder zunächst gegoogelt habe.
Obwohl der Text viele wichtige Themen der Zeit aufnimmt und sehr gut recherchiert ist, hat er mich nicht so erreicht, wie ich es mir gewünscht habe. Abgesehen davon, dass die Figur der Mutter ein einziger Aufreger ist, war mir der Text vielfach zu sperrig, emotionslos und nüchtern. Was natürlich auch den Zustand im Haus der Familie Moberley widerspiegelt. Die Kapitel haben teilweise große Zeitsprünge gemacht und man musste sich vieles hinzudenken. Darüberhinaus blieben auch einige Figuren (Aubrey) und Geschehnisse (Colsay-Episode) recht unscharf.
Wer Romane mit historischem Anspruch mag und sich auf den Schreibstil einläßt, der wird viel über die Lage der Frauen im viktorianischen England und den Beginn der Frauenbewegung erfahren.