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Veröffentlicht am 30.10.2025

Wiedersehen mit Greta

Was ich nie gesagt habe
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Nachdem der Nachrichtenmoderator Tom Monderath im ersten Teil mit der Vergangenheit seiner Mutter Greta konfrontiert wurde, konzentriert sich der zweite Teil auf Toms Vater Konrad. Das ist nicht minder ...

Nachdem der Nachrichtenmoderator Tom Monderath im ersten Teil mit der Vergangenheit seiner Mutter Greta konfrontiert wurde, konzentriert sich der zweite Teil auf Toms Vater Konrad. Das ist nicht minder spannend und interessant erzählt, denn ebenso wie Greta hat der verstorbene Konrad eine dramatische Lebensgeschichte. Aufgerollt wird dies durch Henk, der sich dem verblüfften Tom als holländischer Halbbruder wortwörtlich an den Hals wirft.

Gekonnt erzählt Susanne Abel wieder auf zwei Zeitebenen, läßt Kriegs- und Nachkriegszeit sowie die Jahre des deutschen Wirtschaftswunders lebendig werden und zeichnet das schwierige Verhältnis zwischen Tom und Konrad nach. Überzeugend fügen sich die bekannten und die neuen Lebensläufe zusammen und beleuchten ein neues spannendes, unglaubliches Kapitel Realität.

Es gibt ein Wiedersehen mit Jenny, der patenten Helga Schmitz und Aufnahmeleiter Lars "Jens" Heuser. Ob er das rote BMW Cabrio endlich bezahlt hat?

Ein extrem kurzweiliger, bewegender und lesenswerter Roman.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Die Pfirsichbäume

So weit der Fluss uns trägt
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In den 1940er Jahren lebt die 17jährige Victoria (Torie) auf einer Pfirsichfarm in Colorado. Es ist ein reiner Männerhaushalt, den sie versorgen muss und keiner ihrer Angehörigen bietet ihr Nähe und Geborgenheit. ...

In den 1940er Jahren lebt die 17jährige Victoria (Torie) auf einer Pfirsichfarm in Colorado. Es ist ein reiner Männerhaushalt, den sie versorgen muss und keiner ihrer Angehörigen bietet ihr Nähe und Geborgenheit. Unverhofft begegnet sie in der Stadt einem fremden jungen Mann, der ihr Leben verändert.

Der Roman erzählt die Geschichte von Torie über mehrere Jahrzehnte, in denen sie im wörtlichen Sinne einen Platz im Leben sucht. Der Gunnison River, der in der Nähe der Farm verläuft und die Landschaft prägt, spielt im Roman eine entscheidende Rolle. Gleich zu Beginn erfahren wir, dass der Fluss gestaut wird und nicht nur die Pfirsichfarm, sondern die ganze Stadt Iola überfluten wird. Die Autorin stammt selbst aus der Gegend, die sie in ihrem Buch als Schauplatz gewählt hat. Den Stausee gibt es tatsächlich und die Stadt Iola ist dort in den 1960er Jahren verschwunden.

Mir haben die Naturbeschreibungen sehr gefallen, auch wenn das Wort Pfirsich schon arg strapaziert wird. Torie muss schwere Schicksalsschläge ertragen, verliert aber nie den Mut, weiter zu machen. Sie ist wie der Fluss, der gegen Hinternisse stößt, um sie herum fließt und unzählige kleine Stückchen des Lebens auf dem Weg durch sein Flussbett mit sich führt. Der englische Titel passt daher sehr schön: Go as a river.

Die Geschichte wird von Torie in der Ich-Perspektive erzählt. Was mir sehr gefallen hat, ist der Kunstgriff, mit dem die Autorin einen Handlungsstrang vermittelt, den Torie nicht selbst erlebt. Bereichernd für mich waren auch viele Themen, die neben dem historischen Stauseeprojekt, angesprochen werden: Rassismus, Umgang mit den Native Americans, Vietnam-Lotterie und Vietnam-Trauma.

Insgesamt ein Schmöker, den man gerade im Herbst wunderbar lesen kann.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Am Anfang war die Feuertonne

Seltsame Sally Diamond
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Ohne die Feuertonne wäre wahrscheinlich alles ganz anders gekommen. Sally ist ein bisschen anders, als andere Menschen. Am liebsten meidet sie jeden engeren Kontakt. Um den Leuten in ihrem Dorf zu entgehen, ...

Ohne die Feuertonne wäre wahrscheinlich alles ganz anders gekommen. Sally ist ein bisschen anders, als andere Menschen. Am liebsten meidet sie jeden engeren Kontakt. Um den Leuten in ihrem Dorf zu entgehen, stellt Sally sich taub. Sie nimmt alles wörtlich und versteht keinen Sarkasmus. Daher entsorgt sie ihren toten Vater - wie von ihm gewünscht - per Feuerbestattung in der hauseigenen Feuertonne. Sally ist 42, als sie kurz darauf erfährt, wer sie wirklich ist.

Die Geschichte ist in drei Teile gegliedert. Den ersten Teil schildert Sally aus ihrer Sicht, der zweite Teil wird von einer anderen Person erzählt und vermittelt uns weite Teile der Vergangenheit. Im dritten Teil wird die Handlung abwechselnd von beiden Personen beschrieben. Jeder Teil endet mit einer wirklichen Überraschung, die die Geschichte in eine unerwartete Richtung lenkt.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, es war ungemein spannend. Allerdings hat mich erstaunt, wie sich die Handlung entwickelt hat. Der Klappentext läßt das absolut nicht vermuten. Die Geschichte ist brutal, manchmal schwer auszuhalten, vor allem, weil das Kopfkino anspringt, ohne dass die Autorin alles im Detail auswalzen muss. Es gibt Rezensionen, die verraten diese Entwicklungen, da wird man als Leserin regelrecht um die Überraschungen bzw. die unvorhergesehene Entwicklung betrogen. Das ist sehr ärgerlich.

Hier also nur so viel vom Inhalt, wie auch auf dem Klappentext steht.

Es geht um die Themen Familie, Isolation und um Liebe, wie auch immer diese von den einzelnen Figuren verstanden wird.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Wahnsinnige mit bürgerlicher Fassade

Echtzeitalter
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Till ist ein durchschnittlicher Schüler am Marianum in Wien. In seiner knappen Freizeit ist er außerdem erfolgreicher Gamer. Wie geht das zusammen? Eigentlich gar nicht und doch ganz gut. Während er und ...

Till ist ein durchschnittlicher Schüler am Marianum in Wien. In seiner knappen Freizeit ist er außerdem erfolgreicher Gamer. Wie geht das zusammen? Eigentlich gar nicht und doch ganz gut. Während er und seine Mitschüler:innen sich vom strengen Klassenvorstand Herrn Professor Dolinar drangsalieren lassen müssen, wartet zuhause sein Spiel auf ihn, das er in Echtzeit mit anderen Gamern auf der ganzen Welt spielt.

Ich habe einen Großteil des Buches gehört, das unglaublich charmant von Johannes Nussbaum gelesen wird, der es versteht, die Schüler und vor allem den schrecklichen Dolinar mit seiner Stimme lebendig werden zu lassen. Da viel österreichischer Slang vorkommt und andererseits auch die Wiener Elite spricht (und kritisiert wird), passt es einfach wahnsinnig gut, dass die Geschichte in österreichischem Deutsch bzw. österreichischer Hochsprache gesprochen wird. Die feinen Unterschiede würden beim Selbstlesen nicht so hervortreten. Gerade die nahezu absurden, oftmals hektischen Situationen in der Schule sind dadurch noch humorvoller.

Mir hat es riesigen Spaß gemacht, das nicht immer einfache Erwachsenwerden von Till in seiner wechselvollen Umgebung, zwischen Rauchereck und Informatikkammerl, für einige Jahre (bis zum Schulabschluss) zu begleiten. Die Szenen, in denen das Gaming und vor allem das von Till so geliebte Spiel "Age of Empires 2" erläutert werden, halten sich erfreulicherweise in Grenzen. Und wer es bisher versäumt hat, Stifters Brigitte - äh - Brigitta zu lesen, wird es nach Echtzeitalter nachholen wollen und sich anschaffen, aber natürlich nur als Reclamheft.

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Veröffentlicht am 11.10.2025

Der.letzte Roman

Baumgartner
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Sy Baumgartner ist jenseits der 70, emeritierter Professor aus Princeton und schon etwas vergesslich. Vor zehn Jahren hat er seine geliebte Frau Anna verloren und diesen Schlag bis heute nicht verwunden. ...

Sy Baumgartner ist jenseits der 70, emeritierter Professor aus Princeton und schon etwas vergesslich. Vor zehn Jahren hat er seine geliebte Frau Anna verloren und diesen Schlag bis heute nicht verwunden. Während er durch sein Leben "stolpert" und ein philosophisches Buch schreibt, denkt Sy an verschiedene Stationen seiner Biografie zurück und natürlich an seine Frau. Als er endlich bereit ist, mit der Vergangenheit abzuschließen, um sich auf die Gegenwart zu konzentrieren, scheint ein neues Glück möglich.

Deutlich ist die Figur Baumgartner ein Alter Ego des Autors Auster, der zum Zeitpunkt der Romanentstehung bereits erkrankt war. Obwohl der Roman einen roten Faden hat, wir begleiten Baumgartner etwa zwei Jahre seines Lebens, setzt er sich aus vielen Versatzstücken zusammen. Gegenwärtigen Ereignissen, Rückerinnerungen, eingeschobenen Texten der verstorbenen Anna und Texten von Baumgartner selbst. Manche Situationen werden bestechend ausführlich geschildert, so zum Beispiel der Beginn des Romans, andere werden durch den Autor Auster für die Leser:innen zusammengefasst: "Weil all dies in den folgenden neun Monaten tatsächlich so eintrifft [...] können wir uns eine detaillierte Schilderung dieser Monate sparen." (S. 107)

Ein leises Buch, das ohne eine wirkliche Spannungskurve auskommt, zum Ende hin jedoch durch die Einführung einer neuen Figur stärker vorangetrieben wird.

Der Roman hat mir eine melancholische Gr

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