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Veröffentlicht am 24.07.2020

Schicksal in der DDR- spannend wie ein Krimi

Zwei fremde Leben
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Frank Goldammer hat bisher erfolgreich mehrere historische Krimis veröffentlicht, das merkt man diesem Buch durchaus an.

Die junge Ricarda entbindet 1973 in Dresden ein totes Baby und will sich ihr Leben ...

Frank Goldammer hat bisher erfolgreich mehrere historische Krimis veröffentlicht, das merkt man diesem Buch durchaus an.

Die junge Ricarda entbindet 1973 in Dresden ein totes Baby und will sich ihr Leben lang nicht damit abfinden. Dadurch reißt sie nicht nur sich, sondern zahlreiche Menschen in ihrem Umfeld in eine Spirale aus Misstrauen und Angst. Was ist damals wirklich geschehen? Wurde Ricarda das Kind entzogen und an eine andere Familie vermittelt? Was weiß ihr Mann? Steckt ihr eigener Vater dahinter? Oder ist alles doch nur Einbildung, weil eine Mutter sich nicht mit dem Tod ihres Babys abfinden kann? Doch auch Thomas Rust, einen junger Polizisten, läßt die Nacht, in der Ricarda ihr Kind verlor nicht mehr los. 1989 erfährt die junge Claudia, dass sie adoptiert wurde und geht nach dem Mauerfall über die Grenze. Wird sie je erfahren, wer ihre Eltern waren.

Was zunächst nach einem reinen DDR-Schicksal vor dem Hintergrund der Unrechtsstaatlichkeit aussieht, entpuppt sich ganz schnell als wirklich spannende Geschichte, die durchaus Krimiqualität hat.
Der Autor springt immer wieder zwischen 1973 und dem Mauerfalljahr 1989 und den Jahren kurz danach hin und her, um schließlich 2018 die Handlungsfäden zusammenlaufen zu lassen. Die Geschichte entwickelt sich daher auf zwei Ebenen, wobei der Beginn der Geschichte 1973 langsamer erzählt wird. Thomas Rust agiert 1973 und treibt die Handlung weiter voran, wo Ricarda nichts ausrichten kann und gar nichts von seinen Bemühungen erfährt.
Die Kapitel sind angenehm kurz und der Schreibstil von Goldammer läßt sich hervorragend lesen. Er versteht es, die Stimmungen einzufangen und auf das Papier zu bringen. Die Kälte, die Angst, die Verzweiflung - das läßt sich alles nachempfinden. Als Leser fiebert man mit und ist sofort von der Geschichte gefangen.
Lange weiß man nicht, wie sich die Handlung entwickeln wird, alles scheint möglich.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es war hoch interessant und führt noch mal Teile des Staatssystems der DDR vor Augen, das seine Bürger bis ins kleinste überwacht und ausspioniert hat. Goldammer hat diese bedrohliche Atmosphäre sehr gut eingefangen, vergißt aber auch nicht, Alltägliches einfließen zu lassen. Die Krimielemente haben zusätzlich Spannung aufgebaut.
Lediglich zum Ende fiel zu oft die Erklärung, dass bestimmte Spuren nicht früher weiterverfolgt werden konnten, da man jemanden aus den Augen verloren hatte oder nicht finden konnte. Das war für mich leider etwas unglaubwürdig.

Claudia spielt eine eher kleine Rolle in diesem Roman, der Hauptcharakter ist Ricarda. Dennoch ist der Titel „Zwei fremde Leben“ passend, da die Situation aus den unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wird. Gelitten haben beide Seiten, Eltern und Kinder. Das Coverfoto gefällt mir sehr, wird aber leider durch den markanten, großgedruckten Titel erdrückt.

Insgesamt kann ich das Buch wirklich empfehlen und vergebe vier Sterne.

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Veröffentlicht am 24.07.2020

Jugendbuch mit Sogwirkung

After the Fire - Ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2021
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Will Hill hat mit seinem Jugendroman „After the fire“ ein tief trauriges, aufrüttelndes und sehr spannendes Buch vorgelegt. Mich hat die Geschichte gefangen genommen. Ab der Hälfte konnte ich nicht mehr ...

Will Hill hat mit seinem Jugendroman „After the fire“ ein tief trauriges, aufrüttelndes und sehr spannendes Buch vorgelegt. Mich hat die Geschichte gefangen genommen. Ab der Hälfte konnte ich nicht mehr aufhören und habe es bis spät in die Nacht hinein zu Ende lesen müssen.

Die Geschichte setzt mit dem titelgebenden Feuer ein. Die geschilderte Situation mit Schüssen, Lärm, Feuer, Panzern und Toten läßt rasch darauf schließen, dass offenbar staatliche Organe die Siedlung eines Propheten namens Father John angreifen und die Bewohner sich heftig wehren. Die Ich-Erzählerin kann dank eines Generalschlüssels eingesperrte Kinder vor den Flammen retten, wird aber selbst verletzt. Mit ihrem Erwachen im Krankenhaus und der Verlegung in die geschlossene Abteilung eines Municipal Center beginnt nun die Handlung in der Gegenwart.
Dr. Robert Hernandez, Leiter einer universitären Kinderpsychiatrie, und FBI-Agent Carlyle wollen der verstörten siebzehnjährigen Moonbeam helfen und gleichzeitig erfahren, was sich auf dem Gelände der „Legion“ in der Wüste von Texas abgespielt hat.
In kurzen Kapiteln, die mit „Davor“ und „Danach“ betitelt sind, springt die Handlung zwischen den Gesprächen in der Klinik und den Berichten Moonbeams über die Ereignisse in der Basis vor dem Feuer hin und her.

Der Autor schildert die Geschehnisse konsequent aus der Sicht des Mädchens. Er läßt uns an ihren Gedanken, Zweifeln und Ängsten teilhaben. Ihre inneren Kämpfe, die sie gegen den übermächtigen Father John und seine Weltsicht bestreitet, lassen erahnen, welche Macht der „Prophet“ über seine Gemeinde hatte. Wie Mooenbeams erste Zweifel sich Bahn brechen und sie ganz langsam Vertrauen zu Hernandez und Carlyle entwickelt, wird sehr eindrücklich geschildert. Hills Schreibstil ist mitreißend. Er läßt ein intelligentes, emphatisches und sympathisches Mädchen sprechen und erweckt es so zum Leben.

Moonbeams Leben in der Gemeinschaft von Father John setzt sich im Laufe der Geschichte aus lauter Puzzelstückchen zusammen und läßt die Leser erschüttert zurück. Hill nennt die Ereignisse in Waco, Texas, aus dem Jahr 1993 als Impuls für den vorliegenden Roman. Wer sich noch an die Belagerung des Geländes der Sekte und dessen Erstürmung erinnern kann, wird Parallelen finden. Der Autor versucht, Antworten zu finden, wie es zu einem solchen Ereignis kommen kann.
Die Beschreibung der Verhältnisse innerhalb des fiktiven Geländes der „Legion“ sind dramatisch und bestürzend. Das geschilderte seelische und körperliche Leid nimmt die Leser mit. Es ist stellenweise ein wirklich tief trauriges Buch, das auch wütend macht. Die Figur der Moonbeam versöhnt aber, trotz aller Widrigkeiten, die sie aushalten muss.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist unglaublich spannend und emotional. Das Thema ist extrem interessant und die Umsetzung meines Erachtens sehr gut gelungen und auch für junge Leser verständlich vermittelt. Der Roman wird offiziell ab 14 empfohlen, ich würde 16 für angemessener halten. Der Inhalt wirkt noch lange nach und ist eher nichts für empfindliche junge Leser. Noch eine Anmerkung zum Cover: Es ist nicht nur farblich sehr auffällig und thematisch hervorragend gestaltet, sondern auch haptisch etwas ganz Besonderes.
„After the fire“ erhält fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 08.07.2020

Verwicklungen auf der schottischen Insel Mure

Hochzeit in der kleinen Sommerküche am Meer
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Im zweiten Teil der "Kleinen Sommerküche" stehen neben Flora und Joel auch andere Figuren stärker im Mittelpunkt der Handlung: Lorna, Floras Freundin und Lehrerin auf der Insel; Saif, der syrische Flüchtling ...

Im zweiten Teil der "Kleinen Sommerküche" stehen neben Flora und Joel auch andere Figuren stärker im Mittelpunkt der Handlung: Lorna, Floras Freundin und Lehrerin auf der Insel; Saif, der syrische Flüchtling und Inselarzt; schließlich Floras Bruder Fintan und sein Freund Colton.

Flora hat ihr Leben in London hinten sich gelassen und lebt wieder auf ihrer schottischen Heimatinsel Mure. Dort betreibt sie ein kleines Café, während ihr Freund Joel durch die Welt jettet, um für seinen Auftraggeber Colton zu arbeiten. Die Beziehung der beiden wird auf eine harte Probe gestellt, weil Joel immer noch mit seiner Vergangenheit hadert und sich Flora nicht anvertraut. Gleichzeitig ist der syrische Inselarzt Saif auch nach Jahren noch auf der Suche nach seiner Familie. Endlich scheint es ein Lebenszeichen zu geben, doch da ist auch noch Lorna. Die beiden fühlen sich zu einander hingezogen, aber mehr als Freundschaft dürfen sie sich nicht zugestehen. Colton Rogers, der milliardenschwere Freund von Floras Bruder Fintan schiebt die Eröffnung seines Hotels immer weiter hinaus und überhäuft Joel mit Arbeit bis zur Erschöpfung. Viel Stoff für Verwicklungen und Probleme.



Der zweite Teil von Jenny Colgans Trilogie hat mir zunächst nicht so zugesagt. Die Handlung schleppte sich etwas dahin und ich konnte mich nicht immer zum Weiterlesen aufraffen. Die Geschichte nimmt aber noch Fahrt auf und wird am Ende wirklich dramatisch. Der dritte Teil steht schon bereit. Allerdings ist dieses Buch eher ein Übergang zum letzten Band, als ein eigenständiges Werk. Natürlich ist es Teil einer Trilogie, aber man möchte nicht den Eindruck haben, dass zweite Teile nur geschrieben werden, damit offene Enden im dritten Buch zusammengebracht werden. Es wird vieles nicht zum Abschluss gebracht.

Jenny Colgan schreibt wieder sehr flüssig, man kann die Geschichte wie gewohnt schnell lesen und sie versteht es, die Atmosphäre auf das Papier zu bringen. Da spürt man den Wind, die Sonne und meint das Meer zu riechen und Sand an den Füßen zu fühlen. Die Handlung an sich hat mich beim Lesen aber etwas ausgebremst. Gerade die Passagen, in denen es um die Beziehung von Joel und Flora ging, haben sich für mich etwas im Kreis gedreht. Das war in meinen Augen etwas bemüht, um einen Konflikt zwischen den beiden herbeizuführen, der die Beziehung für die Leser spannend halten soll. Vielleicht wäre es in diesem Band auch ohne diesen Konflikt gegangen. Die anderen Handlungsstränge bieten reichlich Potential, das aber erster später hinzukommt.

Ich lese die Bücher von Jenny Colgan sehr gerne, weil man sich schnell in die Geschichten einfindet und darüber den Alltag vergessen kann. Ich freue mich schon auf den dritten Teil und kann auch dieses Buch - mit den genannten Einschränkungen - allen empfehlen. Es macht aber Sinn, zunächst den ersten Teil zu lesen. Als Einstieg fehlt dann doch zu viel Hintergrundwissen.

Ich vergebe drei gute Sterne.

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Veröffentlicht am 30.06.2020

Magische Bücherwelt geht in die zweite Runde

Das Buch der gelöschten Wörter - Zwischen den Seiten
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Im zweiten Teil der Reihe um das "Buch der gelöschten Wörter" steht erneut Hope Turner, Anfang vierzig und eher einsam, im Mittelpunkt der Handlung.
Das wirklich wunderschöne Cover hat durch die Ähnlichkeit ...

Im zweiten Teil der Reihe um das "Buch der gelöschten Wörter" steht erneut Hope Turner, Anfang vierzig und eher einsam, im Mittelpunkt der Handlung.
Das wirklich wunderschöne Cover hat durch die Ähnlichkeit zum ersten Band natürlich einen hohen Wiedererkennungswert.

Man kann das Buch unabhängig von Teil 1 lesen, weil alles, was wichtig für die Handlung ist, hier nochmals erklärt wird. Es macht aber eigentlich keinen Sinn. Es würde ja auch niemand einfach Band 2 von Harry Potter oder Herr der Ringe lesen ohne den ersten Band zu kennen. Da die Bände relativ kurz hintereinander erschienen sind, hätten die Erklärungen vielleicht noch knapper ausfallen können.

Hope Turner arbeitet nun quasi Vollzeit für den Bund, der ihr Talent als Verwandlerin entdeckt hat. Sie reinigt in der Zentrale des Bundes regelmäßig das Buch der gelöschten Wörter und hält sich immer öfter und länger in der Bücherwelt auf. So wird verhindert, dass die gelöschten Wörter, die in böser Absicht geschrieben wurden, Wirklichkeit werden.
Der Wanderer Rufus Walker hilft ihr von einer Welt in die andere, bleibt aber sonst eher ruppig und einsilbig. Sein charmanter Bruder Kenan, ebenfalls ein Wanderer, sorgt bei Hope regelmäßig für Herzklopfen.
Erklärtes Ziel aller ist die Jagd auf den Chef der Absorbieren, die die gelöschten Wörter für ihre bösen Zwecke verwenden, und des Verräters aus den eigenen Reihen. Dabei werden wieder zahlreiche Bücher besucht und liebgewonnene literarische Figuren bevölkern die Handlung.
Einige Fragen aus dem ersten Band werden beantwortet und neue aufgeworfen. Es gibt neue Figuren, die in die Handlung eingeführt werden. Einige der bereits bekannten Charaktere überraschen mit Einblicken in die Vergangenheit und ihrer Verbindung zum Bund. Die Gefahr durch die Absorbierer bedroht nun auch die Echtwelt und die Buchfiguren und realen Personen müssen gemeinsam versuchen, die Katastrophe zu verhindern.


Die Autorin hat einen flüssigen Schreibstil. Man kann große Abschnitte in einem Rutsch lesen und fühlt sich gut unterhalten. Es gibt einige spannende und lustige Momente, aber insgesamt konnte mich dieser Band nicht voll überzeugen.

Der ganze Kosmos von Buch- und Echtwelt ist wirklich sehr spannend und interessant. Die Möglichkeiten, die sich dadurch ergeben, literarische Figuren mit anderen Charakteren interagieren zu lassen und in andere Buchsettings eintauchen zu lassen, ist nach wie vor eine ganz tolle Idee. Leider wird diese für meinen Geschmack nicht stark genug genutzt. Es werden zudem viele Seiten aufgewandt, ohne dass die Handlung wirklich weitergeht. Irgendwie drehen sich immer alle im Kreis. Leider wirkt Hope auch nicht immer wie eine Frau Anfang vierzig. Ihre Handlungen und Reaktionen waren oft nicht nachvollziehbar. Zudem gab es einige Logiklöcher.

Insgesamt hätte ich mir eher ein dickes Buch oder nur zwei Teile anstatt einer Trilogie gewünscht, denn die Handlung war bisher schon arg gestreckt. Auch hätte ich die Reihe eher in Richtung Jugendbuch angesiedelt. Es hätte eigentlich nur das Alter der Protagonistin und ihrer potentiellen und tatsächlichen Verehrer verändert werden müssen.

Ich habe das Buch sehr schnell gelesen und werde auch den dritten Teil lesen, um die Reihe abzuschließen, überzeugt hat mich dieser Band aber nicht.
Daher vergebe ich drei Sterne.

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  • Fantasie
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  • Figuren
Veröffentlicht am 20.06.2020

Spannender 11. Teil der Jordan-Hill-Serie

Der Knochengarten
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Bereits zum 11. Mal stehen Carol Jordan und Tony Hill im Mittelpunkt eines Thrillers von Val McDermid. "Der Knochengarten" wird jedoch ohne das Zutun der beiden Protagonisten von der Polizei Bradfield ...

Bereits zum 11. Mal stehen Carol Jordan und Tony Hill im Mittelpunkt eines Thrillers von Val McDermid. "Der Knochengarten" wird jedoch ohne das Zutun der beiden Protagonisten von der Polizei Bradfield ausgehoben.

Man muss keinen der vorherigen Bände gelesen haben, um sich in diesem Buch zurechtzufinden. Die legendäre Leiterin des Major Incident Teams, Carol Jordan, ist nicht mehr im Amt und Profiler Tony Hill, ihr engster Vertrauter im Team, verbüßt eine mehrjährige Haftstrafe. Der neue Leiter des Teams, ein unsympathischer Typ namens Rutherford, steht mit den alten Kollegen von Jordan vor einem schwierigen und grausigen Fall: Auf dem Grundstück eines leerstehenden Klosters werden vierzig Skelette gefunden. Was geschah in den vergangenen Jahrzehnten, als im Kloster auch ein Kinderheim für Mädchen untergebracht war?

Eigentlich geht es um drei unterschiedliche Fälle, dazu noch die Handlung um Tony Hill im Gefängnis. Ganz schön viel für einen Thriller von knapp 460 Seiten. Zunächst werden mehrere Erzählstränge gestartet, so ist der Prolog gleich dem Täter gewidmet. Die Leser wissen also von Beginn an, dass diese Person, die auch namentlich genannt wird, zumindest beteiligt ist. Weitere Kapitel befassen sich mit Carols Rückkehr ins "normale" Leben und einem Neuanfang, sowie den alten Mitarbeitern im Team, die es nicht nur mit einem neuen Boss, sondern auch mit neuen Kollegen zu tun haben.
Das Buch braucht ein paar Seiten, bis die Spannung einsetzt, aber dann konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Es ist dieses Mal eher eine Verhörarbeit, als eine nervenaufreibende Suche nach dem Täter. Es gibt keine wirklich brenzligen Situationen bei der Verbrecherjagd und es werden auch keine Tathergänge beschrieben. Die Opfer sind bereits alle tot.
Dennoch hat das Buch durchaus einen Spannungsbogen, der bis zum Ende anhält. Die kurzen Kapitel und häufigen Sichtwechsel tun ein übriges.

Ich hätte mir noch ein bisschen mehr Aufklärung bzw. Nachberichterstattung zur Bearbeitung des Falls der vierzig Skelette gewünscht, das kam am Ende etwas kurz weg.

Val McDermind versteht es einen Thriller zu schreiben, auch wenn der vorliegende etwas schwächer ist. Schnörkellos wird das Geschehen geschildert, es gibt wenig Überflüssiges drumherum. Aber diese nägelkauenden Verbrecherjagden oder das langsame Aufbauen einer extrem bedrohlichen Situation, wenn ein Serienmörder sein Opfer ausspäht z.B. fehlen hier. Das kann die Autorin besonders gut.

Die alten Kollegen, die besonders mit der Verhörexpertin Paula und der Königin der Internetrecherche, Stacey Chen, interessante Persönlichkeiten aufweisen, sind wieder im Einsatz. Für Carol ergibt sich im Lauf der Handlung eine Alternative zu ihrer vorherigen Arbeit als Polizistin und auf Tony wartet nur noch ein knappes Jahr Haft. Die Zeichen stehen gut, dass es auf irgendeine Weise wieder einen gemeinsamen Fall geben wird. Dann wird das alte Dreamteam wieder einen fiesen Serienmörder jagen, so wie es in den vorherigen Bänden war und wie alle Fans die Reihe lieben.
Der 11. Band der Jorden-Hill-Reihe erhält vier Sterne.

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