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Veröffentlicht am 07.07.2022

Bewegende Kinderschicksale nach Kriegsende

Findelmädchen
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Das ansprechende gestaltet Cover mit dem lächelnden kleinen, dunkelhäutigen Mädchen vor dem Hintergrund der Stadt Köln wirkt optimistisch, weckt Leselust und stimmt auf das Buch ein. Helga und ...


Das ansprechende gestaltet Cover mit dem lächelnden kleinen, dunkelhäutigen Mädchen vor dem Hintergrund der Stadt Köln wirkt optimistisch, weckt Leselust und stimmt auf das Buch ein. Helga und ihr Bruder Jürgen leben 1954 auf dem Weingut von Tante Claire und Onkel Albert in Frankreich. Da erreicht sie die Nachricht, dass ihr Vater aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt ist. Sie begeben sich zurück nach Köln und leben mit dem Vater und der hartherzigen Tante Meta in einem Haus. Der Vater verkauft in einem Büdchen Zeitschriften, Kaffee und Süßigkeiten, während Bruder Jürgen eine Tätigkeit bei Ford beginnt. Helga lernt Fanny kennen, die ihrem Vater zur Hand geht und später im Haus eine Milchbar eröffnet. Helga, die sich sehnlichst wünscht, ein Gymnasium zu besuchen, wird auf eine Haushaltungsschule geschickt. Während eines Praktikums im katholischen Waisenhaus wird sie Zeugin, wie brutal Kinder, vor allem das farbige Mädchen Bärbel, dort behandelt werden. Sie beschließt, die Kinder mit allen ihr möglichen Mitteln zu schützen.

Die Autorin Lilly Bernstein entführt die Leser in ihrem neuen Roman „Findelmädchen – Aufbruch ins Glück“ in das Jahr 1955, nach Köln. Voller Empathie, bildhaft und ausdrucksstark schildert sie das Schicksal von Helga und ihrem Bruder Jürgen, die nach langer Zeit der Suche durch das Rote Kreuz wieder bei ihrem aus dem Krieg heimgekehrten Vater leben. So glücklich Helga darüber ist, sie muss sich den strengen gesellschaftlichen Konventionen dieser Zeit beugen. Ihr Vater duldet nicht, dass sie ihren sehnlichsten Wunsch erfüllen kann, den Besuch eines Gymnasiums. Auch der Aufenthalt in der Milchbar ihrer Freundin Fanny wird nicht gerne gesehen. Stattdessen lernt Helga die furchtbaren Bedingungen und die Brutalität in einem Waisenhaus kennen. Vor allem das farbige Besatzerkind Bärbel wird menschenunwürdig behandelt und muss schlimme Strafen ertragen. Es ist völlig unverständlich, wie derartiges in den 1950-er Jahren noch möglich sein konnte. Die Vorurteile der Gesellschaft gegenüber farbigen Kindern wird durch die Autorin besonders herausgearbeitet. Zugleich kommt im Roman am Beispiel von Konradin und seiner Großmutter Auguste zum Ausdruck, wie zehn Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges noch Flüchtlinge aus den Ostgebieten verachtet wurden. Allen Widrigkeiten zum Trotz bleibt Helga optimistisch, sucht nach Lösungen und geht ihren Weg unbeirrt weiter. Dank des flüssigen Schreibstils befindet sich der Leser sofort mitten im Geschehen, wozu auch die in Kursivschrift aufgeführten Tagebuchaufzeichnungen beitragen. Für diesen berührenden Roman vergebe ich fünf Sterne und spreche eine Kaufempfehlung aus.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.05.2022

Sommerfeeling am Müggelsee

Die Freundinnen vom Strandbad (Die Müggelsee-Saga 1)
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Bereits das freundliche und ansprechend gestaltet Cover vermittelt fröhliche Stimmung und macht Lust auf Sommer und Strandbad.

Die Erzählung beginnt im Sommer des Jahres 1956 im Strandbad am Müggelsee ...

Bereits das freundliche und ansprechend gestaltet Cover vermittelt fröhliche Stimmung und macht Lust auf Sommer und Strandbad.

Die Erzählung beginnt im Sommer des Jahres 1956 im Strandbad am Müggelsee und hat die Erlebnisse, Träume und Erwartungen der Freundinnen Martha, Bettina und Clara zum Inhalt. Bislang kannten sich die Schülerinnen nur vom Sehen, als ein Badeunfall die drei näher zusammenbringt. Bald darauf werden sie enge Freundinnen. Aufgewachsen in unterschiedlichen Verhältnissen teilen sie nun ihre Erwartungen und Träume miteinander. Die rebellische Clara kann sich mit dem SED-Regime nicht arrangieren, während Betty sich in einen linientreuen Regisseur verliebt und Martha sich aktiv in der FDJ angagiert. Bald ist es vorbei mit der Idylle im Strandband, als in Berlin der Bau der Mauer erfolgt. Jede der Freundinnen muss nun eine eigene Entscheidung treffen und ihre Freundschaft wird auf eine Bewährungsprobe gestellt.

Der Roman von Julie Heiland beginnt amüsant, der Leser befindet sich sofort mitten im Geschehen. Anhand der bildhaften Erzählung kann ich mir gut die Stimmung im Strandbad vorstellen, sehe Uschis Kiosk vor mir, kann die gute Laune der drei Freundinnen nachempfinden. Der Roman ist in einzelne Kapitel aufgeteilt, worin Martha, Clara und Betty abwechselnd zu Wort kommen. Die Lebensweise der Menschen in Ostdeutschland als ein Teil der Zeitgeschichte wird widergespigelt. Am Beispiel Claras und ihrer Familie wird deutlich, welchen Repressalien Andersdenkende in der DDR ausgesetzt waren. Dazu trägt die Weigerung Claras, der FDJ beizutreten, wesentlich bei. Sie verbaut sich dadurch ihre Zukunft. Im Gegensatz dazu steht Martha, Tochter von priveligierten SED-Mitgliedern und überzeugtes FDJ-Mitglied. Betty befindet sich mehr in der Mitte, ist aber alles andere als eine Rebellin. Dennoch werden alle drei Freundinnen, ob diese Freundschaft hält, muss sich nach dem Mauerbau herausstellen. Völlig überzeugen konnten mich die Darstellungen nicht, einiges wirkte konstruiert und einige Passagen waren langatmig. Ich vergebe für das Buch dennoch vier Sterne und spreche eine Kaufempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 27.03.2022

Der dritte Fall für Polizeiärztin Magda Fuchs

Polizeiärztin Magda Fuchs – Das Leben, ein wilder Tanz
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Die Polizeiärztin Magda Fuchs ist mittlerweile mit ihrem Kollegen, Kommissar Kuno Mehring, glücklich verheiratet. Im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen wird Magda als Polizeiärztin manchmal in seine ...

Die Polizeiärztin Magda Fuchs ist mittlerweile mit ihrem Kollegen, Kommissar Kuno Mehring, glücklich verheiratet. Im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen wird Magda als Polizeiärztin manchmal in seine Ermittlungen einbezogen. So auch im Fall einer schwer verletzten Frau, die von Magda untersucht wird und wenig später stirbt. Es stellt sich heraus, dass die Tote eine Millionärin war, die in den höchsten Berliner Kreisen verkehrte. Als Magda und Kuno Nachforschungen anstellen, geraten beide in Lebensgefahr. Selbstverständlich forscht Magda immer noch intensiv nach dem vor vielen Jahren verschwundenen Otto. Er ist der Bruder von Elke, der Ziehtochter ihrer Schwester. Aber auch Magdas Freundinnen müssen sich schwierigen Herausforderungen stellen.

Der Roman „Polizeiärztin Magda Fuchs – Das Leben, ein wilder Tanz“, ist der dritte und letzte Teil der Trilogie des Autoren-Ehepaars Helene Sommerfeld. In diesem Buch wird das Leben der Menschen im Berlin des Jahres 1924 beschrieben. Im Mittelpunkt der Erzählung stehen die krassen Gegensätze zwischen Arm und Reich in der Hauptstadt. Mit viel Engagement setzten sich Magda und ihre Freundin, die Fürsorgerin Ina, für Prostituierte, aber auch für Straßenkinder ein. Die Protagonistin Celia und ihr Ehemann Edgar leben nach wie vor ein privilegiertes, großbürgerliches Leben, aber die Fassade beginnt zu bröckeln. Am Zusammenleben zwischen Celia und ihrer Schwiegermutter werden die strengen gesellschaftlichen Regeln dieser Zeit und der Standesdünkel deutlich. Celia ist aber eine starke Persönlichkeit, die dennoch den Willen hat, eigene Wege zu gehen. Auch im letzten Teil der Trilogie begegnen wir starken Charakteren, den Autoren ist wiederum ein fesselndes Zeitporträt gelungen und die Spannung kommt nicht zu kurz. Ich vergebe fünf Sterne und spreche eine Kaufempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 21.02.2022

Unheimliche Ereignisse

Violas Versteck (Tom-Babylon-Serie 4)
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Das dunkel und mysteriös gestaltete Cover ist perfekt auf den Inhalt des Buches abgestimmt.

In Berlin sterben zwei junge Menschen bei dem Versuch, einem älteren Mann das Leben zu retten. Der ...



Das dunkel und mysteriös gestaltete Cover ist perfekt auf den Inhalt des Buches abgestimmt.

In Berlin sterben zwei junge Menschen bei dem Versuch, einem älteren Mann das Leben zu retten. Der Berliner Kriminalbeamte Tom Babylon befindet sich verletzt in einem Londoner Krankenhaus. Er kann sich aber nicht an den Vorfall erinnern. Er soll ohne Bekleidung in einem Müllcontainer gefunden worden sein. Zwischendurch träumt Tom immer wieder von seiner Schwester Viola. Später erfährt er von der behandelnden Ärztin, dass er nicht mehr beim Landeskriminalamt arbeitet, seine Wohnung gekündigt und sein Familie ausgezogen ist. Kaum geht es ihm besser, flüchtet Tom aus dem Krankenhaus. Er begibt sich an den Ort, wo er aufgefunden wurde und gerät ganz schnell in neue Schwierigkeiten und später in Lebensgefahr.

Zeitgleich begibt sich Dr. Sita Johanns, Psychologin beim LKA und Toms Kollegin, zu einer abgelegenen forensischen Klinik im Allgäu. Dort sitzt iherer beider ehemaliger Vorgesetzter, Dr. Walter Bruckmann ein. Ihn macht Tom für das Verschwinden seiner Schwester und den Tod seines Vaters verantwortlich. Sita soll in Toms Auftrag Kontakt zu Bruckmann aufnehmen. Zu diesem Zweck sucht sie Hilfe bei dem Direktor der Klinik, Prof. Forsberg, der sich eigenartig verhält.


Die Erzählung ist in zwei Handlungsstränge aufgeteilt: Tom befindet sich in London, Sita im Allgäu. Später kehren beide nach Berlin zurück. Einzelne Kapitel sind in Kursivschrift verfasst, was das sowohl das Lesen als auch das Zurechtfinden in den Geschehnissen erleichtert. Die Tatsache, dass Viola immer wieder als Vision im Kopf von Tom herumspukt, ist sehr gewöhnungsbedürftig. Tom hält Zwiesprache mit ihr, er scheint davon regelrecht besessen zu sein. Zwischendurch werden Teile der Kindheit Violas eingeblendet. Sympathisch war mir eigentlich nur die Protagonistin Sita, die wirklich sehr viel für Tom riskiert hat. Der Schreibstil ist flüssig, die Erzählung geht in rasanter Folge weiter. Spannung wird dabei sehr schnell aufgebaut. Marc Raabe führt zwar die verschiedenen Handlungsstränge am Ende zusammen. Dennoch bleiben einige Details ungeklärt und zum Ende des Romans nimmt die Spannung leider etwas ab. Ich vergebe für das Buch vier Sterne und spreche eine Kaufempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 03.01.2022

Emma´s größte Herausforderung

Die Frauen von Schönbrunn (Die Schönbrunn-Saga 1)
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Bereits das schöne und passend zur Erzählung gestaltete Cover hat mir sehr zugesagt. Die Leseprobe selbst hat diesen Eindruck nochmals verstärkt.

Beate Maly nimmt ihre Leser wieder einmal mit ...

Bereits das schöne und passend zur Erzählung gestaltete Cover hat mir sehr zugesagt. Die Leseprobe selbst hat diesen Eindruck nochmals verstärkt.

Beate Maly nimmt ihre Leser wieder einmal mit auf eine spannende historische Reise. Sie entführt uns zurück in den Juli des Jahres 1914, nach Wien und in den Tierpark Schönbrunn. Emma ist glücklich, dort eine Stelle antreten zu können. Sie teilt ihre Liebe zu Tieren mit ihrem Vater Karl, einem Veterinärmediziner. Aber am Himmel ziehen dunkle Wolken auf, an diesem Tag tritt Österreich in den 1. Weltkrieg ein. Drei Jahre später, im November 1917 herrscht nicht nur für die Wiener Bevölkerung Hungersnot, auch für die Tiere ist kaum noch Futter verfügbar. Emma übernimmt unter erschwerten Bedingungen immer mehr Verantwortung im Tiergarten, zudem muss sie sich um ihre schwangere Schwester kümmern. Der an der Front verletzte Tierarzt Julius Winter wird in den Tierpark versetzt und unterstützt Emma bei der Versorgung der Tiere nach Kräften. Dabei müssen beide gegen viele Widerstände kämpfen. Aber auch privat nähern sich Emma und Julius immer mehr an.

Erneut stehen in der berührend und bildhaft geschriebenen Erzählung starke Frauen im Mittelpunkt. Der Leser befindet sich sofort mitten im Geschehen, der Schreibstil ist flüssig, es wird sofort Spannung erzeugt. Beate Maly hat ihren Roman vor dem Hintergrund des 1. Weltkrieges angelegt, dessen Auswirkungen neben der Zivilbevölkerung Wiens auch den Tieren des Zoos Schönbrunn und deren Betreuer hart zusetzen. Die Rationen der Tiere müssen drastisch gekürzt werden, oftmals bekommen sie nur verdorbenes Futter. Obwohl die Bevölkerung selbst Hunger leidet, besuchen etliche Menschen weiter die Menagerie. Die Autorin beschreibt eindrucksvoll, wie sehr die Tiere den Menschen, vor allem Kinden, in dieser schrecklichen Zeit ein Gefühl von Normalität und Hoffnung vermitteln. Emma, aber auch ihre Schwester Greta, Julius sowie weitere Zoomitarbeiter sind sympathisch und sehr überzeugend dargestellt. Ich habe gemeinsam mit ihnen um die Tiere gebangt, ihren Mut und ihre Entschlossenheit bewundert, aber auch Anteil am Privatleben der Protagonisten genommen. Von den Tieren haben mich am meisten Oran-Utan Dame Fanny und Hund Maxl beeindruckt. Nachdem ich bereits einige Romane von Beate mit Begeisterung gelesen habe, war ich auch von dieser emotional gestalteten Erzählung begeistert. Ich vergebe fünf Sterne und spreche eine Kaufempfehlung aus.

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