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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.07.2026

Muffins für die Massen

Gemeinsam vegan
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Carlotta Perego, die in Italien unter dem Namen „Cucina botanica“ vegane Rezepte im Internet veröffentlicht, wird mit diesem Kochbuch auch dem deutschen Publikum zugänglich gemacht.
In der Einleitung erzählt ...

Carlotta Perego, die in Italien unter dem Namen „Cucina botanica“ vegane Rezepte im Internet veröffentlicht, wird mit diesem Kochbuch auch dem deutschen Publikum zugänglich gemacht.
In der Einleitung erzählt sie ihre persönliche Geschichte, was passend und authentisch wirkte. Danach folgen Tipps zum Umgang mit Argumenten gegen den Veganismus sowie Anregungen, wie Treffen mit Freunden oder Familie gestaltet werden könnten. Das empfand ich als zu ausführlich, schließlich habe ich zu einem veganen Kochbuch gegriffen und meine eigenen Erfahrungen gemacht.
Auch die Listen verschiedener Zutaten, unterteilt in „Leicht zu finden…“ (Tomaten), „Vielleicht auch…“ (Gurken) und „Unterschätzt nicht…“ (Kohlrabi) schienen etwas belanglos. Für die deutsche Ausgabe hätte ich mir stattdessen Anpassungen der italienischen Zutaten (Mehl Type 0) oder zumindest Erklärungen (Stracchino) gewünscht. Bei der hohen Wahrscheinlichkeit, diese durch hier gebräuchliche Alternativen ersetzen zu müssen, wären Hinweise zur Wirkung hilfreich gewesen.
Doch mir geht es ums Kochen, also schauen wir auf die Rezepte. Diese sind in die Kapitel „Gemeinsam beim Aperitivo“, „Gemeinsam bei Tisch“ und „Gemeinsam naschen“ gegliedert – eigentlich eine gute Systematik, auch wenn ich einige Speisen anders einsortiert hätte. Die Ideen und ganzseitigen Fotos inspirieren mich jedenfalls dazu, neue Rezepte auszuprobieren.
Mein erster Kochversuch, Kichererbsen-Muffins mit buntem Gemüse, ist ein wenig eskaliert: Die für vier Personen angegebenen und von mir bereits reduzierten Zutaten ergaben eine wahnsinnige Menge. So kam ich nicht darum herum, einen Großteil einzufrieren und später meine Kollegen damit zu versorgen. Das Gute daran: So kann ich nicht nur meine eigene Meinung zum Ergebnis wiedergeben. Gelobt wurden die Fluffigkeit („Liegt das an den Eiern?“) und der Geschmack. Letzterer geht allerdings auf mein Konto, denn das Rezept kommt außer mit Salz ohne weitere Gewürze aus, so dass ich improvisiert habe. Herausgekommen ist somit ein überzeugendes Ergebnis bei erfreulich einfacher Zubereitung.
Meine Kritik bezieht sich vor allem auf Punkte, die ein sorgfältiges Lektorat hätte ausmerzen können. Die Lust, Carlottas vegane Küche weiter auszuprobieren, bleibt davon jedoch unberührt.

Veröffentlicht am 26.07.2026

Sommerfrische

Gut bei Hitze
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Die brauchen wir im Moment doch alle: „Gerichte, die schnell gemacht und leicht verdaulich sind, viel saftige Frische bringen und so abgeschmeckt sind, dass sie auch bei hohen Temperaturen Lust aufs Essen ...

Die brauchen wir im Moment doch alle: „Gerichte, die schnell gemacht und leicht verdaulich sind, viel saftige Frische bringen und so abgeschmeckt sind, dass sie auch bei hohen Temperaturen Lust aufs Essen machen“, verteilt auf die Kapitel „Zum Trinken“, „Kaltes“, „Warmes“ und „Süßes“, bei einer größtenteils veganen oder vegetarischen Auswahl.
Katharina Seiser besticht durch ihren Humor und ihr Wissen. In diesem Kochbuch stellt sie nicht nur Rezepte vor, die sommerliche Frische auf den Tisch bringen, sondern liefert neben ausführlichen Anleitungen auch Produktinformationen und zahlreiche Abwandlungsideen.
Ein wenig schrecke ich vor einigen Vorschlägen wie Kefir oder Fermentation zurück, bei denen über mehrere Tage etwas passiert, das ich nicht so recht steuern kann. Dafür fühle ich mich inspiriert, einmal selbst Eistee zuzubereiten, unbedingt kalte Suppen in mein Repertoire aufzunehmen oder die Ratatouille beim nächsten Mal einfach dem Ofen zu überlassen.
Der Sommer dauert noch ein bisschen, daher freue ich mich aufs Ausprobieren und empfehle schon jetzt „Gut bei Hitze“.

Veröffentlicht am 19.07.2026

Die falsche Verpackung

Insel der Ratten
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In den Wirren einer Welt nach einer Pandemie, in der es den Menschen vor allem ums Überleben geht, verschwindet eine Frau. Ihr Vater sinnt nach Rache und versucht gleichzeitig, dem Gesetz zu folgen, um ...

In den Wirren einer Welt nach einer Pandemie, in der es den Menschen vor allem ums Überleben geht, verschwindet eine Frau. Ihr Vater sinnt nach Rache und versucht gleichzeitig, dem Gesetz zu folgen, um den Entführer zu überführen.
Mit 208 Seiten beziehungsweise 4,5 Hörstunden fällt „Insel der Ratten“ vergleichsweise kurz aus. Ursprünglich erschien die Geschichte in einem Erzählband. Vielleicht erklärt das nicht nur den knappen Umfang, sondern auch, warum sich der typische Nesbø-Sog für mich nicht ganz entfaltet.
Dennoch bleibt der Autor sich treu, schafft authentisch wirkende Szenarien und lässt in Konfliktsituationen die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Obwohl der Schwerpunkt auf ethischen Fragen und zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen liegt, scheut er sich nicht, Handlungen in aller Brutalität zu schildern: „Ich wollte, dass das Einschussloch ein gleichwinkliges Dreieck mit den Augen bildete.“ Der Wechsel der Sprecher passt dabei gut zu den unterschiedlichen Blickwinkeln.
In meinen Augen liegen die Defizite des Buchs in seiner Vermarktung als Roman. Als Teil einer Sammlung weiterer Erzählungen hätte es andere Erwartungen geweckt und ein stimmigeres Gesamtbild ergeben.

Veröffentlicht am 05.07.2026

Zwischen Theorie und Praxis

FamilienFIRE und andere Triggertage – Wie du weich landest, wenn du in alte Beziehungsmuster zurückfällst.
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„Wenn dir ein geliebter Mensch in schwierigen Momenten ruhig zuhört, ohne dich zu unterbrechen oder zu bewerten, dann reguliert er dein Nervensystem mit.“ Dieses Buch verbindet psychologische Grundlagen ...

„Wenn dir ein geliebter Mensch in schwierigen Momenten ruhig zuhört, ohne dich zu unterbrechen oder zu bewerten, dann reguliert er dein Nervensystem mit.“ Dieses Buch verbindet psychologische Grundlagen mit praktischen Tools zum Erkennen, Verwandeln und Bewahren familiärer Dynamiken.
Im theoretischen Teil, der etwa die Hälfte des Buchs einnimmt, geht es um Bindung, Trauma und Rituale. Die Psychologin illustriert wissenschaftliche Erkenntnisse anhand von Fallbeispielen und eröffnet den Leser:innen damit neue Perspektiven auf die eigene Familiengeschichte. Ihr Schreibstil ist seriös und gut verständlich.
Die „Tools“ wirken größtenteils wie Trockenübungen (schreibe auf, markiere farbig usw.), während ich mir mehr Situationsanalysen gewünscht hätte: Jemand sagt oder tut etwas – was löst das aus, wie reagiere ich darauf? Schließlich geht es darum, auf typische Auslöser nicht reflexhaft anzuspringen, sondern Grenzen zu setzen oder Situationen zu entschärfen. Wie verhalte ich mich beispielsweise in einem Konflikt auf Distanz, ohne dass sich die inneren Kinder der Beteiligten austoben?
Ich hadere auch mit der „Verpackung“ dieses wichtigen Themas. Selbst als Liebhaberin von Alliterationen finde ich den Titel nicht gelungen, weil er weder auf den Inhalt schließen lässt noch die Mischung aus englischen und deutschen Begriffen stimmig wirkt. Auch das große Format empfinde ich als unpraktisch, weil sich meine Klebezettel den richtigen Spalten nur schwer zuordnen lassen.
Ich nehme Impulse mit und möchte mich weiter mit dem Buch beschäftigen, habe beim ersten Lesen jedoch nicht alles gefunden, was ich erwartet hatte.

Veröffentlicht am 20.06.2026

Drei Wahrheiten

Geschwister
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Zum dritten Mal beleuchtet Moa Herngren in einem Roman die Dynamik innerhalb einer Familie, diesmal die zwischen drei Geschwistern. Der Tod ihres Vaters bringt lange Unausgesprochenes an die Oberfläche ...

Zum dritten Mal beleuchtet Moa Herngren in einem Roman die Dynamik innerhalb einer Familie, diesmal die zwischen drei Geschwistern. Der Tod ihres Vaters bringt lange Unausgesprochenes an die Oberfläche und sorgt für Spannungen. „Und Andrea begreift, dass niemand - nicht einmal Papa mit seinem Superkleber - das hier je wieder richten könnte.“
Ulrika, Andrea und Rasmus kommen in den ihnen gewidmeten Abschnitten in Erinnerungen als auch in der Gegenwart selbst zu Wort. Dadurch relativieren sich die Ansichten Andreas, die auf den ersten 300 Seiten den größten Raum einnehmen. Der perfektionistischen Andrea stehen Freigeist Ulrika und der angepasste Rasmus gegenüber. Und auch die elterliche Prägung wird durch Szenen mit Mutter oder Vater greifbar.
Die Autorin schafft es, mit alltäglichen Situationen zu fesseln: Da sind Herausforderungen, die bewältigt werden müssen, Begegnungen zwischen den Familienmitgliedern und die jeweils sehr persönlichen Kommentare zum Geschehen. So entsteht in klarer Sprache das detaillierte Bild einer Familie voller Konflikte und Verletzungen. Das hat mich sogar noch mehr beeindruckt als „Schwiegermutter“, und nach „Scheidung“ werde ich nun unbedingt Ausschau halten.