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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.11.2018

Humor und Harmonie

Signor Rinaldi kratzt die Kurve
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Der 80-jährige Pietro Rinaldi plant seinen Selbstmord. Doch dann bringt ihn eine unerwartete Reise mit seinem Enkel dazu, sein Leben noch mal mit anderen Augen zu betrachten.
Der Protagonist und Ich-Erzähler ...

Der 80-jährige Pietro Rinaldi plant seinen Selbstmord. Doch dann bringt ihn eine unerwartete Reise mit seinem Enkel dazu, sein Leben noch mal mit anderen Augen zu betrachten.
Der Protagonist und Ich-Erzähler ist kein Menschenfreund, und so sprühen seine Kommentare vor Zynismus und Eigensinn. Selbst ihn verehrende Leser, denn er ist Autor, widern ihn an.
In seiner Entwicklung zeigt er zunehmend Gelassenheit angesichts manch ungewöhnlichen Zwischenfalls und beschert uns noch Lebensweisheiten im Stil von: „Manchmal ist es das Beste, sich Stille zu verordnen und abzuwarten, denn was einem heute fast unerträglich vorkommt, ist morgen meist schon unbedeutend: eine verlorene Rassel mit zwanzig statt mit zwei.“
Auch wenn sich die Handlung zum Teil erahnen lässt, kann das Buch überraschen und erheitern. Bitterböser Humor gepaart mit Harmonie ist hier die Kombination, die mitreißt.

Veröffentlicht am 24.11.2018

Zurück in die Wanne

Ketchup, Kult und Kino-Küsse
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„Ketchup, Kult und Kino-Küsse“ ist ein Quiz mit 33 Fragen zum Thema Filme.
In badewannentauglichem Kunststoff und knalloranger Farbe mutet es äußerlich wie ein Kinderbuch an, doch der Inhalt hat es in ...

„Ketchup, Kult und Kino-Küsse“ ist ein Quiz mit 33 Fragen zum Thema Filme.
In badewannentauglichem Kunststoff und knalloranger Farbe mutet es äußerlich wie ein Kinderbuch an, doch der Inhalt hat es in sich. Merkt man mancher lustigen Antwort noch an, dass es sich um die falsche handeln muss, bringen andere Optionen durchaus die Gehirnwindungen zum Glühen. Außerdem ist durch die Erinerung an alte Zeiten - von Psycho über E.T. bis zu Dirty Dancing sind die Klassiker vertreten - Spaß in der Badewanne garantiert. Neben der Auflösung gibt es vor dem Abtrocknen noch eine Einstufung in die Ränge der Filmquizstars. Doc, wir müssen zurück, zurück in die Wanne!

Veröffentlicht am 18.11.2018

Schönes Ziegenleben

Die Ziege auf dem Mond
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Eine Ziege lebt auf dem Mond ganz allein. Sie begutachtet die Dinge, die mit der Zeit dort gelandet sind und denkt über ihr Leben nach.
Unsere Protagonistin ist ziemlich entspannt und genießt ihr Dasein. ...

Eine Ziege lebt auf dem Mond ganz allein. Sie begutachtet die Dinge, die mit der Zeit dort gelandet sind und denkt über ihr Leben nach.
Unsere Protagonistin ist ziemlich entspannt und genießt ihr Dasein. „...und wenn man den halben Tag im Mondstaub liegen und dem Flüstern der Sterne zuhören wollte, dann könnte man das. Einfach, weil man die Ziege war.“ Sie hat einen geregelten Tagesablauf, der mit einem guten Frühstück beginnt und mit einer Entdeckungstour weitergeht, bis etwas Besonderes außergewöhnliche Maßnahmen erfordert.
Das Buch ist ein Kinderbuch, enthält aber durchaus Anspielungen, mit denen eher der erwachsene (Vor-)Leser etwas anfangen kann. Bestechend für beide Zielgruppen sind die detailreichen Illustrationen, die Phantasie und Wirklichkeit der Ziegenwelt widerspiegeln. Ich habe die Ziege (aufgrund ihrer eigenwilligen Art) und das Büchlein (seiner Aufmachung wegen) schnell in mein Herz geschlossen.

Veröffentlicht am 11.11.2018

Weder Fisch noch Fleisch

Die Richterin und die Tote vom Pont du Gard
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Auf die Untersuchungsrichterin Mathilde wird ein Anschlag verübt. Vom Krankenbett aus nimmt sie die Ermittlungen auf.
Eine weitere Rolle spielt der Reisebuchautor Martin, der neben regionalen Besonderheiten ...

Auf die Untersuchungsrichterin Mathilde wird ein Anschlag verübt. Vom Krankenbett aus nimmt sie die Ermittlungen auf.
Eine weitere Rolle spielt der Reisebuchautor Martin, der neben regionalen Besonderheiten etwas über einen Unfall seiner Großeltern herauszufinden versucht. Schließlich verstricken sich die Handlungsstränge um die Ermittlungen im Umfeld eines Pädophilen-Rings mit aktuellen Morden in Mathildes Dorf und der Vergangenheit.
Bei mir entstand der Eindruck, dass es der Autorin ähnlich ging wie ihrer Romanfigur Martin, der „einfach zu viel in diesen Reiseführer packen wollte“. Die Beschreibungen französischer Landstriche wirken aufgesetzt, statt die Handlung zu ergänzen. Der Anschlag, der die Hauptfigur hätte erschüttern müssen, wird kaum mehr erwähnt; stattdessen wird ein Fremder ohne jeglichen Argwohn ihr neuer Vertrauter. Die persönlichen Beziehungen der unzähligen Dorfbewohner sind so präsent, dass die Lösung des Kriminalfalls darüber in den Hintergrund gerät. Somit kann ich diesen Roman weder dem Krimiliebhaber noch dem Frankreichfan empfehlen.

Veröffentlicht am 11.11.2018

Verzerrte Wahrnehmung

Der Vogelgott
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Vier Mitglieder einer Familie kommen mit dem Mythos vom Vogelgott in Kontakt und drohen, darüber ihren Verstand zu verlieren.
Und so fragt sich mancheiner: „Wozu sind wir hier? Welche Rolle spielen wir ...

Vier Mitglieder einer Familie kommen mit dem Mythos vom Vogelgott in Kontakt und drohen, darüber ihren Verstand zu verlieren.
Und so fragt sich mancheiner: „Wozu sind wir hier? Welche Rolle spielen wir in diesem barbarischen Stück, das von den Vogelmännern ersonnen wurde?“. Die Wesen, halb Mensch, halb Vogel, erscheinen den Protagonisten auf unterschiedliche Weise, in Aufzeichnungen, Visionen, Erinnerungen und beeinflussen ihre Wahrnehmung der Realität.
Das Buch liest sich mit einer Mischung aus Faszination für das Übernatürliche und Verwirrung. Ähnlich muss es den Figuren ergangen sein, die ihre Selbstbestimmung verlieren, eine Besessenheit erfahren und nicht mal mehr sich selbst trauen können.
Die Idee zu diesem Roman ist außergewöhnlich, die Sprache ausgefeilt. Und doch bleibt bei mir eine gewisse Unzufriedenheit übrig über das Fragmentarische, die geringe Verknüpfung der Einzelschicksale, den ausbleibenden Aha-Effekt, so als sei ich selber in den Bann des Vogelgotts geraten, der mich daran hindert, alle Informationen ausreichend zu deuten.